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Somerville, Massachusetts

Erste US-Stadt erkennt polyamore Beziehungen an

In einer mittelgroßen Stadt in der Nähe von Boston werden Beziehungen von drei oder mehr Menschen anerkannt. Dabei muss es sich nicht um Liebesbeziehungen handeln.


Umweltfreundlich: In polyamoren Beziehungen kann man Wasser sparen (Bild: Corbin Fisher)

In der 80.000 Einwohner zählenden US-Stadt Somerville können polyamore Liebende erstmals ihre Beziehungen eintragen lassen – und erhalten damit hauptsächlich mehr Rechte im Gesundheitssystem. Laut einem Bericht der "New York Times" ist diese Regelung ein Novum in den Vereinigten Staaten. Der Stadtrat der nördlich von Boston gelegenen Gemeinde hat bereits am 25. Juni eine entsprechende Verordnung einstimmig beschlossen.

Anlass für die Neuregelung war die Corona-Krise: Somerville hatte bislang – anders als Nachbarstädte – keine Richtlinie zur Anerkennung nicht-verheirateter Paare. Dies wurde zum Drama für Partnerinnen oder Partner, die etwa ihre Liebste oder ihren Liebsten nicht im Krankenhaus besuchen konnten oder keinen Zugang zur Krankenversicherung des Partners oder der Partnerin hatten. Stadtrat J.T. Scott hatte aber nach Rückmeldungen aus der Bevölkerung die Idee, einen entsprechenden Änderungsvorschlag einzubringen: "Menschen haben schon immer in Familien zusammengelebt, die mehr als zwei Erwachsene haben", argumentierte der Kommunalpolitiker. In Somerville gebe es ungefähr zwei Dutzend polyamore Familien.

Direktlink | Selbst in den Lokalnachrichten war die Anerkennung der polyamourösen Beziehungen eher ein kleines Thema

Daraufhin wurde die Sprache der Verordnung vom verantwortlichen Stadtrat Lance Davis geändert, so dass sie auch Familien mit drei oder mehr Partnerinnen oder Partner umfasst. Gegenüber "NBC Boston" begründete Davis den Schritt mit den Worten: "Wann auch immer die Verwaltung versucht hat zu definieren, was eine Familie ist und was nicht, haben wir einen richtig schlechten Job in der Vergangenheit gemacht", so Davis. Er habe diese Fehler nicht wiederholen wollen.

Sexuelle Beziehung nicht zwingen notwendig

Die Partner*innen müssen nicht unbedingt in einer Liebesbeziehung sein. Sie müssen lediglich füreiander Verantwortung übernehmen. Die "New York Times" stellte etwa zwei Frauen Mitte 40 vor, die sich als "platonische Lebenspartnerinnen" bezeichnen und gemeinsam ein Haus kaufen wollen, die Krankenversicherung teilen und nebenher noch Beziehungen haben können, die eventuell auch anerkannt werden können.

Der sieben Millionen Einwohner zählende Bundesstaat Massachusetts ist schon länger ein Vorreiter von LGBTI-Rechten: So war er 2004 der erste Staat der USA, der die Ehe für alle einführte (queer.de berichtete). Die bundesweite Ehe-Öffnung erfolgte erst elf Jahre später (queer.de berichtete).

Auch in Deutschland gibt es Debatten um die Anerkennung von mehr als zwei Partner*innen. Aus der FDP kommen etwa seit Jahren Forderungen für die Anerkennung einer "Mehrelternschaft", um den Bedürfnissen von Kindern in Patchwork- und Regenbogenfamilien besser gerecht werden zu können (queer.de berichtete). Diese Forderung wird auch von Teilen von Grünen und Linken unterstützt. Doch der Widerstand ist groß: Die katholische Kirche sieht selbst derartige nicht sehr weitgehende Pläne als "Angriff auf die Zivilisation" an (queer.de berichtete). (dk)



#1 AnonymousAnonym
  • 07.07.2020, 17:40h
  • Naja, darüber kann ich mich nicht wirklich freuen.

    Das wird die Homo-Hasser, inklusive AfD und Republikanern, unfassbar freuen - da sich damit ihre jahrelange Panikmache bewahrheitet:

    Nämlich dass die Ehe für alle ein Türöffner zu Dreier- oder Vierer-Ehen sein wird...

    Wird nun fraglich sein, wo man da die Grenzen setzt. Können bald auch 10 Menschen alle miteinander verheiratet sein?
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#2 StrategieopferAnonym
#3 AnonymousAnonym
  • 07.07.2020, 18:03h
  • Antwort auf #2 von Strategieopfer
  • Ich bin alles andere als gegen Fortschritt.

    Aber solche Konstellationen jetzt auch als Fortschritt zu deklarieren... Schwierig. Ich denke, dass man die Gesellschaft nicht direkt überfordern sollte.

    Die Ehe für Alle in Uganda macht genauso wenig Sinn, wie jetzt schon Dreier-Konstellationen als normale Beziehung zu deklarieren, bevor man überhaupt ausreichende Anti-Diskriminierungsrichtlinien für gleichgeschlechtliche Paare hat.
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#4 StrategieopferAnonym
  • 07.07.2020, 18:17h
  • Antwort auf #3 von Anonymous
  • "Ich denke, dass man die Gesellschaft nicht direkt überfordern sollte."

    Merkste selbst, oder?

    Das war jahrzehntelang ein Hauptargument gegen die Eheöffnung. Eigentlich wollte man ja, aber leider leider sind die anderen noch nicht so weit. Also tut man lieber gar nichts, bremst jeden Versuch aus oder wendet sich sogar noch gegen den Fortschritt, wenn er schon irgendwo real stattfindet.

    Wer solche "Fortschrittsfreunde" hat, braucht keine Fortschrittsgegner mehr.
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#5 AltoAnonym
#6 StrategieopferAnonym
  • 07.07.2020, 19:25h
  • Antwort auf #5 von Alto
  • Na und? Auch die heterosexuelle Monogamie diente Jahrtausende lang dazu, die Ehefrau dem Ehemann rechtlich und sozial unterzuordnen. Nicht als die Ausnahme, sondern als Regel. Vermutlich werden heute wesentlich mehr Frauen innerhalb von monogamen Ehen entrechtet als innerhalb von Vielehen.

    Sollten wir deswegen nicht auch die heterosexuelle Zweierehe verbieten?
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#7 G12NAnonym
  • 07.07.2020, 19:27h
  • Eventuell ist der Begriff polyamor für die Beschreibung des Gesetzesvorschlages nicht ganz passend. Da ja dezidiert weder die Art der Beziehung der Wahlfamilie-Mitglieder zueinander noch deren Sexuelle Orientierung/Neigung ausschlaggebend ist. Hier geht es lediglich darum, dass Menschen füreinander oder auch für Kinder Verantwortung übernehmen. Das Konzept ist ja weder neu noch Revolutionär. Viele hatten einen Nennonkel/Nenntante, die zwar nicht verwandt war, aber doch praktisch Teil der Familie. Auch Patenschaft ist ein Konzept, auf dem man die erweiterte Elternschaft aufbauen kann.
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#8 GargamelAnonym
  • 07.07.2020, 19:32h
  • ...ohne Sexuelle Beziehung...für einander Verantwortung übernehmen...

    Das ist doch eigendlich wie eine Familie.
    Eine Familie, die sich eben selbst zusammen findet ist meist wesentlich besser als durch eigene "Zucht" oder gar Zwang zusammen gekommene, da bei letzterem wohl die irrige Annahme besteht, Eigentum erzeugt und großgezogen zu haben, über welches man bestimmen kann. Es Fehlt dort oft der Respekt für sein Gegenüber.

    Das scheint mir ein enormer Fortschritt zu sein, den diese Stadt da auf die Beine gestellt hat.

    Diesen ganzen Quatsch mit genetischer Abstammung kann man sowieso in die Tonne treten, wozu soll das gut sein?
    Das einzige was zählt ist dass man sich liebt und respektiert.
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#9 ClickbaitAnonym
  • 07.07.2020, 22:30h
  • Also ich hab den Artikel vor allem wegen des hübschen Artikelbildes angeklickt... ;-)
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#10 N8EngelProfil
  • 08.07.2020, 00:04hWenden
  • Mein erster gedanke: Krass. Mein zweiter: Es ist schade, das die Ärzte und Pfleger eigentlich mit einem Bein im Gefängnis standen, weil sie mir Informationen über den Gesundheitszustand meines "Onkels" nach seinem Schlaganfall mitteilten.
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