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Zeug*innen gesucht

Berlin: Mysteriöser Mord an schwulem Pastor

Reinhold Zuber wurde tot in seiner Wohnung aufgefunden. Der 77-jährige Seelsorger, der ein unbekanntes Aids-Projekt betrieb, bekam laut Nachbar*innen regelmäßig Besuch von jungen Männern.


Reinhold Zuber wurde am vergangenen Dienstag oder Mittwoch ermordet (Bild: Polizei Berlin)

  • 7. Juli 2020, 05:14h 5 3 Min.

Die Berliner Polizei bittet um Hinweise zur Aufklärung eines Mordes an einem schwulen Pastor. Der 77-jährige Reinhold Zuber wurde am Samstag tot in seiner Wohnung in der Thomasiusstraße 5 im Stadtteil Moabit aufgefunden. Nachbar*­innen hatten die Polizei alarmiert, weil sie Zuber seit mehreren Tagen nicht mehr gesehen hatten.

Schon beim Auffinden der Leiche habe es erste Hinweise darauf gegeben, dass der Mann durch Fremdverschulden zu Tode kam. Eine Obduktion am Sonntag bestätigte ein Gewaltverbrechen. Der Geistliche starb "durch stumpfe Gewalt gegen den Oberkörper", erklärte ein Ermittler gegenüber der Tageszeitung "B.Z.". Als Tatzeit zieht die Polizei den vergangenen Dienstag oder Mittwoch (30. Juni / 1. Juli) in Betracht. Mit einem Bild des Opfers bittet sie um Mithilfe aus der Bevölkerung.

Bislang zehn Hinweise eingegangen

Am Montagnachmittag erklärte ein Polizeisprecher, dass bislang zehn Hinweise eingegangen seien. Aus "ermittlungstaktischen Gründen" nannte er jedoch keine Details. Eine heiße Spur gebe es bislang nicht. Da das Opfer seinen Mörder in seine Wohnung ließ, vermuten die Ermittler*innen, dass sie sich entweder kannten oder verabredet waren.

Vieles über Reinhold Zuber bleibt mysteriös. So ist einerseits unklar, welcher Gemeinde der Pastor angehörte – der evangelischen Landeskirche ist er laut "Tagesspiegel" nicht bekannt. Auch das "AIDS Projekt Begegnungsstätte Tiergarten", das der 77-Jährige auf seinem Briefkasten angab, kennen weder Google noch die Berliner Aids-Hilfe.

Kurier: "Die Spur führt auch ins Schwulen-Milieu"


In seiner Berichterstattung über den Mord verwendet der "Berliner Kurier" die diskriminierende Bezeichnung "Schwulen-Milieu"

Nachbar*­innen berichteten gegenüber dem "Berliner Kurier", dass Zuber offen mit seiner Homosexualität umgegangen sei und regelmäßig junge Männer zu Besuch gehabt habe, unklar aus welchen Gründen. "Die Spur führt auch ins Schwulen-Milieu", schrieb das Boulevardblatt. Auch die "Berliner Zeitung" nutzte die Formulierung.

Begriffe wie "Homo-Milieu", "Homo­sexuellen-Milieu" oder "Schwulen-Milieu" werden seit 15 Jahren vom Bund Lesbischer & Schwuler JournalistInnen (BLSJ) kritisiert, weil sie unbewusst Klischees über homo­sexuelle Menschen verbreiteten (queer.de berichtete). In seinem Ratgeber "Schöner schreiben über Lesben und Schwule" (PDF) aus dem Jahr 2013 argumentiert der Verband: "Dieser Terminus ist sprachlicher Unsinn. Was oder wo soll dieses Milieu denn sein: die Stadt Köln, der Eurovision Song Contest oder gar das Amtszimmer einer lesbischen Politikerin? Solche Phrasen verunglimpfen Homo­sexuelle kollektiv, ganz so, als wären Lesben und Schwule wie Kriminelle in einer Art Rotlichtviertel organisiert. Kaum jemand würde über eine 'Gewalttat im Lehrermilieu' oder einen 'Doppelmord im Hetero-Milieu' berichten." Im vergangenen Jahr versprach die Kölner Polizei nach einem Gespräch mit dem BLSJ, den Begriff "Homo­sexuellen-Milieu" nicht mehr zu verwenden. (queer.de berichtete).

Wer kann Angaben zu Zubers Umfeld machen?

Zur Aufklärung der Tat in Berlin-Moabit werden weiterhin Zeug*­innen gesucht. Die Polizei fragt konkret: Wer kannte Reinhold Zuber und kann Angaben zu seinem Umfeld machen? Wer hat im genannten Tatzeitraum im Tatortbereich auffällige Beobachtungen gemacht? Hinweise nimmt die 6. Mordkommission beim Landeskriminalamt in der Keithstraße 30 unter der Telefonnummer (030) 4664-911 666 oder auch jede andere Polizeidienststelle entgegen. (cw)

#1 mesonightAnonym
  • 07.07.2020, 08:18h
  • Also ehrlich, hier wird aber auch jedes Klischee bedient. Das man hier immer noch von einem Millieu redet ist dreist.
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#2 Taemin
  • 07.07.2020, 09:07h
  • Antwort auf #1 von mesonight
  • So etwas gibt es typischerweise nur bei Verbrechen an Schwulen. Kein Journalist käme auf die Idee, z.B. beim Mord an einem dunkelhäutigen Menschen vom "Schwarzenmilieu" oder beim Mord an einem Juden von einer Tat im "Judenmilieu" zu schwafeln. Sinn dieser sprachlichen Entgleisung ist stets eine Relativierung der Tat und Herabsetzung des Opfers, aber auch aller anderen schwulen Männer.
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#3 GirlygirlEhemaliges Profil
  • 07.07.2020, 12:48h
  • Antwort auf #2 von Taemin
  • Bei Menschen mit Migrationshintergrund wird das auch gemacht. Bei den NSU-Morden wurde ja auch viel in Richtung "kriminelles Ausländermilleu" spekuliert, obwohl es dafür keine Anhaltspunkte gab. In meiner Stadt wurde vor ein paar Jahren ein Pizzeria Besitzer von seiner Exfrau umgebracht. Die erste Vermutung der Polizei: Mafia...
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