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Drogen

Jung, homosexuell, diskriminiert – suchtgefährdet?

Im Landtag des Saarlands wurde am Donnerstag auf Einladung der LSU über ein Tabuthema in der queeren Community und die Drogenpolitik des Landes diskutiert.


Drogen werden insbesondere von schwulen Männern auch dazu genutzt, um mehr Spaß beim Sex zu haben. Das Rauchen von Crystal Meth gilt dabei als die gefährlichste Konsumform des synthetischen Rauschmittels

Heiße Tage, heiße Themen: Beim ersten Sommergespräch des saarländischen Landesverbands der Lesben und Schwulen in der Union (LSU Saar) mit dem Titel: "Drogen – (K)Ein Problem für uns?" wurde nicht weniger hitzig diskutiert wie sich auch die Temperaturen am vergangenen Donnerstag gezeigt haben.

Nach einer Einführung in das Thema Drogenkonsum und -missbrauch sowie dem eher tabuisierten Thema Drogengebrauch in der queeren Community durch den LSU-Landesvorsitzenden Thomas W. Schmitt stellte Timo Mildau, drogenpolitischer Sprecher der CDU-Landtagsfraktion, die Schwerpunkte der saarländischen Drogenpolitik vor. Anschließend ging der neue Geschäftsführer des Drogenhilfezentrums (DHZ) Saarbrücken Sven Schäfer auf konkrete alltägliche Herausforderungen in seiner Einrichtung und auf die wichtige Streetworking-Arbeit an den Hotspots der Saarbrücker City ein.

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Belastende Lebenslagen erhöhen Anfälligkeit für Missbrauch

Was bei der Diskussion schnell klar wurde ist, dass das Thema Drogen kein "Randgruppen-Thema" ist, sondern die gesamte Gesellschaft betrifft. Oftmals erhöhen zum Beispiel Leistungsdruck im Arbeitsleben oder belastende Lebenslagen die Anfälligkeit zum Dro-genmissbrauch. Und so wissen die Teilnehmenden des Diskussionsabends auch von Erfahrungen im eigenen Familien-, Freundes- und Bekanntenkreis zu berichten. Zum Beispiel eine Mutter, die ihren abhängigen Sohn eigentlich von den Drogen wegbringen will, aber dennoch nicht umhinkommt, ihm jahrelang die Sucht mitzufinanzieren. Einfach weil sie als Mutter zu ihrem Sohn hält und nicht die Kraft aufbringen kann, den Entzug mit all seinen Härten alleine durchzusetzen.


Teilnehmer der LSU-Diskussion im Landtag (v.l.n.r.): Konrad Bauer, Timo Mildau MdL, Thomas W. Schmitt, Sven Schäfer, Henning Fries (Bild: LSU Saar)

"Drogenabhängigkeit hat schlimme Folgen für Betroffene. Dabei wird häufig vergessen, dass die Menschen aus dem sozialen Umfeld meist ebenfalls in Mitleidenschaft gezogen werden", machte Sven Schäfer die Notwendigkeit für eine intensivere Betreuung der Angehörigen deutlich. "Insbesondere Eltern von suchterkrankten Jugendlichen sind betroffen. Aber auch umgekehrt und natürlich die Partnerinnen und Partner von Abhängigen." Im Drogenhilfezentrum Saarbrücken kann sich Schäfer darüber hinaus die Einführung einer Substitutionsberatung vorstellen, wie sie der Landesdrogenbeauftragte Stephan Kolling (CDU) am vergangenen Dienstag angekündigt hatte.

Timo Mildau war am gleichen Tag noch vor Ort, um sich die Konsumräume im DHZ und die dortige Arbeit genauer anzusehen. "Eine gute Aufstellung des DHZ, um Abhängigen optimal helfen zu können, ist auch mir ein wichtiges Anliegen. Das bleibt uns dann als Möglichkeit zur Gestaltung, wenn ein Leben mit Drogen schon weit fortgeschritten ist", so der Landtagsabgeordnete. "Prävention und Aufklärung sind aber eigentlich der Schlüssel, damit ein Leben ohne Drogen für möglichst viele der Regelfall bleibt. Da müssen und wollen wir bereits früh ran, in den Schulen und auch später in den Betrieben. Beides ist noch ausbaufähig."

Queere Menschen "leider nicht unbelastet"

Dass auch queere Menschen beim Thema Suchtgefährdung "leider nicht unbelastet" bleiben, betonte LSU-Chef Schmitt zum Schluss in der hitzig diskutierenden Runde. Jüngere Studien hätten gezeigt, dass es auch einen Zusammenhang zwischen Diskriminierung und einem erhöhten Konsum von Drogen und Medikamenten gebe.

"Jung, homosexuell, diskriminiert – suchtgefährdet? Das muss nicht eine zwingende Abfolge sein. Ist es zum Glück auch nicht", erklärte Schmitt. "Dennoch: Ein junger Mensch, der keine Angst vor Ausgrenzung und Diskriminierung hat und Anerkennung durch die Familie und durch die Gesellschaft erhält, kann sein Selbstwertgefühl aufbauen und selbstbewusst auf seinen Körper und seine Gesundheit achten. Psychische Belastungen wie Diskriminierungserfahrungen im Alltag und das gleichzeitige Fehlen von Bewältigungsressourcen, gerade bei noch jungen Menschen, erhöhen die Anfälligkeit zum Drogengebrauch."

Der LSU-Landeschef forderte als Konsequenz die "Entfaltung breiter Aktivitäten in der Antidiskriminierungspolitik" wie sie mit dem saarländischen Landesaktionsplan "Vielfalt sexueller und geschlechtlicher Identität" vorgesehen" sei: "Das ist im besten Sinne Präventionspolitik, damit Suchtmittel auch im Leben von LGBTQ möglichst keine Rolle spie-len." (cw/pm)



#1 saltgay_nlProfil
  • 25.07.2020, 14:04hZutphen
  • Das Thema Drogenmissbrauch ist in der lgtbi-community sicher ein Tabu. Grundsätzlich jedoch ist die Bereitschaft sich mittels Drogen eine bessere Welt zu schaffen nicht allein auf spezielle Gruppen beschränkt.

    Die Volksdroge Alkohol belegt das sehr deutlich und zeigt auch, dass die Art der Droge tabuisiert wird. Alkohol ist ein "Lebensmittel", ein "eau de vie", was systemisch auch für die BRD ist. Dabei soll gar nicht so sehr auf zitternde Politiker geschaute werden, oder badische Weintrinker mit Kupfernase im Bundestag, sondern wie immer sind viele brave Bundesbürger in dieser Branche beschäftigt und man könnte meinen, es sei eine patriotische Pflicht sich um den Verstand zu saufen. Da wären wir wieder bei Politikern und Alkoholproblemen angelangt. Sie wollen ja mit gutem Beispiel vorangehen, was sich in ihrer Politik auch genügend widerspiegelt.

    Es gilt also zu unterscheiden, ob eine Droge staatstragend ist, oder die Gefahr zur Insubordination in sich trägt.

    Aus psychologischer Sicht entsteht eine Sucht aus den wiederholten Versuchen der Realität zu entsagen und einen Lustgewinn anzustreben. Bisher beschränkt sich Drogenprävention auf die Sucht selbst und beginnt nicht an der Wurzel der Gesellschaft. Es ist ein Ärgernis, dass die Mehrheit der Psychotherapeuten es ablehnt trockene Alkoholkranke nach dem Entzug weiter zu behandeln. Denn es gab in der Vergangenheit des Klienten einen Anlass, der ihn bewog "den Hebel umzulegen" von gelegentlichem Konsum zum exzessiven Dauergebrauch. Dies zu entdecken und zu behandeln würde das Rückfallrisiko drastisch mindern und damit auch die Weitergabe der Suchterfahrung an Andere, wie die eigenen Kinder zum Beispiel.

    Das ist nun die dritte Komponente, dass Suchterkrankungen durch das soziale Umfeld stark gefördert werden. Darum ist das Befassen mit diesem Problem seitens der Reaktionäre aus dem Dunstkreis von CDU/CSU/AfD/FDP/SPD so verlogen, dass es seinesgleichen sucht. Denn was wären die Parteien, wenn sie nicht gerade diese herrliche Unterschicht hätten, auf denen sie herumtrampeln können, um sich in ihrer geistigen Armseligkeit darüber zu erheben. Um es mit den Worten eines Schnapserzeugers auszudrücken, der Jahrzehnte die CDU/CSU kräftig schmierte:

    "Wem soviel Gutes wird beschert - das ist einen Asbach Urknall wert!"
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#2 ursus
  • 25.07.2020, 14:44h
  • Ohne die schädlichen Folgen von minority stress oder die Gefahren von Substanzabhängigkeiten relativieren zu wollen, erscheint mir die pauschale Gleichsetzung von "Drogen" mit "Sucht" und das Propagieren eines "Lebens ohne Drogen" als generelles Ideal doch etwas zu undifferenziert und normativ. Ich hoffe, dass die Diskussion vielleicht doch nicht ganz so stark dem Diskussionsstand der 80er Jahre verhaftet blieb wie diese Zusammenfassung befürchten lässt.
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#3 Ralph
  • 26.07.2020, 12:53h
  • Antwort auf #1 von saltgay_nl
  • Alte Beispiele für die vermeintliche Abartigkeit von Schwulen sind Anfälligkeit für Krankheiten, Drogenmissbrauch und erhöhte Selbstmordgefahr, alles immer wieder gern von unseren Feinden in die Debatte geworfen. Wer solche Vorwürfe gegen eine bestimmte gesellschaftliche Minderheit erhebt, darf sich nicht wundern, als Feind dieser Gruppe wahrgenommen zu werden. Da wird offenkundig nach dem Motto gehandelt: Wenn wir innerhalb unserer Partei schon nichts für Schwule erreichen, dann schaffen wir vielleicht einen Erfolg, wenn wir uns gegen sie wenden und die ollen Kamellen wiederkäuen, die da früher schon so beliebt waren.
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#4 ursus
  • 26.07.2020, 14:47h
  • Antwort auf #3 von Ralph
  • "Wer solche Vorwürfe gegen eine bestimmte gesellschaftliche Minderheit erhebt"

    Die Folgen von minority stress, die übrigens nicht nur queere Menschen betreffen, sind aber nun einmal nicht nur "Vorwürfe", sondern leider sehr reale Probleme. Natürlich muss man immer darauf achten, mit welchem Unterton und in welcher Absicht z. B. über erhöhte Krankheitsraten, Suizidalität usw. gesprochen wird. Diese Probleme zu tabuisieren, weil sie von bestimmten Seiten gegen uns gerichtet werden, statt über politische Lösungen nachzudenken, hieße aber, die Opfer im Stich zu lassen.

    Sollen wir erhöhte Raten bei Suiziden, Depressionen usw. etwa verschweigen, weil sie nicht zu unserem erwünschten öffentlichen Image passen?

    Nicht falsch verstehen: Ich sehe das Dilemma. Aber Dilemmata löst man nicht unbedingt immer geschickt auf, indem man einen Teil der Realität ausblendet.
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#5 Kritiker_in
#6 Ralph
  • 27.07.2020, 10:11h
  • Antwort auf #4 von ursus
  • Eben das ist der Punkt: "nicht nur queere Menschen". Mich stört, dass LSBTI herausgegriffen werden, als wäre bei ihnen Drogenabhängigkeit irgendwie mit ihrer Persönlichkeit verbunden. Man stelle sich vor, jemand sähe bei Schwarzen oder Juden oder Frauen oder Behinderten ein über das allgemeine Problem hinausgehendes besonderes Merkmal, das z.B. Schwarze oder Behinderte deutlich eher drogenabhängig mache, und zwar -um im Beispiel zu bleiben- verursacht oder begünstigt die Hautfarbe oder die Behinderung. - Wieder mal werden LSBTI als Problemgruppe verkauft.
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#7 ursus
  • 27.07.2020, 10:55h
  • Antwort auf #6 von Ralph
  • Natürlich könnte man das Thema "Drogen und minority stress" allgemeiner aufziehen und andere betroffene Gruppen einbeziehen. Ich finde es aber auch sinnvoll, dieses Problem gruppenspezifisch zu behandeln.

    "Wieder mal werden LSBTI als Problemgruppe verkauft."

    Ich kann beim schlechtesten Willen nicht erkennen, dass das hier der Fall wäre. Noch einmal die Frage: Sollen wir reale Probleme um des öffentlichen Images Willen tabuisieren, statt den Betroffenen zu helfen und Prävention zu ermöglichen?
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#8 seb1983
  • 27.07.2020, 13:48h
  • Antwort auf #6 von Ralph
  • Das Problem existiert ja. Es ist real.

    Das erst einmal festzustellen ist der erste Schritt Maßnahmen dagegen zu entwickeln. Ob diese dann gezielt nur auf Schwule ausgerichtet sein sollten oder besser auch andere diskriminierte Gruppen z.B. Schwarze, oder neuerdings auch verstärkt wieder Juden, muss dann erarbeitet werden.
    Es gibt Gemeinsamkeiten bei Diskriminierungserfahrungen aber auch Unterschiede, kaum ein Schwarzer wird wohl wegen seiner Hautfarbe Konflikte mit den Eltern haben. In der Schule haben beide den Makel des "anders seins".

    Wichtig ist wie damit umgegangen wird.

    Wenn sich etwa 2018 ca. 2400 Menschen mit HIV infiziert haben und davon ca. 1600 durch MSM=66% ist das nichts worauf die "Community" stolz sein kann. Allerdings wäre es fatal das nicht auch zu benennen und in Präventionsmaßnahmen mit einzubeziehen.
    Da die absoluten Zahlen sinken offenbar recht erfolgreich.
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#9 Ralph
  • 27.07.2020, 17:59h
  • Antwort auf #8 von seb1983
  • Bei HIV genau der selbe Mechanismus. Dass das Infektionsgeschehen bei Schwulen so stark ist, liegt gerade nicht an deren sexueller Orientierung, sondern an dem Zufall, dass das HIV sich in Nordamerika und Europa schwulen Sex als Vehikel ausgesucht hat. Ist es erst mal in einer bestimmten abgegrenzten Gruppe, dann bleibt es auch vornehmlich dort. In Afrika sieht es ganz anders aus, denn dort verbreitet es sich vornehmlich durch heterosexuellen Geschlechtsverkehr.
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#10 ursus
  • 27.07.2020, 18:10h
  • Antwort auf #9 von Ralph
  • "Bei HIV genau der selbe Mechanismus."

    Eigentlich nicht. Es spielt zwar auch hier der Aspekt mit hinein, dass marginalisierte / stigmatisierte Menschen aus verschiedenen Gründen schlechteren Zugang zu medizinischen Angeboten haben, aber ich würde jetzt nicht Suizidalität oder Substanzgebrauch strukturell mit einer Infektionskrankheit vergleichen. Oder auf welcher Ebene genau ziehst du da den Vergleich?
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