https://queer.de/?36604
Schottland
Frau trinkt Poppers wie Schnaps und stirbt
Schrecklicher Unfall im Norden Großbritanniens: Die unter Schwulen beliebte Schnüffeldroge Poppers ist für den Tod einer Frau verantwortlich.

Poppers darf in Großbritannien – anders als in Deutschland – frei verkauft werden
- 16. Juli 2020, 12:28h 2 Min.
Eine Frau ist bereits am 6. Mai in der schottischen Stadt Arbroath gestorben, nachdem sie eine ganze Flasche Poppers der Marke XL Gold getrunken hat. Das teilte die schottische Polizei diese Woche mit. Offenbar hatte die Frau die Substanz für Schnaps gehalten und auf Ex hinunter geschüttet. Sie starb noch am selben Tag.
Dem Polizeibericht zufolge hatte ein männlicher Bekannter der Frau zwei 15 Milliliter-Fläschchen Poppers an einem Kiosk für je 3,99 Pfund erworben, umgerechnet also knapp 4,40 Euro. Eine der Flaschen habe er ihr gegeben.
XL Gold enthält den Wirkstoff Isobutylnitrit, der von Schwulen gerne als Schnüffeldroge beim Anal-Sex verwendet wird. Der Grund: Die Substanz hat eine muskelentspannende, schmerzlindernde und leicht euphorisierende Wirkung. Die orale Einnahme der stark ätzenden Flüssigkeit ist jedoch lebensgefährlich.
Die schottische Polizei hat nun die Verwaltung aufgefordert, die Lizenz des Kiosks zu überprüfen. Das Produkt müsse so verkauft werden, dass es nicht mit Alkohol verwechselt werden könne.
Bereits mehrfach Poppers-Vergiftungen mit Todesfolge gemeldet
Es gab bereits mehrfach Fälle von falscher Einnahme von Poppers. Ende 2011 starb etwa eine 21-jährige Frau in Frankreich nach dem Konsum der Schnüffeldroge (queer.de berichtete). 2016 wurde ein 18-Jähriger im münsterländischen Alstätte ins Krankenhaus eingeliefert, nachdem er eine ganze Flache getrunken hatte (queer.de berichtete). Ein Jahr später starb ein 22-jähriger Mann wegen Poppers-Einnahme bei einem australischen Musikfestival.
In Deutschland gilt Poppers als verschreibungspflichtiges Medikament, weil es früher gegen Herzbeschwerden angewandt wurde. Damit darf es nicht frei verkauft werden, der Besitz ist aber straffrei. Die Polizei hatte immer wieder Razzien in Sexshops durchgeführt, in denen das Produkt illegal angeboten wurde.
Auch "regulärer" Einsatz kann lebensgefährlich sein
Auch beim Schnüffeln ist Poppers nicht ungefährlich: Das Mittel gilt als lebensbedrohlich, wenn es mit Viagra eingenommen wird, da beide Substanzen den Blutdruck senken und eine kombinierte Anwendung tödlich enden kann. Auch Schnüffeln in Verbindung mit Medikamenten und Drogen erhöht die Gefahr für das Herzkreislaufsystem.
In Großbritannien wurde bereits vor ein paar Jahren über ein Poppers-Verbot debattiert. Der Vorschlag wurde jedoch fallengelassen, nachdem eine Expertenkommission einem Verbot kritisch gegenüber stand. Ein offen schwuler konservativer Abgeordneter outete sich damals als Poppers-Nutzer (queer.de berichtete).
In Österreich war Poppers bis 2015 legal erhältlich – viele Onlineshops lieferten auch nach Deutschland. Dann stufte das Bundesamt für Sicherheit und Gesundheitswesen die Schnüffeldroge als Medikament ein und untersagte den Vertrieb (queer.de berichtete). (dk)















