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"Absoluter Albtraum"

Schwuler Fußball-Profi schreibt über seine Angst vorm Coming-out

In einem anonymen Brief begründet ein Spieler aus der englischen Premier League, warum er seine Homosexualität nicht öffentlich macht und für seine Karriere sogar auf eine Beziehung verzichtet.


Der Fußball sei für ein Coming-out noch nicht bereit, schreibt ein anonymer Premier-League-Spieler in einem Brief (Bild: nathanjayrog / unsplash)

Nach dem Coming-out von Ex-Profispieler Thomas Beattie Ende Juni hat sich ein weiterer englischer Fußballer als schwul geoutet – allerdings anonym. In einem Brief, der unter anderem von der Zeitung "Mirror" veröffentlicht wurde, berichtet der Premier-League-Spieler, warum er seine Homosexualität geheim hält.

"Ich bin schwul. Es ist schon ein großer Schritt für mich, das in diesem Brief zu schreiben", heißt es in der Erklärung des unbekannten Verfassers. Nur Teile seiner Familie und einige Freunde wüssten über seine Homosexualität Bescheid.

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"Warum soll ich alles aufs Spiel setzen?"

"Ich fühle mich nicht bereit, es meiner Mannschaft oder meinem Trainer zu sagen, und das ist hart", schreibt der Fußballer. "Ich verbringe die meiste Zeit meines Lebens mit diesen Männern. Und wenn wir auf den Platz treten, sind wir ein Team. Aber trotzdem macht etwas in mir es unmöglich, ihnen offen mitzuteilen, wie ich fühle."

Obwohl ihm sein Herz sage, dass er sich gegenüber seinen Mitspielern outen sollte, entscheide sein Kopf anders. "Warum soll ich alles aufs Spiel setzen?", fragt er in seinem Brief. "Ich habe ein schönes Auto, einen Schrank voller Designer-Klamotten, und ich kann es mir leisten, alles für meine Familie und Freunde zu kaufen."

Das Versteckspiel sei sehr belastend, räumt der Spieler ein. "Im Alltag kann es ein absoluter Albtraum sein. Und es beeinflusst meine psychische Gesundheit immer mehr." Er fühle sich "gefangen, und ich fürchte, dass es nur noch schlimmer werden würde, wenn ich die Wahrheit sage".

Eine Beziehung schließt der Fußballer für sich aus

Einen festen Freund habe er nicht, erklärte der Fußballer. Dies sei auch zu gefährlich: "Ich bin in einem Alter, in dem ich liebend gerne eine Beziehung hätte. Aber wegen meinem Job muss das Level an Vertrauen zu einem Langzeit-Partner extrem hoch sein. Deshalb vermeide ich Beziehungen für den Moment komplett."

An die Unterstützung, die der englische Fußball-Verband FA schwulen Spielern im Falle eines Coming-out zusichert, glaube er nicht, so der anonyme Autor. Der Fußball sei dafür noch nicht bereit. "Ich wünschte, ich müsste nicht so leben, aber die Wahrheit ist, dass es immer noch viele Vorurteile im Fußball gibt."

In dem Brief geht es auch um die Zerrissenheit und inneren Kämpfe des anonymen Fußballers. Er wisse, dass er mal "an einem Punkt kommen könnte, an dem es für mich unmöglich sein wird, die Lüge weiter zu leben", schreibt er. "Wenn es so kommt, werde ich meine Karriere frühzeitig beenden und mich outen." Er werde dann sicher hohe finanzieller Einbußen haben, glaubt der Premier-League-Spieler: "Aber innerer Frieden ist unbezahlbar. Und ich will nicht für immer so leben."

Zehn Profifußballer haben sich bislang geoutet

Bislang gibt es nur zehn Profifußballer, die sich als schwul geoutet haben. Die meisten wagten der Schritt erst nach Beendigung ihrer Karriere. Der Anfang machte Justin Fashanu (England, 1990), der 1998 Selbstmord verübte. Es folgten Olivier Rouyer (Frankreich, 2008), Anton Hysén (Schweden, 2011), David Testo (USA 2011), Robbie Rogers (USA, 2013) Thomas Hitzlsperger (Deutschland 2014), Collin Martin (USA 2018), Matt Pacifici (USA, 2019), Andy Brennan (Australien, 2019) und Thomas Beattie (England, 2020).

Der Brief des anonymen Spielers wurde von der Justin Fashanu Foundation an britische Medien weitergeleitet. Die Stiftung wurde 2019 von Fashanos Nichte Amal ins Leben gerufen, um Diskriminierung im Fußball zu bekämpfen. (cw)



#1 Sabelmann
#2 BundesligaprofiAnonym
#3 Peck_SProfil
  • 11.07.2020, 16:40hFrankenthal
  • Ich bin ein schwuler Fussballprofi und möchte im Gedenken an den harten Kampf von LGBT vor meiner Zeit, meiner Rolle als Vorbild gerecht werden, Jungen Menschen zeigen was möglich ist und ihnen Hoffnung geben und aufhören diese meine Lebenslüge auch nur eine Minute weiterzuleben. Nein warte....

    "Ich habe ein schönes Auto und einen Schrank voller Designer-Klamotten."

    Monetäre Größe ist keine Entschuldigung für menschliche Erbärmlichkeit! Und zweitens ist ein anonymes Outing ein Paradoxon. Mir wäre es lieber gewesen, er hätte gar nicht erst den Mund aufgemacht.
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#4 Kritiker_in
  • 11.07.2020, 16:47h
  • Tja. Wie hier schon gesagt wurde, Geld regiert die Welt. Und vor allem auch das Leben sehr, sehr vieler Menschen.

    Was hilft es, ein "schönes" Auto und einen Schrank voller Designer-Klamotten zu haben und sich falsche Freundschaften erkaufen zu können ("...und ich kann es mir leisten, alles für meine Familie und Freunde zu kaufen.") - wenn man gleichzeitig tagtäglich den absoluten Alptraum lebt und die psychische Gesundheit immer mehr kaputtgeht?

    Was hilft es, wenn man auf Liebe, Nähe, Beziehung verzichtet, der Karriere wegen, und permanent erpressbar ist?

    Er sagt es ja schließlich doch noch selbst: ""Aber innerer Frieden ist unbezahlbar. Und ich will nicht für immer so leben.""

    Viel zu viele Menschen, besonders viele queere Menschen, lassen zunächst lieber jahre- oder gar jahrzehntelang den stärksten gesellschaftlichen Druck auf ihren Schultern lasten, bis sie daran schließlich zerbrechen.

    Und wenn die psychische Gesundheit erst mal so richtig ruiniert ist, hilft auch NOCH so viel Geld nicht. Es kann die Beschwerden ggf. etwas lindern, weil man sich dann mal schöne Dinge gönnen kann, aber eine echte klinische Depression oder eine echte klinische Angststörung oder beides lassen sich oft mit allem Geld der Welt nicht mehr wegzaubern - kaputt ist kaputt, das gilt eben auch für die Seele. Die Seele des Menschen ist genauso wenig eine Maschine wie der Körper. Nur wird darauf nicht so viel Wert gelegt. Weil man die Schäden eben nicht gleich sieht. Und Menschen oft noch stark belastbar sind - bis, ja: bis zum VÖLLIGEN Zusammenbruch.

    Leute, lasst das nicht mit Euch machen. Kein zerstörtes Menschen-, Seelen- und Liebesleben ist so viel wert wie ein "schönes" Auto, ein Schrank voller Designerklamotten oder hundert gekaufte Pseudo-Freund_innen.

    Wie er ja selbst schließlich noch sagt: Unbezahlbar.

    Also, Kerl, worauf wartest Du noch?
    Tu Dir selbst einen Gefallen, wahrscheinlich den größten Deines Lebens, und SEI DU SELBST.

    WIR SELBST SEIN zu können, haben wir alle verdient. Auch wenn wir dazu erst durch tausend Höllen gehen müssen. Aber es lohnt sich.
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#5 ColonelAnonym
  • 11.07.2020, 16:48h
  • Antwort auf #3 von Peck_S
  • Nichts ist daran erbärmlich, sein eigenes Leben wie bislang weiterleben zu wollen. Auch gibt es weder eine moralische Pflicht zum Outing, noch eine persönliche Verantwortung des Betroffenen für Andere. Seine Gedankenführung mag in dem Sinne nicht allen gefallen, aber sie ist mehr als legitim.
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#6 qwertzuiopüAnonym
  • 11.07.2020, 17:28h
  • Den Autor, ob fiktiv oder nicht, aktiv oder passiv (sry, musste sein), hier jetzt für fehlenden Mut zu geiseln ist mit Sicherheit nicht die passende Reaktion. Wer was wann über sich der Welt mitteilt, bestimmt jeder selbst.
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#7 lindener1966Profil
  • 11.07.2020, 22:35hHannover
  • Das ganze Drama gibt´s auch verfilmt: Mario. CH 2018

    ein Aspekt hatte ich nicht so auf dem Schirm und das wird im Film gut deutlich: : diese Jungs machen seit ihrer Kindheit nur eins: Fußball spielen. Sie haben sonst nichts. Das ist Ihre Identität.
    Aus all der Anerkennung ziehen sie ihr Selbstbewusstsein. Nach dem Sport und dem Outing müssen sie sich ganz neu orientieren. Thomas Hitzlsperger ist ja wenigstens ein intelligenter und reflektierter Typ. Der hat es geschafft, musste aber damit umgehen, dass viele kleine Jungen sein Trikot nicht mehr tragen wollen.
    Das aller Perverseste: die hetero Fußballspieler können sich die schönsten Mädchen aussuchen UND haben dicke Autos und Geld. Hoffe, er outet sich wirklich später mal. Würde ihm gut tun.
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#8 WiderspruchAnonym
#9 JohannbAnonym
  • 12.07.2020, 08:11h
  • Ach, der geht schon seinen Weg. Eine Verpflichtung zum Outing sehe ich definitiv nicht. Soll er so weitermachen wie er mag, wegen mir auch wegen dem Geld. Anerkennung spielt halt auch eine Rolle, die er nach einem Outing nicht mehr in dieser Art bekommt. Man wird halt immer so behandelt, wie man von anderen gesehen wird. Egal ob Aufgrund der Sexualität, Hautfarbe, Religion. Und das hat er sich eingestanden....
    Was mir gefällt an dem Artikel: die vielen aufgeführten homosexuellen Fussballprofis: da kenne icha nur mehr ganz wenige; so unbedeutend ist es also schon, ob man schwul in der Profiliga kickt oder nicht!?!
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#10 Yeoj_Profil
  • 12.07.2020, 09:33hFFM
  • Die Sache, die mich gewaltig an dieser Zwickmühle der schwulen Fußballprofis stört, ist folgende: Kaum jemand geht darauf ein, wer über den Fußballer hinaus in diese Lebenslüge mit hineingezogen wird. Da sind zum einen die Vorzeige-Lebensgefährtin, die entweder betrogen wird oder "einvernehmlich" das Versteckspiel mitmachen muss, dann eventuelle Kinder und auf der anderen Seite potentielle Liebhaber, die aber emotional auf Abstand gehalten werden müssen, vielleicht sogar ausgenutzt werden oder unverschuldet mit dem Misstrauen "Du könntest mich ja später erpressen" belastet werden. Wenn es so einfach wäre, dass jeder heimlich schwule Sportprofi die Frage nach dem Outing mit "Privatsache" vor sich herschiebt! Es hängen doch zu viele andere Schicksale unmittelbar damit zusammen...
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