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Auf Druck des Erdogan-Regimes

Netflix sagt türkische Serie mit homosexueller Figur ab

Die türkische Regierung verlangte, dass Netflix eine homosexuelle Figur aus einer geplanten Serie entfernt. Statt sich den Zensur-Forderungen zu ergeben, gab der US-Streamingdienst die Produktion ersatzlos auf.


In der Türkei ist Homosexualität zwar seit 1858 legal – in den letzten Jahren zeigte sich die autoritäre Regierung aber immer LGBTI-feindlicher (Bild: J M Ar / flickr)

Netflix hat nach Druck aus der Regierung in Ankara eine achtteilige Beziehungsdrama-Serie abgesagt. Das Produktionsteam der türkischen Serie "Şimdiki Aklım Olsaydı", die international unter dem Titel "If Only" vermarktet werden sollte, hatte eigenen Angaben zufolge keine Filmlizenz erhalten, weil eine homosexuelle Figur vorkommen sollte. In der Serie, von Netflix für eine weltweite Veröffentlichtung 2021 vorgesehen, sollte Hauptdarstellerin Özge Özpirinçci eine unglücklich verheiratete Ehefrau mit Kindern spielen, die durch eine Zeitreise einen Neuanfang machen kann.

Serienschöpferin Ece Yörenç erklärte gegenüber der Filmwebsite "Altyazı Fasikül": "Wegen einer homosexuellen Figur wurde die Filmerlaubnis nicht erteilt. Das ist sehr beängstigend für die Zukunft." Ein Sprecher von Präsident Recep Tayyip Erdogans Partei bestätigte gegenüber der britischen Zeitung "Financial Times", dass die entsprechende Behörde Sorgen wegen des Inhalts der Serie gehabt habe.

Netflix hatte in der Türkei Ende letzten Jahres rund 1,5 Millionen Abonennt*innen. Allerdings sei diese Zahl laut "Bloomberg" wegen der Corona-Krise deutlich angestiegen. Laut Yörenç habe das Unternehmen alle am kurz vor Drehbeginn gestoppten Projekt Beteiligten wie geplant entlohnt.

Regierung immer homophober

Das Erdogan-Regime hat in den letzten Jahren sein Vorgehen gegenüber sexuellen und geschlechtlichen Minderheiten verstärkt. Damit versucht die Regierung offenbar, angesichts erheblicher wirtschaftlicher Schwierigkeiten die Unterstützung von konservativen Teilen der Bevölkerung nicht zu verlieren. Erst vor rund drei Wochen hatte Erdogan persönlich in einer Rede der queeren Community vorgeworfen, junge Menschen zu "vergiften" (queer.de berichtete).

Bereits im April hatten homophobe Aktivist*innen in der Türkei zu einem Netflix-Boykott aufgerufen, weil in der vom amerikanischen Streamingdienst produzierten türkischen Teenie-Serie "Love 101" eine offen homosexuelle Figur vorkommen sollte (queer.de berichtete). Am Ende beruhigte sich die Aufregung jedoch, als klar wurde, dass dieses Gerücht falsch war – die sexuelle Orientierung einer der männlichen Hauptfiguren wurde in der Serie lediglich offen gelassen. (dk)



#1 MoonbaseAnonym
  • 22.07.2020, 15:47h
  • Enttäuschend das eine Firma wie netflix sich von der Türkei so unter Druck setzen lässt die Serie gleich zu stornieren. Vielleicht sollten sich die Macher von queer.de mal überlegen, in wie weit man für Filme auf netflix hier Werbung macht. Das Verhalten von netflix scheint nicht LGBT-freundlich zu sein sobald ein Absatzmarkt in Gefahr ist. Wie ein Fähnlein im Wind... und das ist mir keine Unterstützung wert!
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#2 geerdetAnonym
  • 22.07.2020, 17:03h
  • Antwort auf #1 von Moonbase
  • ich verstehe das anders: der ursprünglich geplante plot hätte in der isalmischen türkei keine film-/sendelizenz bekommen. die türkische regierung drängte darauf, schwule unsichtbar zu machen. diesem druck hat netflix sich _gerade nicht_ gebeugt und den plot _nicht_ verändert.

    dass die türkische regierung schwule hasst und verfolgt, ist ja _nicht_ die schuld von netflix. im gegenteil: netflix produziert jede menge queerfreundliche sendungen und serien.
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#3 mmmmAnonym
  • 25.07.2020, 18:22h
  • ich verstehe nicht warum sie diese serie nicht zeigen. menschen in der ganzen welt wurden es schauen.
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