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Transphobie

Boris Palmer vergleicht sich mit J.K. Rowling

Boris Palmers Rechtfertigungsversuche wegen seiner transphoben Äußerungen werden zur unendlichen Geschichte: Jetzt vergleicht er sich sogar mit der "Harry Potter"-Autorin, die wie er ein Opfer der "Intoleranz im linken Milieu der Minderheitenrechtler" sei.


Zwei gute Märchenerzähler: J.K. Rowling zweifelt an der Existenz von trans Menschen. Tübigens OB Boris Palmer teilt gern aus, verliert aber schnell seine schwäbische Coolness, wenn er für seine teils fragwürdigen Äußerungen kritisiert wird (Bild: Daniel Ogren / flickr / Gudrun de Maddalena)

Der Tübinger Oberbürgermeister Boris Palmer (Grüne) stilisiert sich im Streit um seine Äußerungen über die trans Politikerin Maike Pfuderer weiter zum Opfer von vermeintlichen Linken, die seine "berufliche, moralische und gesellschaftliche Vernichtung" zum Ziel hätten. In einem Facebook-Eintrag vom Mittwochvormittag erklärte der 48-Jährige, dass er "am Sonntagabend nichtsahnend zwei ähnliche Verbrechen" wie die 54-jährige "Harry Potter"-Autorin J.K. Rowling begangen habe – nämlich "Misgendering und Deadnaming".

Anlass für die Auseinandersetzung war, dass Palmer Pfuderer, mit der er sich seit Jahren verbal streitet, am Sonntag bei einer weiteren Wortschlacht als trans geoutet und ihren abgelegten männlichen Geburtsnamen verwendet hatte. Die LGBTI-Aktivistin kündigte daraufhin eine Strafanzeige wegen Beleidigung an (queer.de berichtete). Das brachte Palmer dazu, sich noch mehr über Pfuderer zu empören, was ihm unter anderem Applaus von Rechtsaußen einbrachte. Pfuderer wurde unterdessen von Trans-Hasser*innen im Internet wegen ihrer Geschlechtsidentität attackiert (queer.de berichtete).

Die Autorin J.K. Rowling, mit der sich Palmer nun vergleicht, war letzten Monat in die Kritik geraten, weil sie mehrfach gegen trans Menschen polemisierte – und sogar deren Existenz anzweifelte (queer.de berichtete).

Palmer: "liberale Demokratie" verteidigen

Palmer sieht sich selbst wie auch Rowling als Opfer von dunklen Mächten: Der schwäbische Kommunalpolitiker zitierte etwa einen Tweet von Jonas Volkmann vom Landesvorstand der Grünen Jugend Rheinland-Pfalz, der seinen Parteifreund aus Tübingen in sozialen Netzwerken aufgefordert hatte, den Mund zu halten, zurückzutreten, "Seminare zur toxischen Männlichkeit, Antirassismus und Queerfeindlichkeit" zu besuchen und nie wieder öffentlich aufzutreten. "Also kurz gesagt: Berufliche, moralische und gesellschaftliche Vernichtung", empörte sich Palmer. "Für ein Vergehen, das nicht im Strafgesetzbuch steht und noch nicht mal eine Ordnungswidrigkeit darstellt. Prozesse unnötig. Der Schuldige steht fest, weil Ankläger und Richter dieselben Personen sind." Es sei jetzt an der Zeit, "dass wir die liberale Demokratie vor ihren falschen Freunden verteidigen", fügte er pathetisch an.

Twitter / VollzeitJonas | Sich mit Palmer anzulegen hat Konsequenzen: Auch Volkmann muss sich jetzt queerfeindliche Beleidigungen anhören

Laut dem Tübinger OB sei Rowling, deren Aussagen er nur verkürzt wiedergab, zum Verhängnis geworden, dass sie nicht "um Vergebung gebeten [hat], sondern mit vielen Intellektuellen einen großartigen Appell gegen die Intoleranz im linken Milieu der Minderheitenrechtler veröffentlicht [hat]". In diesem Offenen Brief wurde kritisiert, dass man heutzutage nichts Kontroverses mehr sagen könne, ohne dass es "Rufe nach sofortiger Vergeltung" gebe (queer.de berichtete).

Palmer inszeniert sich bereits seit Jahren als Querdenker der Grünen, der mit unorthodoxen Themen aneckt. Dabei stellte er auch den Einsatz für LGBTI-Rechte in seiner Partei in Frage: So sprach er sich 2011 gegen "radikales Oppositionsgehabe" aus und erklärte, das uneingeschränkte Adoptionsrecht für schwule und lesbische Paare "vorerst keine Forderung, mit der sich 25 Prozent der Deutschen gewinnen lassen" (queer.de berichtete). Gleichgeschlechtliche Paare erhielten dieses Recht sechs Jahre später mit der Ehe-Öffnung. Auch damals spielte sich Palmer als Opfer auf und erklärte, sein Zitat sei "aus dem Zusammenhang gerissen worden" (queer.de berichtete).

Immer wieder stichelte er dann gegen LGBTI-Aktivist*innnen – 2016 warf er ihnen etwa "überspannte Aggression gegenüber der Mehrheitsgesellschaft" vor (queer.de berichtete). Zur Kritik an seinem Umgang mit Pfuderer hatte er bereits am Dienstag beklagt, dass LGBTI angeblich ein "Sonderrecht auf Schutz vor jeder vermeintlichen Kränkung" hätten. "Ist man Angehöriger einer Opfergruppe, hier Transsexuell, so darf man einem weißen Hetero-Mann über Jahre hinweg jede nur erdenkliche Gemeinheit öffentlich entgegenschleudern." (dk)



#1 Peck_SProfil
  • 15.07.2020, 17:49hFrankenthal
  • Da möchte ich gleich ergänzen, dass Palmer zusammen mit Hans Georg Maaßen !!! in der aktuellen Ausgabe des rechten Hetzblattes Tichys Einblick das Cover ziert, mit dem Aufmacher "Die Zerstörung der liberalen Gesellschaft durch die Meinungsdiktatur gesellschaftlicher Minderheiten". Hat noch jemand Fragen? Ich hoffe nicht.
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#2 Mr XAnonym
#3 MariposaAnonym
  • 15.07.2020, 18:13h
  • Antwort auf #1 von Peck_S
  • Palmer, Wendt, Maaßen und Sarrazin - die Quadriga des Grauens.

    Dabei hat sich der Tübinger OB vor Jahren einen Disput mit Hendryk Broder geliefert und ich habe ihn da noch verteidigt. Sorry....
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#4 Peck_SProfil
  • 15.07.2020, 19:24hFrankenthal
  • Antwort auf #3 von Mariposa
  • Ich denke tatsächlich, dass Sarrazin der perfekte Vergleich ist. Beide stehen mit ihren Aussagen und ihrem Handeln in krassem Widerspruch zum Selbstverständnis und der Ethik ihrer Parteien.

    Bei Sarrazin hat es ja drei Anläufe/Ausschlussverfahren gebraucht, bis im Januar das Gericht entschied, dass er ausgeschlossen werden darf. Ob das mittlerweile endgültig durch ist, weis ich ehrlich gesagt gar nicht, aber das Zeichen ist deutlich: Die SPD will keine Rassisten und Rassenhygieniker in ihren Reihen haben. Dieses Zeichen müssen! die Grünen jetzt auch setzen.

    Unabhängig von den Erfolgsaussichten muss Habeck mit einem Ausschlussverfahren klarmachen, dass ein LGBT- und Minderheitenfeind, ein Altersrassist und Hobbypolizist, der Studenten durch die Tübinger Altstadt verfolgt, der die Menschrechte und den Diskriminierungsschutz sexueller oder geschlechtlicher Minderheiten mit Diktaturen vergleicht und Flüchtlingen kollektiv eine schlechte Erziehung attestiert, keinen Platz bei den Grünen hat.
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#5 dellbronx51069Anonym
  • 15.07.2020, 21:17h
  • Dieser Typ bedroht nicht nur LGBTI sondern z.B. auch einfach Leute die ihr Grundstück nicht zu Bauzwecken verkaufen wollen. Ich weiss wirklich nicht warum die Mehrheit der Einwohner dieser Stadt so etwas mit sich machen lässt.
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#6 MelVixenAnonym
  • 16.07.2020, 01:31h
  • Mit einem muss man Palmer recht geben: Es gibt kein Gesetz (soweit mir bekannt ist) das Deadnaming und die unfreiwillige offenlegung des transtatus ausdrücklich unter Strafe stellt. Es gibt zwar das offenbarungsverbot im TSG aber das ist alzu oft ein zahnloser Tiger.

    Ich denke wenn wir ein neues TSG bekommen sollte das schnell geändert werden. Es sollte wenigstens dediziert unter beleidigung oder einen ähnlichem Straffbestand fallen
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#7 Ralph
  • 16.07.2020, 10:25h
  • Der Vergleich ist richtig. Beide sind Feinde der liberalen Demokratie, stehen politisch rechts außen, hetzen gegen benachteiligte Minderheiten und bekämpfen die freiheitliche, vielfältige Gesellschaftsordnung. Der hier schon gebrachte weitere Vergleich mit Hans-Georg Maaßen ist ebenfalls richtig. Sowohl Palmer als auch Maaßen haben sich in ein hohes politisches Amt eingeschleust, um dieses zu missbrauchen: Palmer agitiert als OB gegen Freiheit und Vielfalt, Maaßen hat den Verfassungsschutz von Maßnahmen gegen Rechtsextremismus abgehalten. Beide liegen offen auf einer Linie mit der AfD, obwohl sie zum Schein anderen Parteien angehören, und jene anderen Parteien lassen sie gewähren.
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#8 Anonyma
  • 16.07.2020, 12:51h
  • Was für eine Farce: Boris Palmer möchte sich also gerne als deutsche/schwäbische J.K. Rowling inszenieren und den Krieg gegen trans Menschen aus dem UK nach Deutschland importieren. Dabei wird er tatkräftig (aber vermutlich/hoffentlich ungewollt) von einer deutschen Trans*-Aktivistin unterstützt, die wie auf Knopfdruck der Dramaturgie von Palmers kleiner Weltuntergangsinszenierung folgend hysterisch auf Palmers billige Provokation reagiert und mit sinn- und aussichtslosen Strafanzeigen (groteskerweise auch noch unter Berufung auf das "Transsexuellengesetz") um sich wirft. Das ist an Absurdität wirklich kaum noch zu überbieten. Ein kurzer Blick über den Ärmelkanal reicht aus, um zu sehen, wohin es führen wird, wenn man dieses "Spielchen" weiter mitspielt. Eventuell wäre jetzt der richtige Zeitpunkt, die eigene Strategie für den Umgang mit den Palmers dieser Welt zu überdenken (bzw. überhaupt mal sowas wie eine Strategie zu entwickeln), bevor das Drama hier den selben katastrophalen Verlauf nimmt wie im UK? Aber ich fürchte, das wird wohl ein frommer Wunsch bleiben...
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#9 N8EngelProfil
  • 16.07.2020, 12:52hWenden
  • Mal wieder ein Kommentar aus den Reihen des Flügels - ich hab leider die Stelle nicht parat, aber es gab da diesen Politiker der sich auch über die "linksgrün versifften Menschenrechtsaktivisten" aufregte Mit der Wortwahl stellt man sich selbst an den rechten Rand und sollte zumindest vom Verfassungsschutz mal auf seine Akzeptanz der demokraischen Werte des Grundgesetzes überprüft werden.
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#10 Alexander_FAnonym
  • 16.07.2020, 13:58h
  • Recht hast du, Boris. Ähnlich wie diese drittklassige englische Kinderbuchautorin hast du dir nämlich mit deiner Häme die Finger verbrannt, im Glauben, dir würde schon nichts passieren, wenn du auf einer bisher unsichtbaren, marginalisierten Minderheit herumhacken würdest.
    Nun hast du gemerkt, dass wir (ich bin zwar cis, aber doch transgender ehrenhalber, deshalb sage ich das mal so) eben doch existieren und uns nicht mehr länger alles bieten lassen wollen.
    Mit der Schöpferin der Harald-Töpfer-Reihe hast du nun gemein, dass du, anstatt einzusehen, dass du dich echt im Ton vergriffen hast, überall Verschwörer siehst.
    Was du siehst, ist aber nur dein Mangel an Einsicht und Selbstkritik, und das ist genau der Pfad, der von der Linken über die Querfront hin zur extremen Rechten führt, ob bei einer Frau Rowling, einem Herrn Elsässer oder einem Herrn Naidoo.
    Überleg dir das gut, ob du diesen Pfad gehen willst, Boris.
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