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Gegen stereotype Rollenbilder

Filmförderung führt Diversitäts-Checkliste gegen Klischees ein

Um Filmemacher*innen zu mehr Vielfalt in ihren Werken zu bewegen, hat die Filmförderung Hamburg Schleswig-Holstein als bundesweit erste einen verpflichtenden Diversity-Fragebogen eingeführt.


Schwule Klischeefigur in einem der erfolgreichsten deutschen Filme: Michael Herbig als tuntiger Häuptling Winnetouch in "Der Schuh des Manitu" (Bild: Constantin Film)

Die heterosexuelle Ehefrau nur am Herd, der Schwarze oder Rumäne stets verdächtig und der Schwule eine tuntige Witzfigur – Klischees und stereotype Rollenbilder kommen noch immer sehr häufig in deutschen Filmen vor. Dem will die Filmförderung Hamburg Schleswig-Holstein (FFHSH) einen Riegel vorschieben. Deshalb hat sie als erste Filmförderung bundesweit einen verpflichtenden Fragebogen rund um das Thema Diversität entwickelt, die alle Filmemacher*innen für die Beantragung von Fördermitteln ausfüllen müssen.

Dabei gehe es in erster Linie darum, die Drehbuchautor*innen, Produzent*innen und Regisseur*innen auf diesem Gebiet zu sensibilisieren, sagte in Hamburg FFHSH-Geschäftsführer Helge Albers der Deutschen Presse-Agentur.

Je diverser ein Film ist, desto besser ist er meist auch

"Mehr Vielfalt filmen und Geschichten erzählen, die sonst ungehört bleiben: Wir wollen unsere vielfältige, multikulturelle Gesellschaft modern und in all ihren Facetten auf der Leinwand sehen." Es sei "jetzt höchste Zeit, unbewusste Vorurteile und Klischees zu hinterfragen". Deshalb sollen die Filmemacher*innen von nun an Stellung zu den Themen, Rollen und Besetzungen ihres Filmes beziehen.

"Wir wollen verstehen und wissen, warum sie ihre Rollen so besetzt und den Stoff so entwickelt haben, wie sie es getan haben", ergänzte FFHSH-Sprecherin Claudia Hartmann. "Manchmal gibt es ja auch inhaltliche Gründe, warum ein Film nicht divers ist. Die wollen wir aber nachvollziehen können." Der Filmförderung gehe es bei der Entscheidung einer Förderung immer um die Qualität der Stoffe. Die Erfahrung der vergangenen Jahre zeige: Je diverser ein Film ist, desto besser ist er meist auch.

Für FFHSH-Geschäftsführer Albers ist die "Diversity Checklist" ein wichtiger erster Schritt, dem weitere Aktionen folgen müssen. Die FFHSH selbst hat zuletzt eigenen Angaben zufolge ihre Fördergremien geschlechtergerecht und diverser besetzt. Vor einigen Jahren hatte die Filmförderung bereits mit dem grünen Drehpass in der Branche Maßstäbe gesetzt und die Filmemacher*innen für umweltbewusstere Dreharbeiten mit einem grünem Label belohnt. (cw/dpa)



#1 MarcAnonym
  • 30.06.2020, 11:35h
  • Sorry, aber irgendwelche "Checklisten" für Filme, Literatur, Musik oder was auch immer, finde ich nicht nur unsinnig, sondern gefährlich.

    Ja, auch ich wünsche mir mehr Diversität, aber bitte keine Checklisten oder Reinreden in kreative Prozesse.

    Das geht ja schon fast in Richtung indirekte Zensur.
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#2 Ralph
  • 30.06.2020, 11:49h
  • Antwort auf #1 von Marc
  • Da werd ich mal sarkastisch: Wollen wir Filmförderung aus öffentlichen Mitteln für ein Remake von "Jud Süß", "Ohm Krüger" oder ähnlicher Machwerke? - Es geht ja nicht darum, Filme nach Inhalt zu erlauben oder zu verbieten. Aber der Steuerzahler hat einen Anspruch darauf, dass Filme, die eindeutig menschenfeindliche Inhalte transportieren, nicht aus Steuergeldern mitbezahlt werden. Dass Kriterien zur Förderwürdigkeit aufgestellt werden, ist vernünftig.Und Filme, die die eine oder andere soziale Gruppe der Verachtung preisgeben oder herabwürdigen, sind nicht förderwürdig.
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#3 MarcAnonym
  • 30.06.2020, 12:27h
  • Antwort auf #2 von Ralph
  • Also bitte:
    jetzt unterstelle mir doch nicht, meine Position würde Nazi-Filme auch fördern wollen.

    Es ist ein himmelweiter Unterschied zwischen Filmen, die vielleicht nicht irgendwelchen Checklisten genügen und rechten Propaganda-Filmen.

    Nur weil ich keine Checklisten will, heißt das doch nicht, dass ich jetzt alles fördern will.
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#4 seb1983
  • 30.06.2020, 14:11h
  • Antwort auf #3 von Marc
  • Kurz gegoogelt, laut Wikipedia stehen jährlich etwa 15mio Euro zur Verfügung. nuja....

    Im ungleich wichtigeren US Markt sind solche Listen völlig üblich wenn Fördermittel abgegriffen werden sollen. Extrembeispiel ist das US Militär. Da wird für Blockbuster auch gerne mal ein Flugzeugträger nebst Besatzung zur Verfügung gestellt, das Drehbuch dann aber auf Pentagon Linie frisiert.

    Mit ein Grund warum Innovationen in Drehbuch und Produktion von Serien der Streaming Dienste angetrieben werden.
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#5 Ralph
  • 30.06.2020, 15:32h
  • Antwort auf #3 von Marc
  • Na ja... versteh ich das richtig... antisemitische Filme würdest Du auch nicht fördern, bei antischwulen Filmen hättest Du aber keine durchgreifende Bedenken? Drei Beispiele: In einem Film werden Juden als geldgierig und machtgeil dargestellt, in einem zweiten dunkelhäutige Menschen als faul und dumm, in einem dritten Schwule als Kinderschänder. Würdest Du den ersten und den zweiten ablehnen, aber den dritten fördern?
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#6 MarcAnonym
  • 30.06.2020, 18:37h
  • Antwort auf #5 von Ralph
  • Manche Leute sind dermaßen auf Krawall gebürstet, dass sie zwanghaft nach etwas suchen, was sie anderen unterstellen können.

    Wo habe ich denn geschrieben, dass ich Förderung für homophobe Filme will? Aber nicht jeder Film, der keine LGBTI-Rollen hat, ist deshalb gleich homophob.

    Ich will nur nicht, dass das Abhaken von Checklisten über Filmfördermittel entscheidet. Dass rassistische, sexistische, homophobe, etc. Filme nicht gefördert werden sollten, ist doch wohl selbstverständlich. Dafür brauche ich aber auch keine Checklisten. Und ein homophober Film würde übrigens auch mit einem Quotenschwulen nicht besser.
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#7 MarcAnonym
  • 30.06.2020, 18:41h
  • Antwort auf #4 von seb1983
  • 1. Die USA sollte man nicht gerade als Vorbild nehmen. Und am allerwenigsten die Streamingdienste, die jede geschaute Minute auswerten, um genau zugeschnittene Filme und Serien zu machen, die genau auf das zugeschnitten sind, was gut ankommt. Spätestens da sind Filme keine kreativen Kunstwerke mehr, sondern nur noch (ähnlich wie Werbung) am Konsumentengeschmack orientierte, fast automatisiert hergestellte Artefakte, die irgendwann auch per KI komplett automatisch hergestellt werden können.

    2. Ja, wer in den USA gewisse Dinge für seine Filme haben will, muss dafür Gegenleistungen erbringen. Ob man sich als Filmemacher darauf einlässt, muss jeder für sich selbst entscheiden. Aber erstrebenswert ist das nun wahrlich nicht.
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#8 ursus
#9 KunstfreiheitAnonym
  • 01.07.2020, 08:15h
  • Sorry, aber ich will nicht in einem Staat leben, wo Kulturförderung von irgendwelchen Checklisten abhängig gemacht wird.

    Nach dem Motto: Film A hat nur 2 Schwule und 1 Lesbe, Film B aber 2 Schwule und 2 Lesben. Dann ist Film B förderungswürdiger. Halt, nein: die eine Lesbe in Film A ist ja auch noch eine kopftuchtragende Muslimin, dann ist doch wieder Film A förderungswürdiger.

    Kunst und Kultur sind keine Computer, wo man irgendwelche Benchmarks messen oder Anforderungskataloge nutzen kann.

    Natürlich sollten keine homophoben Filme gefördert werden, aber jede Art von Hetze sollte eh verboten sein.
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#10 MarcAnonym
  • 01.07.2020, 08:59h
  • Antwort auf #8 von ursus
  • 1. Zensur wird von denjenigen, die sie veranlassen selten auch so bezeichnet.

    2. Es ist natürlich keine direkte Zensur, in dem Sinne, dass Dinge verboten werden. Aber indirekt schon, wenn dann Filmemacher ihre Ideen anpassen, um auch Fördermittel zu bekommen.

    3. Zu Beginn wird sowas meistens sehr weich formuliert und wenn es erst mal etabliert ist, neigt man dazu, es auf einmal verpflichtend zu machen. Bestes Beispiel ist die Kennzeichenerfassung für die LKW-Maut. Anfangs wurden alle Datenschutzbedenken damit weggewischt, dass man das niemals und auch in 100 Jahren nicht für irgendwas anderes als den geplanten Zweck nutzen würde. Und sobald es etabliert war, kamen dann Stück für Stück immer neue Wünsche dazu und es wurde immer weiter ausgeweitet. Sowas nennt man Salami-Taktik.
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