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Skandal-Rapper

Farid-Bang-Video: Düsseldorfer OB bietet Löschung an

Thomas Geisel (SPD) erklärt sich bereit, in Absprache mit den Fraktionen der Stadt ein umstrittenes Video des Rappers zu löschen, und betont, manche der früheren Liedtexte hätten Grenzen überschritten.


Thomas Geisel ist seit 2014 Oberbürgermeister von Düsseldorf (Bild: EnergieAgentur.NRW / flickr)

Nach nicht abreißender Kritik an der Kooperation mit dem Skandal-Rapper Farid Bang ist Düsseldorfs Oberbürgermeister Thomas Geisel (SPD) bereit, ein umstrittenes Video aus den Social-Media-Kanälen der Stadt zu entfernen. Sollte sich die Mehrheit der demokratischen Fraktionen im Rat dafür aussprechen, werde er das Video löschen lassen.

Das kündigte Geisel am Freitag in einem Brief an seine Wahlkampfunterstützer und SPD-Mitglieder an, in dem er teilweise auf Distanz zu früheren Äußerungen des Rappers ging. Angesichts der kontroversen Diskussionen auch in seiner eigenen Partei stelle er sich die Frage, ob er richtig gehandelt habe, schreibt Geisel in dem der Deutschen Presse-Agentur vorliegenden Brief. Laut einem Bericht der "Westdeutschen Zeitung", die ebenfalls aus dem Brief zitiert, will der Oberbürgermeister Anfang nächster Woche das Gespräch mit den Fraktionsvorsitzenden suchen.

Geisel, der sich Mitte September der Wiederwahl stellt, hatte am Mittwoch einen Video-Clip der Stadt veröffentlichen lassen, in dem der wegen frauenfeindlicher, gewaltverherrlichender, antisemitischer und homophober Texte kritisierte Düsseldorfer Rapper feiernde junge Leute in der Altstadt zum Respekt vor den Corona-Regeln ermahnt.

Die Zusammenarbeit, mit der Geisel vor allem junge Männer mit Migrationshintergrund ansprechen will, wurde quer durch die Parteien und auch von der jüdischen Gemeinde kritisiert. Das Video wurde mittlerweile bereits mehrere Hunderttausend Mal angeklickt. Ein ebenfalls gedrehtes gemeinsames Video mit dem Rapper hatte Geisel nach der ansetzenden Kritik nicht mehr veröffentlicht.

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Distanzierung von Frauen- und Homofeindlichkeit

Geisel reagiert in dem Brief laut dpa darauf, dass "viele Frauen und viele Mitglieder der Queer-Community nicht nur keinerlei Verständnis" für das Video gezeigt hätten, sondern "aufgrund frauenverachtender und homophober Äußerungen und Textzeilen in den Songs" von Farid Bang "regelrecht entsetzt und zum Teil auch persönlich getroffen und verletzt sind". "Mit Blick auf manche wirklich empörende Äußerung von Farid Bang, die mir in diesem Zusammenhang bekannt geworden ist, kann ich dies sehr gut verstehen", zitiert auch die WZ aus dem Brief.

"Das tut mir leid und im Nachhinein gesehen mache ich mir natürlich den Vorwurf, diesen Aspekt offensichtlich nicht gründlich genug recherchiert und im Gespräch mit Farid Bang nicht deutlicher zur Sprache gebracht zu haben", so Geisel. Wenn Frauen, Schwule und Lesben verhöhnt und verachtet werden, sei eine Grenze überschritten, "die nicht überschritten werden darf, wenn das gesellschaftliche Miteinander in einer so vielfältigen und heterogenen Stadt Gesellschaft wie der in Düsseldorf funktionieren soll."

Am Mittwoch titelte der Express, die SPD Düsseldorf distanziere sich von Oberbürgermeister Thomas Geisel. Das weisen wir…

Gepostet von SPD Düsseldorf am Freitag, 24. Juli 2020
Facebook / SPD Düsseldorf | Die Düsseldorfer SPD stellte sich am Freitag hinter Geisel, aber nicht Farid Bang
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Direkt im Anschluss betont Geisel, Vielfalt könne "nur funktionieren auf der Grundlage von Toleranz und gegenseitigem Respekt". Und zur Toleranz gehöre es, "Anschauungen, Lebensentwürfe und Äußerungen auszuhalten, die unseren Vorstellungen von zivilisatorischem Fortschritt und Political Correctness nicht entsprechen". Zu dieser vielfältigen Gesellschaft gehörten auch Farid Bang, seine Fans und "die jungen Männer, die am Wochenende das Rheinufer unsicher machen". Für Geisel sei "Integration, also das Zusammenhalten und das Miteinander dieser Stadtgesellschaft vielleicht die größte Herausforderung in diesem Amt."

In dem Brief warnte Geisel zuvor wie bei ersten Verteidigungen des Videos vor "mangelnder und möglicherweise scheiternder Integration" und der "schrittweise Entwicklung einer Parallelgesellschaft, die schon heute dazu geführt hat, dass viele Düsseldorferinnen und Düsseldorfer abends und nachts Altstadt und Rheinufer meiden". Anders als bei "Vertreterinnen und Vertreter von Politik und Verwaltung und des gesellschaftlichen Mainstreams" seien diese Leute für eine "Ansprache" durch Farid Bang "empfänglich", gab sich Geisel überzeugt.

Ihm sei klar gewesen, dass "ein Video mit Farid Bang erhebliche Kontroversen auslösen würde" und "auch dass Sprache und Inhalt vieler seiner Songs nicht nur ungehörig, sondern regelrecht widerwärtig sind". Bei einem Gespräch im Rathaus habe er aber mit dem Rapper, dem Integration ein großes Aniegen sei, "einen Menschen kennen gelernt, der sehr wohl in der Lage ist, das, was er getan hat, kritisch zu reflektieren." Seine Schilderung über einen Besuch in Auschwitz habe er "als authentisch und glaubwürdig" eingeschätzt, so Geisel.

Ich wundere mich schon darüber, wer sich alles aufregt über ein Video, das noch niemand gesehen hat. Wir alle reden…

Gepostet von Oberbürgermeister Thomas Geisel am Mittwoch, 22. Juli 2020
Facebook / Oberbürgermeister Thomas Geisel | Eintrag des Oberbürgermeisters vom Mittwoch
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Farid Bang hatte mit seinem Rap-Mitstreiter Kollegah immer wieder für Skandale gesorgt. So wurden mehrere gemeinsame Alben unter anderem wegen frauen- und homofeindlicher Texte auf den Index gestellt. Für Kritik sorgte auch die Liedzeile "Mein Körper definierter als von Auschwitz-Insassen". Auf Einladung des Internationalen Auschwitz-Komitees hatten beide Rapper später die KZ-Gedenkstätte besucht. (cw/dpa)

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#1 ursusEhemaliges Profil
  • 24.07.2020, 20:33h
  • Ich habe das eigentlich schon relativ wohlwollend gelesen (ehrlich klingende Entschuldigung, selbstkritische Anerkennung der Tatsache, schlecht informiert gewesen zu sein), bis der reaktionäre Kampfbegriff "Political Correctness" auftauchte.

    Wenn Holocaust-Überlebende nicht zynisch verhöhnt, Frauen nicht übelst sexistisch abgewertet und Schwule nicht öffentlich beleidigt werden wollen, dann ist das keine "Political Correctness", sondern das Minimum an Zivilisiertheit, das wir erwarten dürfen und dessen Unterschreiten eben NICHT "toleriert" werden kann.

    Der Fettnäpfchen-Dreisprung geht offenbar weiter.
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#2 KaiJAnonym
  • 24.07.2020, 23:30h
  • Solche Äusserungen führen zum Rücktritt.
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#3 LorenEhemaliges Profil
  • 25.07.2020, 01:18h
  • Der OB handelt m.E. naiv, dumm und fahrlässig. Für sein Amt erscheint er mir damit ungeeignet.
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