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"Jetzt werden sogar Fahrspuren gegendert"
AfD-Politiker warnt vor Ende der Fahrspur als "Genderwahnsinn"
Ein homophober "Grammatik-Nazi" (Die Linke.queer) sorgt mit einem wirren Twitter-Eintrag für Erheiterung in sozialen Medien.

Ist Rechtsaußen Gunnar Lindemann in Wirklichkeit eine Figur von Hape Kerkeling?
- 28. Juli 2020, 09:18h 3 Min.
Zu Update springen: Berliner AfD stellt sich hinter den Kreuzzug von Gunnar Lindemann (13.10 Uhr)
In den letzten Wochen hetzte der Berliner Landes-Abgeordnete Gunnar Lindemann gegen den CSD in Marzahn als "linksgrünes Umerziehungsprogramm" oder gegen die Deutsche Bahn wegen eines CSD-Tweets. In der Nacht von Montag auf Dienstag glaubte der AfD-Politiker, weiteren "Genderwahnsinn" entdeckt zu haben – ausgerechnet im konservativen Boulevardblatt B.Z. Der Rechtsaußen teilte auf Twitter einen Artikel mit der Überschrift "Frau übersieht Fahrspurende und fährt in Baustelle – zwei Verletzte". Dass es in dem Artikel um das Ende der Fahrspur ging und nicht um "spurende" Personen, bemerkte der Politiker freilich nicht.
Mit Schaum vor dem Mund erklärte der 49-Jährige: "Der tägliche Genderwahnsinn: Jetzt werden sogar Fahrspuren gegendert. Wie wäre es mal mit der guten alten Duden-Rechtschreibung anstatt mit diesem (sic) links-grünen Ideologien liebe @bzberlin? Dann verstehen Euch vielleicht auch die Leser wieder."

Der Beitrag des Abgeordneten, der laut "Tagesspiegel" online auch gerne nationalistische und antisemitische Einträge geteilt hat, führte zu viel Erheiterung online. Eine Nutzerin veröffentlichte als Antwort auf den Tweet Lindemanns etwa als weiteren "Genderwahnsinn" das Foto des Supermarkt-Produkts "Hähnchen-Innenfilet", ein anderer ein Foto von "Auto Innen Reiniger". Die Bundesarbeitsgemeinschaft Die Linke.queer kommentierte den Eintrag des Rechtsaußen auf Facebook mit den Worten: "Deutsche Sprache, schwere Sprache: Bei den Grammar-Nazis von der AfD lauert Gender-Gaga schon am Ende der Fahrspur."

Lindemann schmeißt sonst gerne mit Nonsens-Worten wie "Transgendergagarassisten" um sich
Lindemann versuchte seinen Tweet noch mit einem Verweis auf die "Duden Rechtschreibung" zu retten, wonach das Wort "Fahrspurende" nicht eingetragen sei. Journalist Marcus Engert kommentierte das Beharren des Politikers auf seiner Position mit den Worten: "Kann mich nicht entscheiden, was ich am peinlichsten finde. Als Verkehrspolitiker nicht zu wissen, dass es ein Fahrspurende gibt. Nicht zu wissen, dass der Duden deskriptiv und nicht präskriptiv ist. Das ganze verbale bockige Fußaufstampfen. Oder das Deppenleerzeichen." (dk)
/ ENGERTKann mich nicht entscheiden, was ich am peinlichsten finde.
Marcus Engert (@ENGERT) July 28, 2020
- Als Verkehrspolitiker nicht zu wissen, dass es ein Fahrspurende gibt.
- Nicht zu wissen, dass der Duden deskriptiv und nicht präskriptiv ist.
- Das ganze verbale bockige Fußaufstampfen.
- Oder das Deppenleerzeichen. https://t.co/c6ydPi4Byt
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Update 13.10 Uhr: Berliner AfD stellt sich hinter den Kreuzzug von Gunnar Lindemann
Bei der Berliner AfD kommt der Kommentar von Gunnar Lindemann zum angeblich gegenderten "Spurende" offenbar gut an. Die Partei erklärte auf Twitter, kein "normaler Mensch" würde über ein "Stauende" sprechen (warum die Partei über Stau statt Spur philosophiert, verrät sie nicht – auch nicht, ob sie sich über das Ende eines Staus oder "stauende" Autos oder Personen aufregt).
Wörtlich heißt es in dem Tweet, der Sekunden nach dem Erscheinen auch von Lindemann geteilt wurde: "Die #Gendergaga-Sprache muss weg. Gebärende, Studierende, Zufußgehende, #Stauende, kein normaler Menschen spricht so. Schluss mit der Verstümmelung unserer schönen Sprache."

Besonders bizarr an dieser Aussage: Die AfD-Bundestagsfraktion stellte vergangenes Jahr selbst eine kleine Anfrage (PDF) mit dem Titel: "Getötete Lkw-Fahrer bei Auffahrunfällen an den Stauenden".













