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Nach Anklage wegen Volksverhetzung

Regenbogenbusen gegen Latzel

Seine Fans sind laut einem benachbarten Pastor "christliche Fundamentalisten und Faschisten". Trotzdem durfte Olaf Latzel am Sonntag erneut predigen. Allerdings gab es dieses Mal nackten Protest.


In "buten un binnen" ist die Aktivistin zu sehen, die gegen Latzel protestiert (Bild: RB)

Der evangelische Pastor Olaf Latzel hat am Sonntag erneut in seiner Bremer St.-Martini-Kirche eine Predigt gehalten, obwohl die Staatsanwaltschaft wenige Tage zuvor Anklage wegen Volksverhetzung gegen den 52-Jährigen erhoben hatte. Grund sind LGBTI-feindliche Äußerungen Latzels vom vergangenen Jahr, als er CSD-Besucher etwa als "Verbrecher" und Homosexualität als "todeswürdig" bezeichnet hatte (queer.de berichtete).

Vor dem Gottesdienst protestierte eine Aktivistin mit nacktem Oberkörper – ihre Brüste waren in Regenbogenfarben bemalt. Sie brachte auch Liegestühle mit Aufschriften wie "Liebe" für Latzels Urlaub mit. Gegenüber dem RB-Regionalmagazin "buten un binnen" sagte die Frau: "Es ist ein Unding, was hier gerade passiert." Unterstützung erhielt Latzel dagegen von Gemeindemitgliedern – eine der Befragten betonte, dass Homosexualität grundsätzlich unbiblisch sei.

Latzel warnt: Fehlende Bibel-Kenntnisse sind "lebenszerstörerisch"

In seiner live im Internet übertragenen Predigt sprach Latzel über "biblische Wahrheiten" und erklärte am Ende: "Wenn man nicht mehr weiß, was [in Schulheften] drinsteht, dann ist das ein bisschen Bildungslücke, aber es ist nicht so schlimm. Wenn man aber nicht mehr weiß, was in der Bibel steht, dann ist das nicht nur 'ne Bildungslücke, sondern dann ist das etwas Lebenszerstörerisches."


Latzel in seiner am Sonntag auf Youtube übertragenen Predigt (Bild: Youtube / Olaf Latzel)

Anschließend erklärte Kirchenvorsteher Jürgen Fischer, dass sich die Gemeinde "in einer schweren Auseinandersetzung" befinde, und bat die Gläubigen, für Latzel zu beten.

Pastor der Friedengemeinde gründet "Bündnis für Respekt"

Proteste gegen Latzel gibt es auch innerhalb der evangelischen Kirche: Bernd Klingbeil-Jahr, der Pastor der nur zweieinhalb Kilometer von Latzels Kirche entfernten Friedensgemeinde, hat das "Bündnis für Respekt" ins Leben gerufen; die Mehrheit der Pastorinnen und Pastoren habe bereits Unterstützung mit ihrer Unterschrift signalisiert. Er wolle sich damit "vor die Opfer der Aggression" Latzels stellen, so Klingbeil-Jahr gegenüber "buten un binnen". Viele der Online-Anhänger Latzels stufte er als Mischung aus "christlichen Fundamentalisten und Faschisten" ein. Der "braune Mob" wolle eine andere Gesellschaft, so der liberale Pastor.

Auffällig ist, dass tatsächlich viele Anhänger die Aussagen Latzels in sozialen Netzwerken und den Kommentar-Foren von Medien verteidigten. Auch queer.de hat seit Wochen ein verhältnismäßig großes Aufkommen von (nicht veröffentlichten) Hetz-Kommentaren. Eine Petition zur "Solidarität" mit dem Pastor hat über 20.000 Überschriften erzielt.

Latzel hatte sich am Freitag mit der Bremischen Landeskirche darauf geeinigt, ab Donnerstag sechs Wochen Urlaub zu nehmen (queer.de berichtete). Bevor er sein Amt wieder antritt, solle es weitere Gespräche mit der Kirchenführung geben. Bis dahin leite die Kirche keine weiteren Maßnahmen gegen den homophoben Pastor ein. (dk)



#1 N8EngelProfil
  • 06.07.2020, 11:48hWenden
  • Coole Aktion
    Und für die, die den Satz mit dem Wissen, was drinsteht nicht verstehen: für Christen ist Sklavenhaltung ok, Der Hase ein Wiederkäuer und wer Ehebruch begeht, muss gesteinigt werden. Nur um mal so ein paar Vorschriften aus diesem Buch auf zu zählen. Achja: der Bischof sei ein gut verheirateter Mann steht da auch drin, aber darüber sehen nur die Katholiken hinweg.
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#2 AndreasKAProfil
  • 06.07.2020, 12:38hKarlsruhe
  • Antwort auf #1 von N8Engel
  • Wer meint, mit widersprechenden Bibelzitaten auf hetzerische Bibelzitate effektiv zu antworten, greift zu kurz. Die Bibel ist Fiktion, nicht Wahrheit und wenn es um sachliche Dinge geht - etwa das Verteidigen von Menschenrechten bzw. das Vorgehen gegen Volksverhetzung - sollte man auf sachlicher Ebene unter Ausklammerung von irgendwelchen Märchenbüchern vorgehen ... oder eben mit einem solchen kreativen Protest wie geschildert.

    Ganz erhellend hat das auch der Queere Zaunfink wunderbar ausgeleuchtet, dem ich von dieser Stelle für seinen Beitrag danke. Hier der Link dazu:

    derzaunfink.wordpress.com/2020/07/03/bibelfluesterei-in-der-
    homolobby/#more-4006
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#3 marioAnonym
  • 06.07.2020, 13:18h
  • denk ich an Deutschland in der Nacht, bin ich um den Schlaf gebracht. - ich bin sehr gespannt, ob die Kommentare von latzel und co. Konsequenzen haben. wahrscheinlich wird das Verfahren im Sande verlaufen und nichts passiert. Latzel und seine Anhänger sehen sich bestätigt. Traurig und ein Armutszeugnis für Deutschland. Mein Respekt dagegen an die Demo, die vor der Kirche protestiert haben. Ihr seit die wahren Helden. Scheinbar hat latzel nicht verstanden, dass vor Gott doch alle Menschen gleich sind (soviel weiss ich noch von meinem Religionsunterricht, ich war nämlich mal katholisch, bevor ich - wie man sieht - mit Recht - aus der Kirche ausgetreten bin.
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#4 N8EngelProfil
  • 06.07.2020, 13:28hWenden
  • Antwort auf #2 von AndreasKA
  • Ich kenne teile deine Sichtweise. Ich wollte nur darauf aufmerksam machen das das Bibelzitat, das Homosexualität zu einem Greuel erklärt im Umfeld einer ganzen Menge anderer Vorschriften steht (altes Testament 5 Bücher Mose, im jüdischen Teil der Thora) für deren Befolgung man zum Teil sogar in Israel lange Haftstrafen bekäme. Wenn ich eine Handlungsvorschrift, die mir vielleicht in den Kram passt dafür nutze, meine Ansicht zu stüzten, den Rest der Handlungsvorschriften, die mir nicht in den Kram passt aber missachte und nach Belieben dagegen verstoße, dann hat mein Handeln sehr wenig mit der von mir gewählten Quelle meines Zitats zu tun, sondern mit meinem Wunsch so zu handeln. Wenn ich trotzdem behaupte, das die Quelle das einzige ist, das zählt bin ich nicht besonders klug, sondern besonders scheinheilig.
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#5 AndreasKAProfil
  • 06.07.2020, 15:53hKarlsruhe
  • Antwort auf #4 von N8Engel
  • ... das Ding ist, dass du maximal einen Patt der Argumente bekommst, wenn Bibelzitate gegeneinander aufgewogen werden sollen.
    Jemand der sich Zitate aus der Bibel herauspickt wird sie bis zum letzten verteidigen - eventuell mit Argumenten wie einer Tradition der Auslegung, der geringeren Bedeutung anderer verhandelter Themen (...wie Essgewohnheiten etc.) oder sonst einen Ausweg, der seine Textstellen stärken. Gerne genommen werden da exegetische Strittigkeiten um Übersetzungen oder so was. Und schwupps, hat man nicht mehr das eigentliche Thema, sondern einen theologischen Austausch mit all seinem Blödsinn - warum sollte man darauf überhaupt einsteigen?

    Ich habe noch nie erlebt, in eine Gespräch auf dieser Ebene, dass jemand seine Thesen zurücknahm - sie stehen nun mal auch in seinem Leitbildbuch, daran gibt es ja nichts zu deuteln.

    Festen Boden für eine angemessene Diskussion gewinnt man schlichtweg nur mit einem anderem, hier geltenden Bezugspunkt. Und in unserer Gesellschaft sind das die Menschenrechte bzw. das GG die allgemein akzeptiert sind und religiöse Schriften relativieren. In Staaten, deren Gesetzgebung und öffentliche Meinung auf religiöse Schriften beruhen, ist das leider ein anderer Fall.

    Aber hierzulande lässt sich damit argumentieren, man führt auf das eigentliche Thema zurück (etwa Diskriminierung), es wird in unsere aktuelle Lebenswelt gehoben und versachlicht bzw. den antiquierten patriarchal geprägten Bibelargumenten (oder süße Aussagen Gott segnet auch homosexuelle Paare und hat alle Menschen lieb") wird jeder Boden entzogen.
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#6 Alexander_FAnonym
  • 06.07.2020, 19:20h
  • ""Wenn man nicht mehr weiß, was [in Schulheften] drinsteht, dann ist das ein bisschen Bildungslücke, aber es ist nicht so schlimm. Wenn man aber nicht mehr weiß, was in der Bibel steht, dann ist das nicht nur 'ne Bildungslücke, sondern dann ist das etwas Lebenszerstörerisches.""

    In einem hat der Herr Pastor Recht: Unkenntnis von Bibelinhalten ist tatsächlich lebenszerstörerisch. Nur ist seine Begründung falsch. Diese Unkenntnis ist nicht etwa deshalb so gefährlich, weil diese zu einer unmoralischen Lebensweise führen würde, sondern umgekehrt zur fehlerhaften Annahme, sie sei in irgendeiner Weise ein verlässlicher moralischer Leitfaden, was eine vor Mordlust und Grausamkeit nur so triefende Schrift wie die Bibel wohl kaum ist.

    Also, Olaf, alte Betschwester: du hast absolut verstanden, was in der Schwarte steht und predigst sie wortgetreu. Das muss man dir lassen. Du musst nur endlich zum richtigen Schluss kommen, nämlich sie zu verwerfen.

    Zum Protest: geile Aktion. Sowas finde ich richtig und bringt auch mehr als gewalttätige Angriffe, bei denen sich Klemmschwesterole dann als Opfer darstellen kann.
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#7 TimonAnonym
  • 06.07.2020, 20:41h
  • ..............................
    Seine Fans sind laut einem benachbarten Pastor "christliche Fundamentalisten und Faschisten".
    ....... Zitat Ende.......

    Dann sollte sich die Kirche überlegen, ob sie sowas in ihren Reihen dulden will.

    Nichts dagegen tun ist genauso schlimm wie mitmachen.
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#8 stephan
  • 07.07.2020, 00:06h
  • Antwort auf #6 von Alexander_F
  • Ja, es ist selbstzerstörerisch, nicht zu wissen, was in der Bibel steht, den - was auch immer die Bibel sein mag - sie hat die abendländische Geschichte geprägt und deshalb muss man die Bibel (und einige andere 'heilige' und profane Bücher kennen), wenn man die Geschichte erfassen und aus ihr die richtigen Schlussfolgerungen ziehen will!.
    Und wenn man schon die Bibel wörtlich nimmt: Laut AT ist todeswürdig, wenn man zwei verschiedene Stoffe am Leib trägt. Besteht das Beffchen (das weiße Teil am Kragen des Pastors) tatsächlich aus dem gleichen Material wie das schwarze Gewand? Bei meinem Mann (der nicht hauptamtlich als Pastor arbeitet) ist das nämlich nicht der Fall ... wie wohl bei den meisten. Sind die alle todeswürdig, weil es in dem alten Buch steht? ... Man muss die Bibel halt kennen!!!
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#9 N8EngelProfil
  • 07.07.2020, 08:55hWenden
  • Antwort auf #5 von AndreasKA
  • Weisst Du, Im Prinzip stehen wir ja auf dem selben Standpunkt, nur erklärst Du, das in einer Debatte mir der Gegenüber erklären würde, das es ja Teile gibt, die man nicht mehr anwendet. und genau da ist meine Kritik: Der Mensch stellt sich über das von ihm als Leitfigur auserkorene göttliche Wesen, um zu entscheiden, welche der Regeln, die angeblich von seinem göttlichen Wesen gegeben wurden, nun wichtig seien und welche nicht. Dadurch wird das beliebig und scheinheilig und aus meiner Sicht völlig unglaubwürdig.
    Ich habe das Buch gelesen um darin Erklärungen zu finden, weshalb ich soviel Leid erfahren musste und habe mit Leuten diskutiert, die mir mit genau diesen Argumenten kamen. Als ihnen die Argumente ausgingen haben sie mir gesagt ich könne das nicht verstehen. Entweder man hält sich an die Regel, das die Regeln aus dem alten Testament ungültig wurden oder man hält sie alle, was dazwischen ist Willkür.
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#10 godamn liberalAnonym
  • 07.07.2020, 10:42h
  • Die Aktion ist gut und auch körperpolitisch zuu begrüßen in einer Zeit, in der auch queerfeministische Akteure sogar gegen Zärtlichkeiten in der Öffentlichkeit polemisieren.
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