Hauptmenü Accesskey 1 Hauptinhalt 2 Footer 3 Suche 4 Impressum 8 Kontakt 9 Startseite 0
Neu Presse TV-Tipps Termine
© Queer Communications GmbH
https://queer.de/?36697

US-TV

Emmy-Nominierungen: Queere Thematik nicht mehr aufzuhalten

Selten waren TV-Preise so queer: Viele Serien und Dokus mit LGBTI-Inhalten haben Chancen auf die begehrten Emmy-Trophäen. Insbesondere die kanadische Sitcom "Schitt's Creek" räumte ab.


"Schitt's Creek" wurde in den letzten Jahren mit seinen absurden und auch oft queeren Themen immer mehr zum Darling von Kritikern und Zuschauern: Mit Eugene Levy (Johnny Rose), Catherine O'Hara (Moira Rose), Dan Levy (David Rose), Noah Reid (Patrick Brewer), Emily Hampshire (Stevie Butt) und Annie Murphy (Alexis Rose) (Bild: CBC)

"RuPaul's Drag Race" (in Deutschland bei Netflix), "Queer Eye" (Netflix), "Schitt's Creek" (TVNOW), "Tiger King" (Netflix), "Hollywood" (Netflix), "Orange is the New Black" (Netflix) und "Modern Family" (Netflix) gehören zu jenen Serien mit LGBTI-Inhalten, die für Emmys nominiert worden sind. "Die Emmys sind hier und sie sind queer", so kommentierte das LGBTI-Nachrichtenmagazin "The Advocate" die Auswahl. Die Hauptnominierungen waren am Dienstag von Komikerin Leslie Jones, trans Schauspielerin Laverne Cox, Schauspieler Josh Gad sowie Schauspielerin und Fernsehproduzentin Tatiana Maslany verlesen worden.

Besonders erfolgreich erwies sich die kanadische Serie "Schitt's Creek", die für 15 Emmys nominiert worden ist, darunter auch als beste Comedyserie. Für ihre schauspielerischen Leistungen wurden Eugene Levy (Johnny Rose), der offen schwule Schauspieler Dan Levy (David Rose), Catherine O'Hara (Moira Rose) und Annie Murphy (Alexis Rose) nominiert. Dan Levy erhielt zusätzlich eine Nominierung für die beste Regie an der Seite von Co-Regisseur Andrew Cividino sowie eine weitere Nominierung als Drehbuchautor für die 74. Folge ("Die Präsidentensuite"). "Schitt's Creek" räumte bereits im Mai bei den kanadischen Filmpreisen ab (queer.de berichtete).

Zwölf Nominierungen konnte Ryan Murphys Netflix-Serie "Hollywood" erobern, darunter auch eine für den offen schwulen Ex-Sheldon-Darsteller Jim Parsons, der für seine Darstellung des versteckt schwulen Künstleragenten Henry Willson Emmy-Chancen in der Kategorie des besten Nebendarstellers in einer Miniserie hat. Auf acht Nominierungen kommt die Agentinnen-Serie "Killing Eve", in der es lesbische Andeutungen gibt – die britische Reihe kämpft auch um die Trophäe der besten Drama-Serie des Jahres.

Auf vier Nominierungen brachte es die queere Komödienserie "Dead to Me". Sogar sechs Mal wurde die letzte Staffel der 1998 gestarteten Kult-Sitcom "Will & Grace" nominiert, allerdings erhielt keine der Schauspieler*innen die Chance auf einen weiteren Emmy. Alle vier Hauptdarsteller – also Eric McCormack, Debra Messing, Megan Mullaly und Sean Hayes – haben aber in den vergangenen 20 Jahren bereits den Preis als bester Darsteller oder beste Darstellerin mindestens einmal gewonnen.

Ebenfalls im Rennen um die Trophäen ist "Pose" mit fünf Nominierungen, darunter auch Billy Porter als bester Hauptdarsteller. Der 50-Jährige schrieb letztes Jahr Geschichte, als er als erster offen schwuler schwarzer Mann diesen Preis gewinnen konnte (queer.de berichtete). Die Serie ist hierzulande auf Netflix erhältlich.

RuPaul immer noch obenauf

Die Castingshow "RuPaul's Drag Race" konnte es auf zehn Nominierungen bringen, darunter auch für die Königskatgorie "Outstanding Competition Program". Diesen Preis konnte die Show bereits in den letzten zwei Jahren gewinnen und sich gegen international erfolgreiche Sendungen wie "The Voice" durchsetzen. Hinzu kommen drei Nominierungen für die Spin-off-Sendungen "RuPaul's Drag Race Out Of The Closet" und "RuPaul's Drag Race: Untucked".

Auch "Queer Eye" hat erneut Chancen auf Emmys: Insgesamt sieben Mal wurde die Netflix-Realityshow nominiert. Vergangenes Jahr konnte die Serie vier Preise einheimsen (queer.de berichtete).

Sechs Nominierungen für "Tiger King"

Sechs Nominierungen erheilt die Netflix-Doku "Großkatzen und ihre Raubtiere" ("Tiger King"), darunter auch als beste Dokumentation. Die Reihe gehörte zu den größten weltweiten Gesprächsthemen zu Beginn der Corona-Pandemie, als viele Menschen viel Zeit für ihren Fernseher hatte.


Der offen schwule "Tiger King" Joe Exotic, der gerade Auftrags zu einem Mord und verschiedener Verstöße gegen Tierschutzgesetze im Gefängnis sitzt, ist wegen der Serie zu einer weltweit bekannten Kultfigur aufgestiegen

Weitere Nominierungen mit LGBTI-Thematik: Fünf Chancen auf einen Emmy hat "The Politician", vier Nominierungen erhielt Ryan Murphys "American Horror Story: 1984", drei gingen an die letzte Staffel von "Modern Family". Die von einem schwulen Pornoladen handelnde Doku "Circus of Books" hat Chancen auf einen Preis in der Kategorie "Outstanding Writing for a Nonfiction Program". Einmal nominiert wurde die Netflix-Kultreihe "Orange is The New Black".

Aus queerer Sicht interessant sind auch noch die zehn Nominierungen für "Mrs. America". Die Serie handelt von Antifeministin und Homo-Hasserin Phyllis Schlafly, die einen schwulen Sohn hat. In Deutschland ist die Serie noch nicht angelaufen – sie wird ab 1. September immer dienstags um 21 Uhr im Pay-TV-Sender Fox gezeigt werden.

Am erfolgreichsten bei den Emmys war dieses Jahr die Comicserie "Watchmen" (Sky) mit 26 Nominierungen, gefolgt von "The Marvelous Mrs. Maisel" (Amazon Prime Video) mit 20 sowie "Ozark" (Netflix) und "Succession" (Sky) mit je 18.

Bei den Sendern/Streamingportalen führt Netflix die Liste mit 160 Nominierungen deutlich an. Den zweiten Platz belegt der Pay-TV-Sender HBO (107) vor NBC (47) und ABC (36). Die Emmys werden in mehreren Shows am 12., 13. und 20. September vergeben. (dk)



#1 PetterAnonym
  • 29.07.2020, 11:41h
  • Gute Nachrichten, denn mediale Sichtbarkeit ist immens wichtig und bringt oft mehr als alle politischen Diskussionen und Appelle an Vernunft.

    Auch in Deutschland brauchen wir endlich mehr mediale Sichtbarkeit und auch nicht nur irgendwo im Nachprogramm versteckt. Die mediale Sichtbarkeit sollte dem realen Anteil an der Bevölkerung entsprechen. Das würde bedeuten, dass es jeden Tag in jedem Sender 2,5 - 3 Stunden LGBTI-Inhalte geben müsste.
  • Antworten » | Direktlink »
#2 seb1983
#3 ManuelAnonym
#4 PetterAnonym
  • 29.07.2020, 13:43h
  • Antwort auf #3 von Manuel
  • "Magst du mir erklären, wie du auf die 2,5 - 3 Stunden pro Tag und Sender kommst?"

    Gerne.

    Seriöse Studien (z.B. die Kinsey-Studie oder der APA) sehen den Anteil von LGBTI an der Bevölkerung zwischen 10-15%. (Studien, die geringere Anteile ansetzen vergessen oft die Trans- und Inter-Sexuellen. Außerdem kommt auch noch die Dunkelziffer drauf, die bei dieser Frage höher als bei anderen liegen dürfte.)

    Ich habe mal pessimistisch mit 10% gerechnet (weil das 1. denjenigen den Wind aus den Segeln nimmt, die Zahlen als zu hoch ansehen und weil das 2. die Rechnung auch einfacher macht).

    Der Tag hat 24 Stunden, bei den (pessimistisch angesetzten) 10% kommt man dann auf 2,4 Stunden (oder umgerechnet vom Dezimalsystem auf das Hexagesimalsystem der Zeitrechnung) auf 2 Stunden und 24 Minten. Das sind dann die 2,5 Stunden (die 6 Minuten habe ich gerundet) und die "bis 3 Stunden" resultieren aus den höheren Werten (und sind ja auch noch pessimisctisch geschätzt, weil 15% ja 3,6 Stunden, also 3 Stunden:36 Minuten).

    Und "pro Sender" resultiert daraus, dass man ja alle Sendeminuten aller Sender zusammenrechnen muss. Ansonsten wären die Werte für einen Sender ja bezogen auf die Gesamtsendeminuten viel weniger als 10-15%.

    Aber selbst wenn man Deinen Wert ansetzen würde (was ich für falsch halte, by the way: Dein Link funktionietr nicht), dann ist das heutige Programm ja immer noch weit davon entfernt, knapp 2 Stunden pro Tag und Sender mit LGBTI-Inhalten zu füllen.

    Und Nachrichten, Dokus, Reportagen, etc. darf man natürlich nicht abziehen. Denn es sind ja auch Sendeminuten und beim LGBTI-Anteil an der Bevölkerung nimmt man ja die Gesamtbevölkerung und schließt nicht von vornherein Gruppen aus, wo der Anteil niedriger ist (z.B. bei streng Religiösen). Und es ist ja auch nicht so, dass es keine Dokus, Reportagen, etc. zu LGBTI-Themen gäbe.
  • Antworten » | Direktlink »
#5 Adam_RAnonym
  • 29.07.2020, 13:48h
  • Antwort auf #3 von Manuel
  • Der Denkfehler bei solchen Rechnungen: In Filmen und Serien geht es in der Regel nicht nur um eine Person und ein Thema, sondern um viele (Neben-)Rollen und Themen.

    Wenn wir beispielsweise annehmen, dass jede 15. Person queer ist, dann müsste in ALLEN Filmen und Serien mit mindestens 15 unterschiedlichen Rollen rein statistisch auch mindestens ein queerer Charakter vorkommen, um insgesamt den realen Bevölkerungsanteil abzubilden, und nicht nur in jedem 15. Film oder jeder 15. Serie mal ein einziger.
  • Antworten » | Direktlink »
#6 Adam_RAnonym
#7 sebsisAnonym
  • 29.07.2020, 18:09h
  • Antwort auf #2 von seb1983
  • vermutlich ist dein posting ohnehin wieder mal verächtlich gemeint, aber um es dir nicht so einfach durchgehen zu lassen: alter und ethnische herkunft vielleicht, den rest wie religion usw. nicht, denn das alles ist frei änderbar und nicht angeboren wie die zugehörigkeit zu lgbt*iq.
  • Antworten » | Direktlink »
#8 ursus
  • 29.07.2020, 18:13h
  • Antwort auf #3 von Manuel
  • "Bei 7,4 % LGBT*-Menschen in der Bevölkerung in Deutschland komme ich auf etwa 1,8 Stunden und nach Abzug von reinen Nachrichten-, Informations-, Dokumentations- und ähnlichen Formaten auf noch viel weniger."

    Weshalb ziehst du denn diese Formate ab?
  • Antworten » | Direktlink »
#9 FinnAnonym
  • 30.07.2020, 11:31h
  • Antwort auf #4 von Petter
  • Ich stimme Deiner Rechnung absolut zu.
    Und ob es jetzt 2 oder 3 Stunden pro Tag und Sender sein müssten, um dem Anteil an der Bevölkerung zu entsprechen, wäre sogar noch egal, da wir selbst von den niedrigsten Werten weit entfernt sind.

    Wir stehen ja nicht mal mit der Stoppuhr da und verlangen volle Parität (obwohl wir als Gebührenzahler eigentlich das Recht dazu hätten), sondern es würde uns ja schon genügen, wenn man pro Woche in jedem Sender mindestens einen Spielfilm oder eine Doku mit LGBTI-Thema hätte. Und auch nicht nur ein paar Wochen im Sommerloch und versteckt im Nachtprogramm wie beim RBB.
  • Antworten » | Direktlink »