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Heimkino

Eine homosexuelle Liebe seit 900 Jahren

Jetzt auf Netflix: Im Mittelpunkt des neuen Action-Films "The Old Guard" steht ein Grüppchen unsterblicher Weltbeschützer*innen – mit Charlize Theron als Anführerin Andy und dem schwulen Paar Joe und Nicky.


Unsterbliches Paar: Nicky (Luca Marinelli, li.) und Joe (Marwan Kenzari) lernten sich während der Kreuzzüge kennen (Bild: Netflix)

Für Fans von Superheld*innen und Comic-Verfilmungen ist dieser Sommer eine echte Durststrecke. Die "Wonder Woman"-Fortsetzung? Verschoben wegen Corona. "Black Widow"? Verschoben wegen Corona. Der neue "Batman" mit Robert Pattinson? Noch immer nicht abgedreht, natürlich wegen Corona. Doch nun gibt es, Netflix sei Dank, zumindest ein bisschen Abhilfe: Bei dem Streamingdienst ist ab sofort "The Old Guard" zu sehen. Keine Marvel-Adaption zwar, aber ein Comic ist auch hier die Vorlage gewesen.

Direktlink | Als Vorlage für den Film diente die gleichnamige Comicreihe von Greg Rucka

Auch in diesem Film hat das kleine Grüppchen wackerer Held*innen im Zentrum der Geschichte ganz besondere Superfähigkeiten: Sie sind unsterblich. Vom kleinsten Kratzer bis zum tödlichen Dolchstoß – alles verheilt umgehend.

Anführerin Andy (Charlize Theron), geboren einst als Andromache von Skythien, ist als Älteste entsprechend schon seit Jahrtausenden damit beschäftigt, rund um den Erdball Menschenleben zu retten. Später wurden Joe (Marwan Kenzari) und Nicky (Luca Marinelli) zu ihren Mitstreitern, die sich während der Kreuzzüge noch als Feinde gegenüber standen, bevor sie irgendwann zu einem Liebespaar wurden. Und in den letzten 200 Jahren stieß dann auch noch Booker (Matthias Schoenaerts) zu dieser Truppe, die sich heute als Söldnertruppe anheuern lässt – und gleichzeitig ihr Geheimnis für sich zu behalten versucht.

Unermüdlicher Einsatz für das Gute auf der Welt


Poster zum Film: "The Old Guard" läuft seit 10. Juli 2020 auf Netflix

Mit tiefer Freundschaft, aber auch einem Gefühl von Routine, Aussichtslosigkeit und Einsamkeit gehen die vier ihrem unermüdlichen Einsatz für das Gute auf der Welt, immer in dem Wissen – so wie in der Vergangenheit bei Mitstreitern geschehen – ihre wundersamen Heilfähigkeiten ohne erkennbaren Grund nachlassen können. Oder dass irgendwo auch wieder neue Unsterbliche auftauchen können.

So wie die junge US-Soldatin Nile (Kiki Layne aus "Beale Street"), die vollkommen überfordert ist, als sie ihre "Superkraft" entdeckt und von dem Quartett schnell unter die Fittiche genommen wird. Gleichzeitig wird es für die Gruppe brenzliger als je zuvor, denn ein skrupelloser Unternehmer hat von ihrer Existenz erfahren und will umgehend ihre DNA erforschen und sich möglichst profitabel zunutze machen.

Man erkennt es schon an der Inhaltsbeschreibung: "The Old Guard" ist genauso phantastisch – oder anders gesagt: hanebüchen – wie andere Comicverfilmungen auch. Als Vorlage diente die gleichnamige Reihe von Greg Rucka, der auch schon "Supergirl"- oder "Wolverine"-Geschichten schrieb und hier selbst das Drehbuch verfasste. Wer etwas übrig hat für diese Art von Film, kommt hier definitiv auf seine Kosten. Zwar ist nicht zu übersehen, dass das Budget ein wenig kleiner gewesen sein dürfte als etwa bei den "Avengers", aber es gibt genug nette Spezialeffekte und vor allem rasant choreografierte Actionszenen, um keine Langeweile aufkommen zu lassen.

Aus queerer Sicht ein bemerkenswerter Film

Besonders erfreulich ist, wie viel Wert die Regisseurin Gina Prince-Bythewood auf ihre Figuren legt, die hier deutlich dreidimensionaler und damit menschlicher wirken als in diesem Genre sonst üblich. Außerdem ist "The Old Guard" gerade aus queerer Sicht ein bemerkenswerter Film. Nicht nur wegen Charlize Theron, die dank Filmen wie "Mad Max: Fury Road" oder "Atomic Blonde" kampf- und coolness-erprobt ist, es mit großer Lässigkeit versteht, nicht zuletzt Männer- wie Frauenherzen höher schlagen zu lassen, und hier auch Jahrhunderte später ihrer engsten Vertrauten nachtrauert.

Sondern vor allem wegen der Beziehung zwischen Joe und Nicky (die schon in der Vorlage so zu finden ist). Zwei schwule Männer als Helden in einem Actionspektakel dieser Größe, das hat es in Hollywood so noch nie gegeben. Und sie dürfen nicht nur Sätze sagen wie "Er ist die Liebe meines Lebens", sondern sich auch – zumindest in einer Szene – leidenschaftlich küssen.


Der leidenschaftliche Kuss zwischen Joe und Nicky (Bild: Netflix)

In Zeiten, in denen es im Blockbuster-Kino dieser Art schon gefeiert wurde, wenn kurz vor dem Abspann im Hintergrund einer "Star Wars"-Szene zwei Frauen als Pärchen auszumachen waren, ist das in Sachen queerer Repräsentation eine großer, längst nötiger Sprung nach vorne. Darüber darf man sich, auch wenn noch viel Luft nach oben ist, auf jeden Fall freuen – und hoffen, dass die für kommenden Februar im Marvel-Film "The Eternals" versprochene queere Figur dahinter nicht zurückbleibt.

Direktlink | Offizieller deutscher Trailer