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Heimkino

Action-Seifenoper mit schwulem Junkie

Nichts für Zartbesaitete: In der gewalt- und actionreichen Serie "Gangs of London" kämpft eine Unterwelt-Familie nach der Ermordung ihres Patriarchen um Macht, Einfluss und Rache. Ab heute auf Sky!


Billy (Brian Vernel) ist der heroinsüchtige Quoten-Schwule in der mächtigen Londoner Unterweltfamilie (Bild: Sky UK Limited)
  • Von Patrick Heidmann
    23. Juli 2020, 03:40h, noch kein Kommentar

"Gangs of London", eine neue Serienproduktion aus dem Hause Sky und genau dort auch ab dem 23. Juli zu sehen (immer donnerstags ab 21.15 Uhr in Doppelfolgen auf Sky Atlantic H sowie auf Sky Ticket, Sky Go und über Sky Q auf Abruf), geht gleich vom ersten Moment an in die Vollen. Bereits in der ersten Szene baumelt ein junger Mann von einem noch nicht fertig gebauten Hochhaus, Momente später steht er in Flammen und stürzt schließlich in die Tiefe. Womit schnell klar ist, dass hier viel Wert auf aufwändige Schauwerte gelegt wird – und diese Serie wahrlich nichts für Zartbesaitete ist.

Auslöser für den ersten Gewaltakt und sämtliches Geschehen der Serie (die insgesamt neun Folgen umfasst, davon eine anderthalbstündige zum Auftakt) ist die hinterhältige Ermordung von Finn Wallace (Colm Meaney), Londons mächtigstem Gangsterboss. Nach seinem Tod will Sohn Sean (Joe Cole) die familiären Angelegenheiten weiterführen, doch unter den verbündeten Clans im Drogen- und Immobiliengeschäft greift schnell das Misstrauen um sich. Und nicht einmal in der eigenen Familie, zu der unter anderem auch die weit mehr als nur mütterliche Witwe (Michelle Fairley), der schwule jüngere Bruder Billy (Brian Vernel) und Finns langjähriger Wegbegleiter Dumani (Lucian Msamati) samt Kindern gehören, ist man sich wirklich einig, was Seans Führungsqualitäten oder das weitere Vorgehen angeht.

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Beeindruckend choreografierte Kampfszenen


Poster zur Serie: "Gangs of London" läuft ab 23. Juli 2020 immer donnerstags ab 21.15 Uhr in Doppelfolgen auf Sky Atlantic HD – wahlweise auf Deutsch oder im Original

Gareth Evans und Matt Flannery, die 2011 mit "The Raid" das Actionkino revolutionieren, zeichnen bei "Gangs of London" erstmals für eine Serie verantwortlich. Ihr Markenzeichen – beeindruckend choreografierte Kampfszenen und exzessive Schießereien – haben sie dabei auf den Bildschirm gerettet. Und ja, das kann sich sehen lassen, davon (und anderen Brutalitäten) gibt's in jeder Folge reichlich und echte Langeweile kommt dabei kaum auf. Doch so over the top und cool hier die Gewalt inszeniert wird, so bierernst nimmt die Serie sich allerdings in Sachen Dialoge, Plot und Machismo.

Von komplexen Gangster-Epen wie "Der Pate" oder "Good Fellas" ist man hier weit entfernt, meist fühlt man sich eher wie in einer Action-Seifenoper, in der vor Klischees mindestens so sehr wimmelt wie vor immer neuen Twists und Wendungen. Die Figur des Billy ist da nur eine von mehreren, der man mehr Tiefe (und bessere Dialoge) gewünscht hätte: seine Homosexualität scheint in der Unterwelt-Familie keine große Rolle zu spielen, ist aber im Drehbuch doch ärgerlich eng an seine Heroinsucht gekoppelt – und ansonsten vor allem Mittel zum Zweck, in einer Folge die Kamera mal durch eine schwule Sex- und Drogenparty gleiten zu lassen.

Tolle Schauspieler*innen zu entdecken

Am spannendsten an "Gang of London" ist neben der Action deswegen letztlich das interessante Ensemble. Dort gibt es, vor allem jenseits der Wallace'schen Kernfamilie, tolle Schauspieler*innen zu entdecken, von denen wir gerne öfter mehr sehen wollen.

Die in Deutschland aufgewachsene Narges Rashidi (die schon in "Speed Racer" von den Wachowskis oder Til Schweigers "Kokowääh 2" zu sehen war) etwa ist faszinierend als kurdische Drogen-Baronin. Und Sope Dirisu undurchschaubarer Handlanger der Walllaces oder Paapa Essiedu (demnächst auch als schwuler bester Freund in der sensationellen Serie "I May Destroy You" mit von der Partie) als Dumani-Sohn und vermeintlich ehrenwertes Aushängeschild der Familiengeschäfte sind – beide bereits etablierte Namen der Londoner Theaterszene – eine Klasse für sich.

Direktlink | Offizieller deutscher Trailer