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Südostasien

Malaysia verstärkt Vorgehen gegen trans Personen

Der Religionsminister forderte von seinen Behörden die konsequente Festnahme von trans Personen – und ihre religiöse "Erziehung" zum "richtigen Weg".


Al-Bakri ist seit März Religionsminister, zuvor war er Mufti der drei Bundesterritorien Malaysias und Leiter eines Instituts zur religiösen Erziehung

Im In- und Ausland wächst die Kritik am malaysischen Religionsminister Zulkifli Mohamad Al-Bakri. Dieser hatte am 10. Juli in sozialen Netzwerken angekündigt, er habe der Islamischen Religionspolizei (Jawi) "die volle Lizenz zur Durchführung ihrer Durchsetzungsmaßnahmen" gegen Transgender in Malaysia erteilt.

Dabei erläuterte der 51-Jährige, dass sein Befehl über die Verhaftung der Betroffenen hinausgehe. Das primäre Ziel sei Religionsunterricht, damit sie "auf den richtigen Weg zurückkehren". "Der Islam ist eine erzieherische Religion." Dies erfordere eine konzertierte Anstrengung aller religiöser Behörden.

In dem Land, in dem viele trans Personen als Sexarbeiter*innen arbeiten, kommt es Berichten von Menschenrechtsorganisationen zufolge immer wieder zu Razzien gegen sie, zu Erpressungen durch die Polizei und zu Ermittlungen und Strafverfahren nach einem Scharia-Gesetz gegen "Cross-Dressing". Auch sind sie nicht vor Diskriminierung im Zivilrecht oder im Gesundheitswesen geschützt. In den letzten Jahren hatte das Land mehrfach über "Konversionstherapien" für Homo- und Transsexuelle debattiert und diese teilweise wohl auch durchgeführt (queer.de berichtete).

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Furcht vor religiöser "Therapie"

"Anstatt sicherzustellen, dass die Menschenrechte und die Würde aller Personen respektiert und geschützt werden, geht der Minister durch seine Erklärung in die entgegengesetzte Richtung, indem er staatliche Maßnahmen gegen Personen befürwortet", die sexuellen Minderheiten angehören, beklagte Ambiga Sreenavasan, eine bekannte malaysische Anwältin der International Commission of Jurists (ICJ). Dieser "inakzeptable transphobe und homophobe Angriff eines Regierungsbeamten" zeige die gesellschaftlichen Vorurteile gegenüber trans Personen und den Mangel an rechtlichem Schutz gegen Diskriminierung.

Sreenavasan zeigte sich "zutiefst besorgt" über den Plan des Ministers, trans Personen quasi "zu einer religiösen Konversionstherapie zu verpflichten". "Zahlreiche Studien haben gezeigt, wie religiöse Konversionstherapie und verwandte Praktiken nicht nur Transgender, sondern auch Lesben, Schwulen und Bisexuellen echten Schaden zufügen." Die ICJ verwies auch auf die staatliche Verfolgung gegenüber Homosexuellen; einvernehmliche gleichgeschlechtliche Kontakte können nach staatlichem und nach Scharia-Recht verfolgt werden, ihnen drohen Gefängnis und Stockschläge. In den letzten Jahren war die Folterstrafe mehrfach angewandt worden, 2018 erstmals auch gegen ein mutmaßliches Lesben-Paar (queer.de berichtete).

Die Organisation "Justice for Sisters", die Rechte für trans Personen einfordert, beklagte ebenfalls die "unverantwortliche und erniedrigende Äußerung" des Ministers. "Seine Erklärung wird die ungestafte Diskriminierung, Gewalt und Misshandlung von transgender Frauen durch Vollzugsbeamte der Religionsbehörden sowie durch Mitglieder der Öffentlichkeit verstärken." Seit der Erklärung erhalte man verstärkt besorgte Rückmeldungen von Personen, die um ihre Sicherheit und Gesundheit fürchteten. Eine frühere Befragung von trans Frauen aus Kuala Lumpur und Selangor habe ergeben, dass 57 Prozent von ihnen Opfer willkürlicher Festnahmen wurden. (cw)