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"Wir müssen stärker leben, was wir fordern"

LSU fordert Respekt innerhalb der Community

Die Lesben und Schwulen in der Union bemängeln, dass queere Menschen sich oft gegenseitig beleidigen und attackieren – Beispiel Martina Navratilova. Auf Respekt und Toleranz müsse man "in den eigenen Reihen immer wieder Acht geben".


Leute aus der Community, seid nicht so intolerant wie Martina Navratilova! Das fordern die queeren Christsozialen und Christdemokrat*innen (Bild: Marianne Bevis / flickr)

Die queeren CDU- und CSU-Anhänger*innen haben sich am Montag für einen respektvolleren Umgang innerhalb der LGBTI-Community ausgesprochen. "Respekt, Akzeptanz und Toleranz gegenüber dem Anderssein anderer" seien oft auch ein Problem unter queeren Menschen und kämen nicht nur von Außen, heißt es in einer Erklärung der kürzlich gegründeten zehnköpfigen Arbeitsgemeinschaft "Toleranz und Akzeptanz in der LSBTIQ-Community" innerhalb des Bundesverbands der Lesben und Schwulen in der Union (LSU).

Man wolle sich vermehrt um dieses Thema kümmern und etwa eine Online-Diskussion organisieren, so die im Frühjahr gegründete Arbeitsgemeinschaft. Koordinator der AG ist Thomas W. Schmitt, der Landesvorsitzende der LSU Saar und Pressesprecher des LSU-Bundesverbandes.

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Forderung: Vielfalt statt "Lieblingsfarbe"


Thomas W. Schmitt koordiniert die LSU-Arbeitsgemeinschaft "Toleranz und Akzeptanz in der LSBTIQ-Community" (Bild: LSU-Bundesverband)

"Wir müssen stärker leben, was wir fordern", so Schmitt. Diskriminierung fange schon bei der Sprache an. Teilweise handle es sich um unbewusste Beleidigungen, teilweise um bewusste. "Begriffe wie 'Kampflesbe' oder 'Schwuchtel' sind unrühmliche Beispiele, wie sich auch innerhalb der Community abwertende Worte gewohnheitsmäßig Bahn brechen können", erklärte der 35-Jährige. "Wer um die anstrengende Vielfalt der gesamten Breite einer bunten Gesellschaft weiß, hat keine Lieblingsfarbe. Jeder ist daher jeden Tag aufgefordert, auch mal Perspektiven aus einem fremden Farbspektrum einzunehmen." Es sei wichtig, als LSU Antidiskriminierungsarbeit "nicht nur 'nach Außen' zu betreiben, sondern uns auch bewusst der 'Arbeit nach innen' zu widmen".

LSU: TERF-Feministinnen sind Feindinnen der Community

AG-Mitglied Miriam Kempte von der hessischen LSU gab ein Beispiel, wo ein Problem in der Community liege: "In den Kommentarspalten sozialer Medien taucht immer öfter der Begriff TERF auf – damit ist trans ausschließender radikaler Feminismus gemeint. Prominentestes Beispiel ist Tennisstar und Feministin Martina Navratilova, die sich als eine der ersten offen lesbischen Spitzensportlerinnen überhaupt seit Jahrzehnten für LGBTI-Rechte einsetzt, was sie aber nicht davon abhält, als TV-Kommentatorin gegen trans Frauen zu polemisieren. So hatte sie sich lautstark dafür ausgesprochen trans Frauen vom Frauentennis auszuschließen", so Kempte. Sie spielt damit auf die Unterstützung der seit rund vier Jahrzehnten offen lesbisch lebenden Tennislegende für ein transphobes Gesetz an (queer.de berichtete). Eine derartige Haltung sei "leider kein Einzelfall, sondern findet durchaus öfters in der LSBTIQ-Community statt", beklagte Kempte.

Arun Dasgupta von der NRW-LSU ergänzte, dass auch in Datingseiten oft Menschen ausgeschlossen oder ihr Anderssein abgewertet werden würden. "Zum Beispiel, dass man keine Asiaten, Blacks oder Transen will [oder] die Hautfarbe, die Körperform oder das Alter zum Ausschlusskriterium gemacht wird. Da gibt es schon gewisse Normvorstellungen und Perfektionsansprüche", beklagte Dasgupta. LSU-Mitglieder kritisierten auch, dass diese Diskriminierung "vor allem LSBTIQ im reiferen Alter oder LSBTIQ-Senior*innen", aber auch Menschen mit Behinderung betreffe.

LSU machte früher selbst gerne Stimmung gegen Teile der Community

Die 1998 gegründete LSU hat selbst eine Wandlung hin zur Community durchgemacht: In den ersten Jahren ihres Daseins agierte sie oft gegen die Community und unterstützte in der Öffentlichkeit auch LGBTI-feindliche Position der Unionsparteien. So sprach sich etwa der damalige LSU-Bundeschef vor 15 Jahren gegen die Gleichbehandlung von gleichgeschlechtlichen Paaren und Regenbogenfamilien im Adoptionsrecht aus; vor zehn Jahren warb die LSU dafür, die Unrechtsurteile nach Paragraf 175 nicht aufzuheben – beides also Diskriminierungen, die heute wegen des Drucks aus der LGBTI-Community aus der Welt geschafft sind. Außerdem attackierte die LSU früher ihr unliebsame Teile innerhalb der Community – etwa als der Berliner LSU-Chef Fetischfans vorwarf, die "Akzeptanz der gesamten Homosexuellenszene in der Gesellschaft" aufs Spiel zu setzen (queer.de berichtete).

Heute zeigt sich die LSU offener und kritisiert sogar offen LGBTI-feindliche Positionen der eigenen Parteifreund*innen, etwa die des transphoben CDU-Bundestagsabgeordneten Alexander Krauß (queer.de berichtete). Neuerdings wirbt sie etwa intensiv dafür, dass die sexuelle Identität auch im Antidiskriminierungsartikel des Grundgesetzes geschützt wird (queer.de berichtete). (dk)

"Queere Themen dürfen nicht nur in linken Parteien möglich sein. Es gibt viele konservative Homosexuelle, denen wir ein...

Gepostet von LSU Bundesverband am Sonntag, 2. August 2020
Facebook / LSU Bundesverband



#1 Carsten ACAnonym
  • 11.08.2020, 15:29h
  • Das kommt ausgerechnet von der LSU als Unterorganisation der CDU/CSU, von der immer die größte homo- und transphobe Hetze kommt und die die größten Blockierer sind.
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#2 Peck_SProfil
  • 11.08.2020, 15:58hFrankenthal
  • Man merkt das bald Wahlen sind. Andernfalls lässt sich der Gedächtnisschwund in Bezug auf die eigene LSU Vergangenheit, die Menschenverachtung der eigenen Parteichefin oder die "Diskriminierung Homosexueller zum Wohle der Kinder" aus diesem Jahr kaum erklären. Mal mit sich selbst und der Partei beschäftigen, danach, also in mehreren Jahren, können wir gerne über Respekt sprechen.
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#3 TruedatAnonym
#4 Ralph
  • 11.08.2020, 17:16h
  • CDU/CSU sind nicht berufen, uns aufzuklären, was Respekt voreinander ist und wie er praktiziert wird. Die Herrschaften von der LSU mögen bedenken, wen sie als Bundesvorsitzende der CDU haben und welche fragwürdigen, queerfeindlichen Typen als Kanzlerkandidaten gehandelt werden.
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#5 audeasAnonym
  • 11.08.2020, 17:37h
  • Auch ich wünsche mir mehr Solidarität innerhalb der Community. Diese Plattitüde bin ich leid, aber nur gemeinsam sind wir stark.
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#6 RubinchenAnonym
  • 11.08.2020, 18:19h
  • Ich kann persöhnlich nur direkt über Erfahrungen innerhalb der TransGemeinschaft sprechen.
    Leider ist es so das wir uns Gegenseitig zerfleischen. Du musst das so machen, du musst das so machen,......Ich persöhnlich finde es fürchterlich das wir uns in Themen wie die richtige Bezeichnung (TransX,Trans*, etc) verlieren anstatt das wir uns auf das fokusieren was wichtig ist wie das Transsexuellengesetz.
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#7 ursus
  • 11.08.2020, 20:54h
  • Ein gutes Ansinnen, das glaubwürdiger wäre, könnte die LSU auf eine Geschichte zurückblicken, in der sie sich nicht selbst immer wieder an der Abwertung bestimmter "Farbspektren" der Community beteiligt hat. Die ekelhafte Unterstellung von Gewaltverherrlichung und Faschismusnähe gegen Folsom Europe ist nicht vergessen.

    "Dass man keine Asiaten, Blacks oder Transen will"

    Das ist hoffentlich nur als Zitat gemeint. Es hätte vielleicht nicht geschadet, deutlicher klarzustellen, dass "Transen" nicht zu Dasguptas eigenem Alltagsvokabular gehört.

    Davon abgesehen, wie gesagt, eine gute und unterstützenswerte Idee.
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#8 MarcAnonym
  • 12.08.2020, 09:56h
  • Die Voraussetzung für den geforderten Respekt ist volle Gleichstellung ohne Wenn und Aber. Denn solange man nicht als gleichwertig gilt, braucht man über Respekt erst gar nicht zu reden.

    Wieso sind also die LSU'ler Mitglied einer Partei, die uns diese volle Gleichstellung und damit den grundlegendsten Respekt verwehrt?

    Und wieso reden die dann auch noch von Respekt, obwohl sie durch ihre Mitgliedschaft andere beim Unterdrücken unterstützen?

    Achja, die Wahlen rücken langsam näher und dann wird der Wahlkampf zur Sicherung der eigenen Partei-Karriere auch wieder wichtig...
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#9 KaiJAnonym