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USA

Klage: Christlicher Fotograf will keine Homosexuellen vor seiner Kamera

Virginia hat als erster Südstaat in den USA ein LGBTI-Diskriminierungsverbot eingeführt. Homo-Hasser wollen sich das nicht gefallen lassen.


Chris Herring argumentiert, es sei für ihn als Christen nicht zumutbar, auch gleichgeschlechtliche Ehepaare zu fotografieren (Bild: ADF)

Chris Herring, ein Hochzeitsfotograf aus der Großstadt Norfolk im US-Bundesstaat Virginia, will aus religiösen Gründen nicht für Homosexuelle arbeiten – und klagt deshalb auf das Recht, Schwule und Lesben diskriminieren zu dürfen. Hintergrund ist das Anfang des Monats in Kraft getretene Gesetz "Virginia Values Act" – dieses geht beim Diskriminierungsschutz über das Bundesrecht heraus und verbietet unter anderem konkret Diskriminierung aufgrund der sexuellen Orientierung und der Geschlechtsidentität. Virginia ist der erste Südstaat, der ein derartiges Gesetz erlassen hat.

Herring sieht aufgrund des Gesetzes sein Grundrecht auf Religionsfreiheit verletzt und reichte Klage ein. Die Anwälte des überzeugte Christen beklagten, dass sein Mandant vor "einer unmöglichen Wahl" stünde: "Entweder er setzt sich über das Gesetz hinweg oder er riskiert den Bankrott, entweder er handelt gegen seinen Willen oder macht seinen Laden dicht", teilten sie in einer Pressemitteilung mit. Herring wird von der Organisation "Alliance Defending Freedom" (ADF) verteidigt, die wegen ihrer rigiden Abneigung gegenüber Homo- und Transsexuellen von der Bürgerrechtsorganisation SPLC als Hassgruppe eingestuft wird.

Trump-Regierung unterstützt homophobe Fotografin

Die ADF führt eine ähnliche Strategie auch in anderen Teilen des Landes durch: So klagte die homophobe Organisation im Namen der Fotografin Chelsey Nelson auch gegen Louisville in Kentucky, weil die Stadt in einer Verordnung ebenfalls Diskriminierung aufgrund der sexuellen Orientierung verbietet. Die Trump-Regierung unterstützt diese Klage bereits offiziell (queer.de berichtete).

Twitter / GovernorVA | Gouverneur Ralph Northam, ein Demokrat, ist der erste Regierungschef der Südstaaten, der ein Antidiskriminierungsgesetz unterzeichnet hat, das queere Menschen schützt

Noch ist unklar, welche Aussichten auf einen Erfolg die Klagen haben werden. Zumindest Nelson werden in der ersten Instanz gute Chancen eingeräumt: Sie wird am 14. Juli erstmals vor Richter Justin Walker vorsprechen müssen. Dieser Jurist gilt als sehr konservativ – er war früher Praktikant von Mitch McConnell, heute mächtiger republikanischer Fraktionschef im US-Senat, und ist erst letztes Jahr von Präsident Donald Trump zum Bundesrichter ernannt worden.

In den gesamten USA ist Diskriminierung eigentlich nach dem Bürgerrechtsgesetz "Civil Rights Act" von 1964 verboten – allerdings sind in dem Gesetz nur die Merkmale Rasse, Hautfarbe, Religion, Geschlecht und nationale Herkunft verankert. Damit dürfte ein Fotograf also etwa bei Ehen zwischen Angehörigen verschiedener Nationalitäten nicht die Arbeit verweigern, auch wenn er für die Ablehnung religiöse Gründe anführt. Das Merkmal "sexuelle Orientierung" ist in dem Gesetz nicht erwähnt. LGBTI-Aktivisten fordern bereits seit Jahrzehnten, diesen Schutz ins Bundesrecht aufzunehmen – allerdings scheiterte dies bislang am Widerstand der Republikaner.

Erfolg vor Supreme Court

Hoffnung auf mehr Schutz vor Diskriminierung machte kürzlich der Supreme Court, der Verfassungsgerichtshof der USA: Dieses hochpolitisierte und eigentlich mehrheitlich republikanische Gremium hat erst Mitte Juni den nationalen Diskriminierungsschutz im Arbeitsrecht auf Homo- und Transsexuelle ausgeweitet, weil nach Ansicht der Richtermehrheit eine Diskriminierung der sexuellen Orientierung und der Geschlechtsidentität gleichzeitig eine Diskriminierung aufgrund des Geschlechtes ist. Damit ist sie nach dem Bürgerrechtsgesetz von 1964 verboten (queer.de berichtete).

Noch sind die rechtlichen Auswirkungen auf das Zivilrecht unklar. Auch in anderen Berufssparten kämpfen religiös motivierte Homo-Hasser*innen dafür, Schwule und Lesben diskriminieren zu dürfen, etwa in der Konditoren- oder der Floristen-Branche. (dk)



#1 JadugharProfil
  • 06.07.2020, 20:17hHamburg
  • Diskriminierung Anderer ist zutiefst unchristlich und verstößt gegen die Bergpredigt von Jesus, da Diskriminierung mit Ungerechtigkeit einhergeht und Ungerechte nicht in das Himmelreich kommen! Offenbar ist dieser christliche Fotograph ein Möchtegern-Mosesanhänger, einer der übelsten Verbrecher der Weltgeschichte, sofern dieser Unholt keine Romanfigur ist! Jeder könnte daherkommen und sagen, daß er bestimmte Menschen diskriminieren will und ein Verbot der Diskriminierung die eigene Religionsfreiheit beschränke. Dieser Fotograf kann beispielsweise in den Iran gehen und erleben, was es bedeutet, wenn die dortige Religionsfreiheit für Muslime die Diskriminierung von Christen erlaubt. Laut Bibel müsse man jeden Homosexuellen erschlagen, weil Moses das so fordert, der andrerseits aber auch sagt, daß man nicht töten soll! Zum Glück gibt es heute eine Justiz, die biblisches Morden und Totschlagen unterbindet! Man sollte in Zukunft Diskriminierung sehr drakonisch bestrafen und zwar so, daß sie nie wieder lebend ein Gefängnis verlassen dürfen!
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#2 janxAnonym
  • 06.07.2020, 21:13h
  • Tssssss. Jetzt hörts aber echt auf. Artistic Freedom? Dass ist ja fast schon zum Lachen. Also der ist einfach nur ein Hochzeitsfotoknipser. Sicherlich ist der Beruf aller Ehren wert, aber bei "Kunst" denke ich doch eher an was anderes.
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#3 TimmyHHAnonym
  • 06.07.2020, 22:31h
  • Vielleicht hat dieser Hochzeitsfotograf Chris Herring aufgrund seiner Segelohren in seiner Schulzeit bereits so viel Spott und Häme kassiert, dass er diesen Hass jetzt an andere weitergeben muss.

    Wer
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#4 queergayProfil
  • 06.07.2020, 23:38hNürnberg
  • Das erinnert schon etwas an christlichen Fundamental-Faschismus und ist letztlich überall möglich. Außerdem heisst Religionsfreiheit auch, daß jeder jeden Quatsch oder Irrglauben glauben darf, den er glauben will.
    Religiösen Fundamental-Faschismus gibt es aber auch bei anderen Religionen und muß genauso entlarvt werden, wo er sich zeigt.
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#5 VadderAnonym
  • 07.07.2020, 01:31h
  • Antwort auf #1 von Jadughar
  • Diskriminierung anderer ist zutiefst unchristlich?

    Das ist offenbar absolute Ansichtssache.

    Wenn man sich die Bibel und viele Kirchenfürsten einmal genau anschaut, dann sollte man eher zu dem Schluss kommen, dass diese Diskriminierung zutiefst christlich ist .

    Ein guter Grund, das Christentum abzulehnen.
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#6 Holger HeringAnonym
  • 07.07.2020, 01:43h
  • Wer Toleranz auf diesem Planeten sucht, wird dutzende von Ländern finden. Es werden halt nur nicht die USA sein.

    Holger Hering, Düsseldorf.
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#7 KerzmanProfil
  • 07.07.2020, 03:58hPrinceton
  • Antwort auf #1 von Jadughar
  • >>> Man sollte in Zukunft Diskriminierung sehr drakonisch bestrafen und zwar so, daß sie nie wieder lebend ein Gefängnis verlassen dürfen! <<<

    Da geht dann wohl mit den Proportionen einiges aus dem strafrechtlichen Gefüge:

    Aus SPON, 6. Juli 2020, >Die Ermittler werfen [Ghislaine Maxwell], der Tochter des verstorbenen britischen Medienmoguls Robert Maxwell vor, für Epstein junge Mädchen rekrutiert zu haben, die dann von dem Investmentbanker sexuell missbraucht wurden. Die Anklage umfasst sechs Punkte, bei einer Verurteilung drohen Maxwell bis zu 35 Jahre Gefängnis.<

    Und wenn ich mich, sagen wir mal hypothetisch, als Konditor weigere, einem schwulen Kunden am 19. April einen braunen Kuchen zu backen mit der Aufschrift (aber bitte mit Sahne), >Meinem lieben Führer Adolf Hitler zum Geburtstag, Sieg Heil!<, darf ich bis zu meinem selig Ende im Gefängnis verharren. Absurd!
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#8 Freund der FreiheitAnonym
  • 07.07.2020, 07:22h
  • Es ist zwar nicht schön, aber ich glaube, der Mann hat das Recht, sich seine Kunden auszusuchen. Es geht zu weit, ihn dazu zu zwingen, Homosexuelle zu fotografieren. Wozu auch? Es gibt garantiert genügend Fotografen, die gerne dazu bereit sind. Das vermindert nur deren Konkurrenz und verbessert so deren Geschäft. Man darf mit Antidiskriminierungsgesetzen nicht zu weit gehen. Freiheit beinhaltet immer auch Diskriminierung im Sinne von Unterscheidung und Aussuchen nach persönlichen Präferenzen. Es ist daher umgekehrt auch Fotografen erlaubt, nur Homosexuelle und keine Heteros zu fotografieren. Das ist Freiheit!
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#9 NickAnonym
#10 KaiJAnonym
  • 07.07.2020, 09:45h
  • Antwort auf #8 von Freund der Freiheit
  • Eine Freiheit von der Existenz von Menschen ist deren Diskriminierung. Eine Freiheit des Fotografen, nicht ein schwules Paar vor der Linse haben zu müssen, ist deren Diskriminierung. Die Freiheit des Menschen ist das Recht, überall zu existieren, zu leben, seine Persönlichkeit frei zu entfalten aufgrund von Geschlechtlichkeit bzw. Sexualität, Ethnizität, Religiösität, Mentalität etc.
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