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Mary L. Trump
Lesbische Trump-Nichte erzählt von Homophobie in der Familie
Als erstes Familienmitglied veröffentlichte Mary Trump ein Buch über den umstrittenen US-Präsidenten. Darin erzählt sie auch, dass sie ihre Homosexualität und ihre Hochzeit mit einer Frau vor ihrer Familie versteckte.

Mary Trump bei einem Interview mit der lesbischen Journalistin Rachel Maddow (Bild: Screenshot MSNBC)
- 17. Juli 2020, 09:49h 4 Min.
Mary Lea Trump hat in ihrem Enthüllungsbuch über ihre Onkel Donald, den aktuellen US-Präsidenten, auch über Antisemitismus, Rassismus und Homophobie in ihrer Familie erzählt. Ihr Buch "Too Much and Never Enough: How My Family Created the World's Most Dangerous Man" (Zu viel und nie genug: Wie meine Familie den gefährlichsten Mann der Welt erschuf) ist am Dienstag auf Englisch erschienen und beschreibt den mächtigsten Mann der Welt als verlogenen und kaltherzigen Narzissten.
Die ganze Familie sei von Hass besessen gewesen, so Mary Trump. Sie sprach in diesem Zusammenhang gegenüber der "Washington Post" von "reflexartigem Antisemitismus und Rassismus". "Es war normal, von ihnen das N-Wort oder antisemitische Ausdrücke zu hören", erklärte die 55-jährige Tochter des Präsidentenbruders Fred Trump Jr., der 1981 an einem Herzinfarkt im Zusammenhang mit Alkoholmissbrauch gestorben war. Die Homosexuellenfeindlichkeit sei versteckter gewesen: "Die Homophobie war nie eine große Sache, weil niemand je über homosexuellen Menschen gesprochen hat. Nun ja, bis meine Großmutter Elton John mit einem Schimpfwort belegt hat".
Heimliche Hochzeit in Hawaii
Im Buch geht sie deutlicher auf diesen Vorfall Ende der Neunzigerjahre ein. Demnach habe ihre im August 2000 verstorbene Großmutter, also die Mutter des Präsidenten, bei einem Gespräch über die Beerdigung von Lady Di gesagt: "Es ist eine Schande, dass man dieser kleinen Schwuchtel Elton John erlaubt hat, beim Gottesdienst zu singen." Weiter schrieb sie: "Ich habe gemerkt, es ist besser, dass sie nicht weiß, dass ich mit einer Frau zusammenlebe und mit ihr verlobt bin."
1999 habe sie in einer symbolischen Zeremonie auf einem Strand auf Maui heimlich ihre Freundin geheiratet. Sie sei damals mit ihrer Familie in Hawaii gewesen, weil ihr Großvater im Sterben lag – sie habe aber keinem anderen Trump von der Hochzeit erzählt. Mit ihrer Frau zog sie eine Tochter groß, inzwischen habe sie sich aber von ihr getrennt.
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Die allgemeine Menschenfeindlichkeit in der Familie Trump habe ihren Onkel zu dem gemacht, was er heute sei – der Präsident sei ein Produkt einer emotional abwesenden Mutter und eines soziopathischen Vaters. Deswegen sei sie nicht überrascht gewesen über den "offensichtlichen Rassismus" der Trump-Regierung. "Sein Ego ist fragil. Es muss ständig gestärkt werden, weil er tief im Inneren weiß, dass er nichts von dem ist, was er behauptet zu sein. Er weiß, dass er nie geliebt wurde", heißt es in dem Buch der promovierten Psychologin.
Außerdem erklärte Mary Trump, sie glaube nicht, dass Ivanka Trump einen mäßigenden Einfluss auf ihren Vater habe. Die offizielle Präsidentenberaterin präsentiert sich seit Jahren als eine Art menschliches Gesicht der Trump-Regierung, die auch stets in Twitter-Botschaften in der CSD-Saison zu "mehr Liebe" aufruft (queer.de berichtete). Über die LGBTI-feindlichen Beschlüsse ihres Vaters, etwa das Trans-Verbot im US-Militär, verliert sie jedoch kein Wort. Laut Mary Trump habe sie keinerlei Einfluss auf den Präsidenten.
Gericht erlaubte Veröffentlichung des Buches
Ein weiterer Bruder Donald Trumps und dessen ergebener Anhänger, Robert, hatte vergeblich vesucht, auf juristischem Wege das Erscheinen des Buches zu verhindern. Es gilt aber als unwahrscheinlich, dass es die Wähler*innen beeinflussen wird, da ähnliche Porträts des US-Staatschefs bereits von mehreren anderen gezeichnet wurden – und seine Anhänger*innen dies stets als Fake News abtun, über die man nicht reden müsse. "Dies ist einfach ein Buch voller Unwahrheiten", erklärte auch Trump-Sprecherin Kayleigh McEnany am Donnerstag im Weißen Haus.

Donald Trump selbst hat sich bislang nicht zu dem Buch geäußert – er schickt seine Sprecherin und seinen Sohn Eric vor
Mary Trump hatte 2016 Hillary Clinton als Präsidentschaftskandidatin unterstützt. Schon damals habe sie überlegt, öffentlich vor ihrem Onkel zu warnen, entschied sich aber am Ende dagegen. Heute denkt sie, dass sie die Wahl Trumps damals nicht hätte beeinflussen können. Immerhin hatte es Trump ja auch nicht geschadet, dass im Wahlkampf ein Video aufgetaucht war, in dem er öffentlich darüber prahlte, Frauen als Freiwild zu betrachten und zu behandeln ("Grab them by the pussy, you can do anything"). Dieses Jahr setzte sich Mary Trump zunächst für Elizabeth Warren ein, will nun aber den designierten demokratischen Kandidaten Joe Biden unterstützen. (dk)
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