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Dumpinglöhne und Verzicht auf Safer Sex

Deutsche Aidshilfe fordert sofortige Zulassung der Sexarbeit

Die Aids-Expert*innen sehen eine große Gefahr darin, dass Prositution derzeit in Deutschland untersagt ist. Forderungen von Politikern wie Karl Lauterbach, Sexarbeit generell zu verbieten, erteilten sie eine Absage.


Seit dem Ausbruch der Corona-Krise ist Sexarbeit in Deutschland verboten – Nachbarländer haben sie schon wieder erlaubt (Bild: craig Cloutier / flickr)

  • 29. Juli 2020, 14:52h 15 2 Min.

Die Deutsche Aidshilfe hat am Mittwoch gefordert, das wegen der Corona-Krise bestehende Verbot von Sexarbeit sofort zu beenden. "Sexarbeit darf nicht schlechter behandelt werden als andere körpernahe Dienstleistungen. Prostitution wird zurzeit ins Verborgene verdrängt und findet somit unter gefährlichen Bedingungen statt", erklärte der Dachverband.

Sexarbeiter*innen müssten sofort wieder in Bordellen, mobil und auf der Straße arbeiten dürfen. Entsprechende Hygienekonzepte würden vorliegen. Nachbarländer wie Belgien, die Niederlande, Österreich, die Schweiz und Tschechien hätten diesen Schritt bereits vollzogen.

DAH-Vorstandsmitglied Ulf Kristal erklärte, dass der Gleichheitsgrundsatz unabhängig von "moralischen Bewertungen" gelten müsse. "Niemand hat darüber zu urteilen, ob für jemand anderen ein Friseurbesuch oder ein sexuelles Erlebnis wichtiger ist", so Kristal.

Teile von SPD und Union sehen Sexarbeiter*innen als Krankheitsschleudern

Zuletzt hatte es aus dem Bundestag Forderungen gegeben, Sexarbeit in Deutschland zu kriminalisieren. 16 Bundestagsabgeordnete von CDU/CSU und SPD, darunter SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach und Ex-Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU), warfen Callboys und Prostituierten vor, mit ihrer Arbeit als "Supespreader" Krankheiten zu verbreiten. Die Linke.queer fühlte sich angesichts dieser Forderungen an die "repressiven Vorstöße von Gauweiler und Kumpanen in der Aids-Krise der 1980er Jahre" erinnert (queer.de berichtete). Auch die DAH nannte den Vorwurf, dass Sexarbeiter*innen pauschal "Superspreader" seien, eine "Mär".

/ Aidshilfe_de
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Laut der Aidshilfe bringe das aktuelle Tätigkeitsverbot Sexarbeiter*innen in Notlagen. Viele seien ohne Einkommen, nicht wenige auch ohne Wohnraum oder Krankenversicherung. Prekäre Lebenssituationen und Abhängigkeitsverhältnisse würden verschärft. Kund*innen blieben die sexuelle Dienstleistungen vielfach verwehrt, was für sie "eine bedeutende Einschränkung ihrer Sexualität" bedeuten könne.

Hinzu komme, dass sexuelle Bedürfnisse nicht durch staatliche Anordnungen verschwinden würden. Als Folge geschehe Sexarbeit im Verborgenen, "wo professionelle Sicherheitsmaßnahmen wegfallen und Prävention und Hilfsangebote die Betroffenen kaum erreichen können". Zudem schwäche das Verbot die Verhandlungsposition von Sexarbeiter*innen gegenüber den Kundinnen und Kunden. Dumpinglöhne könnten daher "ebenso die Folge sein wie der Verzicht auf Safer Sex", warnten die Aids-Expert*innen. (pm/dk)

#1 AnnoXAnonym
  • 29.07.2020, 16:19h
  • Die sogenannte Liberalisierung des Sex-Marktes in Deutschland sieht auf den ersten Blick wie große Freiheit aus.

    Auf dem zweiten Blick ist es die Basis für unglaublich grausamen Menschenhandel und Ausbeutung.

    Da braucht es definitiv eine grundlegende Reform der Branche und der Kontrollsysteme. Oder es muss ein absolutes Verbot her und harte Strafen für Freier. Wer weder das eine noch das andere bieten kann, macht sich praktisch zur Beihilfe schuldig. Und das ist keine schöne Vorstellung.

    Und bevor hier irgendwer drauf antwortet, bitte bei Youtube diese ZDF-Doku anschauen. Und zwar komplett, danke.
    www.youtube.com/watch?v=Bw1i4UnpWNU
  • Direktlink »
#2 queergay
  • 29.07.2020, 17:31h
  • Das älteste Gewerbe der Welt gesetzlich verbieten zu wollen oder per se zu kriminalisieren ist derart weltfremd, unrealistisch und selbstgerecht, daß man nie und nimmer von einer optimalen "Lösung" sprechen könnte.
    Auch die entsprechende Situation in Schweden zeigt, daß es so einfach definitiv nicht geht und oftmals mehr Schaden anrichtet.
    Prostitution ist sicherlich niemals ein glücklich machender oder paradiesischer Vorgang, aber Sexarbeit sollte - sozial abgesichtert & geschützt - möglich sein und jederzeit Alternativen zulassen können, ohne Abdrängung in einen problematischen Untergrund. Kriminelle Zuhälter-Milieus & Ausbeuter-Bordell-Betriebe gehören natürlich besonders kontrolliert und möglichst beseitigt oder verboten.
  • Direktlink »
#3 Jonas CorvinAnonym
  • 29.07.2020, 17:44h
  • Antwort auf #1 von AnnoX
  • Die ZDF Dokumentation war nicht gerade differenziert, da weder amnesty international, noch die Deutsche Aidshilfe oder andere Organisationen, die zu einem differenzierten Bild beitragen, der Verhältnismäßigkeit angemessen erwähnt wurden.
    Bspw.:
    "Sichere Arbeitsbedingungen erhalten

    Das Sexkaufverbot hingegen würde außerdem auch Verbote des Betriebs von Bordellen und Zimmervermietungen nach sich ziehen und damit den Aufbau sicherer Arbeitsbedingungen illegalisieren.

    Dazu sagt Johanna Thie, Fachreferentin Hilfen für Frauen der Diakonie Deutschland - Evangelisches Werk für Diakonie und Entwicklung e. V.: Die aufflammende Diskussion erfüllt uns mit tiefer Sorge. Sie geht in die völlig falsche Richtung und verkennt die Realität in Prävention und Sozialarbeit. Gerade bereits marginalisierte Gruppen wie Migrantinnen, Trans* oder Drogen konsumierende Menschen würden geschädigt. Was die Menschen in der Prostitution schützen soll, könnte ihnen am Ende zum Verhängnis werden.

    Claudia Zimmermann-Schwartz, Vizepräsidentin des Deutschen Juristinnenbundes e.V., erläutert: Ein Sexkaufverbot würde auch die Rechte derjenigen berühren, die diese Tätigkeit ausüben. Laut Bundesverfassungsgericht fällt Prostitution unter die verfassungsrechtlich geschützte Berufsfreiheit. Der Anspruch, Menschen schützen zu wollen, rechtfertig nicht die Verletzung von Grundrechten. Dies gilt umso mehr, als ein Sexkaufverbot nicht geeignet ist, Menschenhandel zu verhindern.

    Susanne Kahl-Passoth, Stellvertretende Vorsitzende des Deutschen Frauenrates, erklärt: Prostitution und Menschenhandel oder Zwangsprostitution müssen getrennt betrachtet werden. Es gibt Frauen, die selbstbestimmt mit Prostitution ihr Einkommen verdienen. Menschenhandel hingegen ist eine Verletzung der Menschenrechte. Heute können Polizei und Sozialarbeit in gewerblichen Räume zeigen, dass sie ansprechbar sind. Mit einem Sexkaufverbot würde Prostitution in nicht kontrollierbare Räume verlagert, wo die betroffenen Frauen noch weniger als heute erreicht werden könnten.

    Sven Warminsky, Vorstand der Deutschen Aidshilfe, berichtet: Alle Erfahrungen in der HIV-Prävention ..."

    www.aidshilfe.de/meldung/fachwelt-warnt-sexkaufverbot
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