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Volksverhetzung, Beleidigung, Verleumdung

Kassel: Professor Kutschera erneut vor Gericht

Vor über 13 Monaten wurde der Prozess gegen den Homo-Hasser ausgesetzt – am Montag geht es wieder los. Der Biologie kündigt an, seine Aussagen, dass Homosexuelle eine pauschale Gefahr für Kinder seien, zu belegen.


Mit seinen Thesen stieg Kutschera zum Darling der AfD auf – hier bei einer Veranstaltung der Rechtsaußen-Landtagsfraktion in Schleswig-Holstein (Bild: Screenshot Facebook)

Der Kasseler Biologie-Professor Ulrich Kutschera muss sich wegen seiner homosexuellenfeindlichen Aussagen erneut vor Gericht verantworten. Am 20. Juli beginnt die Verhandlung vor dem Amtsgericht Kassel. Ein erster Prozess war im vergangenen Sommer aus formalen Gründen geplatzt (queer.de berichtete). Die Staatsanwaltschaft wirft dem 65-Jährigen Volksverhetzung in Tateinheit mit Beleidigung und Verleumdung vor.

Kutschera ist Evolutionsbiologe an der Universität Kassel. Die Vorwürfe gegen ihn beziehen sich auf ein Interview, das 2017 auf dem katholischen Internetportal kath.net erschien und das heute noch online ist. Es drehte sich um das Thema der gleichgeschlichten Ehe. Unter anderem hatte Kutschera erklärt: "Sollte das Adoptionsrecht für Mann-Mann bzw. Frau-Frau-Erotikvereinigungen kommen, sehe ich staatlich geförderte Pädophilie und schwersten Kindesmissbrauch auf uns zukommen." An anderer Stelle sprach er bei Homo-Männerpaaren mit Adoptivsohn von einem möglichen "Horror-Kinderschänder-Szenario" (queer.de berichtete).



Wegen der Aussagen hatten mehrere Homosexuelle und Kasseler Studierende Anzeige gegen Kutschera erstattet. Die Anklage wirft ihm vor, unter dem Vorwand angeblicher "biowissenschaftlicher Fakten" Homosexuellen eine grundsätzliche Neigung zum sexuellen Missbrauch von Kindern zuzuschreiben.

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Kutschera hält an Aussagen fest

Kutschera steht bis heute zu seinen homophoben Aussagen. "In der Hauptverhandlung werde ich unter Vorlage wissenschaftlicher Dokumente belegen, dass alle meine Aussagen zur 'Ehe für alle' und dem 'Kindesadoptionsrecht' sachlich korrekt sind." Er sei dankbar dafür, vor Gericht die Öffentlichkeit über die Themen "Pädosexualität", "Vater- bzw. Mutter-Entbehrung" und das "Kindeswohl" aufklären zu dürfen. "Die gegen mich erhobenen Anschuldigungen weise ich mit Bezug auf die Wissenschafts- und Meinungsfreiheit zurück. Als politisch neutraler Selbstdenker und international tätiger Evolutionsforscher werde ich die 'Biologie des Menschen' gegenüber der Gender-Ideologie verteidigen."

In den letzten Jahren hatte Kutschera immer wieder mit neuen homo- und transphoben Aussagen für Entzücken insbesondere unter Rechtspopulisten und Rechtsextremen gesorgt. Er verteidigte diese etwa bei einer AfD-Veranstaltung in Kiel, die unter dem Titel "Mann = Frau? Wie weit geht der Gender-Wahn?" stand (queer.de berichtete). Kutschera sitzt im Kuratorium der parteinahen Desiderius-Erasmus-Stiftung.

"Unqualifizierte Aussagen eines Pflanzenbiologen"

Bereits der erste wegen Terminproblemen geplatzte Prozess hatte ungewöhnlich begonnen. Kutschera ließ statt einer Erklärung biowissenschaftliche Definitionen vorlesen, zudem beantragte die Verteidigung, sein Buch "Das Gender-Paradoxon" als Beweis einzuführen. "Erst nach Einführung des Buches wird ersichtlich werden, dass Äußerungen auf biologischem Fachwissen beruhen", hatte sein Anwalt erklärt. Das Kutschera auch Gegenwind von Wissenschaftler*innen bekommt, wurde beim ersten Prozess deutlich. Ein 51-jähriger Zeuge, der Arzt, Kulturwissenschaftler und Psychotherapeut war, bezeichnete die Äußerungen als "unqualifizierte Aussagen eines Pflanzenbiologen".

Zusammen mit den Vorwürfen wird auch eine angebliche Unfallflucht Kutscheras verhandelt. Weil der Professor für einige Studierende und die LGBTI-Szene als Reizfigur gilt, wird wieder mit erheblichem Andrang zu dem Prozess gerechnet. Zum Auftakt sind elf Zeug'innen geladen, ein Fortsetzungstermin Anfang August ist vorgesehen. (dpa/dk)



#1 KaiJAnonym
#2 AlexAnonym
  • 17.07.2020, 10:23h
  • Toll wäre, wenn das Gericht eine Stellungnahme eines Verbandes von Evolutionsbiolog*innen in Deutschland oder dem Verband der Biologen (VdBiol) einholen würde. Dann wäre es nicht mehr nur eine Auseinandersetzung LSBTI vs. Kutschera.
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#3 Ralph
  • 17.07.2020, 11:34h
  • Hier steht nicht mehr und nicht weniger auf dem Prüfstand als die deutsche Justiz. Dass der Prozess schon über ein Jahr lang verschleppt wurde, ist jedenfalls kein Qualitätsnachweis des Gerichts. - Inhaltlich fühle ich mich an braune Zeiten erinnert. Auch die Rassenideologie der Nazis stand bekanntlich auf sogenannten wissenschaftlichen Erkenntnissen. Kutschera gehört in genau diesen stinkendbraunen Sumpf. Er hat lediglich die Hassgruppe ausgetauscht. Es lässt sich nicht oft und laut genug sagen, dass es ein Skandal ist, so jemanden an einer deutschen Hochschule "lehren" zu lassen. Aber in Deutschland ist ja alles möglich. Gerade habe ich in der Zeitung gelesen, dass in Speyer und Landau je eine Straße nach einem Mann benannt ist, der sich einst massiv für die Freilassung inhaftierter Kriegsverbrecher eingesetzt hat. Da fehlen einem die Worte. Mir graut vor dem Tag, an dem es in Deutschland Gauland-Straßen und Höcke-Plätze geben wird.
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#4 DudelAnonym
  • 17.07.2020, 12:54h
  • Lieber Herr Kutschera,

    in über hunderten von Spezies gibt es Homosexualität. Aber nur eine Spezies kennt Homophobie!

    Mal darüber nachgedacht?
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#5 AlexAnonym
#6 Alexander_FAnonym
  • 17.07.2020, 14:58h
  • Bringt er jetzt endlich mal diese wissenschaftlichen Beweise, die er so groß angekündigt hat? Er hat uns da doch so viel versprochen, und immer wieder wurde das verschoben.
    Jetzt komm schon, Ulli, alter Würmerexperte, wer A sagt, muss auch B sagen. Du wirst ja jetzt wohl nicht kneifen, wenn ganz Deutschland ganz gespannt auf deine bahnbrechenden Erkenntnisse wartet.
    Ich bin und bleibe auch immer noch gespannt, und das ist mein voller Ernst. Ich versprech dir, wenn du Recht hast, lass ich mich dann auch zum Allgemeinwohl von meinem Mann scheiden. Ist doch ein Deal, oder?
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#7 RalfAnonym
  • 17.07.2020, 15:29h
  • Ich hatte schon fast erwartet, dass ich allerlei Hasskommentare gegen Schwule zu lesen bekomme, bis mir einfiel, dass ich ja hier glücklicherweise auf einer Seite bin, die überwiegend von LGBT gelesen wird. Aber wenn dieser Bericht z. B. bei T-Online stände, wären da bestimmt viele homophobe Kommentare gekommen.
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#8 gaudeamus igiturAnonym
  • 17.07.2020, 16:18h
  • was ist das für eine uni, die diesen mann noch weiterbeschäftigt und auf student_innen loslässt?
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#9 Iuvenes dum sumusAnonym
  • 17.07.2020, 19:18h
  • Antwort auf #8 von gaudeamus igitur
  • Prof. Kutschera meinte mal, wenn zwei männliche Penguine oder zwei weibliche Zebras nebeneinander stehen, wäre das noch kein Zeichen von Homosexualität, da müßten noch weitere Aktivitäten hinzukommen. Was ist eine angemessene Retourkutschera?
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#10 daVinci6667
  • 17.07.2020, 20:28h
  • ...sehe ich staatlich geförderte Pädophilie und schwersten Kindesmissbrauch auf uns zukommen."

    Nö. Das kommt nicht erst auf uns zu. Staatlich geförderte Pädophilie und schwersten Kindesmissbrauch gibt es schon längst!!!

    Allen voran in der RKK. Das hat nichts aber auch gar nichts mit Ehe für alle zu tun. Sehr viel eher sollte endlich mal bei unseren größten Feinden ganz genau hingeguckt werden. Doch seid vorgewarnt. Das ist ganz übel dort,
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