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Queerfilmnacht

Eine große lesbische Liebe im Verborgenen

Mit "Wir beide" kommt ein erstaunlich düsterer, geheimnisvoller und doch romantischer Liebesfilm ins Kino: Nach Madeleines Schlaganfall steht die langjährige, aber geheime Beziehung zu ihrer Nachbarin Nina vor einer Bewährungsprobe.


Nach außen hin ist Nina (Barbara Sukowa, re.) nur die nette Nachbarin, aber für Madeleine (Martine Chevallier) ist sie die Liebe ihres Lebens (Bild: Weltkino)
  • Von Fabian Schäfer
    11. Juli 2020, 06:24h, noch kein Kommentar

"Monsieur Brémont, haben Sie ein Problem mit alten Lesben?" – "Wie bitte?", antwortet der Makler verdutzt. "Mit Lesbierinnen. Haben Sie ein Problem mit Lesben?" – "Natürlich nicht." – "Siehst du, Mado?", sagt Nina ruhig. "Siehst du, Mado?", wiederholt sie lauter, fast schreiend, "es ist allen scheißegal. Du bist erbärmlich", sagt sie, dreht sich um und geht. Madeleine folgt ihr. Den Makler, der nicht weiß, was passiert, lassen sie stehen.

Es war alles geplant: Nach Rom soll es gehen. Raus aus Frankreich und für immer in die ewige Stadt. Der Makler hat sogar schon Fotos von Madeleines Wohnung gemacht, anscheinend wird sie einiges abwerfen. Jetzt muss sie, in ihren Siebzigern, nur noch ihren zwei erwachsenen Kindern eröffnen, dass sie mit ihrer Nachbarin und langjährigen Geliebten Nina nach dem Tod ihres Mannes ein neues Leben anfangen will. Sie will es ihnen an ihrem Geburtstag sagen, ist schon kurz davor und macht dann doch einen Rückzieher. Nina versteht das nicht.

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Kein konventionelles Liebesdrama


Poster zum Film: "Wir beide" startet am 6. August regulär im Kino und läuft in diesem Monat auch in der Queerfilmnacht

Doch nur kurze Zeit später rückt der Umzug nach Rom ohnehin in weite Ferne: Madeleine hat einen Schlaganfall, kann nicht mehr reden, nicht mehr richtig gehen, bekommt eine Pflegerin, die rund um die Uhr bei Madeleine ist. Die Beziehung ändert das schlagartig: Nina wohnt zwar eigentlich nur eine Tür weiter, doch ihre Wohnung ist so leer und unbewohnt, weil sie die meiste Zeit mit Madeleine verbringt. Die Pflegerin jedoch lässt die Nachbarin und langjährige Freundin, die sie jetzt wieder ist, nicht zu ihr.

"Wir beide", der erste Spielfilm des italienischen Regisseurs Filippo Meneghetti, ist ein erstaunlich düsterer und oft sehr geheimnisvoller Liebesfilm. Die Krähen, die Badewanne, dazu das laute Rattern der Waschmaschine, das Ticken der Uhren oder das Klackern des Löffels an der Tasse: Immer wieder erinnert das Drama in seinen Motiven, dem Geräuscheinsatz und dem Spannungsaufbau an Hitchcock. Die nur spärlich beleuchteten Räume tun ihr Übriges dazu, dass "Wir beide" so gar nicht wie ein konventionelles Liebesdrama daherkommt.

Der Regisseur und Drehbuchautor Meneghetti hält sich nicht mit langen Vorgeschichten auf und erzählt nur spärlich und in Anspielungen von der Vergangenheit. Immer wieder kommt es zu Überraschungen, wenn Madeleines Tochter nach der Wahrheit sucht. Der Nachbarin Nina traut sie nicht so recht.


Die Liebe der beiden Frauen bleibt für die Außenwelt unsichtbar (Bild: Weltkino)

Ein sehenswertes, unkitschiges Drama

So beginnt ein Zerren um die verstummte Madeleine. Wie wütend und aufgelöst Nina ist, als man ihr ihre Partnerin wegnimmt, ist bedrückend, ihre Kraft ermutigend. Nina weiß sich in ihrer Verzweiflung und Sehnsucht nicht anders zu helfen, als gegen die Pflegerin zu arbeiten – mit Erfolg.

Mit den zwei Hauptdarstellerinnen hätte Filippo Meneghetti kaum mehr Glück haben können: Die Deutsche Barbara Sukowa, bekannt geworden als Mieze in Fassbinders "Berlin Alexanderplatz", spielt die rastlose Kämpferin Nina und Martine Chevallier als zunächst Angst und später Glück ausstrahlende Madeleine sind ein hervorragendes, starkes Paar.

Filippo Meneghetti beweist mit "Wir beide", dass ein Liebesdrama nicht nach Schema F ablaufen muss. Er kreiert düstere, metaphorische Bilder, peppt sie mit einer Prise Herzschmerz und Gefühl auf – und schafft so ein sehenswertes, unkitschiges und doch romantisches Drama.

Direktlink | Offizieller deutscher Trailer

Infos zum Film

Wir beide. Drama. Frankreich, Luxemburg, Belgien 2019. Regie: Filippo Meneghetti. Darsteller: Barbara Sukowa, Martine Chevallier, Léa Drucker. Laufzeit: 95 Minuten. Sprache: deutsche Synchronfassung. FSK 6. Verleih: Weltkino. Kinostart: 6. August 2020. Ab 13. Juli ist der Film bereits im Rahmen der Queerfilmnacht zu sehen.