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Geburtstag am 8. August

Ralf König wird 60 – Corona beflügelt den Comiczeichner

Comiczeichner Ralf König ist seit Jahrzehnten eine Institution. Mitte der Neunziger versuchte das bayerische Landesjugendamt noch, Bücher von ihm zu indizieren. Mittlerweile kommt die Kritik aus einer anderen Ecke.


Ralf König, geboren in Soest in Westfalen, zeichnet schon seit 40 Jahren (Bild: Raimond Spekking / wikipedia)

  • Von Christoph Driessen, dpa
    2. August 2020, 09:50h, 6 Kommentare

Zu Begrüßung streckt Ralf König die Hand aus. Erst im letzten Moment fällt ihm ein: "Ach ja, dürfen wir ja nicht mehr!" Er hat sich immer noch nicht richtig dran gewöhnt. Genau solche kleinen Beobachtungen liefern ihm das Material für die Comics, die er seit Beginn der Corona-Krise auf seinem Facebook-Account veröffentlicht. Am Samstag (8. August) wird der Comiczeichner 60 Jahre alt.

Corona habe seiner Kreativität einen Schub versetzt, erzählt König, er empfinde das als Geschenk. "Soviel Spaß und Freude hatte ich seit vielen Jahren nicht mehr. Ich weiß um das Elend, aber persönlich fand ich es erholsam: Kein Auto fuhr mehr in der Kölner Innenstadt, und ein Restaurant, in das ich öfters gehe, verkaufte 1-Euro-Eintöpfe für Obdachlose."

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Konrad und Paul gibt es seit 1998

Bisher war sein Prinzip immer, keine Comics gratis anzubieten, schließlich sollen die Leute seine Bücher kaufen. Doch in der Corona-Krise ist er davon abgewichen. Zum einen erhofft er sich einen Werbeeffekt, weil die Facebook-Comics wirklich durch die Decke gegangen seien. Zum zweiten reizt ihn das tagesaktuelle Arbeiten. "Man kann schnell mal einen raushauen. Das macht mir schon Spaß. Es muss sich nur am Ende finanziell rechnen."

Meist handeln die Facebook-Sachen von seinen beiden bekanntesten Figuren Konrad und Paul. Das ungleiche Paar existiert seit 1998. "Konrad ist eher so der Verkopfte, ein Kulturmensch, Musiklehrer. Und Paul ist so eine kleine schwule Ledersau. Die führen ein Eigenleben, da muss ich mir gar nicht mehr viel ausdenken. Konrad sagt dies, Paul sagt das, und schon streiten sie sich. Die sind den Leuten, glaube ich, richtig ans Herz gewachsen."

http://www.ralf-koenig.de ENGLISH & FRENCH HERE: 1 – … and a Marqués de Cáceres Blanco! – Gracias! 2 – Hot stud…

Gepostet von Ralf König am Freitag, 31. Juli 2020
Facebook / Ralf König

Ein großer Nachteil von Corona ist für König, dass seine Lesungen weggebrochen sind. Und die sind eigentlich sein zweites Standbein. Bei seinen Auftritten werden die Bilder mit einem Beamer an die Wand geworfen, und er liest die Sprechblasen vor. "Ich mach das wie 'ne Rampensau. Wenn die Frau hysterisch quietscht, dann quietsche ich auch, das macht mir schon Spaß. Meine Stimme ist danach immer total ramponiert, aber es ist wirklich eine Freude. Das fällt jetzt alles weg."

Die große Geburtstagsfeier fällt aus

Auch aus einer Geburtstagsfeier wird vorerst nichts. "Mit Abstand und Mundschutz warte ich lieber." Er will 2021 einfach das vollendete 60. Lebensjahr begehen. "Das ist ja eigentlich noch mehr ein Grund zum Feiern."

König, geboren in Soest in Westfalen, zeichnet schon seit 40 Jahren. Sein Durchbruch kam 1987 mit "Der bewegte Mann", verfilmt mit Til Schweiger. Mitte der Neunziger versuchte das bayerische Landesjugendamt noch, Bücher von ihm zu indizieren. Heute kann es vorkommen, dass er in einem bayerischen Gottesdienst aus seinen Kirchensatiren vorliest.

Rassismus-Vorwürfe gegen Ralf König

Die Kritik kommt mittlerweile aus einer anderen Ecke: Ein Wandbild, das nach einem Entwurf von ihm auf eine Hausfassade in der Comic-Kapitale Brüssel gemalt worden war, wurde mit den Wörtern "rassistisch" und "transphob" besprüht (queer.de berichtete). Nach einigen Monaten bekam er eine Mail von einer Aktivistin, die ihn darüber aufklärte, was eine gute Karikatur ausmache – und was nicht gehe. "Da war ich dann einfach mal ein schwuler alter weißer Mann, aber für mich ist das ok."

Angekreidet wurde ihm insbesondere die Darstellung einer schwarzen Lesbe mit dicken roten Lippen – das sei ein koloniales Stereotyp. "Dabei ist das bei mir einfach ein Zeichen für Lippenstift." Dennoch zeigt er sich einsichtig: "Ich würde das heute so nicht mehr machen."

Was er dagegen nach wie vor zurückweist, ist die Kritik an seinen restlichen Figuren, etwa an einer Dragqueen. "Da wurde mir vorgeworfen, das sei eine trans Frau, die traurig guckt, weil sie Haare auf den Schultern hat und dick ist. Da muss ich sagen: Also, Leute! Dass jeder gleich beleidigt ist und Künstler aus ihrem Zusammenhang gerissen beurteilt werden, da mach ich nicht mit. Ich hab meinen Humor, und wer sich empören will, bitte sehr!" Er plant sogar ein Buch zu dem Thema. Nach Corona.



#1 FliegenAnonym
  • 02.08.2020, 10:11h
  • ...ALLES GUTE ZUM GEBURTSTAG UND LASS DICH NICHT KLEIN KRIEGEN!!! FREUE MICH DICH MAL WIEDER LIVE BEI EINER LESUNG ZU TREFFEN LG AUS DEM SCHWABENLAND!!!
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#2 KumpelAnonym
  • 02.08.2020, 12:54h
  • Gratulation. Und danke für all die schönen Lacher die Du mir immer wieder bescherst. Mach nur weiterso.
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#3 ozzieAnonym
  • 02.08.2020, 23:29h
  • Das 60. Lebensjahr ist nach allen Regeln der Mathematik aber bereits mit dem Geburtstag im August 2020 beendet ...
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#4 Ralph
  • 03.08.2020, 09:51h
  • Antwort auf #3 von ozzie
  • Tja, es gibt ja Leute, die behaupten, das 20. Jh. habe von 1900 bis 1999 gedauert statt von 1901 bis 2000. Die zählen ihre Finger halt nicht vom ersten bis zum zehnten, sondern vom nullten bis zum neunten.
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#5 wikiAnonym
  • 03.08.2020, 10:12h
  • Antwort auf #4 von Ralph
  • und es gibt Leute, die offenbar alle anderen für dumm halten.
    Um Zentenniumsfeier und das Jubiläum zum 30. Reichsgründungstag am 18. Januar 1901 nicht miteinander in Konkurrenz geraten zu lassen, erließ Kaiser Wilhelm II. abweichend für Deutschland ein Dekret, welches den Beginn des neuen Jahrhunderts auf den 1. Januar 1900 festlegte. Es hat also nichts mit den Fingern zu tun.
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#6 Ralph
  • 03.08.2020, 10:36h
  • Antwort auf #5 von wiki
  • Falsch definieren kann man alles. Nur kann man auch mit einem kaiserlichen Dekret die Gesetze der Mathematik nicht außer Kraft setzen. Unsere Zeitrechnung beginnt mit dem (vermeintlichen) Jahr des Herrn 1. Ein Jahrhundert umfasst hundert Jahre. Deshalb heißt es so. Letztes Jahr des 1. Jahrhunderts war also das Jahr des Herrn 100. So geht das weiter durch die Geschichte und führt dazu, dass das 19. Jahrhundert mit dem Jahr 1900 endete und das 20. mit dem Jahr 2000. Auch wenn weltweit schon am 1.1.2000, also ein volles Jahr zu früh, das 21. Jahrhundert begrüßt wurde.

    Nebenbei noch zum beliebten "Argument", die Zeitrechnung beginne mit einem Jahr 0. Das hat es nie gegeben. Augustus war Alleinherrscher von 30 v.u.Z. bis 14 n.u.Z. Das waren 30+14=44 Jahre und nicht 30+1+14=45 Jahre. Kein historisches Ereignis lässt sich in einem Jahr 0 verorten, ncht mal in Bethlehem. Das erste Mal ist nun mal das erste Mal. Oder hat hier wer tatsächlich einen nullten Sex gehabt, und das zweite Mal war dann der erste?
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