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Free-TV-Premiere

Six-Pack-Parade am Strand

Im Zentrum von "Beach Rats" steht der hübsche Frankie, den sich die attraktive Simone gerne angeln möchte. Doch Frankie sucht lieber heimlich Sex mit älteren Männern. Heute um 23.25 Uhr bei "rbb QUEER"!


Frankies Macho-Kumpels, mit denen er tagsüber am Strand abhängt, dürfen nicht wissen, dass er auf Männer steht (Bild: Edition Salzgeber)

Regisseurin Eliza Hittman samt Kamerafrau Hélène Louvart hatten sichtlich Spaß, die Six-Pack-Bodys ihrer kurzgeschorenen, testosterontriefenden Teenager-Macho-Gang beim Dolce Vita am sonnigen Strand von Coney Island genüsslich abzulichten. Chillen, kiffen, coole Sprüche klopfen: Das Gras ist das Ziel! In Sundance gab's dafür prompt den Regie-Preis.

"Ich weiß nicht, was ich will!", antwortet Frankie (Harris Dickinson) auf die Frage nach seinen sexuellen Vorlieben. Wieder einmal ist er heimlich auf der schwulen Dating-Seite "Brooklyn Boys" unterwegs. Vorzugsweise klickt er dort die Profile von älteren Männern an. Viel Überredungskunst bedarf es nicht, bis der Teenager zu anonymen Sex-Treffen bereit ist. Im nächtlichen Park oder in billigen Motels geht es nach ein paar Joints schnell zur Sache. Ebenso schnell sind die Begegnungen danach gleich wieder vergessen.

Wird die Coming-of-Age-Geschichte zum Coming-out?


Poster zum Film

Mit seiner neuen Freundin Simone (Madeline Weinstein) sieht die Sache anders aus. Beim Feuerwerk am Strand sind die beiden sich begegnet. "Wie romantisch", schwärmt das attraktive Mädchen. "Es ist das Gegenteil von romantisch", entgegnet ihr Objekt der Begierde. "Dieses Feuerwerk findet hier jede Woche statt." Am Flirt-Erfolg ändert das jedoch nur wenig.

Besonders Frankies Mutter ist glücklich, am Morgen danach endlich einmal ein Mädchen heimlich aus dem Haus laufen zu sehen. "Das ist nicht meine Freundin!", entgegnet der 19-Jährige genervt. Das wird sie aber doch, so leicht lässt Simone ihre hübsche Liebesbeute schließlich nicht vom Haken. So ganz uncool findet Frankie die neue Beziehung nicht, lässt sich bei seinen Kumpels sowie der kleinen Schwester damit doch prima angeben.

Ganz harmonisch läuft das Liebesleben zwar nicht, "Du bist echt eine Bruchbude!" muss er sich als Vorwurf anhören. Egal, seine Sex-Kicks kann sich der Teenager ja nach wie vor mit Klicks im schwulen Chat holen. Erst als die Gras-Vorräte zur Neige gehen, ist neues Handeln gefragt. Das jedoch bringt gravierende Probleme mit sich. Denn nun muss Frankie Flagge zeigen. Wird die Coming-of-Age-Geschichte gar zum Coming-out?

Entspannte Generationsstudie im Stil von Gus van Sant

Einiges an dramaturgischem Potenzial wird von den "Strandratten" sicher verschenkt. Was Figurenzeichnung und Konflikte anlangt, wäre weitaus mehr herauszuholen gewesen. Umgekehrt wirkt der krebskranke Vater, die überfürsorgliche Mutter oder das altkluge Kind wie die stereotype Familienaufstellung einer Seifenoper.

Aber für Autorin und Regisseurin Eliza Hittman gilt als cineastisches Konzept eben vor allem die teilnehmende Beobachtung à la Gus van Sant oder Larry Clarke. Fast dokumentarisch nähert sie sich ihren Akteuren mit grobkörnigen 16mm-Bildern einer nervösen Kamera. Kaum verwunderlich, dass die Idee zum Film von einem Youtube-Video stammt.

Gleichwohl überlässt Hittman bei aller scheinbaren Lässigkeit nichts dem Zufall. Für die vibrierenden Bilder sorgt Hélène Louvart, die schon "Pina" für Wim Wenders fotografierte. Ähnlich unaufdringlich gelingt mit kleinen Federstrichen die Charakterstudie des nach Orientierung suchenden Helden: Sein neidischer Blick auf den ersten Freund der kleinen Schwester. Seine Verwunderung, dass Simone lesbische Liebesbeweise sehr attraktiv findet, zwei küssende Jungs jedoch "nur schwul, und gar nicht sexy". Oder die Überraschung, dass man sexuelle Orientierung eindeutig an der Hand ablesen kann – ein alter Witz, aber immer wieder lustig.

Der talentierte Mister Dickinson

Als gelungener Coup erweist sich die Besetzung des all american boy Frankie mit dem Briten Harris Dickinson. Äußerlich mag der Newcomer wie ein aalglattes Model von Abercrombie & Fitch wirken. Tatsächlich bietet er überzeugend ein schauspielerisches Spektrum vom grobschlächtigen Angeber über den selbstgefälligen Schwätzer bis zum emotional schwer verunsicherten Sensibelchen. Ein bisschen erinnert er damit an seinen Landsmann Eddie Redmayne – für den talentierten Mister Dickinson dürften dieser Strandratten-Auftritt allemal zum Karrierekick geraten.

Direktlink | Offizieller deutscher Trailer zum Film

Infos zum Film

Beach Rats. Spielfilm. USA 2017. Regie: Eliza Hittman. Darsteller: Harris Dickinson, Madeline Weinstein, Kate Hodge, Neal Huff, Nicole Flyus, Frank Hakaj, David Ivanov, Anton Selyaninov, Harrison Sheehan, Douglas Everett Davis, Gabriel Gans, Erik Potempa, Kris Eivers, J. Stephen Brantley. Laufzeit: 95 Minuten. Sprache: englische Originalfassung mit deutschen Untertiteln. Verleih: Edition Salzgeber
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Beach Rats
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#1 HabukazProfil
  • 02.07.2020, 09:35h
  • Eine Frau war bei diesem Film Regisseurin. Folglich geht es im Film um das Verbotene, um Schmerz und Unglück. Ob dadurch negative Vorurteile verbeitet werden spielt für heterosexuelle und weibliche Filmemacher keine Rolle, weil es für sie nur darum geht die Tragödie des Schwulseins darzustellen.

    Charaktere mögen sich vielleicht als schwul identifizieren, aber letztendlich werden hier schwule und bisexuelle Männer und ihre Beziehungen zu Fetisch-Objekten gemacht. Ich erinnere dabei an sogenannte Lesbenpornos, die aber von und für heterosexulle Männer produziert werden. Häufig sind die Darstellerinnen auch selbst keine Lesben. Genauso bei Filmen wie diesem. Es mag vielleicht als Film über schwule Männer verkauft werden, aber es wirken keine schwulen Männern mit, weder als Darsteller, noch als Regisseur oder sonstwie. Diese Entwicklung ist durchaus bedenklich.
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#2 AndreasAnonym
  • 02.07.2020, 14:20h
  • Antwort auf #1 von Habukaz
  • Ich finde sehr gut das RBB in der Reihe "rbb-queer" solche Filme bringt.

    Nur warum werden solche Filme erst um 23.25 Uhr gezeigt und nicht schon um 22.15 Uhr. Viele Menschen müssen am nächsten Tag arbeiten.
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#3 seb1983
#4 lindener1966Profil
  • 03.07.2020, 00:23hHannover
  • Guter Film, der wahrscheinlich näher an der Realität ist, als wir uns oft wahr machen wollen. Ob man zu seinem Schwulsein stehen kann, hängt eben oft von der Herkunft ab. Für den prekären Jungen Frankie aus der Arbeiterklasse ist Manhattan mit seiner queeren, aber teuren, Subkultur Lichtjahre entfernt, obwohl in Sichtweite.
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#5 terrazzoAnonym
  • 03.07.2020, 01:29h
  • Im nächsten Leben werde ich keine Zeitung lesen, sondern mich um Tanzen und Töpfern kümmern. Dann steigt wenigstens die Chance, solche Kerle mal wirklich abzukriegen.
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#6 AndreasAnonym