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Homophobie in der fünften Jahreszeit

Karneval: Hannover will kein schwules Prinzenpaar akzeptieren

Gleichgeschlechtliche Liebe und Karneval passen auch 2020 nicht immer zusammen: Erneut sorgt ein Karnevalsverband mit Homophobie für Schlagzeilen, dieses Mal in Hannover.


Noch immer scheint der Karneval ein Ort zu sein, in dem sich Homo-Hasser wohlfühlen (Bild: Iwan / wikipedia)

Eigentlich sollte Hannover für die nächste Karnevalssession erstmals ein gleichgeschlechtliches Prinzenpaar erhalten. Die Karnevalsgesellschaft Mittwochsclub aus Hannover-Nordstadt, die dieses Jahr das royale Paar präsentieren darf, wollte ihren 48-jährigen Präsidenten Roland Gottschalck und dessen 47-jährigen Partner als Prinzenpaar nominieren.

Allerdings scheiterte dies, weil mindestens zwei der elf im Komitee Hannoverscher Karneval organisierten Vereine offenbar aus Homophobie ihr Veto eingelegt haben. Prinzenpaare müssen jedoch einstimmig unterstützt werden. Damit wird es laut der Regionalzeitung "Neue Presse" wohl die nächste Session nach Prinz Carsten I. und Prinzessin Tina I. in der vergangenen Session kein Prinzenpaar geben.

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"Ich hörte Sätze wie: 'Mein Vater würde sich im Grabe umdrehen'"

Gottschalck beschreibt gegenüber der "Neuen Presse", wie viel Homophobie ihm entgegengeschlagen sei: "Ich hörte Sätze wie: 'Mein Vater würde sich im Grabe umdrehen'. Und dann haben wir es gelassen", sagte Gottschalck. Dabei habe er die Regentschaft "ganz traditionell" durchziehen und "natürlich nicht in Regenbogenfarben-Kostüm" auftreten wollen. Er erinnerte auch daran, dass bereits zuvor mit der Tradition des Mann-Frau-Paares gebrochen worden sei: Einmal habe es nur eine Prinzessin gegeben, "weil sich kein Prinz finden ließ".

Gottschalck erklärte ferner, die Führung des Komitees Hannoverscher Karneval habe ihn voll unterstützt. Auch Komitee-Präsident Ronny Jackson gab gegenüber der "Neuen Presse" an, nichts gegen das Paar zu haben. Am Ende konnte er aber nicht das Veto der homophoben Vereine überstimmen.

Auch Homophobie im saarländischen Karneval

Bereits im Januar gab es einen ähnlichen Homophobie-Skandal im saarländischen Karneval: Der Verband Saarländischer Karnevalsvereine wollte ein lesbisches Paar nicht als Kandidatinnen zur Wahl des "Prinzenpaars des Jahres" zulassen (queer.de berichtete). Nach einigem Hin und Her akzeptierte der Verband am Ende doch zähneknirschend die Bewerbung von gleichgeschlechtlichen Paaren. Die Homo-Hasser hatten aber ihr Ziel erreicht: Das lesbische Paar hatte bereits entnervt seine Kandidatur zurückgezogen (queer.de berichtete).

Im Gegensatz zu Hannover gab es dieses Jahr in Mönchengladbach zum ersten Mal ein schwules Prinzenpaar. Allerdings war ihr Prinzenwagen kurz vor dem Veilchendienstag von Unbekannten "mit üblen homophoben Schmierereien" beschädigt worden (queer.de berichtete). (dk)



#1 Ralph
  • 14.07.2020, 11:15h
  • Wenn die Satzung zulässt, dass das rechte Gelichter sich mit 2 zu 9 Stimmen durchsetzen kann, braucht man sich nicht zu wundern, dass es davon Gebrauch macht.
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#2 August ErnstAnonym
#3 WahrheitIstRelativAnonym
  • 14.07.2020, 12:14h
  • "... das lesbische Prinzenpaar hatte entnervt seine Kandidatur zurückgezogen..."

    Stimmt so nicht! Sie haben durch ihre Sache Aufmerksamkeit erregt und meinten, dass es nun keine objektive Wahl mehr geben könne. Sie wären dann aus " Prinzip" gewählt oder nicht gewählt worden . Vermutlich, da viele auf ihrer Seite waren , aus "Prinzip" gewählt! Das fanden sie dann gegenüber den anderen ungerecht vorteilhaft und haben sich deshalb zurückgezogen, was ich sehr nobel und vorbildlich finde und was am Ende mehr "wiegt" ! Das Paar hat also doch gesiegt!
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#4 qwertzuiopüAnonym
  • 14.07.2020, 14:38h
  • karneval heißt einmal im jahr richtig verrückt sein, aber alles hat grenzen. lol
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#5 undüberhauptAnonym
  • 14.07.2020, 18:28h
  • Warum macht man da überhaupt mit?

    Als kind fand ich Karneval gut. Man konnte sich verkleiden und es gab Bonbons ohne Ende.

    Aber als denkender Erwachsener find ich da eher schlimm. Wer mischt sich denn freiwillig unter die besoffenen, latent alkoholabhängigen Kleinbürger...?
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#6 Roland GottschalckAnonym
  • 14.07.2020, 21:07h
  • Das Komitee Hannoverscher Karneval und auch der Verband Niedersachsen, so wie die angeschlossenen Vereine sind nicht homophob , dieses ist uns nie begegnet .
    Es ist richtig das wir in der Session 2020/2021 zu unserem ersten großem Karnevalistischem Jubiläum (11 Jahre) angemeldet waren das Prinzenpaar zu stellen.
    Ja, wir hatten die Idee mit dem gleichgeschlechtlichem Prinzenpaar.
    Da dieses auch viel Aufwand ist, haben wir uns im Vorfeld bei den Vereinen mal umgehört wie es aufgenommen würde wenn ...
    Leider gab es da eine "Absage" für ein gleichgeschlechtliches Prinzenpaar, da sie sich und Ihren Verein auf alte Traditionen besinnen und berufen.
    Aber auch bei den Vereinen ist Homophobie nicht vorhanden, vielleicht sind sie noch nicht bereit für ein gleichgeschlechtliches Prinzenpaar.
    Wir denken aber das wird sich in den nächsten Jahren ändern und auch da wird Tradition und Moderne zusammen wachsen.
    Somit haben wir unsere Meldung in Absprache mi dem Komitee Ende letztes Jahres zurückgezogen, um die Möglichkeit zu geben das wir (Das Komitee und die Angeschlossenen Vereine) In der Session 2020/2021 ein anderes Prinzenpaar bekommen .
    Ob jetzt ein Prinzenpaar gefunden wurde wissen wir bis jetzt noch nicht, wir hoffen aber das wir ein würdiges Prinzenpaar für die schwere Corona Session 2020/2021 finden.
    Und alle die jetzt mitreden, kommt in die Vereine bringt euch ein und wer weiss .... vielleicht werdet Ihr ja irgendwann mal Prinzenpaar
    wenn noch nachfragen seien sollen schreibt mir unter PN Gruß Roland Gottschalck
    · Antworten · Kommentiert von
    Roland Gottschalck
    · 1 Std.
    Christopher Smith
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#7 lindener1966Profil
#8 Still_IthProfil
  • 15.07.2020, 08:33hHessen
  • Karneval und Comedy in Deutschland ist halt, wo und wenn man über Minderheiten noch lachen dürfen möchte.
    Da das gefühlt seltsam ist, wenn man die Betreffenden nun an ranghohe Positionen als Teilnehmende setzt, wird das lieber gelassen. Dass man den Mehrheiten aber auch jeden kleinen Spaß misgönnen muss heutzutage. Am Ende müssen die zum Lachen in den Keller. Und wir sind schuld.
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#9 saltgay_nlProfil
  • 15.07.2020, 08:50hZutphen
  • Isch lach misch kapott. Karneval in Hannover - das kann ja nur eine Persiflage sein. Man betrachte genau diese Typen, welche der heute in der hannöverschen Vorstadt Seelze so hoch verehrte Blut- und Bodenmaler, der Nazi Adolf Wissell, gepinselt hat. Bekanntestes Propagandawerk ist von ihm die "Calenberger Bauernfamilie", oder das rassereine BDM-Mädel, die latschen dann in Faschingskostümen vom Hauptbahnhof zum Staatstheater und schmeißen vegane Kamelle mit nachhaltig nutzbarer Verpackung. Oder die Prunksitzung in der Stadthalle, wo der Büttenredner zum humoristischen Höhepunkt fragt, in welchen Sack denn das gebrauchte Kondom gehöre? Dreimal Faschingsfleisch für diese Rakete. Das Publikum lüftet ihre Hintern und klatscht, die Blaskapelle: "Tartar-Tartar-Tartar".

    Wen interessiert eigentlich in der Hauptstadt des Kleingeistes, wo jeder Bewohner eher seinen Orgasmus darin findet sich als "ordentlich" zu präsentieren und gern deshalb mal den Nachbarn denunziert, weil er den Rasenschnitt nicht in die gelben Säcke packte und auf dem Bürgersteig zwischen den Fugen ein Grashalm wächst, der ja zu einer S-tolperfalle werden könnte, was dort ein Karnevalsverein macht?

    Diese no go - Area für aufgeklärte Bürger, die aus den Landkreisen, Celle, Hannover, Hildesheim und Peine besteht, soll doch gern unter sich bleiben. Auf diese Art von Mitmenschen, die sich stolz als "geradeheraus" und "bodenständig" bezeichnen, welche der zivilisierte Bürger als "unverschämt-muffig" und "unangenehm stur" bezeichnet, kann außerhalb der Region gern verzichtet werden.

    Wie lautet die Präambel der "Calenberger Nachbarkriegsverordnung"? "Es ist gut, wie es ist. Zugegeben, es könnte besser sein - aber man weiß ja nicht, ob am Ende das Bessere nicht doch schlechter als das Gute ist. Darum ist es gut wie es ist."
    Machen wir den Eingeborenen Mut: "Es wird auch weiterhein keine Brenntage geben, die Barsinghausen in ein flammendes Inferno an zwei Tagen des Jahres verwandeln werden."
    (Zitat "Daaster-Laane-Zeitung" über eine Ratssitzung, in der ein Antrag auf Brenntage gestellt wurde.)

    Lebensqualität sieht woanders deutlich besser aus - auch für Karnevalisten.

    NB: Auch wenn sich Oliver Kalkofe gern schwarz gewandet - er ist der weiße Rabe in dieser Rübensteppe. Von Dietrich Kittner (r.i.p.) ganz zu schweigen.
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