Hauptmenü Accesskey 1 Hauptinhalt 2 Footer 3 Suche 4 Impressum 8 Kontakt 9 Startseite 0
Neu Presse TV-Tipps Termine
© Queer Communications GmbH
https://queer.de/?36623

Berlin

AfD-Politiker hetzt gegen CSD in Marzahn

Gunnar Lindemann filmte bei dem Pride, den er als "antirussischen Rassismus", "Propaganda", "Umerziehung" und "Krawall" diffamiert.


Lindemann hat ein Problem mit dem Demonstrationsrecht und dem Bemühen, Homo- und Transphobie zu bekämpfen (Bild: Screenshot Facebook)

Der erste CSD in Berlin-Marzahn, organisiert und am Samstag friedlich und erfolgreich abgehalten von Quarteera, der Vereinigung russischsprachiger LGBTI in Deutschland, um in dem Bezirk mit dem höchsten russischsprachigen Bevölkerungsanteil für Akzeptanz zu werben, hat zu gegenteiliger Hetze durch einen AfD-Politiker geführt.

Gunnar Lindemann hatte bereits im Vorfeld in sozialen Netzwerken Stimmung gegen die Veranstaltung gemacht: "Das linksgrüne Umerziehungsprogramm macht auch vor der russischsprachigen Community in Marzahn nicht halt. Unsere Nachbarn werden begeistert sein", schrieb das Mitglied des Abgeordnetenhauses bei Facebook. "Marzahn braucht keine Transgendergagarassisten!", meinte Lindemann bei Twitter. "Deutsche, Russen, Russlanddeutsche und viele Menschen aus anderen Nationen leben seit Jahrzehnten friedlich gemeinsam in Marzahn. Wir brauchen keinen antirussischen Rassismus in unserem Kietz!"



Lindemann, der 2016 sein Direktmandat im Wahlkreis Marzahn-Hellersdorf 1 mit 30,6 Prozent der Stimmen geholt hatte und dabei auch um russischsprachige Wähler*innen warb, tauchte dann selbst beim CSD auf, um einen Propaganda-Film für soziale Netzwerke zu drehen. Darin stellt er den ehrenamtlich organisierten Pride, der im Vorfeld um Spenden für die Durchführung gebeten hatte, als mit Steuergeldern finanziert dar – weil Quarteera bei einigen Projekten eine staatliche Finanzierung erhielt.

AfD wie Putin als Verteidiger vermeintlich konservativer "Werte"

Der Verein werde "politisch instrumentalisiert", so Lindemann, der sich in keinster Weise mit den Zielen und Aussagen von Quarteera und den Botschaften und Plakaten des Marzahn Pride auseinandersetzt. Stattdessen arbeitet er sich an Bannern von SPD, Linken und Grünen und der Beteiligung der Linken-Politikerin Petra Pau, die ihren Wahlkreis in Marzahn hat, als Rednerin ab. In Folge beklagt er eine rot-rot-grüne Instrumentalisierung, die sich gegen die "russlanddeutsche Community" richte, die "traditionell nach einem wertekonservativen Bild, christlich-orthodox-religiös" lebe und hier "umerzogen" werden solle.



Ein Großteil der Demonstranten sei "zu mindestens 90 Prozent von außerhalb angereist", mutmaßte Lindemann, stolzer Russland-Urlauber, der in sozialen Netzwerken schon mehrfach gegen LGBTI oder andere Minderheiten hetzte (queer.de berichtete). "Da kann ich nur ganz klar sagen: Wir brauchen in Marzahn keine Leute aus anderen Teilen von Berlin, die hier Unruhe stiften und die hier Krawall machen." Der – friedlich geplante und gebliebene – CSD sei "reine Propaganda", spiele Minderheiten gegeneinander aus und richte sich letztlich gegen die AfD, so Lindemann – "weil die wertekonservativen Russlanddeutschen in überwiegender Mehrzahl natürlich AfD-Wähler sind".

Große Feier für Akzeptanz

An dem ersten Marzahn Pride eine Woche vor dem regulären, in diesem Jahr vor allem online abgehaltenen Berliner CSD hatten sich rund 500 Menschen beteiligt – ein großer Erfolg für das kleine Team in Corona-Zeiten. "Unser Ziel ist, Stereotype aufzulösen und Marzahn zu überzeugen, uns ohne wenn und aber zu akzeptieren", hatte Quarteera vorab betont (queer.de berichtete). Auf Intoleranz wolle man "mit Bildung, Offenheit und einer großen Feier antworten" und zugleich auch Stereotype über Marzahn und seine Bevölkerung aufbrechen.

Twitter / rbb24 | Video-Bericht des RBB. Der russischsprachige Dienst der Deutschen Welle sendete in einem weiteren Beitrag die Eindrücke des friedlichen Protests um die Welt

Allgemeiner wollte der CSD auch "auf die Gefahr hinweisen, in der sich die LGBT+ Community in osteuropäischen und zentralasiatischen Ländern befindet. Wir haben die Sprache des Krieges und des Hasses satt", so Quarteera. In Russland wurde in dieser Woche ein Gesetzentwurf eingebracht, trans Personen die Ehe und gleichgeschlechtlichen Paaren oder solchen mit trans Partner*innen die Adoption von Kindern zu verbieten (queer.de berichtete).

Facebook / Cosmo – Radio po-russki | Auch COSMO Radio po-russki vom WDR berichtete von der friedlichen Kundgebung. Fast zeitgleich wurden am Samstag in Moskau und St. Petersburg 33 Menschen bei friedlichen Protesten gegen die Reform des Familienrechts festgenommen (queer.de berichtete)

Quarteera wurde vor rund zehn Jahren gegründet und ist mit rund 150 Mitgliedern vor allem in Berlin, Hamburg und dem Rheinland aktiv. Zu den Zielen des Vereins zählen Freizeitangebote, Beratung, Aufklärung, lokale, nationale und internationale Vernetzung sowie Austauschprogramme. (nb)



#1 WadimAnonym
#2 JadugharProfil
  • 19.07.2020, 14:41hHamburg
  • In Mitteleuropa (Frankreich und Deutschland) gab es einmal ein Zeitalter der Aufklärung, die ein sehr genaues Bild der skrupellosen Kleriker gezeichnet hatte, die den Menschen ein schlechtes Gewissen einredete, wenn sie kein Geld in ihre klerikalen Organisationen pumpte. In Rußland, USA, Saudi-Arabien usw. gab es diese Aufklärung nicht, so daß viele Menschen immer noch an diese vielen Lügen glauben.
    Ein bißchen Aufklärung würde den Rußlanddeutschen und auch den hier lebenden Russen gut tun, um zu erkennen in welch unterdrückender traditioneller Verbots-Kultur sie leben müssen und welchen Schmarotzern sie hierbei dienen!
  • Antworten » | Direktlink »
#3 IntegratorAnonym
  • 19.07.2020, 14:43h
  • Seltsam... wenn Menschen aus anderen Kulturen hier her kommen und sich nicht an Recht und Gesetz hier halten wollen, ist die Allianz für Dumme doch er erste Haufen, der mit Blöken beginnt.

    Noch gilt hier nicht die russische Verfassung. Und es bleibt auch trotz dieser Deppen hoffentlich noch lange so.

    Wenn die ihren russisch orthodoxen Traum leben sollen... Moskau hat bestimmt noch die eine oder andere Plattenbauwohnung frei...

    Den Typ im grauen Anzug können die gleich mitnehmen.
  • Antworten » | Direktlink »
#4 KaiJAnonym
  • 19.07.2020, 15:07h
  • So wie mensch Quarteera auf den CSDs erlebt, kann ihm nur höchster Respekt und Solidarität entgegenkommen. Und die Parteien und ihre Vertreter*innen, die hier ihre Solidartät demonstrieren, machen diese in einer Linie erst glaubwürdig, wenn sie sie jetzt auch konsequent gegenüber LGBTIQ-Aktivist*innen in Russland zeigen.
  • Antworten » | Direktlink »
#5 Alexander_FAnonym
  • 19.07.2020, 15:24h
  • Antwort auf #2 von Jadughar
  • Auch wenn du insofern Recht hast, dass Russland in manchen Punkten rückständig ist, muss ich dir in Bezug auf die Aufklärung etwas widersprechen. Tatsächlich hat diese Phase (auf Russisch "proswjaschtschenie", wörtl. "Durchleuchtung", "Erleuchtung"), die mit Peter dem Großen eintrat, durchaus einen bleibenden Eindruck im russischen Geistesleben hinterlassen, allein schon durch die Angleichung des kyrillischen Schriftbilds an das europäische.
    Richtig ist allerdings, dass man unter Historikern davon ausgeht, dass in Russland die Epoche der Aufklärung quasi direkt auf das Mittelalter folgte und es keine Übergangsphase wie die Renaissance gab, und dass außerdem der Sprung vom Mittelalter in die Aufklärung von oben verordnet war und bei einem Großteil des Volkes nie ankam bzw. auf Ablehnung stieß.
    Mit der Westler-Slawophilen-Debatte wollen wir hier gar nicht erst anfangen.

    Abgesehen von diesen historischen Ausführungen kann man nur sagen, dass die Behauptungen Herrn Lindemanns schlicht absurd sind. Tatsächlich feiern auf diesem CSD sehr viele russischsprachige Menschen, die ihre Sprache und Kultur gerne pflegen. Wenn Herr Lindemann davon ausgeht, russischsprachigen Menschen sei der Hang zu seinem geliebten christlich-autoritären Muff angeboren, so ist er der Rassist und steht damit auf einer Stufe mit islamistischen Wirrköpfen, die ihre kruden Ansichten ebenfalls als Teil einer angeborenen "Kultur" und Kritik daran als "Rassismus" betrachten. Diese rhetorischen Taschenspielertricks sind leicht durchschaubar.
  • Antworten » | Direktlink »
#6 AnuckAnonym
#7 OlliAnonym
  • 19.07.2020, 19:17h
  • Guckt euch den Typen an. Sexuell frustrierte Menschen hetzen am lautesten gegen schwule und lesben. Übertroffen werden diese Hetzer nur noch von denen, die selber schwul sind. Ignorieren muss man diese Pack. Diskutieren lohnt nicht.
  • Antworten » | Direktlink »
#8 PutinMyAssAnonym
  • 19.07.2020, 20:21h
  • Ui... Putins Sprachrohr zwitschert auf seinem Profil, dass er sich von queer.de diskriminiert fühlt...
    Die Demonstranten protestieren gegen Putins Ansichten, die HIER nichts zu suchen haben!

    Diejenigen, die sich in seiner russischsprachigen Community von der Demonstration diskriminiert fühlen könnten sind diejenigen, die die westlichen Werte nicht vertreten, Putin verehren und somit auch nach Maßstäben der AFD nicht integriert sein dürften!
    Was soll dieses Messen mit zweierlei Maß dieses Schwätzers???
  • Antworten » | Direktlink »
#9 DramaQueen24Profil
  • 20.07.2020, 00:00hBerlin
  • Das sagt der Politiker einer Partei, die nachgewiesenermaßen von Putin unterstützt wird, um Deutschland, um Europa, zu schwächen! So glaubhaft, wie Donald Trump, der behaupten würde, nie zu lügen!
  • Antworten » | Direktlink »
#10 DramaQueen24Profil
  • 20.07.2020, 00:05hBerlin
  • Antwort auf #2 von Jadughar
  • Viele Russlanddeutsche vergessen zu oft, dass Russland/die Sowjetunion sie loswerden wollte, sie oft in den Knast steckte, oder ermorden ließ, und dass sie in der Sowjetunion nicht mal Deutsch quasseln konnten.
    Sie sehen lieber RT (Russia Today), dem Propagandasender aus Putins Reich, als etwa die Tagesschau, und fallen, obwohl sie es besser wissen sollten, auf deren Propaganda rein. Das beste Beispiel ist die Geschichte rund um "unser Mädchen Lisa", wo Gerüchte, Halbwahrheiten und vor allem Lügen dazu führten, dass von russischer Seite gegen Flüchtlinge gehetzt wurde.
  • Antworten » | Direktlink »