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Vorwurf: Volksverhetzung

Staatsanwaltschaft erhebt Anklage gegen Latzel

Die homophoben Ausbrüche von Olaf Latzel haben jetzt strafrechtliche Konsequenzen: Die Staatsanwaltschaft wirft dem Bremer Pastor vor, "zum Hass gegen Menschen" aufzustacheln.


Olaf Latzel in einem Interview mit dem ZDF-Mittagsmagazin

  • 2. Juli 2020, 11:48h 21 3 Min.

Die Staatsanwaltschaft Bremen hat am Donnerstag laut dem RB-Regionalmagazin "buten un binnen" mitgeteilt, Anklage gegen den homophoben evangelischen Pastor Olaf Latzel erhoben zu haben. Dem 53-Jährigen wird vorgeworfen, bei einem Eheseminar im Oktober 2019 volks­verhetzende Äußerungen gegen sexuelle Minderheiten von sich gegeben zu haben. Das Seminar wurde auch als Audiodatei auf Youtube veröffentlicht und konnte dort monatelang abgerufen werden.

Latzel bezeichne laut Staatsanwaltschaft Homo­sexuelle "generalisierend als Verbrecher und die Homosexualität als Degenerationsform der Gesellschaft". Diese Äußerungen seien als volks­verhetzend zu bewerten, da "mit ihnen in einer Art, die geeignet ist, den öffentlichen Frieden zu stören, zum Hass gegen Menschen als Teil der Bevölkerung aufgestachelt wird, die in Bezug auf ihre Geschlechts­identität und/oder sexuelle Orientierung von der angeblich allein richtigen zweigeschlechtlichen und heterosexuellen Norm abweichen", erklärte die Staatsanwaltschaft, die bereits Ende April Ermittlungen eingeleitet hatte (queer.de berichtete). Auf Volks­verhetzung steht nach Absatz 2 des Paragrafen 130 im Strafgesetzbuch bis zu drei Jahre Haft oder eine Geldstrafe.

Latzel: "Gelebte Homosexualität" ist todeswürdig

In dem 100-minütigen auf Youtube mittlerweile gelöschten Vortrag bezeichnete Latzel an unterschiedlichen Stellen die "Homo-Lobby" und den "ganzen Genderdreck" als "teuflisch". CSD-Besucher*innen seien "Verbrecher" und "gelebte Homosexualität" sei "vor Gott ein Gräuel" sowie "todeswürdig". Die Anerkennung von Transsexualität zerstöre ferner "unsere gesamte Zivilisation und Kultur". Schuld an all diesen Entwicklungen sei die "zunehmende Gottlosigkeit". Latzel kritisierte auch, dass Kinder an Schulen von queeren Themen "durchlöchert" werden würden.


Monatelang konnten sich Homo-Hasser auf Youtube anhören, wie Latzel gegen Homosexuelle polemisiert

Bereits Mitte Mai hatte der Kirchenausschuss der Bremischen Evangelischen Kirche (BEK) einstimmig beschlossen, ein Disziplinarverfahren gegen Olaf Latzel einzuleiten (queer.de berichtete). Die Gemeinde St. Martini verteidigte jedoch den Hassprediger. Der Gemeindevorstand erklärte, er habe nur die "biblische Wahrheit" über Homosexuelle verbreitet – nämlich, dass Schwule und Lesben "verloren für Zeit und Ewigkeit" seien (queer.de berichtete).

Kirchengemeinde steht hinter Latzel

St.-Martini-Bauherr Michael Franke erklärte am Mittwoch in einer live auf Youtube übertragenen Rede in der Martinikirche, dass eine Bibelstunde aufgrund einer einstweiligen Verfügung der Landeskirche nicht mit Latzel abgehalten werden könne. Er bezeichnete dies als "unbegreiflichen Vorgang" und kündigte für Sonntag eine Erklärung des Kirchenvorstandes an. Die Landeskirche teilte außerdem mit, dass Latzel für Freitag erneut zu einem Dienstgespräch geladen worden sei.

Die Hetze Latzels hatte innerhalb der gesamten evangelischen Kirche zur scharfe Kritik geführt. EKD-Chef Heinrich Bedford-Strohm nannte die Äußerungen des Pfarrers etwa "unerträglich" (queer.de berichtete).

Latzel ist Chef einer von 61 Kirchengemeinden der Bremischen Evangelischen Kirche. Er war bereits wiederholt wegen Ausbrüchen gegen Homosexuelle oder Angehörige anderer Religionen aufgefallen. In der Vergangenheit bot er etwa das Homo-"Heiler"-Seminar "Homosexualität verstehen – Chance zur Veränderung" an. (dk)

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#1 Stop HassAnonym
  • 02.07.2020, 14:14h
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    Latzel: "Gelebte Homosexualität" ist todeswürdig
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    Wenn das nicht zu Hass aufstachelt, weiß ich nicht, was sonst.

    Das könnte man sogar als Mordaufruf ansehen.
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#2 KaiJAnonym
  • 02.07.2020, 14:23h
  • Glaubensfreiheit ist eben nach GG begrenzt.
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#3 Alexander_FAnonym
  • 02.07.2020, 14:43h
  • Das ist doch endlich mal eine gute Nachricht. Dazu hätte es schon längst kommen sollten, noch lange vor den Angriffen durch die Antifa. Hoffentlich wird das Folgen für ihn haben, im Mindesten den Verlust des Beamtenstatus wegen Vorbestrafung.

    Dass der Kirchenvorstand das für einen "unbegreiflichen Vorgang" hält und eine derartig von fehlendem Schuldbewusstsein, Selbstmitleid und Anmaßung triefende Erklärung abgibt, sagt eine Menge darüber aus, wie sehr man es in diesen Kreisen gewohnt ist, für alle Schweinereien völlige Narrenfreiheit zu haben. Eine Narrenfreiheit, die die Kirchenrepublik nur allzu freigiebig gewährt.

    Aber auch Narrenfreiheit hat eben ihre Grenzen, lieber Herr Franke. Ihr Herr Pastor ist kein Opfer, sondern Täter, er hat sich schuldig gemacht, nicht das Gericht, das diese Verfügung erlassen hat. Wenn Sie schon Sünden in Ihrer Erklärung erwähnen, sollten Sie sich vielleicht einmal über tatsächliche Verfehlungen Gedanken machen und nicht nur über imaginäre. Aber das wäre für Ihrereinen wohl zu viel verlangt.
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