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Kinostart "Wir beide"

Warum erzählen Sie eine lesbische Liebesgeschichte, Herr Meneghetti?

Mit "Wir beide" über die heimliche Beziehung zwischen den beiden älteren Damen Madeleine und Nina ist Filippo Meneghetti eine echte Kinoperle gelungen. Im Interview verrät der Regisseur einige Hintergründe.


Nach außen hin ist Nina (Barbara Sukowa, re.) nur die nette Nachbarin, aber für Madeleine (Martine Chevallier) ist sie die Liebe ihres Lebens (Bild: Weltkino)
  • Von Patrick Heidmann
    7. August 2020, 11:33h, noch kein Kommentar

Gleich mit seinem ersten Film ist dem italienischen Regisseur Filippo Meneghetti, den die Liebe vor einigen Jahren nach Paris verschlagen hat, eine kleine Kinoperle gelungen. In "Wir beide" erzählt er von der Liebesbeziehung zwischen Madeleine und Nina, zwei nicht mehr ganz jungen Frauen, die in gegenüberliegenden Wohnungen leben und gemeinsam nach Rom ziehen wollen.

Doch gerade als Madeleine endlich ihren erwachsenen Kindern von ihrer lang verheimlichten Liebe und den großen Plänen erzählen will, erleidet sie einen Schlaganfall – und Nina ist nach außen plötzlich nur noch die seltsame Nachbarin. Wir konnten Meneghetti Ende vergangenen Jahres beim Filmfestival in Macao ein paar Fragen stellen.


Regisseur Filippo Meneghetti (Bild: UniFrance)

Herr Meneghetti, warum wollten Sie die Geschichte dieser beiden Frauen erzählen?

Die beiden Hauptfiguren meines Films haben nur auf den ersten Blick wenig mit mir zu tun. Tatsächlich aber gab es in meinem näheren Umfeld in meiner Jugend ein älteres Paar, das eine zwar andere, aber teilweise durchaus ähnliche Lebens- und Liebesgeschichte hatte. Die beiden haben in meinem Erwachsenwerden eine große Rolle gespielt, gerade auch in meiner Liebe zum Kino. Ich habe unglaublich viel mitgenommen von ihnen, deswegen wusste ich immer, dass ich ihnen eines Tages mit einem Film quasi etwas zurückgeben wollte.

Sie klingen jetzt bewusst vage…

Ja, sorry, ich bin niemand, der gerne über sich selbst spricht. Also zumindest nicht das Privatleben oder Familie und Freunde. Solche persönlichen Details sind nicht wichtig, um meine Arbeit zu verstehen. Natürlich finden Sie auch einen Teil meiner selbst in meinen Filmen. Aber wenn ich direkt aus meinem Leben würde erzählen wollen, würde ich das auch tun.

Natürlich nicht. Aber es ist doch immer interessant, was einen Filmemacher zu seinen Geschichten inspiriert hat, finden Sie nicht?

Doch, natürlich, ich verstehe Ihr Interesse. Was die konkrete Inspiration angeht, gab es im Fall von "Wir beide" noch eine andere. Ich hörte von zwei älteren Damen, die auf dem gleichen Stockwerk lebten und ungefähr zur gleichen Zeit Witwen wurden. Sie freundeten sich an, halfen sich gegenseitig und ließen ihre Wohnungstüren eigentlich immer offen stehen. Das gefiel mir als Metapher für meinen Film einfach sehr gut, quasi um die Einfachheit und Sorglosigkeit in der Beziehung zwischen Madeleine und Nina. Bis dann eben bei einer von beiden die Tür quasi wieder geschlossen wird.


Poster zum Film: "Wir beide" läuft 6. August bundesweit im Kino

Wie kamen Sie eigentlich darauf, Barbara Sukowa in der Hauptrolle eines französischen Films zu besetzen?

Ich habe die Figur der Nina ganz bewusst als eine Fremde angelegt, als eine Nicht-Französin, die mit ein wenig Akzent spricht. Barbara zu besetzen war zunächst einfach eine Idee, weil ich natürlich mit ihrer Arbeit vertraut und ein großer Fan bin. Irgendwann habe ich ihr einfach das Drehbuch geschickt. Und bin immer noch ganz begeistert, dass sie meinem Film nun die gleiche Energie verleiht, die sie eigentlich in allen ihren Rollen an den Tag legt.

Mit welchen Ihrer Filme haben Sie Sukowa denn kennen gelernt?

Das erste Mal gesehen habe ich sie in Fassbinders "Lola", wenn ich mich richtig erinnere. Da muss ich 18 oder 19 Jahre alt gewesen sein. Was für eine Performance. Danach habe ich natürlich noch etliche andere ihrer Filme gesehen, nicht zuletzt ihre Kollaborationen mit Margarethe von Trotta. Tatsächlich war es sogar "Hannah Arendt", der mich darauf brachte, dass Barbara die richtige für "Wir beide" sein könnte. Als der Film in Frankreich in den Kinos lief, hatte ich gerade mit dem Drehbuch angefangen und hatte sie die ganze Zeit im Hinterkopf.

Um noch einmal zurückzukommen zur lesbischen Liebesgeschichte in "Wir beide". Viele Leute würden denken, dass so etwas im Jahr 2020 kein großes Thema mehr ist. Aber allein die Reaktionen von Madeleines Kindern im Film zeigt, dass es das eben doch oft ist…

Ja, natürlich ist das durchaus noch ein großes Thema. Ich werde nie vergessen, wie in Paris – mitten während ich am Drehbuch zu diesem Film saß – die riesigen Demonstrationen gegen die Ehe für alle begannen. Tausende Menschen protestierten gegen die Liebe, unzählige von ihnen hatten an ihren freien Sonntagen nichts Besseres zu tun als mit Bussen in die Hauptstadt zu kommen und kundzutun, dass Schwule und Lesben nicht heiraten sollten. Das fand ich unfassbar. Gleichzeitig muss ich mit Blick auf die Kinder im Film und vor allem die von Léa Drucker gespielte Tochter sagen, dass ihre Reaktion auf die lange verheimlichte Beziehung ihrer Mutter nicht unbedingt Homophobie ist. Sie ist eher eifersüchtig und fühlt sich betrogen, weil ihre Mutter ein so großes Geheimnis hatte.

Direktlink | Offizieller deutscher Trailer

Infos zum Film

Wir beide. Drama. Frankreich, Luxemburg, Belgien 2019. Regie: Filippo Meneghetti. Darsteller: Barbara Sukowa, Martine Chevallier, Léa Drucker. Laufzeit: 95 Minuten. Sprache: deutsche Synchronfassung. FSK 6. Verleih: Weltkino. Kinostart: 6. August 2020
Galerie:
Wir beide
8 Bilder