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Lesbische Sportlegende

Martina Navratilova unterstützt transphobes Gesetz

Die US-Tennisspielerin protestiert gerne gegen Homophobie – bei trans Rechten stellt sie sich aber auf die Seite der erbitterten Gleichbehandlungsgegner.


Martina Navratilova findet Homophobie schrecklich, bei Transphobie hat sie eine andere Meinung (Bild: Andrew Campbell / wikipedia)

Tennislegende Martina Navratilova ist die prominenteste Unterzeichnerin eines Briefes an den US-Unisportverband NCAA, in dem der pauschale Ausschluss von trans Athletinnen gefordert wird. Mehr als 300 Sportlerinnen hatten das Dokument der transphoben Organisation "Save Women's Sport" unterschrieben.

Eigentlich sollten ihre Namen geheim gehalten werden, am Sonntag veröffentlichte jedoch das LGBTI-Sportportal "Outsports" eine Liste aller 309 Sportlerinnen, darunter war auch Navratilova. Die 63-Jährige hat sich bislang nicht öffentlich zu ihrer Unterschrift geäußert.

Twitter / outsports

In dem Brief heißt es unter anderem: "Wir glauben daran, dass jeder die Möglichkeit zum sportlichen Wettkampf haben sollte, aber wahre athletische Gleichheit für Frauen bedeutet, dass Frauensport auf biologische Frauen beschränkt sein sollte." Konkret geht es in dem Brief um HB 500, eines von zwei gegen trans Menschen gerichtete Gesetze aus dem Bundesstaat Idaho, das im März beschlossen worden war (queer.de berichtete).

HB 500 verbietet in Idaho trans Schülerinnen und Studentinnen, sich im Schul- oder Unisport mit cissexuellen Sportlerinnen zu messen. Das Gesetz enthält auch eine scharf kritisierte Passage, wonach Schulen oder Unis bei Verdacht auf Transgeschlechtlichkeit die Genitalien dieser Sportlerinnen überprüfen dürfen. Die oppositionellen Demokraten kritisierten, derartige Überprüfungen würden gegen medizinische Standards verstoßen. Die Bürgerrechtsorganisation ACLU und die LGBTI-Organisation wie die Human Rights Campaign (HRC) verurteilten das Gesetz scharf, weil das einzige Ziel der republikanischen Vorlage sei, die transphobe Stimmung vor den US-Wahlen im November anzuheizen und LGBTI-Feinde an die Wahlurnen zu locken.

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NCAA gegen Transphobie

Der Dachverband NCAA hatte bereits vor Wochen erklärt, dass er das transsexuellenfeindliche Gesetz in Idaho ablehne. Aktivist*innen fordern vom Verband, den im nächsten Jahr in Boise, der Hauptstadt von Idaho, geplanten Wettbewerb "March Madness" zu verlegen. Der Verband hatte bereits 2016 North Carolina wegen eines LGBTI-feindlichen Gesetzes boykottiert (queer.de berichtete). Das entsprechende Gesetz wurde schließlich abgeschafft (queer.de berichtete). Navratilova und die anderen Unterzeichnerinnen fordern hingegen, die "Rufe nach Boykott und Schikane" gegenüber Idaho abzulehnen.

Befürworter des Trans-Verbots argumentieren in den letzten Jahren immer wieder, dass trans Menschen im Sport grundsätzlich unfaire Vorteile hätten und die Verletzungsgefahr größer sei. Deshalb kündigte auch einer der internationalen Rugby-Verbände vergangenen Monat ein generelles Sportverbot für trans Frauen an (queer.de berichtete). Gegner des Trans-Verbots halten derartige pauschale Ausschlüsse aufgrund der Geschlechtsidentität dagegen für eine aus Hass motivierte Kampagne, die etwa auch zu Diskriminierung im Gesundheitswesen und zur Wiedereinführung des Trans-Verbots im US-Militär geführt habe.

Twitter / Martina | Der Navratilova-Tweet zum US-Nationalfeiertag am 4. Juli erscheint angesichts ihrer Unterschrift für Trans-Gegner wie ein Hohn: "Lasst uns Amerika gleich und fair für alle machen."

Navratilova hatte ihre Ablehnung von trans Sportlerinnen bereits letztes Jahr verkündet. Damals sagte sie, dass trans Frauen Männer seien, "die sich dafür entscheiden, Frauen zu sein". Das sei "Betrug". Auch die Absenkung der Hormonwerte schaffe nicht gleiche Verhältnisse. Später entschuldigte sie sich für einige ihre Äußerungen und erklärte, sie werde sich mehr in das Thema einlesen.

Mehrere Unterzeichnerinnen sind grundsätzliche Gegnerinnen der LGBTI-Gleichbehandlung

Dass es den Initiatorinnen des Briefes nicht nur um trans Menschen im Sport geht, zeigt sich an der Unterschriftenliste, die offen homo- und transphobe Frauen enthält. Sechs der Unterzeichnerinnen hatten etwa laut "Outsports" letztes Jahr einen Brief an den Obersten Gerichtshof der USA geschrieben, in dem sie pauschal den Diskriminierungsschutz für geschlechtliche Minderheiten ablehnten. Der Supreme Court bestimmte im Juni diesen Jahres dennoch in einer Grundsatzentscheidung, dass die Diskriminierung von Homo- und Transsexuellen im Arbeitsrecht gegen den in der US-Verfassung verankerten Gleichbehandlungsgrundsatz verstößt (queer.de berichtete).


"Save Womens Sport" stilisiert sich auf Twitter zum Opfer einer "Hexenjagd" von "Extremisten", die "Frauen mobben, nur weil diese für Fairness im Sport, den sie lieben, eintreten"

Navratilova hatte durch ihr Coming-out als Lesbe Anfang der Achtzigerjahre Geschichte geschrieben und musste selbst homofeindliche Diskriminierung erfahren. Homophobie im Sport lehnt sie – anders als Transphobie – bis heute ab, etwa Anfang des Jahres bei einer Protestaktion bei einem Tennisturnier in Australien (queer.de berichtete). (dk)



#1 DramaQueen24Profil
  • 04.08.2020, 13:44hBerlin
  • Habe lange in Idaho gelebt, weiß, wie die dort ticken. Umso unverständlicher ist es für mich, dass eine Frau wie Martina Navratilova, die immer für unsere Rechte eingetreten ist, sich einer ultrakonservativen Meinung anschließt.
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#2 FashionistaEhemaliges Profil
  • 04.08.2020, 14:14h
  • Hmmm, so mancher Tennisfan gab aufgrund ihrer Leistungen in ihrer aktiven Zeit kritische, nicht homofeindliche Kommentare, ab. Wäre mal interessant zu wissen, wie ihre damaligen Testosteronwerte waren...
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#3 nicht neuAnonym
  • 04.08.2020, 14:22h
  • aber das folgt doch einem bekannten muster in der lesbischen community? wer nicht 100% cis-weiblich ist, wird als feind betrachtet.
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#4 Girlygirl
  • 04.08.2020, 14:51h
  • Antwort auf #3 von nicht neu
  • Bitte pauschalisiere nicht alle lesbischen Frauen. Von den Feministinnen gibt es leider einige die gegen Transgender sind und einige von denen sind auch lesbisch. Aber gerade unter den Jüngeren, sind die meisten tolerant gegenüber Transmenschen.
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#5 Katrin
  • 04.08.2020, 17:01h
  • Ich kann mir vorstellen, dass sie zu viele Progestine und Anabolika genommen hat. Eine Spätfolge der synthetischen Karriereunterstützer ist Verblödung im Alter.
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#6 Ralph
  • 05.08.2020, 12:33h
  • Die Petentinnen gehen davon aus, dass Transfrauen auf Grund dem männlichen Geschlecht zuzuordnender körperlicher Eigenheiten durch größere Kraft, Ausdauer usw. als Cisfrauen einen Vorteil haben und das dem Geist sportlicher Fairness wiederspricht. Das sollte als sachliches Argument anerkannt und nicht sofort mit Abscheu vom Tisch gewischt werden. Es fragt sich aber: Ist das Argument stichhaltig? Müsste man sportmedizinisch untersuchen. Ich habe jedenfalls Zweifel, denn sehr viele Sportlerinnen (Cisfrauen) sind durchaus stärker als Cismänner und Transfrauen. Und es fragt sich: Ist das Argument politisch klug? Denkt man erst mal darüber nach, kultiviert es nämlich die Mär vom schwachen, unterlegenen weiblichen Geschlecht.
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#7 BruthaAnonym
  • 05.08.2020, 16:43h
  • Antwort auf #6 von Ralph
  • 100m-Lauf
    Frauen: Florence Griffith-Joyner, 10,49 s
    Männer: Usain Bilt, 9,58 s

    Marathonlauf
    Frauen: Brigid Kosgei, 2:14:04 h
    Männer: Eliud Kipchoge, 2:01:39 h

    Hochsprung
    Frauen: Stefka Kostadinowa, 2,09 m
    Männer: Javier Sotomayor, 2,45 m

    Weitsprung
    Frauen: Galina Tschistjakowa, 7,52 m
    Männer: Mike Powell, 8,95 m

    Schwimmen Kurzbahn 50m Freistil
    Frauen: Ranomi Kromowidjojo, 22,93 s
    Männer: Caeleb Dressel, 20,24 s

    Schwimmen Kurzbahn 400m Lagen
    Frauen: Mireia Belmonte, 4:18,94 min
    Männer: Daiya Seto, 3:54,81 min

    Gewichtheben Zweikampf
    Frauen: Tatjana Kaschirina, 348 kg
    Männer: Lascha Talachadse, 484 kg
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#8 Ralph
  • 05.08.2020, 17:50h
  • Antwort auf #7 von Brutha
  • Na ja, diese Zahlen zu Grunde gelegt, muss man Navratilova Recht geben. Aber das Problem ist ja, dass eine sachliche Diskussion der Frage kaum möglich erscheint, wie frühere Beiträge hier zeigen.
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#9 Anonyma
  • 05.08.2020, 20:08h
  • Antwort auf #8 von Ralph
  • "Na ja, diese Zahlen zu Grunde gelegt, muss man Navratilova Recht geben."

    Warum? Die Zahlen von "Brutha" belegen nur die längst bekannten Leistungsunterschiede zwischen cis Männern und cis Frauen. Trans Frauen kommen in diesen Zahlen aber gar nicht vor. Genau das wäre aber notwendig, wenn man wirklich sachlich diskutieren wollte, denn alleine schon die Hormonbehandlung hat - vor allem langfristig - deutliche Auswirkungen auf die körperliche Leistungsfähigkeit. Dazu kommen dann noch die trans Frauen, die mit Pubertätsblockern behandelt wurden, die also niemals irgendwelchen Testosteroneinflüssen ausgesetzt waren. Die fallen bei der Diskussion aber interessanterweise immer unter den Tisch (was kein Wunder ist, denn die Behandlung mit Pubertätsblockern möchten diejenigen, die trans Frauen aus dem Sport herausdrängen wollen, ja auch verbieten). Man könnte sicherlich einiges an Forschung betreiben, über die man dann auch sachlich diskutieren könnte. Und wenn man wollte, dann könnte man auch brauchbare Regeln finden, die trans Frauen die Teilnahme am Sport ermöglichen. Aber mal ehrlich: Den Leuten, die Navratilova unterstützt, geht es doch gar nicht um Sachlichkeit. Die wollen nur das Narrativ transportieren, dass trans Frauen Männer sind. Und mit diesem Narrativ wollen sie trans Frauen so weit wie möglich aus dem sozialen Alltag herausdrängen. Das ist das eigentliche Ziel, das diese Leute haben. Und welche Wirkung das alles schon jetzt hat, kann man auch an einer Zahl sehen - an der Zahl der ermordeten trans Menschen in den USA: 2019 waren es (mindestens) 27. 2020 sind es bereits (mindestens) 26. Und wir haben erst August...

    www.hrc.org/resources/violence-against-the-trans-and-gender-
    non-conforming-community-in-2020
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#10 antosProfil
  • 05.08.2020, 21:43hBonn
  • Antwort auf #9 von Anonyma
  • Klarer, finde ich, kann man es kaum formulieren:

    >> Man könnte sicherlich einiges an Forschung betreiben, über die man dann auch sachlich diskutieren könnte. Und wenn man wollte, dann könnte man auch brauchbare Regeln finden, die trans Frauen die Teilnahme am Sport ermöglichen. Aber mal ehrlich: Den Leuten, die Navratilova unterstützt, geht es doch gar nicht um Sachlichkeit. Die wollen nur das Narrativ transportieren, dass trans Frauen Männer sind. Und mit diesem Narrativ wollen sie trans Frauen so weit wie möglich aus dem sozialen Alltag herausdrängen.<<

    Eine besondere Perfidie liegt darin, dass das Ganze dann auch noch im Namen einer (sportlichen) >Fairness< geschieht.
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