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Änderung der Regeln geplant

Rugby-Weltverband will bei Frauen Trans-Verbot durchsetzen

Trans Frauen sind laut "World Rugby" angeblich für mehr Verletzungen im Rugbysport verantwortlich als cis Frauen. Deshalb soll ihnen pauschal die Ausübung des insbesondere im früheren britischen Empire beliebten Sports untersagt werden.


Frauenrugby soll nach dem Willen des Weltverbandes künftig transgenderfrei sein (Bild: NAPARAZZI / flickr)

Der Dachverband "World Rugby" will laut der britischen Zeitung "The Guardian" trans Frauen vollständig aus dem Sport verbannen. Als Begründung gibt die im irischen Dublin ansässige Organisation in einem Beschlussvorschlag an, dass es ein "20 bis 30 Prozent höheres Risiko" von Verletzungen gebe, wenn eine cis Frau von einer trans Frau während des Spiels attackiert wird. Grund sei, dass trans Frauen durchschnittlich schwerer, stärker und schneller seien als cis Frauen. Der Entwurf sieht aber nicht vor, überdurchschnittlich starke cis Frauen auszuschließen.

Derzeit dürfen trans Frauen Rugby spielen, sofern ihre Testosteron-Werte nachgewiesenermaßen in den letzten zwölf Monaten auf einem niedrigen Niveau gewesen seien. Der Rugbysport folgt damit den Richtlinien des Internationalen Olympischen Komitees.

Trans Männer will "World Rugby" weiter im Sport akzeptieren. Allerdings gehe man davon aus, dass auch trans Spieler ein 20 bis 30 Prozent höheres Verletzungsrisiko hätten. Das sei aber akzeptabel, solange trans Sportler ein Dokument unterzeichneten, wonach sie dieses höhere Risiko eingehen wollten.

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Trans-Organisation kritisiert geplantes Verbot

Die LGBTI-Organisation Athlete Ally kritisierte gegenüber der queeren britischen Nachrichtenseite "Pink News" das geplante Verbot: "Trans Frauen machen Sport aus dem selben Grund wie cissexuelle Frauen: weil sie den Sport lieben und weil sie die lebenslange Kameradschaft lieben, die der Sport mit sich bringt. Niemandem sollte die lebensrettende Kraft des Sports vorenthalten werden."

Twitter / AthleteAlly

"World Rugby" ist der Dachverband in der Sportart "Rugby Union"; für die ebenfalls weltweit verbreitete populäre Abspaltung "Rugby League" mit ähnlichen, aber nicht gleichen Regeln ist ein anderer Dachverband zuständig.

Trans Sportler*innen sind in den letzten Jahren immer wieder Ziel von Hassattacken geworden. So machte Donald Trump Jr., der Sohn des US-Präsidenten, im vergangenen Jahr Stimmung gegen die trans Kanadierin Rachel McKinnon, nachdem sie die Bahnrad-Weltmeisterschaft in der Gruppe der 35- bis 39-Jährigen gewonnen hatte (queer.de berichtete). (dk)



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#1 Uwe RAnonym
  • 22.07.2020, 21:53h
  • Und wie wurden die 20-30% ermittelt? Ist das eine plausibel ermittelte repräsentative Zahl oder nur ein Scheinargument?
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#2 JadugharProfil
  • 23.07.2020, 00:53hHamburg
  • Pauschal etwas zu verbieten, für Menschen mit sehr unterschiedlichen Eigenschaften, sollte man selbst strikt verbieten. Jeder kann für sich eine gewisse Verantwortung übernehmen und selbst entscheiden, was er tun möchte oder nicht! Wenn jemand für eine Sache nicht besonders passend ist, wodurch jene Person durch ihre persönlichen Eigenschaften sich oder andere gefährdet, kann nur im Einzelfall festgestellt werden, wo anstatt eines Verbots eher eine Empfehlung folgen müßte.
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#3 Anonyma
  • 23.07.2020, 01:45h
  • Antwort auf #1 von Uwe R
  • Wie genau diese 20 bis 30 Prozent zustande kommen, wird wohl bis zur Veröffentlichung des Papers das Geheimnis der Autor*Innen bleiben. Bislang sicher ist nur, dass das Paper im Kern auf einer Studie des Schweden Tommy Lundberg [*] basiert, der bei 11 trans Frauen und 12 trans Männern die Entwicklung der Muskulatur in den ersten 12 Monaten der Hormonbehandlung untersucht hat und zu dem Ergebnis gekommen ist, dass die 11 trans Frauen in dieser Zeit durchschnittlich nur 5 Prozent Muskelmasse verloren haben. Und damit landen wir dann beim ersten großen Problem: Wenn es darum geht, trans Frauen irgendwo auszuschließen, dann reicht dafür eine einzige Studie mit gerade mal 11 Teilnehmerinnen offensichtlich aus. Ganz anders sieht es aber aus, wenn eine Studie mit nur 11 Proband*Innen z.B. die Effektivität und Sicherheit einer Behandlung mit pubertätshemmenden Medikamenten belegt. In so einem Fall lässt die Kritik, dass die Zahl der Proband*Innen ja viel zu klein ist, nicht lange auf sich warten.

    Womit wir durch das Stichwort Pubertätshemmer auch gleich zum zweiten Problem des Papers von "World of Rugby" kommen: Laut allen Medienberichten wurden in dem Paper ausschließlich trans Frauen berücksichtigt, die eine (Zitat) "männliche Pubertät" durchlaufen haben. Dass es auch trans Frauen gibt, die eine solche Pubertät nicht durchlaufen haben - z.B. durch eine Behandlung mit pubertätshemmenden Medikamenten - wurde offenbar komplett ignoriert. Vom Rugby ausgeschlossen werden die durch die neue Regelung aber natürlich auch.

    And last but not least: Aus irgendwelchen unerfindlichen Gründen scheinen manche Wissenschaftler*Innen und Funktionär*Innen einfach nicht begreifen zu wollen, dass wir trans Frauen (genau wie cis Frauen) keine homogene Gruppe mit leicht "vermessbaren" körperlichen Eigenschaften sind. Mich jedenfalls hätte garantiert jede Rugby-Spielerin aus der Amateurliga auch schon vor der Hormonbehandlung problemlos über den Haufen gerannt.

    Abschließend noch ein kleiner Hinweis auf die dieser Aktion innewohnende Perfidie: Die selben Akteur*Innen, die uns trans Frauen aus dem Sport mit der Begründung einer "männlichen Pubertät" herausdrängen wollen, arbeiten nicht weniger eifrig daran, auch die Behandlung mit Pubertätshemmern, die besagte "männliche Pubertät" verhindern würde, verbieten zu lassen. Man will uns also - selbstverständlich nur zu unserem Besten - dazu zwingen, die Pubertät zu durchlaufen, mit der man dann später unsere Diskriminierung rechtfertigt. Und wenn man diesen Faden einfach mal weiterspinnt, dann landet man schnell beim eigentlichen Ziel der ganzen Aktion: dem vollständigen Ausschluss von trans Frauen aus dem sozialen Leben. Und für dieses Ziel kommt das Paper von "World of Rugby" mit seiner unterschwelligen Botschaft "trans Frauen sind gefährlich" natürlich gerade recht.

    [*]
    academic.oup.com/jcem/article/105/3/e805/5651219#
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#4 DramaQueen24Profil
  • 23.07.2020, 02:22hBerlin
  • Was für ein Quatsch! Der Verband will nur ein "biologisch-reines cis-Frauenteam haben. Sie zählen Transfrauen nicht zu den Frauen!
    Abgesehen davon mag ich den Sport überhaupt nicht! Frauenfußball und Softball hingegen schon!
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#5 DramaQueen24Profil
#6 WahrheitIstRelativAnonym
  • 23.07.2020, 08:26h
  • Es bringt hier nichts, wenn die eine Seite nur A und die andere Seite nur B sagt, denn das macht beide Seiten unglaubwürdig!
    Mag sein, dass der Ausschluß hier reine Transphobie und ein abgekartertes Spiel in Verbindung mit der Abschaffung von Pubertätsblockern ist, um Transfrauen sozial zu isolieren... Ganz so schwarz-weiß ist die Welt aber auch wieder nicht!
    Es ist bei allen! Medikamenten so, dass sie immer wieder hinterfragt und überprüft werden. Vom Impfen über Blutverdünner usw, so auch bei Pubertätsblockern.
    Es ist auch richtig, dass es einen Unterschied macht, ob es ein zierlicherer Trans-oder Cismann sich antun wollen, in einer üblichen Rugbyliga von 1,90m großen "Schränken" zermatscht zu werden, oder ob von einer ganzen Liga verlangt wird, sich dies durch einzelne Mitspieler anzutun.
    Der transphobe Unterschied ist hier, dass ein 2,30m großer Cismann nicht ausgeschlossen würde, sondern als "Waffe" willkommen wäre. Bei einer 2,00m großen Cis Frau würde umgekehrt vielleicht noch anders reagiert. Für den zierlichereren Transmann macht es gegenüber dem zierlichereren Cismann aber keinen Unterschied. Beide würden wohl sagen :"Ich finde den Sport toll, kann da aber körperlich nicht mitmachen..."
    Die Lösung wäre simpel : Gewichtsklassen wie beim Boxen, dann wird niemand ausgeschlossen!
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#7 WahrheitIstRelativAnonym
  • 23.07.2020, 09:14h
  • Antwort auf #6 von WahrheitIstRelativ
  • Nachtrag!
    Bevor jetzt in der Richtung was kommt :
    Wenn Männer einen 2,30m-Mann als "Waffe" sehen, aber im Frauen-Rugby in solchen Fällen Bedenken hätten, hat das längst nicht nur! etwas mit Sexismus, internalisierter Heteronormativität oder im Falle des Falles etwas mit Transphobie zu tun!
    Menschen, die körperlich auf "Augenhöhe"sind, können wir besser einschätzen und sind deshalb mit ihnen weniger zimperlich. Menschen, die uns körperlich unterlegen sind, können wir nicht so gut einschätzen und sind dann instinktiv vorsichtiger mit dem, was denjenigen körperlich zuzumuten ist. Dies wird auch unter nicht gleich starken Kindern so verlangt und zeugt von einem guten Sozialverhalten! Bei einer Kinder Rugbyliga wäre diese körperliche Unterlegenheit auch gegenüber Frauen vorhanden und gegenüber Männern idR noch deutlicher. Deshalb würde es bei Kindern keinesfalls, egal ob trans, cis, Mädel, Junge, NB etc geduldet werden, dass man große, starke Kinder auf zierlichere Kinder "losläßt".
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#8 rugbyyeahAnonym
  • 23.07.2020, 12:05h
  • Antwort auf #6 von WahrheitIstRelativ
  • Deutliche Unterschiede in den Gewichtsklassen auf dem Feld sind im professionellen Maennerrugby die Regel, auch wenn der Trend durch die fortsetzende Professionalisierung des Sports in den letzten Jahrzenten weiter in Richtung groesser und schwerer geht.

    Der Rugbysport setzt auf die Durchsetzungsfaehigkeit sowohl von schweren als auch windigen konditionell laufstarken Spielern, die ihr Spiel jeweils mit einem unterschiedlichen Focus umsetzen.
    Spieler der Klasse um 80kg sehen sich haeufig Spielern der 110kg-120kg Klasse gegenueber. Das ist der Normalfall. Im Extremfall koennen es auch 72kg und 140 kg+ sein. Das Einfuehren von Gewichtsklassen wuerde das Spielgeschehen massiv veraendern.

    Ich habe leider keine gute Uebersicht der Koerpergewichte beim Frauen Rugbyunion gefunden. Beim Rugbyseven wiegen die meisten Frauen zwischen 60 und 80kg. Mit Ausreissern bis zu 90 und 58kg (
    pulse-static-files.s3.amazonaws.com/worldrugby/document/2018
    /07/20/acff6471-3aa5-42c0-b64c-2b984f13453b/RWC-Sevens-2018-
    Women-s-team-biographies-190718.pdf).



    Prozentual ist der Unterschied zu den Maennern nicht eklatant und ein Bann scheint mir nicht gerechtfertigt. Bei den Maennern fuehrte aber die stetige absolute Gewichts- und Kraftzunahme zu Verschaerfungen der Regeln um das Verleztungsrisiko zu senken.

    Mir sind nur 2 Interviews von Transfrauen im Frauenrugby untergekommen. Beide hatten in ihrer Kindheit und Jugend ein Volltraining im Maennerrugby mit Ambitionen auf eine Profikarriere. Ihc habe hierfuer keine Zahlen, kann mir aber vorstellen, dass hier duetlich rabiater in den Tackle gegangen wird. Auch hierdurch kann das Verletzungsrisiko steigen.

    Rugbyworld hat in den letzten zehn Jahren erfolgreich deutliche Regelaenderungen durchgesetzt, um das Verletzungsrisiko, insbesonders bei professionellen Spielern, zu senken. Insofern scheint es mir zumindest nicht abwegig, dass die Regelaenderung gut gemeint ist und ich hege zumindest die Hoffnung, dass dies nicht auf Transphobie beruht.

    Ein Bann ist aber ein schreckliches Signal und ich hoffe, dass es sich hier eine kreativere Loesung bis November findet.
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#9 Anonyma
#10 aberaberAnonym
  • 23.07.2020, 18:53h
  • Ich kenne eine Trans-Frau, gegen die ich (1,78 m) schon ein kleines Kerlchen war, als Sie noch ein Mann war. Bei einer Körpergröße von fast 1,90 m und einem Körpergewicht von deutlich mehr als 100 KG wird sie gar nicht als Frau wahrgenommen und arbeitet als "blauer Scheriff" bei einer Sicherheitsfirma.
    Bei der Frau braucht man erst gar nicht über hormone sprechen.

    Mal ehrlich - durch eine OP wird aus einem 1,90 -Meter-Mann nicht eine Frau mit 1,67 Körpergröße.
    Es gibt Sachen, die kann man einfach nicht unter den Tisch fallen lassen.
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