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Erinnerung an Opfer der Nazi-Herrschaft

Wien: Britischer Künstler gewinnt Ausschreibung für Homo-Mahnmal

Jetzt ist klar, wie das geplante Denkmal aussehen soll, das an die Verfolgung Homosexueller während des Nazi-Regimes erinnern soll.


Der Siegerentwurf von Marc Quinn soll in Kürze im Resselpark gebaut werden (Bild: Marc Quinn)

Am Mittwochvormittag wurde der Siegerentwurf für das Denkmal für die Männer und Frauen, die Opfer der Homosexuellen-Verfolgung in der NS-Zeit wurden, im zentral gelegenen Wiener Resselpark präsentiert. Der 1964 geborene britische Künstler Marc Quinn ging mit seinem Entwurf als Gewinner hervor. Eine 16-köpfige Jury hat das Projekt des Briten, der u.a. für die Skulptur "Alison Lapper Pregnant" verantwortlich zeichnet, ausgewählt. Der Entwurf zeigt zwei Paare zärtlich aufeinander liegender Hände – einerseits von zwei Männern, andererseits von zwei Frauen.


Quinns bislang bekanntestes Werk "Alison Lapper Pregnant" auf dem Londoner Trafalgar Square (Bild: "Brian Robert Marshall / wikipedia)

Dem Wettbewerb ging ein großangelegter Beteiligungsprozess und fachlicher Diskurs unter Beteiligung der LGBTI-Community voraus. Ausgelobt worden war der Wettbewerb von der Wiener Antidiskriminierungsstelle für gleichgeschlechtliche und transgender Lebensweisen (WASt) und der Kunst im öffentlichen Raum Wien GmbH (KÖR). Am Ende wählte die Jury unter sieben Entwürfen aus.

Mahnmal ist "Absage an jegliche Form von Homophobie"

"Ein permanentes Denkmal für homosexuelle Opfer des Nationalsozialismus ist ein wichtiges und notwendiges Zeichen der Anerkennung und Würdigung im öffentlichen Raum", erklärte die parteilose Kulturstadträtin Veronica Kaup-Hasler. Das Denkmal symbolisiere auch "die Absage an jegliche Form von Homophobie und erinnert daran, für Menschenrechte einzustehen, wenn sie in Gefahr sind".

Gemeinderat Peter Kraus (Grüne) ergänzte, dass Opfer der Homosexuellenverfolgung in der NS-Zeit viel zu lange unsichtbar geblieben seien. "Nach vielen Jahren temporärer Projekte schafft nun das permanente Denkmal die historisch notwendige Sichtbarkeit und Erinnerung an das dunkelste Kapitel unserer Geschichte", so Kraus.

Twitter / peterkraus

"Größte Brutalität im Augenblick liebevoller Berührung"

Die Jury lobte den Siegerentwurf in höchsten Tönen: "Marc Quinns Skulptur bildet den Moment einfachster und elementarster zwischenmenschlicher Berührungen ab", heißt es in der Begründung. "Die Händepaare scheinen an den Handgelenken wie abgehackt und vermitteln dadurch größte Brutalität im Augenblick liebevoller Berührung. Der Entwurf reflektiert diese Ambivalenz in ästhetischer Klarheit und beeindruckt sowohl auf intellektueller wie auch auf emotionaler Ebene." Durch die verspiegelten Schnittflächen der Handgelenke und der Tischplatte werde der oder die Betrachtende Teil des Kunstwerks und komme "nicht umhin, sich mit den dargestellten Thematiken der gleichgeschlechtlichen Liebe und ihrer Verfolgung auseinander zu setzen".

Auch LGBTI-Aktivist*innen zeigten sich zufrieden: "Wir freuen uns sehr, dass endlich ein würdiges und vor allem permanentes Mahnmal errichtet wird, das an die schwulen, lesbischen und bisexuellen Opfer der NS-Terrorherrschaft erinnert", erklärte Markus Steup von der Homosexuellen Initiative (HOSI) Wien. "Damit wird eine jahrzehntelange Forderung der HOSI Wien und der LGBTIQ-Community erfüllt: ein von öffentlicher Seite errichtetes Mahnmal zum Gedenken der Opfer der NS-Homosexuellenverfolgung. Diese öffentliche Anerkennung ist besonders wichtig, denn gerade homosexuelle Opfer wurden auch nach Kriegsende noch jahrzehntelang totgeschwiegen, noch viel weniger entschädigt."

Twitter / MoritzYvon

Das Projekt wird von der Stadt Wien und dem Nationalfonds der Republik Österreich für Opfer des Nationalsozialismus unterstützt. Als Gesamtbudget stehen für den Wettbewerb und die Realisierung des Siegerentwurfs 300.000 Euro zur Verfügung.

In der deutschen Hauptstadt Berlin ist bereits ein Mahnmal eingeweiht worden, das an die schwulen und lesbischen Opfer der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft erinnert (queer.de berichtete). Das Denkmal ist ein 3,60 Meter hoher und 1,90 Meter breiter Betonquader. Durch eine verglaste Öffnung ist ein kurzer Film mit gleichgeschlechtlichen Kusssequenzen zu sehen. In den letzten Jahren sorgte das Mahmal immer wieder für Schlagzeilen, weil es durch Vandalismus beschädigt wurde (queer.de berichtete). Deshalb wurde letztes Jahr eine Überwachungskamera installiert (queer.de berichtete). (pm/dk)



#1 queergayProfil
  • 02.07.2020, 00:37hNürnberg
  • Die abgetrennten Hände erinnern mich auch an entsprechende Strafaktionen nach islamischem Scharia-Recht.
    Wirklich ein gelungenes Mahnmal für die Welt.
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#2 FilipProfil
  • 02.07.2020, 10:28hHamburg
  • Ich finde den Entwurf auch sehr gelungen.
    In dem Park war ich letztes Jahr. Muss ich mir beim nächsten Besuch dann noch einmal anschauen.
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