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Geschlechtervielfalt im Beruf

"Liebes Team": Inklusive Sprache im Job ist gar nicht schwer

"Sehr geehrte Damen und Herren" gilt als Anrede im Schriftverkehr als höflich. Doch sie lässt nicht-binäre Menschen außen vor. Eine gerechte Kommunikation kann sich für Unternehmen auszahlen.


Sprache gerecht zu gestalten, lohnt sich laut Diversity-Expert*innen nicht nur firmenintern (Bild: fauxels / pexels)

Stellenausschreibungen machen es auf dem Arbeitsmarkt vor: Seit 2019 sind Arbeitgeber*innen dazu verpflichtet, Jobinserate genderneutral zu formulieren. Mit der Angabe (m/w/d) etwa, was für männlich, weiblich, divers steht, können Unternehmen alle Jobinteressierten ansprechen.

Das ist aber nicht alles, was Arbeitgeber*innen und Beschäftigte tun können, um sich inklusiv und gerecht aufzustellen. "Die Forderung nach gerechter Sprache ist schon immer eine feministische gewesen", sagt Markus Ulrich vom Lesben- und Schwulenverband (LSVD). Die Diskussion um gerechte Sprache für trans, inter- und nicht-binäre Menschen docke aber daran an.

Einfache Alternativen im Schriftverkehr

Wer E-Mails mit "Liebe Kollegen" oder "Liebe Kunden" beginnt, wird zwar höchstwahrscheinlich sowohl Männer als auch Frauen meinen. Doch das generische Maskulinum klammert Frauen sprachlich aus. Dabei gebe es vor allem im Schriftlichen einfache Alternativen, die nicht einmal als vorsätzlich gegendert auffallen. Zum Beispiel "Liebes Team", "Liebe Anwesende" oder "Liebes Publikum", schlägt Ulrich vor.

Die direktere Variante für gendergerechte Sprache setzt auf die konsequente Beid-Nennung durch ein Gendersternchen (Kolleg*innen), Binnen-I (KollegInnen) oder einen Unterstrich (Kolleg_innen).

Entscheiden sich Unternehmen für eine durchweg gegenderte Schreibweise, macht Etikette- und Personal-Trainerin Susanne Helbach-Grosser auf eine weitere Option mit Doppelpunkt (Kolleg:innen) aufmerksam. Moderne Spracherkennungen machen dann eine Sprechpause, statt den Doppelpunkt mitzulesen.

Bei direkter Anrede auf vollen Namen setzen

Die schriftliche Sprache zu verändern, dürfte in den meisten Unternehmen mit eher geringen Hürden verbunden sein. Doch wie verhält man sich am besten, wenn eine Person zum Beispiel im Bewerbungsprozess "divers" oder keine Kategorie angibt?

"Divers ist nur eine Sammelkategorie für die unterschiedlichen Geschlechtsidentitäten", erklärt Ulrich dazu. Eine vierte, leere Option müsse ebenfalls bestehen.

Susanne Helbach-Grosser ist der Ansicht: "Wir dürfen fragen. Das ist besser, als gar nichts zu sagen. So wie ich auch jemanden mit Adelsprädikat nach der richtigen Anrede frage." Oft ergebe sich durch das Siezen im direkten Gespräch gar keine Notwendigkeit, das korrekte Pronomen zu kennen, sagt Ulrich.

Grundsätzlich könne auch auf die Anrede "Frau" oder "Mann" verzichtet werden. Stattdessen kann man das Gegenüber höflich mit Vor- und Zunamen ansprechen. Auch im schriftlichen Kontakt bietet sich die Anrede "Guten Tag Vorname Nachname" an.

Nicht auf binäre Anrede beharren

René_ Rain Hornstein promoviert an der Technischen Universität Braunschweig zu dem Thema "internalisierte Trans*unterdrückung" und wünscht sich einen "Sensibilitäts- und Emotionenwandel" in der Gesellschaft. "Höflichkeit ist, Leute so anzusprechen, wie sie sich identifizieren oder, wenn ich es nicht weiß, sie geschlechtsneutral anzusprechen und nicht auf einer binären Anrede zu beharren."

Dass geschlechtliche Gleichberechtigung nicht bei Mann und Frau aufhört, ist spätestens seit einem Beschluss (Az. 1 BvR 2019/16) des Bundesverfassungsgerichts im Oktober 2017 auch juristisch eindeutig. Das Gericht entschied, dass das geltende Personenstandsrecht mit den beiden Optionen "männlich" und "weiblich" gegen das Diskriminierungsgesetz verstößt, wenn keine dritte Eintragung möglich ist (queer.de berichtete).

Gerechte Sprache kann sich lohnen

Sprache gerecht zu gestalten, lohne sich nicht nur firmenintern. Auch in der externen Kommunikation, zahlt sich eine inklusive Sprache aus, meint René_ Rain Hornstein: "Zum einen kann so ein neuer Kund*innenstamm aufgebaut werden und zum anderen schützt sich das Unternehmen vor Klagen und damit auch vor Finanz- und Imageverlust."

Hornstein macht außerdem auf die unterschiedlichen Ebenen von Geschlecht aufmerksam. Unter anderem sei die Differenzierung zwischen Identität, Anrede, körperlichen Merkmalen und juristischem Personenstandsgeschlecht wichtig.

Unternehmen sollten deswegen gezielt unterscheiden, auf welche Angabe sie hinauswollen sind. Das gelte insbesondere bei der Frage nach dem eingetragenen Personenstandsgeschlecht. Wollen Unternehmen diese Information wissen, sollten sie auch konkret danach fragen. "Dann muss dem Unternehmen aber auch klar sein, dass das Identitätsgeschlecht von diesem Personenstandsgeschlecht abweichen kann."

Die Unterscheidung zwischen Identität und eingetragenem Geschlecht spiele insbesondere bei trans Personen, deren Coming-out im Laufe des Berufslebens erfolgt eine große Rolle, so Ulrich. Unternehmen sollten dann nicht erst auf die rechtliche Anerkennung warten, bis sie zum Beispiel entsprechende Arbeitskleidung zur Verfügung stellen, Namensschilder ändern oder Zeugnisse umschreiben.

Nicht nur Sprache spielt eine Rolle

Wollen sich Unternehmen diskriminierungsfrei aufstellen, rät Hornstein zu einer Analyse, wo Geschlecht im Unternehmen eine Rolle spielt. Das könne neben der Kommunikation und der Kleidung beispielsweise bei der räumlichen Gestaltung von Umkleiden und Toiletten der Fall sein.

Expertise können sich Unternehmen bei betroffenen Personen holen oder in der Forschung. Auch die Antidiskriminierungsstelle des Bundes bietet eine Reihe von Publikationen dafür an.



#1 Ich12345678Anonym
  • 20.07.2020, 06:50h
  • Das ist alles ziemlich übertrieben und zudem überflüssig. Die deutsche Sprache unterscheidet zwischen grammatikalischem und tatsächlichem Geschlecht. "Die Kollegen" bezieht sich also auf alle Geschlechter. Warum die Sprache unnötig verkomplizieren?
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#2 Kritiker_in
  • 20.07.2020, 06:52h
  • "Die direktere Variante für gendergerechte Sprache setzt auf die konsequente Beid-Nennung durch ein Gendersternchen (Kolleg*innen), Binnen-I (KollegInnen) oder einen Unterstrich (Kolleg_innen)."

    Das ist, mit Verlaub, nicht korrekt. Eine "Beid-Nennung" (was für ein ohnehin sperriger Begriff!) würde ja voraussetzen, dass es genau ZWEI Geschlechter gebe ("beide" = das eine und das andere, also genau zwei).

    Dies spiegelt sich in der mittlerweile veralteten Schreibweise mit dem Binnen-I wider - aber OHNE Gendersternchen oder Unterstrich (also hier z.B. KollegInnen) - aber eben auch NUR in der Variante mit dem Binnen-I.

    Die modernere, inklusivere Variante ist diejenige mit Gendersternchen, Unterstrich oder z.B. auch Doppelpunkt, weil eben diese Zeichen buchstäblich Platz machen für weitere Identitäten. Beim Binnen-I ist da kein Platz.

    Aber in der heute angemessenen Schreibweise mit Sternchen, Unterstrich oder Doppelpunkt geht es dann eben auch defintiv nicht um die veraltete, binäre Sicht von "beiden" Geschlechtern, sondern um ALLE.

    Denn es gibt halt eben NICHT nur zwei.
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#3 audeasAnonym
  • 20.07.2020, 09:09h
  • Antwort auf #1 von Ich12345678
  • Sie müssen ein cis Mann sein. Die triefende Ignoranz und Empathielosigkeit in Ihrem Post entlarvt Sie.
    Es ist weder "übertrieben" noch so eindeutig wie Sie behaupten. Es ist wissenschaftlich und evidenzbasiert festgestellt worden, dass das "grammatikalische" Geschlecht des generischen Maskulinums eben nicht alle Geschlechter einschließt.

    Solidarität in der Community ist hier das Schlagwort.
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#4 LunaAnonym
  • 20.07.2020, 09:12h
  • Antwort auf #1 von Ich12345678
  • So ist das natürlich gedacht, aber es funktioniert halt leider nicht so einfach. Das generische Maskulinum suggeriert im Gehirn trotzdem eine männliche Person und das lässt sich auch nicht einfach weglernen. Sprache reflektiert die Gesellschaft, in dem Fall hatten wir eben eine Gesellschaft die den Mann im Fokus hatte. Ist es also nicht der logische Schritt die Sprache anzupassen statt zu sagen "war schon immer so"?
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#5 aberaberAnonym
  • 20.07.2020, 10:36h
  • Ich stehe ja schon einige Jahrzehnte im Arbeitsleben und als ich meine ersten Kröten in den 70er Jahren verdiente, machte man (und auch frau!) sich über solche Sachen keine Gedanken.

    Dafür wurden die Menschen anständig behandelt und bekamen einigermaßen anständige Löhne und Gehälter.
    Heute haben wir dank Harzt IV & Co einen "Arbeitsmarkt" den man eigentlich nur als Sklavenmarkt beschreiben kann. Für immer weniger Geld sollen die Arbeitnehmer unter immer schlechter werdenden Bedingungen immer mehr arbeiten.

    Da erscheint mir z.Z. eine gender gerechte Sprache als ein absolutes Luxusproblem.
    Wir sollten z.B. dafür sorgen, dass Männer und Frauen endlich gleiche Geld für gleiche Arbeit bekommen (und die nicht cis natürlich auch).

    Wenn u.a. da endlich Gerechtigkeit besteht, können wir uns auch über Sprache unterhalten.
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#6 Konrad DAnonym
  • 20.07.2020, 10:37h
  • Antwort auf #4 von Luna
  • Das Problem bei allen /*_:'Innen ist, dass beim SPRECHEN die weibliche Seite überbetont wird und alle Nichtbinären wieder unter den Tisch fallen.

    Das ist weder hilfreich noch fortschrittlich.

    Kollegx, Teilnehmex ... usw. wäre wirklich inklusiv, aber vermutlich zurzeit kaum mit breiter Akzeptanz durchzusetzen. Die Zementierung in binäre /*_:'Innen-Kategorien ist allerdings kontraproduktiv für das Vorhaben, wirkliche Inklusivität zu realisieren.
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#7 Leo BirkAnonym
  • 20.07.2020, 10:52h
  • Dafür dass schon in der Überschrift angekündigt wird, dass inklusive Sprache nicht schwer sei, wird im Artikel kein Vorschlag gemacht, wie im formellen Schriftverkehr damit umgegangen werden kann. "Liebes Team" oder "Liebe Kund*innen" ist informell. Das mag in manchen, gerade kreativen, Branchen kein Problem beim Erstkontakt oder in allgemeinen Schreiben sein, in anderen kann es als unprofessionelles Verhalten einen schlechten, übergriffigen Eindruck machen, weil man sich eine Nähe herausnimmt, der das Gegenüber nicht zugestimmt hat.

    Bei Sammelschreiben an Gruppen kann man natürliche diese Gruppe ansprechen ("Sehr geehrte Geschäftspartner*innen/Kund*innen/etc").
    Aber wie lautet die korrekte formelle Form, wenn ich den Namen kenne, aber das Geschlecht nicht? "Sehr geehrte*r NAME"? "Sehr geehrte/r NAME"?
    Wie, wenn ich den Namen nicht kenne, als inklusive Alternative zu "Sehr geehrte Damen und Herren"? Weder der Vorschlag "Publikum" noch "Anwesende" aus dem Artikel macht für den Schriftverkehr Sinn, auch wenn sie beim Sprechen sehr gute Alternativen sind.
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#8 goddamn liberalAnonym
  • 20.07.2020, 11:11h
  • Antwort auf #5 von aberaber
  • "Dafür wurden die Menschen anständig behandelt und bekamen einigermaßen anständige Löhne und Gehälter."

    Das legt den Finger in die Wunde!

    Privilegiert ist frau/man hierzulande und allüberall v.a. durch ihr/sein Kapital.

    Wer dies ignoriert, verkennt die gesellschaftliche Realität im pseudo-linken Neoliberalismus.

    In dem sich ein sehr hellhäutiges nicht-binäres Apothekerkind mit Auslandsstudium in Kommunikationswissenschaften wie Hengameh Y. von der TAZ als 'PoC' aufspielt, das Polizist*innen hochherrschaftlich nicht zur Pediküre zulassen will und lieber zum Müll schmeißt.

    Selbstverständlich ist z. B. auch ein äthiopischer oder arabischer Adliger gegenüber einem 'weißen' Bettler ungemein privilegiert.

    de.wikipedia.org/wiki/Asfa-Wossen_Asserate

    Dass Frauen und Nicht-Binäre sprachlich berücksichtigt werden sollten, ist eine Frage der Höflichkeit.

    Höflichkeit löst aber keine Klassenfrage.
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#9 AFD-WatchAnonym
  • 20.07.2020, 11:41h
  • Antwort auf #5 von aberaber
  • Bist du dir da sicher? Das stimmt nicht ganz, dass man sich keine Gedanken drüber machte. Insbesondere die "Fräuleins" machten sich viele Gedanken darüber. Sprache ist eben auch mit Weltsicht verbunden.
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#10 Ralph
  • 20.07.2020, 12:41h
  • Ich will nicht von vornherein alles vom Tisch fegen, was gendergerechte Sprache angeht. Ich selbst habe mir im amtlichen Verkehr (bin Beamter) schon vor langer Zeit angewöhnt, stets beide Geschlechter anzusprechen, wobei ich aber mit dem Schrägstrich arbeite statt mit Sternchen, Unterstrichen oder dem großen I (z.B. der/die Leistungsberechtigte; der Kläger/die Klägerin usw.). Für nichtbinäre Menschen bietet die Sprache aber nun mal keine Ausdrucksform. Ich denke indes, dass sie sich in meinem System durchaus wiederfinden können. - Andererseits: Die verbissene Sprachpolizei hat inzwischen verrückte Ausmaße erreicht. Da kann ich mitunter nur staunen. Wesentlich sinnvoller, als jeden einzelnen Buchstaben zu gendern, wäre freilich, die vollkommene Gleichbehandlung der Geschlechter und auch der nichtbinären Menschen endlich zu verwirklichen. Gerade das geschieht aber nicht. LIeber wird über die Sprache gezankt.
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