Hauptmenü Accesskey 1 Hauptinhalt 2 Footer 3 Suche 4 Impressum 8 Kontakt 9 Startseite 0
Neu Presse TV-Tipps Termine
© Queer Communications GmbH
https://queer.de/?36712

Ein Jahr Haft

Tunesien: Zwei Männer wegen Homosexualität verurteilt

Zwei Gerichtsinstanzen bewerteten die Weigerung, sich einem Anal-Test zu unterziehen, als Beweis für homosexuelle Handlungen.


In Tunesien leben rund 11,5 Millionen Menschen (Bild: Riyadh Al Balushi / flickr)

In Tunesien geht der Staat weiter gegen sexuelle Minderheiten vor: Wie France Info unter Berufung auf die Nachrichtenagentur AFP und Menschenrechtsorganisationen berichtet, hat ein Berufungsgericht am Mittwoch zwei Männer wegen gleichgeschlechtlichem Sex zu einer Haftstrafe von einem Jahr verurteilt.

Die beiden 26-Jährigen waren Anfang Juni in der Stadt El Kef im Nordwesten des Landes festgenommen worden, nachdem einer der Männer den anderen offenbar wegen ausstehender Schulden angezeigt hatte, und nach einem aus der französischen Kolonialzeit stammenden Gesetz gegen Unzucht angeklagt worden. Einvernehmlicher gleichgeschlechtlicher Sex kann demnach mit bis zu drei Jahren bestraft werden. Wie damals auch "Human Rights Watch" berichtete, waren die Männer in erster Instanz zu zwei Jahren Haft verurteilt worden.

Die Angeklagten waren laut HRW Einschüchterungen, Beleidigungen und Bedrohungen ausgesetzt, mit denen sie zu einem Geständnis gezwungen werden sollten, und hatten sich geweigert, eine – international als Folter und unwissenschfaftliche Methode verurteilte – Analuntersuchung durchführen zu lassen. Laut "France Info" werteten beide Gerichtsinstanzen diese Weigerung als Beweis für homosexuelle Handlungen.

- Werbung - Video - Abheben und Frankreich und die Welt entdecken

Über 100 Prozesse pro Jahr

In den letzten Jahren ist die Zahl von Verurteilungen aufgrund von Homosexualität in Tunesien gestiegen, von 56 im Jahr 2016 auf 79 ein Jahr später und 127 im Jahr 2018, meldete die Nachrichtenagentur AFP im letzten Jahr (queer.de berichtete). 2019 habe es 120 Gerichtsprozesse zu Homosexualität gegeben, so "France Info" am Donnerstag unter Berufung auf eine Menschenrechtsorganisation.

2018 hatte Human Rights Watch einen ausführlichen Bericht über die Lage Homosexueller in dem Land veröffentlicht und dabei belegt, wie die nach Angaben der Regierung abgeschafften Zwangs-Anal-Tests weiterhin angewendet werden (queer.de berichtete). Außerdem durchsuchten Beamte gezielt die Smartphones von Personen, die sie der Homosexualität verdächtigen. In mehreren Fallbeispielen von Human Rights Watch waren die Männer nach dem Sodomie-Paragrafen oder einem gegen öffentliche Moral zu teils mehreren Monaten Haft verurteilt worden, darunter Männer, die eine Vergewaltigung gemeldet hatten.

Direktlink | Ein begleitendes Video von Human Rights Watch zum Report aus dem Jahr 2018

"Tunesiens aktive Verfolgung von Menschen wegen einvernehmlichen gleichgeschlechtlichen Verhaltens ist zutiefst besorgniserregend und eine offensichtliche Invasion ihres Privatlebens", sagte Rasha Younes, die für Human Rights Watch LGBTI-Themen begleitete, im Juni. "Während Staaten und internationale Gremien Tunesien für Fortschritte bei den Menschenrechten gelobt haben, signalisiert die Kriminalisierung und Verfolgung homosexuellen Verhaltens etwas anderes."



#1 PetterAnonym
#2 GewissenlosAnonym