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Todesstrafe für gleichgeschlechtliche Liebe abgeschafft

Sudan: Homosexuellen droht nicht mehr die Steinigung

Mit seiner Justizreform reduziert das islamische Land auch die Strafen für Homosexualität. Statt Auspeitschung oder gar dem Tod ist nun "nur" noch lebenslange Haft vorgesehen.


Bislang drohte Homosexuellen der brutale Foltertod durch Steinigung oder durch öffentlichen Erhängen (Bild: Victor R. Ruiz / flickr)

Die sudanesische Übergangsregierung hat vergangene Woche eine Justizreform beschlossen, mit der die Gesetze des Landes modernisiert werden sollen. Dabei ist auch die Todesstrafe für gleichgeschlechtliche sexuelle Beziehungen abgeschafft worden, meldet die in der Region aktive LGBTI-Organisation Bedayaa.

Bislang hatte auf "Unzucht" Auspeitschung und beim dritten "Vergehen" sogar die Steinigung oder öffentlichen Erhängen gestanden, auch wenn dieses Todesurteil für Homosexuelle seit Jahren nicht mehr vollzogen worden sein soll. Das islamistische Regime im Land hatte die Bestrafung damit begründet, dass Homosexualität ein Verbrechen gegen Gott sei, das den Tod verdiene. Legal ist die gleichgeschlechtliche Liebe aber weiterhin nicht: Nach dem neuen Gesetz drohen Homosexuellen fünf Jahre Haft nach der ersten Verurteilung, sieben Jahre nach der zweiten und lebenslang nach der dritten.

Viele mittelalterliche sudanesische Gesetze waren in den Achtzigerjahren eingeführt worden. Sie trugen zu einem Jahrzehnte langen Bürgerkrieg und schließlich 2005 zur Abspaltung des Südsudan bei – dort sind heute mehrheitlich Christ*innen und Anhänger*innen traditioneller Religionen beheimatet. Freilich ist auch der Südsudan nicht gerade LGBTI-freundlich: Dort stehen bis zu zehn Jahre Haft auf Homosexualität. In der Verfassung des Jahres 2011 werden zudem gleichgeschlechtliche Ehen ausdrücklich verboten.

Genitalverstümmelung ist künftig ein Verbrechen, Alkoholkonsum dagegen nicht mehr

Nach neuem sudanesischen Recht sind viele archaische Gesetze abgeschafft worden. Dazu gehört die Androhung der Todesstrafe für den Abfall vom islamischen Glauben. Auch Genitalverstümmelung von Frauen wurde verboten, ebenso wie alle öffentlichen Auspeitschungen. Zudem dürfen Nichtmuslime im Land künftig Alkohol trinken. Frauen müssen außerdem nicht mehr die Erlaubnis eines männlichen Verwandten einholen, wenn sie mit ihrem Kind reisen wollen. Die Reformen wurden möglich, nachdem der brutale Diktator Omar al-Bashir vergangenes Jahr nach 30 Jahren Herrschaft aus dem Präsidentenamt gejagt wurde.

Derzeit droht Homosexuellen noch in elf Staaten ein Todesurteil. Dabei handelt es sich um Afghanistan, Brunei, Iran, den Jemen, Katar, Mauretanien, den Norden Nigerias, Pakistan, Saudi-Arabien, Teile Somalias sowie die Vereinigten Arabischen Emirate. In den meisten Ländern war es – soweit bekannt – in den letzten Jahren nicht mehr zu einer Verhängung oder Vollstreckung der Strafe gekommen. In Uganda wird über die Einführung der Todesstrafe für Homosexuelle debattiert (queer.de berichtete). (dk)

In einer vorherigen Version hatte es geheißen, dass die Maximalstrafe sieben Jahre Haft sind. Tatsächlich kann nach der dritten Verurteilung lebenslang verhängt werden. Wir haben den Fehler korrigiert.



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#1 peskoProfil
  • 17.07.2020, 11:00hNürnberg
  • Für sudanesische Verhältnisse ein (kleiner) Fortschritt.

    Ein chinesisches Sprichwort besagt:

    Auch die längste Reise beginnt mit dem ersten Schritt.

    Bleibt zu hoffen, dass noch weitere (Fort-) Schritte folgen werden...
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#2 Ralph
  • 17.07.2020, 11:47h
  • Dieses Gesetz wurde in den 80ern eingeführt? Das ist bitter für diejenigen, die für den Schwulenhass in der islamischen Welt immer frühere Kolonialmächte verantwortlich machen, denn in den 80ern war der Sudan schon lange nicht mehr britische Kolonie.
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