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GLAAD-Studie

Hollywood-Filme: Mehr queere Figuren, aber weniger queere Vielfalt

Zwar kommen in immer mehr Hollywood-Filmen LGBTI vor – allerdings beschränkt sich die Sichtbarkeit weitgehend auf schwule weiße Männer.


"Rocketman", die Filmbiografie über Elton John mit Taron Egerton (li.) in der Hauptrolle, war vergangenes Jahr ein Beispiel für einen Blockbuster mit einer queeren Figur (Bild: Paramount Pictures)
  • 17. Juli 2020, 12:57h 20 3 Min.

Der Anteil der Filme mit queeren Figuren in den von den acht großen US-Filmstudios landesweit im Kino veröffentlichten Produktionen ist im vergangenen Jahr leicht gestiegen. Das geht aus dem neuen "Studio Responsibility Index" hervor, der am Donnerstag von der LGBTI-Organisation GLAAD veröffentlicht wurde.

Unter den 118 mit großem Werbeaufwand veröffentlichten Filmen hatten 22 mindestens eine schwule, lesbische, bisexuelle, trans oder queere Figur. Das entspricht 18,6 Prozent, der höchste bisher von GLAAD gemessene Wert. 2018 lag die Rate bei 18,2 Prozent (queer.de berichtete).

GLAAD wirbt bei Filmstudios dafür, bis 2021 mindestens 20 Prozent der Filme mit mindestens einer queeren Figur zu besetzen, bis 2024 soll dieser Anteil auf 50 Prozent steigen. Zu den in der aktuellen Statistik berücksichtigten Filmen gehören unter anderem "Rocketman", "Downton Abbey – Der Film" und "Avengers – Endgame".

Weniger Lesben, weniger Nicht-Weiße

Trotz des Anstiegs zeigen sich die GLAAD-Aktivist*innen unzufrieden, da innerhalb der queeren Figuren die Vielfalt fehle. In 68 Prozent der Filme mit queeren Figuren handle es sich um schwule Männer (plus 13 Prozent). Lesben seien dagegen nur noch in 36 Prozent (minus 19 Prozent) zu sehen, Bisexuelle in 14 Prozent (minus ein Prozent). Zum dritten Mal in Folge gab es keine einzige trans Figur in den großen Produktionen.

Auch die ethnische Vielfalt der queeren Figuren sinke stetig: 2019 wurden von GLAAD nur 34 Prozent der LGBTI in den getesteten Hollywood-Filmen als "farbige" Menschen ("people of color") identifiziert. 2018 waren es noch 42 Prozent, 2017 gar 57 Prozent.

/ glaad
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Zudem zeigten die meisten der 22 LGBTI-freundlichen Filme die queeren Figuren nur kurz: In nur neun Filmen waren diese mehr als zehn Minuten zu sehen. Mehr als die Hälfte der queeren Figuren (28 von 50) waren weniger als drei Minuten auf dem Bildschirm, 21 von ihnen sogar weniger als eine Minute.

"Noch langer Weg für Filmindustrie"

"Filme haben die Macht, das Publikum in aller Welt zu unterrichten, aufzuklären, und zu unterhalten. In unserem spalterischen politischen und kulturellen Klima müssen wir besonders auf LGBTQ-Geschichten und die Geschichten von allen marginalisierten Menschen achten", erklärte GLAAD-Chefin Sarah Kate Ellis. "Obgleich es einen Rekordanteil von LGBTQ-beinhaltenden Produktionen gab, gibt es für die Filmindustrie noch einen langen Weg, die LGBTQ-Community fair und präzise zu repräsentieren."

Eine positive Botschaft der Studie: Immer mehr Filme mit LGBTI-Figuren bestünden den Vito-Russo-Test. Dieser nach einem Filmhistoriker benannte Test soll feststellen, wie "substanziell" die queere Rolle ist. Neben dem ersten Kriterium, nämlich dass die Figur erkennbar lesbisch, schwul, bisexuell und/oder transgender sein muss, gibt es zwei weitere Kriterien: Zum einen darf die Figur nicht ausschließlich durch ihre sexuelle Orientierung oder Geschlechtsidentität definiert werden. Zum anderen muss die Figur so in die Handlung integriert sein, dass es bedeutsamen Einfluss auf die Geschichte hätte, wenn man sie herausschneidet.

Der Anteil der LGBTI-beinhaltenden Filme, die diesem Test im vergangenen Filmjahr bestanden, liegt bei einem Rekordwert von 73 Prozent. 2018 waren es noch 65 Prozent, 2015 lag der Wert sogar bei nur 36 Prozent. (dk)

-w-

#1 aberaberAnonym
  • 17.07.2020, 17:06h
  • Ich frage mich, wie viele Kinobesucher werden in diesen Großkinos queere Filme anschauen?

    Wenn da 20 Vorführsäle sind und in 9 laufen queere Filme, fürchte ich, sind die anderen 11 Säle überfüllt...

    Wenn ein Film belehrend 'rüber kommt, oder auch einfach "nur nicht interessiert", wird dir Produktion zum Flop!
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#2 KlarstellungAnonym
  • 17.07.2020, 17:35h
  • Antwort auf #1 von aberaber
  • Wenn in einem Film _auch_ queere Rollen vorkommen statt wie bisher gewohnt ausschließlich heteronormative Rollen, dann macht das diesen Film noch lange nicht zu einem "queeren Film". Oder wäre für dich z. B. ein Krimi mit einem Schwarzen Kommissar gleich automatisch ein Film über Rassismus, der deshalb genauso automatisch Weiße nicht interessieren kann?

    Es geht hier nicht (nur) darum, Filme über queere Themen zu machen, sondern darum, dass möglichst alle Filme in ihrem Cast die Realität abbilden, statt einen Teil der Realität einfach unsichtbar zu machen. Welche Themen ein Film behandelt, ist noch mal eine andere Frage.
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#3 Taemin
  • 17.07.2020, 18:07h
  • Antwort auf #1 von aberaber
  • Kommt auf den Film an. Ich erinnere mich an einen Kinoabend, bei dem der Saal bis auf den letzten Platz besetzt war, weil viele Schwule, einige Lesben, aber auch eine Heerschar von Heten "Das Hochzeitsbankett" sehen wollten. Wer den Film nicht kennt: Das war vor "Brokeback Mountain" der erfolgreichste schwule Film aller Zeiten und im Unterschied zu "Brokeback Mountain" mit glücklichem Ausgang.
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