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Neu im Kampenwand Verlag

Eine schwule Jugendliebe in Bayern

Der Roman "Friede, Freude, Coming-out" von Torsten Widua erzählt von einer Kindheit in den Achtzigern, einer Jugend in den Neunzigern und einer schwulen Selbstfindung.


"Friede, Freude, Coming-out" ist eine Zeitreise in die Achtziger- und Neunzigerjahre – mit David Hasselhoff & K.I.T.T., Musik-Kassette & VHS-Rekorder, TKKG & Alf (Bild: Torsten Widua)
  • 7. August 2020, 09:17h, noch kein Kommentar

In den Achtzigerjahren hat nicht nur Helmut Kohl Hochkonjunktur – auch Tim Gerlacker! Der genießt seine Kindheit im Zeitalter von VHS-Rekorder, D-Mark, Fernsehansagerin und ZDF-Wunschfilm, und verbringt mit seinem besten Freund Lukas jede freie Minute im tiefen Bayern – in einem Jahrzehnt, in dem es noch postierte Grenzhäuschen und dicke ADAC-Auto-Atlanten gibt, aber weder Zentralverriegelung noch Servolenkung Standard sind. Und Schiebedach erst recht nicht! Welch "Freude", bei 34 Grad im Schatten auf dem Weg nach Österreich im Stau zu stehen… Und dann wird man auf der dortigen Geburtstagsfeier auch noch mit "Du bist aber groß geworden" begrüßt! Aber alles halb so wild, wenn der beste Freund mit von der Partie ist.

Alles Friede, Freude, Eierkuchen also – bis zu jenem Zeitpunkt, als Tim und Lukas Anfang der 90er Jahre feststellen, dass sie mehr als nur Freunde sind. Durch die Bravo, das Sexheftchen "Schlüsselloch" und den Quelle-Katalog entdecken sie ihre sexuelle Neigung und gegenseitige Zuneigung. In einer rasanten Achterbahnfahrt der Gefühle erleben die Teenager die Höhen und Tiefen einer heimlich geführten, homosexuellen Beziehung. "Zusammenreißen" lautet die Devise! Und sich auf dem Schützenfest im Dorf oder mit Freunden am Baggerweiher bloß nicht anmerken lassen, dass man ein Paar ist! Immer und immer wieder planen Tim und Lukas ihr Coming-out – bis sie schließlich all ihren Mut zusammennehmen und bei den Eltern, der trinkfesten Dorfclique und den Schulkameraden die Hosen runterlassen. Mit allen Konsequenzen.

Von Bayern über Dortmund ins Rheinland


Autor Torsten Widua ist hauptberuflich als Werbetexter und Autor für große internationale Event-Agenturen tätig

Geboren wurde er 1978, der Torsten Widua, der Autor von "Friede, Freude, Coming-out". Und zwar im niederbayerischen Straubing. 21 Jahre später: Servus, Bayern! Der Weg führte ihn nach Dortmund, wo er sieben Jahre lang lebte – ehe er 2006 seine Koffer im Ruhrgebiet ein- und im Rheinland auspackte.

Und da ist er nun, angekommen im Hier und Heute. In Köln. Seine Brötchen verdient er als Werbetexter und Autor für große internationale Event-Agenturen, die elektronische Musik-Festivals für bis zu 200.000 Besucher organisieren. Zudem ist er als Musik-Journalist bei Deutschlands auflagenstärkstem Magazin für Techno, House, Club Culture & Nightlife tätig, führt Interviews mit DJs, Acts & Artists und verfasst Backstage-Berichte, Event-Reviews und Rezensionen.

Fernsehproduktionsfirmen buchen ihn, wenn es um humorvolle Infotainment-Texte geht, wenn Konzeptionen für neue Formate anstehen und wenn Reportagen vom Englischen ins Deutsche übersetzt und an den nationalen Fernsehmarkt angepasst werden müssen. (cw/pm)

Leseprobe

Die Idee, ein Buch zu schreiben, schlummerte schon lange in mir. Die Überlegung war immer: Schreibe ich ein Buch über die 80er und 90er Jahre oder eine Coming-out-Geschichte? Ich entschied mich für Variante eins und legte die Gay-Story in meinen geistigen Ablageordner. Als ich nach einigen Entwürfen der ersten Seiten und einigen Recherche-Arbeiten im Internet jedoch festgestellt hatte, dass ich nicht der Erste war, der über diesen Zeitraum ein Werk verfasst, dachte ich: "Hm, das Rad neu erfinden kannst du zwar eh nicht, aber Krimis und Thriller gibt es ja auch millionenfach. Warum sollte es also nicht auch mehr als ein Buch über die 80er / 90er geben?!"

Eines nachts kam mir dann der Gedanke: Moment mal, was ist denn mit einer Coming-out-Story, die in dieser Zeit spielt? Ich schüttete beide Zutaten in einen imaginären Mixer, ließ alles auf Stufe fünf kräftig durcheinanderwirbeln und raus kam: Friede, Freude, Coming-out. Die reine Zeit des Schreibens lässt sich allerdings schwer sagen. Immer, wenn ich nach der "normalen" Arbeit Zeit hatte, setzte ich mich ran ans Werk. Und als die Idee der Geschichte reif und reifer wurde in meinem Kopf, lief alles wie von selbst. Es mögen mir meine Freunde verzeihen, denen ich oft mit der Begründung "Ich muss leider heute Abend arbeiten" abgesagt habe, ohne zu erwähnen, dass ich an meinem ersten eigenen Buch schreibe.

Ich habe sehr viele Treffen gecancelt, wollte mich abends einfach nur noch zuhause an meinem Schreibtisch verkriechen und den Roman fortführen. Ich schätze einmal vorsichtig, dass ich knapp vier Monate ausgiebig mit Plotten und Schreiben beschäftigt war. Danach hab ich das Buch überarbeitet beziehungsweise Feinschliff betrieben, die Kapitel "rund" gemacht, Denkfehler redigiert, Anschlussfehler korrigiert und, und, und. Und dann war es irgendwann fertig. Was ich – im Nachhinein betrachtet – etwas schade finde: Ich habe keine Rohfassung des allerersten Manuskriptes, da ich die Änderungen am Buch immer direkt gespeichert habe. Es liegt jedoch eine Vor-Vor-Vorab-Version aus November 2016 auf meinem Rechner.

Infos zum Buch

Torsten Widua: Friede, Freude, Coming-out: Eine Kindheit in den 80ern. Eine Jugend in den 90ern. Und ein Coming-out. Roman. 446 Seiten. Broschur. Format: 15,1 x 21,1 cm. Kampenwand Verlag. Vachendorf 2020. Taschenbuch: 12,85 € (ISBN: 978-3-947738-14-4), Ebook: 4,99 €.