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Ende einer Beziehung

Trennungsschmerz – Warum wir Liebeskummer so unterschiedlich verarbeiten

Manche Menschen können nach einer Trennung an nichts anderes denken als ihren Ex zurück zu bekommen.


Kaum ein Ereignis ist ähnlich einschneidend wie der Verlust einer geliebten Person (Bild: Catkin / pixabay)
  • 20. Juli 2020, 15:26h, noch kein Kommentar

Eine Trennung ist für die meisten Menschen unerträglich. Kaum ein Ereignis ist ähnlich einschneidend wie der Verlust einer geliebten Person. Dennoch reagieren wir auf Liebeskummer teilweise völlig verschieden. Der Psychiater Günter H. Seidler erklärt, warum manche Menschen nach einer Trennung an nichts anderes denken können, als ihren Ex zurück zu bekommen, während andere die Erfahrung scheinbar unbeschadet überstehen.

Als Traumaforscher wird Günther H. Seidler regelmäßig mit dem Thema Liebeskummer konfrontiert. Er ist der Ansicht, dass der Problematik in der Traumatherapie noch nicht ansatzweise genug Aufmerksamkeit geschenkt wird. Und das, obwohl das Ende einer Beziehung einen ähnlich traumatischen Einfluss auf die psychische Gesundheit haben kann, wie die Konfrontation mit Tod und Gewalt: "Wer Trauma hört, denkt erst einmal an Opfer von Kriminalität, an Menschen, die Naturkatastrophen, Krieg oder Terroranschläge überlebt haben. In der von mir geleiteten Ambulanz begegnete ich aber immer häufiger Patienten, die unter den gleichen körperlichen und psychischen Problemen litten wie diese Personen, obwohl sie keine derartigen Ereignisse durchlebt hatten. Sie waren lediglich von ihren Partnern verlassen worden.", so Seidler.

Was beeinflusst die Trennungsverarbeitung?

Doch warum trifft manche Menschen ein Liebesverlust so viel härter als andere? Laut Seidler spielen mehrere Faktoren eine Rolle. So vor allem die Persönlichkeit des Verlassenen: "Wer ein eher geringes Selbstwertgefühl hat, den erschüttert eine Trennung stärker als andere. Wer darüber hinaus die Person, die er verloren hat, für besonders wichtig hielt, sich in der Beziehung an sie geklammert hat – für den wird die Trennung ebenfalls schwieriger." Wenn das ganze Leben auf den Partner ausgerichtet wurde, fällt es Betroffenen nach einer plötzlichen Trennung schwer, zurück in die Selbstständigkeit zu finden.

Auch bestimmte Beziehungskonstellationen erschweren laut Seidler eine Trennung: "Gefährlich in dieser Hinsicht sind vor allem Partner, die einem jeden Wunsch von den Augen ablesen, sich gleichsam schützend um den Geliebten herumstülpen. Diese Menschen richten sich voll und ganz darauf aus, die Bedürfnisse des Partners zu befriedigen."

Wer den Partner zum Therapeuten macht, riskiert traumatische Trennung

Vor allem Menschen, die in einer Partnerschaft nach Heilung suchen – beispielsweise, weil sie in ihrer Kindheit Gewalt erfahren haben oder betrogen wurden – ziehe es zu solchen Beziehungstypen. Während aufopferungsvolle Partner alles geben, um die Wünsche der geliebten Person zu erfüllen, werden sie so in die Rolle eines Helfers gedrängt – ein Anspruch, dem nur die wenigsten auf Dauer gerecht werden können. Kommt es zur Trennung, kann das für den Verlassenen fatale Folgen haben. "Für die Person, die in der Beziehung ihr Heil gesucht hat, kann [die Trennung] verheerend sein: Sie verliert ihre Medizin. Dann hat der Verlassene nicht nur den Partner verloren, sondern kämpft zusätzlich mit den Verletzungen vergangener Tage.", beschreibt Günther H. Seidler das Dilemma.

Viele Verlassene greifen zu Alkohol

Nicht selten reagieren Menschen, die an Liebeskummer leiden, mit übertriebenen Handlungen auf die Verletzung. Während einige sich völlig von der Außenwelt zurückziehen, treiben andere exzessiv Sport oder springen von einem One-Night-Stand zum nächsten. Viele greifen zu Alkohol, um dem Gedankenkarussell zu entkommen und unerwünschte Erinnerungen zu verdrängen. Doch der übermäßige Konsum kann in Extremfällen schnell zur Katastrophe führen: Fast dreißig Prozent aller Femizide und Beziehungstaten werden unter Alkoholeinfluss verübt.

Was treibt Liebeskranke zu solchen Taten?

Wenn Menschen sich selbst oder ihren Expartner verletzen oder gar töten, sei dies laut Seidler ein verzweifelter Versuch, die Kontrolle über die Situation zurück zu gewinnen. Meist handelt es sich dabei um Personen, die auch im Alltag gereizt und wütend auf Kritik oder Kontrollverlust reagieren. Werden diese verlassen, versuchen sie nicht selten, die Menschen zu bestrafen, die ihrer Meinung nach verantwortlich für ihr Leiden sind – teilweise mit extremen Konsequenzen. Das kennt auch der Psychiater: "Schmerz macht böse - diese Erkenntnis bestätigt sich leider immer wieder." (ak)