Hauptmenü Accesskey 1 Hauptinhalt 2 Footer 3 Suche 4 Impressum 8 Kontakt 9 Startseite 0
Neu Presse TV-Tipps Termine
© Queer Communications GmbH
https://queer.de/?36766

Heimkino

Anschaffen an der deutsch-polnischen Grenze

Der polnische Teenager Tomek sieht einen Ausweg aus seiner trostlosen Welt in der Prostitution: "Ich, Tomek" ist ein sensibles, schmerzhaftes Sozialdrama, das jetzt im Salzgeber-Club läuft.


Tomek ist fünfzehn und verkauft seinen Körper an deutsche Sextouristen (Bild: Edition Salzgeber)

Acht Euro am Tag bekommt Tomek bei einem Gelegenheitsjob. Er verkauft Spargel oder Gartenzwerge auf einem Markt an deutsche Grenztourist*innen, er schleppt Reifen bei einem Schrotthändler, später versucht er sogar, Hunde mit einem Schlauchboot über den Grenzfluss zu schmuggeln – der vor der EU-Erweiterung wirklich noch eine Grenze darstellt. Bringt alles nichts. Für die Veneers – dünne Keramikverblendungen für ein hollywoodstarwürdiges Lächeln -, die sich seine Freundin Marta so sehr wünscht, reicht es nicht.

Die Welt des 15-Jährigen ist trostlos, rau und eng. Der Vater hat nur Fußball im Kopf, wofür Tomek sich kaum interessiert. Die Mutter befürchtet, ihren Job als Krankenschwester zu verlieren. Die Schwester geht im "Zodiak" feiern, statt fürs Abi zu lernen. Sie will ja eh nach England, um dort Geld zu verdienen. Oder nach Deutschland. Hauptsache weg.

- Werbung - Video - Abheben und Frankreich und die Welt entdecken

Die "Schweinchen", die sich an der Grenze prostituieren

Und Tomek träumt von einem Teleskop in der Schule, um die Sterne und Planeten beobachten zu können. "Entdeckst du einen Stern für mich?", fragt seine Freundin Marta ihren angehenden Astronomen. Tomek ist gut in der Schule, er ist motiviert und neugierig.


Nach den ersten Erfahrungen auf dem Strich lernt Tomek schnell, wie das Geschäft funktioniert (Bild: Edition Salzgeber)

Das alles ändert sich, als der Jugendliche merkt, dass es noch eine andere Möglichkeit gibt, an Geld zu kommen. Er beobachtet einen Jungen an der Grenze, der in einen Jaguar steigt. Später entdeckt er, dass sein bester Freund Ciemny ebenso als Stricher mit deutschen Freiern sein Geld verdient. "Ekelst du dich nicht?", fragt Tomek da noch. "Na und?", lautet die kurze Antwort. Ciemny gehört zu den Świnki – so auch der Originaltitel -, den Schweinchen, wie an der Grenze Kinder und Jugendliche genannt werden, die sich prostituieren.

"Ich, Tomek", der 2009 ins Kino kam und jetzt im Salzgeber Club als Stream verfügbar ist, hat in einem Jahrzehnt an nichts eingebüßt. Das Sozialdrama des polnischen Regisseurs Robert Gliński porträtiert einfühlsam und sensibel, aber nicht weniger drastisch und gewaltig eine Gesellschaft, die von Ungleichheit und finanzieller Not geprägt ist. Und die auf der anderen Seite des Schlagbaums eine ganz andere Welt vermutet. Der Film erzählt von einer Familie, in der allen irgendwie klar ist, dass der jüngste Sohn krumme Dinger macht. Und die sich doch damit abfindet und gar nicht mehr wissen will.

"Ich, Tomek" ist beklemmend und schmerzhaft


Poster zum Film: "Ich, Tomek" läuft ab 6. August 2020 als VoD im Salzgeber Club

Regisseur Robert Gliński hatte ungemein viel Glück mit seinen Laiendarsteller*innen, die er in ganz Polen gesucht hat. Filip Garbacz, der die Rolle des Tomek übernimmt, spielt kraftvoll und empathisch. Der so unschuldig wirkende Junge mit den großen Augen, der sich im Laufe des Films deutlich verändert, verkörpert eindrucksvoll die Zerrissenheit eines Teenagers, der seiner ersten Liebe etwas bieten möchte, aber auch seine Familie unterstützen möchte.

Über weite Strecken ist "Ich, Tomek" dabei ein beklemmender Film. Es ist schmerzhaft, fast schwer zu ertragen, wie Tomek bei eingeschaltetem Autoradio, aus dem eine Opernarie ertönt, seinen ersten Klienten trifft. 30 Euro die Stunde, nur fürs Quatschen, hatte der Zuhälter Borys ihm versprochen. Natürlich bleibt es nicht dabei. Der Film versteht es, ohne jeden Voyeurismus von dieser und weiteren Grenzüberschreitungen – im wörtlichen wie im übertragenen Sinne – zu erzählen. Das Drama moralisiert nicht, klagt nicht an, steigert sich zunehmend, und findet dann ein außerordentlich starkes, ergreifendes, offenes Ende.

Vimeo / Salzgeber Club | Trailer zum "Ich, Tomek" und Möglichkeit, den Film direkt anzuschauen

Infos zum Film

Ich, Tomek. Drama. Polen / Deutschland 2009. Regie: Robert Glinski. Darsteller*innen: Filip Garbacz, Anna Kulej, Daniel Furmaniak und Rolf Hoppe. Laufzeit: 94 Minuten. Sprache: deutsche Synchronfassung. FSK 16. Verleih: Edition Salzgeber. Ab 6. August 2020 im Salzgeber Club als Video on Demand


#1 Still_Ith
  • 07.08.2020, 11:23h
  • Das Wichtigste, wenn's um sexuelle Gewalt gegen Kinder geht (=> siehe die offenkundig referenzierte Vergewaltigung statt "nur reden"), ist und bleibt immer, dass das möglichst nicht moralisierend, anklagend oder wertend ankommen sollte. Würde den Zuschauenden, die sich gern einen drauf runterholen, am Ende noch die Laune verderben. Und das ginge schließlich GAR nicht.
  • Antworten » | Direktlink »
#2 alien humanAnonym
#3 antosProfil
#4 Still_Ith
  • 08.08.2020, 09:08h
  • Antwort auf #3 von antos
  • Ich hab diese Rezension hier kommentiert, und das Lob dafür, sich anklagen und negative Wertungen bzgl. Kindervergewaltigern zu sparen.

    Sowas hatten wir bei "Die Sache mit Peter" in der Vorstellung auch schon. Das HABE ich gelesen, und es war exakt das: Ein Märchen für Pädophile, offenkundig geschrieben von einem pädophilen Autor, mit maximaler Entschuldigung und der wunderbaren Fantasie, sich endlich mal für nix schämen zu müssen, weil man sich die Opferperspektive als Ich-Erzähler angeeignet hatte, in der hundert Mal versichert wurde, dass keinerlei Groll, keinerlei Grenzverletzung o.ä. vorlag - voll die Liebe auf Augenhöhe, kann ja gar nicht anders sein, schließlich war die Erzählperspektive das Kind.

    Und genau deshalb werden solche Stories aus Kindersicht erzählt, weil's maximal ent-schuldigend ist, den Kindervergewaltigern jegliche Schuld und Verantwortung abnimmt.
    In anderen Worten, die "Anklage" erspart, damit man sich nicht unwohl fühlen muss. Endlich mal die Versicherung bekommen, dass es Rahmenbedingungen gibt, unter denen das Kindervergewaltigen voll okay ist.

    Ja, es hat ne Weile gedauert, bis ich begriffen habe, was diese Fotos in diesem Archiv da bedeuten. Ein gewisser Teil der schwulen Community begreift sich halt als Ally für Leute, die sich mit dem Kindervergewaltigen gefälligst wohlfühlen wollen, respektiert deren Anspruch und will den Leuten nix Böses. Und da gehören lobende Worte für Medien, die ent-schuldigen, Verantwortung und gesellschaftlichen Druck wegnehmen, ganz offensichtlich dazu.
    Ich für meinen Teil hab diese Verbandelungen nicht, kann zwar nachvollziehen, wie's aus §175-Zeiten dazu gekommen sein könnte, werde hier aber trotzdem nicht so tun, als ob ich das Weiterbestehen dieser Allianz toll fände.
  • Antworten » | Direktlink »
#5 TheDadProfil
  • 08.08.2020, 09:59hHannover
  • Antwort auf #4 von Still_Ith
  • ""Sowas hatten wir bei "Die Sache mit Peter" in der Vorstellung auch schon. Das HABE ich gelesen, und es war exakt das: Ein Märchen für Pädophile, offenkundig geschrieben von einem pädophilen Autor""..

    Bei solchen Behauptungen muß man sich schon sehr sicher sein..

    ""Dieses Kind war ich. Das ist meine Geschichte. Eine Geschichte nicht nur von Grenzen, die fließend sind und dennoch leicht verletzbar sondern tatsächlich auch von Liebe.

    Die Sache mit Peter ist weder nur Missbrauchsdrama noch einfach ein weiteres Coming Out- oder Gay Romance-Buch, sondern vielmehr der Versuch eines ebenso aufwühlenden wie anspruchsvollen, autobiographischen Entwicklungsromans.""..

    diesachemitpeter.wordpress.com/

    Den Autor zum "Täter" zu machen, der seine eigene Geschichte aus der Sicht des Kindes erzählt, zeugt mindestens davon, den Roman nicht verstanden zu haben..

    Gleiches gilt dann auch für die Einordnung des Filmes..

    Natürlich können auch Sexarbeiter Vergewaltigung erleben..
    Ob es die gegeben hat überlässt der Film der Phantasie der Betrachter (!) und damit lässt er auch unterschiedliche Interpretationen zu..

    Ich halte Deine Einordnung für eine "gedankliche Korrespondenz" mit Deiner Einstellung gegenüber Sexarbeit im Allgemeinem, und damit ist sie auch kritisierbar..
  • Antworten » | Direktlink »
#6 alien humanAnonym
  • 08.08.2020, 17:12h
  • Antwort auf #4 von Still_Ith
  • Ich würde auf die Provokationen von "The Dad" gar nicht eingehen, er will dich nur um den Verstand bringen, und das ist anscheinend hier Programm. Er spricht von "Sexarbeitern", und im Film soll es um einen 15-Jährigen gehen. Was soll bei einem solchen Thema "ästhetisch" sein? Dass der Autor über die eigenen Erlebnisse schreiben/filmen soll und wie er das macht, sind seine eigenen Probleme und issues, as long as they stay outta your business. Ist ja zum Glück nur Kunst, es sind keine Gesetze oder so.
  • Antworten » | Direktlink »