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Empörung ist groß

Düsseldorfer OB dreht Video mit Homo-Hasser Farid Bang

Trotz homophober, antisemitischer und frauenfeindliche Texte dreht der SPD-Stadtchef von Düsseldorf ein Corona-Infovideo mit Farid Bang.


Farid Bang (li.) mit seinem Rapper-Mitstreiter Kollegah bei der letzten Echo-Verleihung 2018 (Bild: Screenshot Vox)

Zu Update springen: Geisel verzichtet auf Veröffentlichung von gemeinsamen Video (15.34 Uhr)

Der Düsseldorfer Oberbürgermeister Thomas Geisel (SPD) ist wegen Zusammenarbeit mit dem umstrittenen Rapper Farid Bang in die Kritik geraten. Die beiden drehten nach Angaben der "Rheinischen Post" ein Video, in dem es um die Corona-Abstandsregeln geht. Grund für das Video sei gewesen, dass es in der Landeshauptstadt von Nordrhein-Westfalen immer wieder größere Ansammlungen von Menschen gegeben habe, die sich nicht an die Hygiene-Regeln hielten. Mit Bang wollte Geisel laut Stadtsprecher Marc Herringer eine Zielgruppe erreichen, die sonst von Politikern nicht erreicht werden könne.

"Uns war es sehr wichtig, einen Multiplikator zu finden, der die Zielgruppe erreicht. Wir erhoffen uns durch die Person Farid Bang und seine Reichweite in den sozialen Medien eine ganz andere Resonanz als durch bisherige Versuche der Kommunikation", erklärte Herringer gegenüber der "Bild"-Zeitung.

Geisel soll laut Medienberichten Bang als "wilden Jungen" bezeichnet haben, der "das Herz aber auf dem rechten Fleck" habe. Außerdem habe der 56-jährige Sozialdemokrat erklärt: "Ich bin ihm super dankbar, dass er das Video gemacht hat."

Direktlink | Dieses Video veröffentlichte die Stadt Düsseldorf am Mittwoch auf Youtube

Farid Bang hatte mit seinem Rap-Mitstreiter Kollegah immer wieder für Skandale gesorgt. Der Zentralrat der Juden kritisierte etwa, dass der gemeinsame Song "0815" die Zeile "Mein Körper definierter als von Auschwitz-Insassen" enthielt. Auch frauenfeindliche Äußerungen von Bang in Liedern und sozialen Netzwerken ("Frauen schlagen ist OK") gerieten immer wieder in die Kritik.

Die Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien hatte sich bereits 2014 besorgt über die Homophobie im Kollegah/Bang-Album "Jung, Brutal, Gutaussehend 2" geäußert und es auf den Index gestellt. Für die Behörde seien die "die extrem homosexuellenfeindlichen Äußerungen (…) sozialethisch nicht mehr vertretbar". Auf diesem Album rappten die Interpreten unter anderem: "Ich schlag dir deine große Schnauze ein / Ich hab gehört du drehst ein Film – Brokeback Mountain 2" oder attestieren Schwulen: "Ihr seid wie Schotten. Männer, die die Hosen nicht anhaben".

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Kritik von CDU, FDP und Grünen

CDU-Oberbürgermeisterkandidat Stephan Keller sagte dem Düsseldorfer "Express": "Es ist mir völlig unverständlich, wie man sich mit jemandem verbünden kann, der bundesweit bekannt ist für antisemitische Provokationen und gewaltverherrlichende und frauenverachtende Texte und Einstellungen." Homophobe Texte erwähnte er dabei nicht ausdrücklich. FDP-Kandidatin Marie-Agnes Strack Zimmermann kündigte einen Offen Brief an den Oberbürgermeister an.

Der grüne OB-Kandidat Stefan Engstfeld erklärte: "Ich fordere den SPD-Oberbürgermeister Geisel auf, die Veröffentlichung seines Videos sofort zu stoppen." Er zitierte Campino von der Düsseldorfer Kultband Tote Hosen, der 2018 bei der Echo-Verleihung über Kollegah und Farid Bang gesagt hatte: "Für mich persönlich ist die Grenze der Provokation überschritten, wenn es um frauenverachtende, homophobe, rechtsextreme, antisemitische Beleidigung geht und auch die Diskriminierung jeder anderen Religionsform". Geisel selbst will am Nachmittag zu einer Pressekonferenz einladen.


Thomas Geisel ist seit 2014 Oberbürgermeister von Düsseldorf (Bild: EnergieAgentur.NRW / flickr)

Farid Bang und Kollegah waren 2018 mit dem Echo in der Kategorie "Hip-Hop/Urban national" ausgezeichnet worden (queer.de berichtete). Das führte zu scharfer Kritik – und am Ende zur Abschaffung des Musikpreises (queer.de berichtete).

Geisel gilt eigentlich als LGBTI-freundlich. Nach seiner Amtsübernahme 2015 erlaubte er erstmals das Hissen von Regenbogenfahnen am Rathaus zur CSD-Saison (queer.de berichtete). Im Rathaus ist aktuell die Ausstellung "Im Namen des Volkes!?. § 175 im Wandel der Zeit" zu sehen.

Die Jüdische Gemeinde Düsseldorf wies in einer Pressemitteilung eine Aussage zurück, das Video sei vorab mit ihr abgestimmt worden. Ferner äußerte sie vorsichtig Kritik: "Als eine Gemeinde, die sehr viele Nationalitäten innerhalb ihrer Mitglieder aufweist, verstehen wir selbstverständlich die Bedeutung einer zielgerichteten Ansprache bestimmter Zielgruppen, insbesondere aktuell beim Thema Corona-Virus. Eine Vorbildfunktion von Farid Bang in diesem Zusammenhang vor dem Hintergrund seiner Texte und Aussagen kann und muss jedoch sicherlich kontrovers diskutiert werden."

In NRW finden am 13. September Kommunalwahlen statt. Auch Oberbürgermeister Geisel muss sich den Wähler*innen stellen. Erreicht keiner der Kandidat*innen eine Mehrheit, gibt es am 27. September eine Stichwahl. (dk)

 Update  15.34 Uhr: Geisel verzichtet auf Veröffentlichung von gemeinsamen Video

OB Geisel hat am Mittwochnachmittag die Zusammenarbeit mit Farid Bang verteidigt. Der Politiker erklärte laut WDR, er wisse, dass Bang eine "ausgesprochen kontroverse Figur" sei. "Ich halte manches, was er gemacht hat, für widerwärtig", so der Sozialdemokrat weiter. Er verzichte auch auf die geplante Veröffentlichung des gemeinsamen Videos. Das von der Stadt am Vormittag veröffentlichte Video mit Bang, in dem er zur Einhaltung der Corona-Regeln aufruft, soll aber nicht gelöscht werden.

Unterdessen spielte Geisel auf Facebook die Aufregung um das Video herunter: "Ich wundere mich schon darüber, wer sich alles aufregt über ein Video, das noch niemand gesehen hat." Der Kommunalpolitiker attestierte Bang, "dass er sehr wohl in der Lage ist, manches, was ihm heute – wie ich finde: zurecht – zum Vorwurf gemacht wird, kritisch zu reflektieren." Ob Geisel dabei den Antisemitismus, die Frauenverachtung oder die Homophobie des Rappers meinte, verriet er freilich nicht.

Ich wundere mich schon darüber, wer sich alles aufregt über ein Video, das noch niemand gesehen hat. Wir alle reden…

Gepostet von Oberbürgermeister Thomas Geisel am Mittwoch, 22. Juli 2020
Facebook / Oberbürgermeister Thomas Geisel

Die NRW-Amtisemitismusbeauftragte und frühere FDP-Bundesjustizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger kritisierte die Zusammenarbeit von Düsseldorf mit dem Hass-Rapper scharf. "Die Vorbildfunktion eines Musikers wie Farid Bang muss hinterfragt und diskutiert werden, wenn er Antisemitismus propagiert und zudem immer wieder auch mit gewaltverherrlichenden und frauenfeindlichen Texten provoziert", erklärte die 68-Jährige. "Für das, was Farid Bang vertritt, ist kein Platz im öffentlichen und demokratischen Leben in Nordrhein-Westfalen! Und ein fatales Zeichen an das jüdische Leben in unserem Land!"



#1 michael008
  • 22.07.2020, 12:45h
  • Das ist wirklich eine Instinktlosigkeit sondergleichen, die ich dem OB meiner Heimatstadt wirklich nicht zugetraut hätte.
    Ich hoffe dringend dass Herr Geisel da schnellstmöglich begreift mit wem er sich da eingelassen hat.
    In der Tat ist mir der OB bis Dato noch nie LGBTI* feindlich aufgefallen.
    Eher im Gegenteil.
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#2 Thomas123Anonym
  • 22.07.2020, 13:20h
  • Als Düsseldorfer kann man nur beschämt sein. Ich wähle ihn dafür sicher nicht mehr.
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#3 Ralph
  • 22.07.2020, 13:23h
  • Nach dem, was hier steht, ist der OB ja eher ein LSBTI-Unterstützer. Dann fragt sich aber - sucht der Mann sich nicht vorsichtig aus, mit wem er öffentlich auftritt? Ist der Fehltritt von Frank-Walter Steinmeier (Auftritt mit Bushido) schon vergessen? Wie viel Naivität ist tolerabel?
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#4 zundermxeAnonym
  • 22.07.2020, 13:25h
  • Ob bewusst queer-feindlich oder nicht, die begangene Tat reicht denn oft auch schon um eine ehrliche Selbstauskunft zu geben.
    Das vermeintliche Ziel heiligt eben nicht immer alle Mittel.
    Für mich ist er eh ein politischer Selbstdarsteller, der noch einiges in seinem Karriereplan hat und daher auffallen will und meint zu müssen.

    Traurig, wenn in meiner ehemaligen Heimatstadt die SPD meint, dass solche Aktionen irgendwie zu rechtfertigen wären.
    MMn muss das in Zeiten von national zunehmender Hetze und Gewalt gegen diverse sogenannte Minderheiten und internationaler Rassismus-Debatte sowie zunehmender Verfolgung von Queers für einen SPD-Kandidaten Grund genug sein Anstand zu zeigen und zurück zu treten.
    Ansonsten haben wir wieder einen Hauch Thüringen auch in Düsseldorf.
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#5 aberaberAnonym
  • 22.07.2020, 13:50h
  • Ich mache jetzt mal den "advocatus diaboli"...

    Farid Bang wird vom OB Geisel als "junger Wilder" beschrieben. Er soll eine Gruppe Menschen erreichen, die sich mit üblichen Ansprachen nicht an die Corona-Regeln halten.

    Wenn man "junge Wilde" (Kotzbrocken) erreichen will, braucht man wohl dazu einen "jungen Wilden" (Kotzbrocken).

    Das klingt wahrscheinlich unangenehm, aber mit netten, freundlichen Typen, kann man nicht jeden ansprechen!
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#6 PiakAnonym
#7 ElyasAnonym
  • 22.07.2020, 14:42h
  • Was erwartet man so sind halt die Heteros, Pseudo tolerant die Regenbogenflagge schwenken solang es ein nützt.
    Sobald man nächste Aufmerksamkeit braucht schei.... man auf diese werte und Uns....
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#8 zundermxeAnonym
  • 22.07.2020, 14:48h
  • Antwort auf #5 von aberaber
  • Logisch nachvollziehbar und auch wohl kaum abzustreiten was Du schreibst.
    Doch bei dem ob und wie muss es immer eine angemessene Abwägung zwischen Nutzen und Schaden geben.

    Wenn die Abwägung damit endet, dass das eine Ziel (was in diesem Fall in seiner gewünschten Wirkung auch nur vermutet werden kann und nicht bewiesen ist) über den Mitteln steht (hier mMn ein fatales Signal, dass definitiv Schaden anrichtet und Menschen zumindest beleidigt), erklärt sich jede Politik bspw gegenüber Polen, Russland, Türkei und anderen Ländern, die Menschenjagd betreiben ohne dafür ernsthafte Konsequenzen befürchten zu müssen.
    Das eine bedingt das andere.
    Wer das missachtet, macht halt bestenfalls Politik mit guter Absicht und kümmert sich nicht wirklich um die unvermeidlichen Nebenwirkungen, die aber nichts anderes als eine faktische Anerkennung von Hass und Gewalt beinhalten und ggf auch zusätzlich zur Folge haben.
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#9 DramaQueen24Profil
  • 22.07.2020, 14:55hBerlin
  • Die SPD entfernt sich immer mehr von uns. Wählbar sind, aus meiner Sicht, bis jetzt nur noch die Grünen und die Linken. Denn beide machen queere Politik.
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#10 Pink FlamingoAnonym