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Kommentare zu:
Das verschwurbelte Coming-out des Thomas Mann


#1 goddamn liberalAnonym
  • 04.07.2020, 12:10h
  • Mal wieder vielen Dank für den tollen Artikel!

    Da soll man/Mann mal nicht schwurbeln, wann Mann/man im Land des Par. 175 höchst erpressbar ist und sich bald auch neben Neidern noch gefährliche politische Todfeinde macht.

    Im 'Felix Krull' sah er den Gender Trouble nachher auch wesentlich lockerer.
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#2 Girlygirl
  • 04.07.2020, 15:20h
  • Thomas Mann ist ja nicht der einzige Homosexuelle bzw. Bisexuelle in seiner Familie. Sein Sohn Klaus Mann (Autor des Schlüsselromans "Mephisto") und seine Tochter Erika Mann waren beide homo- oder bisexuell. Im Nachhinein kann man Leute zwar nicht einer bestimmten Sexualität zuordnen, aber es gibt klare Andeutungen, dass die drei zumindest homosexuelle Gefühle/Erfahrungen hatten.
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#3 goddamn liberalAnonym
#4 NeugierigAnonym
#5 goddamn liberalAnonym
  • 04.07.2020, 23:56h
  • Antwort auf #4 von Neugierig
  • Vergnarzt meint reichlich kompliziert, vertrackt.

    Golo Mann war z. B. im Vergleich zu seinem Bruder Klaus, der offen schwul war, lebenslang im Schrank.

    Politisch war er auch oft ziemlich verpeilt. Hat z. B. 1980 Wahlkampf für Franz Josef Strauß gemacht.

    Das muss ja nicht sein.
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#6 NeugierigAnonym
#7 ei gudeAnonym
  • 05.07.2020, 11:12h
  • Antwort auf #5 von goddamn liberal
  • Golo Mann war halt schüchterner und zurückhaltender als die deutlich extrovertierteren Geschwister Klaus und Erika. Dass ein solcher Mann nicht gerade herumposaunt, mit Männern zusammenzuleben - in einer Zeit, in der ihn das ins Gefängnis bringen konnte - wer will ihm das vorwerfen? Auch nach 1969 ging er damit nicht hausieren.
    Seine Berufung auf einen Lehrstuhl in Frankfurt wurde von den "Geistesgrößen" Adorno und Horkheimer mit heimtückischen Denunziationen als "heimlicher Antisemit" und "Homosexueller" ("homosexuell und damit untragbar als Lehrer der akademischen Jugend") hintertrieben.
    Marcel Reich-Ranicki vermutete persönliche Gründe für diese Heimtücke: "Sie haben zwar mit seiner Homosexualität argumentiert, aber eigentlich wollten sie keinen Mann als wichtigen Professor in Frankfurt haben, dem man keinerlei Nazi-Vergangenheit nachsagen konnte. Golo Mann war ein völlig unabhängiger Mann mit einem großen Namen. Adorno und Horkheimer wollten regieren und auf keinen Fall einen solchen Mann neben sich haben."

    www.faz.net/aktuell/feuilleton/buecher/autoren/zum-100-gebur
    tstag-von-golo-mann-war-so-ein-mensch-als-kollege-wuenschbar
    -1926434.html?printPagedArticle=true#pageIndex_2&service
    =printPreview&service=printPreview


    Wegen Strauß: Dass die sexuelle Orientierung nicht die politische Ausrichtung bestimmt, sollte doch spätestens seit Röhm und Kühnen niemanden mehr verwundern.
    In einem "Spiegel"-Interview von 1980 offenbarte Mann, dass sich seine Unterstützung Strauß' weniger aus der Bewunderung seiner Person, als mehr aus der Unterstützung der damaligen Unions-Politik ableitete.

    www.spiegel.de/spiegel/print/d-14325485.html

    Daraus:
    "Im übrigen bin ich Herrn Strauß vielleicht fünfmal in meinem Leben begegnet. [...] Ich glaube in der Tat, daß er kein Menschenkenner ist, was übrigens Adenauer auch nicht war. Er ist auf Grund seiner intellektuellen Überlegenheit ein sehr hochmütiger Mensch, der das Glück und Unglück hatte, nie geschliffen zu werden, nie durchs Joch zu müssen, allenfalls als Soldat.
    [...]
    In der politischen Beurteilung muß man immer Kompromisse schließen.
    [...]
    Zeigen Sie mir den idealen Bundeskanzler, und ich bin sofort für ihn.
    [...]
    Wenn Schmidt Kandidat der Unionsparteien wäre, würde ich dringend empfehlen, ihn zu wählen."
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#8 EchterLiberalerAnonym
#9 KaiJAnonym
#10 goddamn liberalAnonym
  • 05.07.2020, 17:53h
  • Antwort auf #8 von EchterLiberaler
  • Liberal ist v.a. Meinungsfreiheit.

    Und Ironie. Liegt aber nicht jedem.

    Vergnarzt ist es schon, wenn Golo Mann im Land des rosa Winkels Werbung für einen Politiker wie FJS machte, der von sich sagte:

    "Lieber ein kalter Krieger als ein warmer Bruder."

    Nebenbei: Dass die CSU so lange in der Regierung war, spricht vielleicht weniger für sie als gegen dieses Land.
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#11 goddamn liberalAnonym
  • 05.07.2020, 17:59h
  • Antwort auf #7 von ei gude
  • Wohl wahr.

    Adorno, der den romantisch-schönen Namen Wiesengrund nicht grundlos hinter einem W. versteckte, war ein gnadenloser Opportunist, der sich '33 zunächst mit entsprechendem Geschreibsel bei den Nazis lieb Kind machen wollte.

    Witzigerweise war Golo Mann nach dem jüdischen Gesetz (Halacha) tatsächlich Jude (was ihn nicht groß kümmerte), Adorno war es mit seinem 'jüdischen' Vater nicht.
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#12 ei gudeAnonym
  • 05.07.2020, 20:10h
  • Antwort auf #10 von goddamn liberal
  • "Und Ironie. Liegt aber nicht jedem."

    Mir auch nicht; deshalb reagiere ich bei Ironie und Spott häufig ablehnend. Negative Wertungen über Andersdenkende liegen mir auch eher fern, daher hätte ich gesagt, dass mir dass Engagement Golo Manns für Strauß unverständlich wäre.
    Übrigens: Das berühmt-berüchtigte Strauß-Zitat "Ich will lieber ein kalter Krieger sein als ein warmer Bruder" stammt aus der "Neuen Osnabrücker Zeitung" vom 6. März 1970. Kennt jemand den Kontext, in dem dieses Zitat gefallen ist? War es ein Interview oder eine Reportage?
    Leider hat die NOZ den Jahrgang 1970 nicht in ihrem Online-Archiv und nach Osnabrück kann ich z. Z. nicht fahren.

    Und an dieser Stelle ein herzliches Dankeschön an Erwin In het Panhuis, dessen viele Artikel zur Geschichte der Homosexuellen ich sehr schätze und sammle, besonders wegen ihrer Ausgewogenheit und des Reichtums an Quellennachweisen.
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#13 KerzmanProfil
  • 05.07.2020, 20:30hPrinceton
  • Antwort auf #11 von goddamn liberal
  • >>> Witzigerweise war Golo Mann nach dem jüdischen Gesetz (Halacha) tatsächlich Jude (was ihn nicht groß kümmerte), Adorno war es mit seinem 'jüdischen' Vater nicht. <<<

    Immerhin hatte Herr Wiesengrund von der Seite seiner Mutter her einen jüdischen Großopa. Aber wir wollen doch bitte bei der Auslegung von Halachah, in Deutschland nach 1945, nicht allzu pingelig werden; können wir uns darauf verständigen, die von Victor Frankl 1946 formulierte Definition der >jüdischen Kulturidentität< zu akzeptieren? Und weiterhin anzuerkennen, daß Golo Mann, Theodor (= >Geschenk Gottes<) Adorno und Max Horkheimer Intellektuelle hohen Niveaus waren, deren gelegentliche Fehltritte akademischer wie persönlicher Natur zu vergeben uns nicht schaden wird?

    Den Ausgangspunkt der homoerotischen Schwärmereien Thomas Manns sehe ich (bei meiner zugegebenermaßen beschränkten Kenntnis der Materie) nicht im primär Sexuellen, sondern in seiner Begeisterung für den formschönen jugendlich-knäbischen Körper, wie ihn die griechische Klassik in Skulpturen und in literarischen Werken behandelte. Liege ich da total falsch?
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#14 goddamn liberalAnonym
#15 goddamn liberalAnonym
#16 KaiJAnonym
  • 05.07.2020, 21:53h
  • Interessant sind die Auseinandersetzungen der teils sehr gegensätzlichen Charaktere der Familie Mann mit sich selbst und unter- bzw. übereinander zu Politik und sexueller Orientierung, wie sie in mindestens einer Fernsehdokumentation durch die Schilderungen von Elisabeth Mann zum Ausdruck kommen.
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#17 KonniAnonym
  • 06.07.2020, 01:19h
  • Guter Beitrag, die Ergänzungen in den eckigen Klammern sind jedoch teilweise sinnentstellend, so wie hier:
    "Sie absolut 'darunter' zu stellen, könnte nur ein Grund [sein]: der ihrer Unnatürlichkeit, den schon Goethe triftig zurückgewiesen hat."
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#18 MannkennerAnonym
  • 06.07.2020, 10:30h
  • Antwort auf #16 von KaiJ
  • Marcel Reich Ranicki hat mal ein sehr schönes Zitat von Golo Mann wiedergegeben. In einem persönlichen Gespräch hat Golo gegenüber MRR erklärt, dass es in seiner Familie zwei Arten von Homosexualität gäbe. Einmal die "Mannsche" und die "Pringsheimische". Wer sich der "pringsheimischen" Homosexualität zugehörig fühlte, der lebte seine Sexualität offen aus. Die "mannschen" Homosexuellen waren eher verklemmt und unterdrückten ihre Sexualität.

    Diese Anekdote ist hier zu finden:

    www.youtube.com/watch?v=XbCp9u0E4Io
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#19 maeksAnonym
  • 07.07.2020, 02:17h
  • Ein unglaublich informativer und sehr angenehm und stringent zu lesender Text!

    Hab so viel bei der Lektüre gelernt.
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