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Mitten in Pride Week

E-Sport: Debatte um Sponsor aus Saudi-Arabien

Nach Kritik zum Umgang mit Menschenrechten und speziell Homo- und Transsexuellen stoppte die europäische League-of-Legends-Liga die frisch angekündigte Zusammenarbeit mit dem "Mega-City"-Projekt "Neom".


Der saudische Kronprinz Mohammed bin Salman wird international kritisiert wie hofiert (Bild: DoD photo by Glenn Fawcett / wikipedia)

Nach starker Kritik von Fans und Mitarbeitenden hat die europäische League-of-Legends-Liga LEC die angekündigte Kooperation mit dem Hauptsponsor "Neom" nach weniger als einem Tag wieder beendet.

"Im Versuch, unser E-Sport-Ökosystem auszuweiten, haben wir uns zu schnell mit dieser Partnerschaft bewegt und die Community, die wir wachsen lassen wollen, gespalten", hieß es in einem Statement von LEC-Direktor Alberto Guerrero. Es sei wichtig zu wissen, wenn man einen Fehler gemacht habe, und diesen schnell zu korrigieren.

Mehrere prominente Gesichter der LEC hatten sich am Tag zuvor auf Twitter öffentlich gegen den neuen Hauptsponsor ausgesprochen. Dabei handelte es sich um "Neom", ein Unternehmen und "Mega-City"-Projekt aus Saudi Arabien, das sich offenbar einen Anteil an dem wachsenden E-Sport-Markt mit seinen viel besuchten Turnieren versprach.

Twitter / MeLlamanTamara_ | kk

Die Entscheidung für "Neom" sei "enttäuschend, denn dies ist die LEC. Es ist mein Team, mein Produkt, mein Manager, mein Büro", hatte beispielsweise Indiana "Froskurinn" Black getwittert. Vor allem, weil sie die Entscheider im Unternehmen kenne, fühle sie sich zum Schweigen gebracht. Auch Aaron "Medic" Chamberlain sprach sich gegen die Partnerschaft aus: "Ich kann nicht in Worte fassen, wie frustriert und enttäuscht ich heute von der LEC bin."

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Sponsoren-Wahl mitten in "Pride Week"

Der grundsätzlichere Streit um den Umgang mit Menschenrechten bei dem Sponsor entzündete sich vor allem am Umgang mit Homo- oder Transsexualität. Mehrere Caster, also Kommentator*innen, Player, Fans und Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind Teil der LGBTQ-Community. In Saudi-Arabien wird Homosexualität hingegen strafrechtlich verfolgt und gar mit der Todesstrafe bedroht (queer.de berichtete). Kritisiert wurde die Kooperation auch im Zusammenhang mit der parallel laufenden "Pride Week" der LEC. Mit der Aktion spricht sich die LEC gegen Homo- und Transphobie aus und unterstützt die queere Community. So wurde beispielsweise das Logo der LEC auf Twitter in die Pride-Farben geändert.

Twitter / LEC | Diese Ankündigung der neuen Partnerschaft hielt nicht lange

"Neom" soll eine futuristische Mega-City in Saudi-Arabien werden, samt künstlichen Mond, nächtlich glühenden Stränden, Flugtaxis und geschätzten Kosten von 500 Milliarden US-Dollar. In Werbefilmen war von "bessere Menschen, bessere Gesellschaft" die Rede. In Wirklichkeit handelt es sich um ein Projekt von Kronprinz Mohammed bin Salman in der Flächen-Größenordnung Belgiens, das laut Medienberichten zur Zwangs-Umsiedlung eines Stammes mit mindestens 20.000 Menschen führen würde. Wegen unzähliger Hinrichtungen und grausamen Bestrafungen, der Verfolgung von Journalist*innen, Oppositionellen und Frauenrechtlerinnen sowie der Unterdrückung der Rechte von Frauen steht das Regime unter großer internationaler Kritik.

Die LEC wurde von Fans bereits in der Vergangenheit für die Auswahl ihrer Sponsoren kritisiert, beispielsweise für eine Kooperation mit Shell. League of Legends wird außerdem von Riot Games entwickelt, einer Tochter des chinesischen Unternehmens Tencent. Auch die Counter-Strike-Turnierserie Blast Premier hatte am Tag zuvor "Neom" als neuen Sponsor angekündigt. Die Reaktion darauf fiel zunächst zurückhaltender aus.

Auch bei der Vergabe von Turnieren im "traditionellen" Sport gibt es immer wieder Debatten um Sponsoren oder um Gastgeberländer. Die nächste Fußball-WM soll etwa in Katar stattfinden, das ebenfalls Homosexualität bestraft (queer.de berichtete). Die vorherige fand 2018 in Russland mit seinem Gesetz gegen "Homo-Propaganda" statt – die ägyptische Mannschaft hatte ihr Trainingslager zudem in der tschetschenischen Hauptstadt Grosny trotz der dortigen Homo-Verfolgung aufgeschlagen (queer.de berichtete). (dpa/cw)



#1 stephan
  • 31.07.2020, 10:06h
  • Und schon wieder etwas gelernt: Ich hab gerade erst einmal nachgeschaut, was E-Sport denn eigentlich ist ... hab dann festgestellt, dass das meine Lebensrealität an keiner Stelle berührt. (Als Mathematiker habe ich so viel Denksport wie ich möchte und bin noch nie auf die Idee gekommen, Computerspiele zu nutzen, um mir die Zeit zu vertreiben ... abgesehen von Tetris in jungen Jahren.)

    Sicher aber ist es richtig, Sponsoren aus totalitären und Menschenrechtsstaaten nicht zu akzeptieren!
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#2 Pink FlamingoAnonym
  • 31.07.2020, 10:50h
  • Ich kann nicht anders, aber es muß einfach aus mir raus. Sehe ich diese Visage vor mir, kriege ich das Kotzen. Und mit solch Leuten macht unsere Regierung auch noch dicke Geschäfte.
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#3 WadimAnonym
  • 31.07.2020, 14:30h
  • Geht es doch.
    Zusammen sind wir stark.
    Ich hoffe, dass auch Regime in Russland, Polen, Türkei etc. die Konsequenzen ihren antidemokratischen Politik zu spüren bekommen.
    Vieles hängt von jedem ab.
    Mit dem Segen von vielen Homos von Deutschland werden LGBTI in der Türkei, Egypt etc. weiter den staatlichen und gesellschaftlichen Homo- und Transphobie ausgesetzt, weil viele von uns beispielsweise dort Urlaub leider machen. Bitte macht endlich Schluss damit, um finanziell diese antidemokratische Regime nicht mehr zu unterstützen.  
    Endlich Schluss mit egoistisch-hedonistischer, "was interessieren mich meine Mitmenschen"...
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#4 dellbronx51069Anonym