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Hannover

Schwuler Chef des Karnevalsvereins: Ablehnung von Homo-Paar ist keine Homophobie

Wegen seiner sexuellen Orientierung dürfen er und sein Partner nicht Prinzenpaar werden. Doch die Ablehnung sei keine Homophobie, sondern nur "alte Traditionen", erklärte jetzt der Chef der KG Mittwochsclub.


Karneval ist nicht nur Konfetti und Kamelle, sondern setzt teilweise auch auf Ausgrenzung aus Tradition (Bild: Juan Antonio Capó Alonso / flickr)

  • 15. Juli 2020, 08:09h 58 2 Min.

Roland Gottschalck, der offen schwule Präsident der Karnevalsgesellschaft Mittwochsclub in Hannover-Nordstadt, hat am späten Dienstagabend auf Facebook Berichte zurückgewiesen, wonach die Ablehnung eines schwulen Prinzenpaares wegen dessen sexueller Orientierung homo­sexuellenfeindlich sei. Er wolle klarstellen, dass seines Wissens nach im niedersächsischen Karneval kein einziger Verein homophob sei, "dieses ist uns nie begegnet".

Hintergrund ist, dass der Mittwochsclub in der nächsten Session das Prinzenpaar stellen darf und der 48-jährige Vereinspräsident mit seinem gleich­geschlechtlichen Partner eigentlich antreten wollte. Mindestens zwei der im Dachverband vertretenen Vereine haben aber laut einem Bericht der "Neuen Presse" ihr Veto eingelegt, weil es sich bei den beiden um schwule Männer und nicht um ein Mann-Frau-Paar gehandelt habe (queer.de berichtete).

Dass ein Paar wegen seiner Homosexualität ausgeschlossen wird, sei aber nicht problematisch, so Gottschalck: "Leider gab es da eine 'Absage' für ein gleich­geschlechtliches Prinzenpaar, da sie und [ihr] Verein [sich] auf alte Traditionen besinnen und berufen. Aber auch bei den Vereinen ist Homophobie nicht vorhanden, vielleicht sind sie noch nicht bereit für ein gleich­geschlechtliches Prinzenpaar", argumentierte der schwule Karnevalist. Er äußerte sich hoffnungsvoll, dass in den nächsten Jahren auch ein gleich­geschlechtliches Paar für die Traditionalisten akzeptabel sein könnte: Er und sein Verein vermuten, "das wird sich in den nächsten Jahren ändern und auch da wird Tradition und Moderne zusammen wachsen".

SPD-Politiker: Diskriminierung darf nicht hingenommen werden"

Ganz so leger auf den Ausschluss reagierte Florian Kusche, der Queerbeauftragte der SPD Hannover, nicht. Er schrieb auf Facebook: "Das Feindlichkeiten gegenüber queeren Menschen in Hannover an der Tagesordnung sind mussten Freunde und ich in jüngster Vergangenheit auch am eigenen Leib erleben", so der Kommunalpolitiker, dessen Haus erst vergangenen Monat von Unbekannten mit dem Spruch "Homos raus" beschmiert worden war (queer.de berichtete). Die "jetzigen Diskriminierungen" durch Karnevalsvereine bestätigten die "aktuelle queerfeindliche Atmosphäre" in der Landeshauptstadt. "Diskriminierung, egal welcher Art, darf nicht hingenommen werden! Im Gegenteil, es MUSS aktiv auf die Täter zugegangen und das Gespräch gesucht werden!", erklärte der Sozialdemokrat.

Das Feindlichkeiten gegenüber queeren Menschen in Hannover an der Tagesordnung sind mussten Freunde und ich in jüngster…

Gepostet von Florian Kusche am Dienstag, 14. Juli 2020
Facebook / Florian Kusche
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Im traditonsorientierten Karneval gibt es immer wieder Probleme damit, homosexuelle Paare als gleichwertig zu akzeptieren. Im Januar wollte etwa der saarländische Karnevalsverband kein lesbisches Paar bei der Wahl zum Prinzenpaar akzeptieren, schwenkte aber nach öffentlichem Druck um (queer.de berichtete). (dk)

-w-

#1 Taemin
  • 15.07.2020, 10:20h
  • Mich ekelt an, wenn Schwule selbst ihre eigene Ausgrenzung und Benachteiligung als "Tradition" oder "Kulturgut" zu rationalisieren versuchen.
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#2 LilieAnonym
  • 15.07.2020, 10:41h
  • Nein, Ablehnung ist natürlich keine Homophobie, wie kann man sowas auch nur denken. *Kopf meets Tischplatte*

    So einen Unsinn mit Tradition zu relativieren kann doch nicht sein ernst sein? Wie kann man sich selbst nur so klein machen/halten? Erst wird nen lesbisches und nun ein schwules Paar abgelehnt, wo hat das was mit Tradition zu tun? Etwa die Tradition, dass man Homosexuelle nicht akzeptieren möchte? Räumt mal euer Oberstübchen auf!
    Homophobie sind nicht nur tätliche Angriffe und offene Beleidigungen, sondern auch solche Ausreißer, wie der der Vereine die ihr Veto eingelegt haben.
    Ausgrenzung fängt schon bei solchen "Kleinigkeiten" an.

    Blim Blam hat fertig.
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#3 Daniel FAnonym
  • 15.07.2020, 10:54h
  • Das Priester Sex mit Kindern haben ist ja bekanntlich auch kein Missbrauch sondern "Tradition".
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