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Angeklagter war angeblich vergewaltigt worden

Bremer Schwulenhasser: Geständnis vor dem Landgericht

Er hatte vor vier Jahren monatelang schwule Männer wegen ihrer sexuellen Orientierung terrorisiert. Vor dem Landgericht nannte er erstmals einen Grund für seine Hass: Angeblich war er im Gefängnis vergewaltigt worden.


Der Prozess findet vor dem Landgericht statt, das den Angeklagten möglicherweise in die Psychiatrie zwangseinweisen könnte (Bild: Fred Romero / flickr)

  • 7. Juli 2020, 15:40h, noch kein Kommentar

Vor dem Landgericht in Bremen hat am Montag der Prozess gegen einen 32-Jährigen begonnen, der 2016 mehrere schwule Männer aus Bremen monatelang gemobbt und regelrecht terrorisiert haben soll. Laut dem "Weser-Kurier" habe er im Verfahren die Taten vollumfänglich zugegeben und sein Verhalten begründet. Er sei bei einem vorherigen Gefängnisaufenthalt "gedemütigt und vergewaltigt" worden. Daraufhin habe er psychische Probleme gehabt. Durch das Terrorisieren von Schwulen habe er sich "kurzfristig besser" gefühlt.

Die Staatsanwaltschaft Bremen hatte bereits im September 2018 Anklage gegen den Verdächtigen erhoben (queer.de berichtete). Seine Opfer waren stets junge Schwule, die er über eine Dating-Plattform ausfindig gemacht hatte. Darunter war auch ein zum Tatzeitpunkt 17-jähriger Schüler. Diesen soll der Angeklagte innerhalb eines halben Jahres mehrere tausend Mal kontaktiert haben, etwa mit Facebook-Mitteilungen, Anrufen oder Whatsapp-Nachrichten. Der mutmaßliche Täter soll sogar eine Todesanzeige mit dem Namen des Jungen aufgegeben und einen Trauerkranz an seine Schule geschickt haben.

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Schwule Opfer leiden bis heute

Für die Opfer war die brutale "Selbsttherapie" des Angeklagten traumatisierend: Die Geschädigten sollen laut Radio Bremen durch die Taten psychisch schwer belastet worden sein. Sie würden bis heute unter Einschränkungen in ihrem Alltag leben.

Neben den Stalking-Taten werden dem Angeklagten auch noch viele weitere Straftaten zur Last gelegt, unter anderem auch Bombendrohungen gegen Geschäfte. Überwiegend handelt es sich bei den Vorwürfen aber um gewerbsmäßigen Betrug durch Verkäufe auf Internetplattformen, die im Namen seiner Opfer begangen wurden. Er habe den schwulen Männern sogar via SMS mitgeteilt, dass er sie betrogen hatte.

Eigentlich hatte der Prozess bereits im Januar vor dem Amtsgericht begonnen (queer.de berichtete). Weil der Angeklagte nach einem neuen Gutachten aber psychisch krank sein und die Auswirkungen seiner Taten nicht erkannt haben soll, musste das Verfahren an die Strafkammer des Landgerichts verlegt werden (queer.de berichtete). Nur diese Kammer kann eine Einweisung in die Psychiatrie veranlassen, sollte der Angeklagte als eingeschränkt oder nicht schuldfähig befunden werden. (cw)