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Doku über eine dokumentarische Show

Der Name spricht Bände: "Jean Paul Gaultier: Freak & Chic"

Jetzt im Kino: Der Filmemacher Yann L'Hennoret hat den schwulen Modeschöpfer Jean Paul Gaultier zwei Jahre lang bei den Vorbereitungen für dessen autobiografische "Fashion Freak Show" begleitet.


Für seinen Film "Jean Paul Gaultier: Freak & Chic" hat Regisseur Yann L'Hénoret den Modemacher über zwei Jahre lang begleitet und den Entstehungsprozess seines Musicals "Fashion Freak Show" dokumentiert (Bild: Studiocanal)
  • Von Fabian Schäfer
    2. Juli 2020, 14:57h, noch kein Kommentar

"Jeder ist für jemand anderen ein Freak." Jean Paul Gaultier weiß, wovon er spricht. Er selbst wurde als Kind abgelehnt, gemieden. Ein Weichei, Außenseiter, Schwächling. Jemand, der erst zuallerletzt in die Mannschaft gewählt wurde. Ein Junge, der anders war, der keine Lust auf die Raufereien der Mitschüler hatte. Und den es verletzt hat, die Beleidigungen zu hören.

Er findet Gefallen am Andersartigen – und findet einen Beruf, durch den er geliebt wird. Seine Zeichnungen sind es, durch die er in der Schule zumindest ein wenig Akzeptanz und Liebe findet. An Konventionen hat er sich nie gehalten, er war immer der französische Modeschöpfer, der so anders war als die anderen. Der provoziert, aber nicht um der Provokation willen, wie er stets beteuert.

Der Enfant terrible genannt wird und das gar nicht leiden kann. Und dessen Erfolg dennoch genau darauf aufbaut. Und der in seiner Revue über sein Leben Darsteller*innen in rosafarbene Darm-Kleider steckt.

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Gaultiers älteste Schneiderin ist 70


Poster zum Film: "Jean Paul Gaultier: Freak & Chic" läuft seit 2. Juli 2020 im Kino

Jean Paul Gaultier ist, ununtertrieben, ein Phänomen. Stilprägend bis in die Tiefen der Popkultur und doch ein Meister der Haute Couture. Zugänglich, sympathisch, cool. Auf Augenhöhe, nicht so abgehoben oder streng dreinblickend wie die Kollegen. Er lacht viel, er liebt Kuchen über alles. Ein Haute-Couture-Kleid im mittlerem Preissegment kostet etwa 45.000 Euro, verriet er vor ein paar Jahren dem "SZ-Magazin".

Der Dokumentarfilm "Jean Paul Gaultier: Freak & Chic" von Yann L'Hennoret begleitet diesen Exzentriker bei den zweijährigen Vorbereitungen für eine Revue im Pariser Varietétheater Les Folies Bergère. In der "Fashion Freak Show" geht es um nichts Geringeres als den Couturier selbst. Sein Leben, sein Werk, seine Berufung.

Der Film wird so eine Art Meta-Werk: Eine Doku über eine dokumentarische Show. Yann L'Hennoret begleitet die Choreografin Marion Motin und ihr Team, die Schneiderinnen – die älteste 70 Jahre alt! -, die Co-Direktorin Tonie Marshall, den Musikproduzenten Nile Rodgers während des Produktionsprozesses. Die ersten Proben, Anpassungen und Absprachen, noch mehr Proben, Premiere.

Eher ein Promo-Making-Of der Show

Nummer für Nummer, etwa die Achtziger, die Kollaboration für Madonnas Blonde Ambition Tour oder die SM-Szene, ähneln sich die Abläufe. Da geht mal etwas schief, da kommen neue Ideen, da klappt alles gerade so in letzter Minute noch. Wie eigentlich eben immer.


Alles so schön queer: Kostüme aus der "Fashion Freak Show" (Bild: Studiocanal)

Dazu erzählt Jean Paul Gaultier, wie er Madonna zum ersten Mal getroffen hat, dass es für ihn ganz beruhigend war zu wissen, dass Yves Saint Laurent und Christian Dior auch schwul sind, welche Bedeutung sein Teddybär Nana hat (und wieso er jetzt Schauspieler ins Bärenkostüm steckt), wie er zur Idee des kegelförmigen BHs kam oder wie er seinen Partner Francis kennengelernt hat und dieser später an Aids gestorben ist. Das ist alles ganz interessant, aber auch keine wahnsinnigen Neuigkeiten über Gaultier. Es sind dieselben Geschichten, die er seit Jahren erzählt.

Überhaupt dient die Revue-Produktion eher als Schablone und Stichwortgeber und weniger als eigentliches Thema. "Jean Paul Gaultier: Freak & Chic" wirkt dabei meist auch zu brav und ehrfürchtig, und kommt so kaum als eigenständiges, unabhängiges, kritisches Werk, sondern eher als ein Promo-Making-Of der Show daher.

Direktlink | Offizieller deutscher Trailer

Infos zum Film

Jean Paul Gaultier: Freak & Chic. Dokumentarfilm. Frankreich 2019. Regie: ann L'Hénoret. Mitwirkende: Jean-Paul Gaultier, Marion Cotillard, Madonna, Catherine Deneuve. Laufzeit: 96 Minuten. Sprache: französische Originalfassung mit deutschen Untertiteln. FSK 6. Verleih: Studiocanal. Kinostart: 2. Juli 2020