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dpa-Interview

Eloy de Jong: "Meine Gay-Pubertät kam mit Mitte 20"

Der heutige Schlager-Sänger achtete als Mitglied der Boyband Caught in the Act sogar auf seine Sitzhaltung, um nicht als schwul aufzufallen. Erst nach seinem Coming-out fühlte er sich frei.


Eloy de Jong hatte 1999 – ein Jahr nach Aufllösung der Band "Caught in the Act" – sein Coming-out (Bild: Warner Music Group Germany GmbH)

"Love Is Everywhere" – mit diesem Lied hat der heutige Schlager-Sänger Eloy de Jong zusammen mit der Boyband Caught in the Act 1995 einen großen Erfolg gefeiert. Um sein Image als Mädchen-Schwarm aufrechtzuerhalten, verbarg er damals seine sexuelle Orientierung – bis zu seinem Coming-out 1999. "Ich hatte mein Leben lange genug versteckt", sagt der 47-jährige Niederländer in einem Interview mit der Deutschen Presse-Agentur rückblickend.

Mit der Boygroup Caught in the Act wurde de Jong Anfang der Neunzigerjahre berühmt. Er reiste um die Welt und verkaufte mit seinen Bandkollegen über 20 Millionen Tonträger. Nach ihrer Trennung 1998 geriet de Jong ein Jahr später wieder ins Blickfeld der Öffentlichkeit, als er und sein Freund, der irische Sänger Stephen Gately (Boyzone), sich als schwules Paar outeten.

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De Jong achtete auf seine Sitzhaltung und Bewegungen


Das Album "Auf das Leben fertig los!" erscheint am 14. August bei TELAMO und besteht aus 14 Songs

Zuvor hatte sich der Niederländer immer wieder verstellen müssen, wie er sagt: "In jedem Interview habe ich auf meine Sitzhaltung und Bewegungen geachtet. Ich wollte männlich und machomäßig rüberkommen." Erst nach seinem Coming-out habe er sich frei gefühlt. "Meine Gay-Pubertät kam mit Mitte 20", verrät der Sänger.

Mittlerweile ist de Jong als Solokünstler unterwegs und singt deutschen Popschlager. Sein neues Album "Auf das Leben – fertig – los!", das am 14. August erscheint, ist eines von Hoffnung und Mut, von Freiheit und Lebensfreude. Die Botschaft seiner Lieder ist unmissverständlich: "Lebe bunt", "Lebe, was du liebst" oder "Gib dich niemals auf", heißt es in seinen Songzeilen.

Im September erscheint seine Autobiografie


Sein Buch "Egal was andere sagen" erscheint am 4. September bei Edel Books

De Jong bezeichnet sein Album als "Spiegelbild" seines Lebens und widmet sich daher in Balladen auch Themen wie Trauer und Schmerz. Unter anderem starb 2009 überraschend sein Ex-Freund Stephen Gately (queer.de berichtete). Nur kurze Zeit später ein weiterer Verlust – der seines Sohnes wegen einer Frühgeburt .

Dennoch gehe er mit Zuversicht und Spaß durchs Leben. Dass er heute so stark sei, verdanke er auch seiner Mutter. "Sie hat mir so viel Liebe geschenkt", sagt er.

Über seine Kindheit und über die Beziehung zu seinem Vater hat de Jong nun auch ein Buch geschrieben, das im September bei Edel Books erscheint. Der Titel: "Egal was andere sagen". (cw/dpa)



#1 FliegenAnonym
#2 MarcAnonym
  • 12.08.2020, 09:44h
  • "Erst nach seinem Coming-out fühlte er sich frei."

    Ich weiß genau, was er meint und kann das sehr gut verstehen...

    Ich selbst habe mich erst mit 23 bei Freunden geoutet und dann mit 24 bei meinen Eltern. Danach habe ich mich richtig frei gefühlt und da hat mein Leben erst richtig angefangen. Erst danach weiß man, was man sich davor selbst angetan hat.

    Bis heute zu bereue ich, mich nicht früher geoutet zu haben.

    Auf die Liebe!
    Auf die Freiheit!
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#3 Vater2Anonym
  • 12.08.2020, 20:11h
  • Antwort auf #2 von Marc
  • Lieber Marc,
    Bis heute kann ich nicht verstehen, weshalb sich so viele Leute so spät outen. Wann hattest du denn dein Inneres Coming Out? Was hast du beispielsweise im Alter von 14 Jahren über dich selber gedacht? Hast du gedacht, du wärest heterosexuell? Wolltest du eine hete sein oder wusstest du, dass du schwul bist und was unglücklich damit? Würde mich über eine Antwort freuen. Liebe Grüße ben. Ich habe mich übrigens im Alter von 14 Jahren bei vielen Leuten geoutet und in meiner Schulklasse im Alter von 15. Bin aber gerade in eine neue Schule gekommen.
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#4 JadugharProfil
  • 12.08.2020, 22:31hHamburg
  • Antwort auf #3 von Vater2
  • Lieber Vater2,
    Bei mir ist es so, daß ich es kaum verstehen kann, daß manche Menschen von heute es nicht verstehen, wieso einige Menschen sich sehr spät anderen ihre sexuelle Orientierung, die nicht der Mehrheit entspricht, offenbaren.
    Als ich beispielsweise 14 Jahre alt war, da war Sexualität ein großes Tabu! Man redete nirgendwo darüber! Da wurde niemand aufgeklärt - auch nicht im Biologie-Unterricht. Ich wußte damals nicht, daß es verschiedene sexuelle Orientierungen gibt und hielt meine Sexualität für sehr normal. Ich wußte nicht, daß ich homosexuell war und kannte weder die Begriffe schwul noch homosexuell. Über diese Begriffe wurde geschwiegen! Ich zeigte entsprechendes Verhalten, wo es keine Reaktionen gab. So hatte ich über mein sexuelles Verhalten auch keine Bedenken!
    Was ich aber nicht wußte, daß ich damals mangels Aufklärung zu jener Zeit ins offene Messer lief. Als ich etwa 21 Jahre alt war, wo man zu jener Zeit erst mündig wurde, galt der §175 in der verschärften Form der Nationalsozialisten. Ich war immer mit einen Bein schon im Gefängnis, ohne eine Ahnung davon zu haben. Ich hatte rein zufällig Glück gehabt, daß ich nicht denunziert wurde. Später nahm ich wahr, daß viele in meinen Alter schon ahnungslos ins offene Messer gerannt waren und ins Gefängnis kamen. Es waren ahnunglose junge Menschen, beim Versuch, gleichgeschlechtliche Kontakte zu knüpfen, um Sexualität ausleben zu können, so wie es jeder andere es auch tat, die heterosexuell waren.
    Doch eine Sorte kam für diese Handlungen ins Gefängnis! Erst dadurch wurde es mir bewußt, daß es verboten war, homosexuell zu sein und man so als Verbrecher galt! Ich empfand das als sehr ungerecht wenn die einen es dürfen und die anderen nicht. In jener Zeit konnte man als Homosexueller alles verlieren - ja sogar das Leben! Erst als mir dieses bewußt wurde, wurde mir auch die Verfolgung bewußt und ebenso die vielen bestialischen Morde, die an homosexuellen Männern verübt wurden, und daß ich in die Gruppe der Verfplgten gehöre! Das war sehr unangenehm!

    Das hinterläßt tiefe Spuren von Mißtrauen, da nur sehr extrem langsam die Homosexuellen zu ihren Rechten kamen, bis der Paragraph 175 gelockert wurde. Die Bevölkerung, daß Umfeld blieb lange danach noch homophob und ein Anzeichen, daß man homosexuell war, führte zur Vernichtung der beruflichen Existenz. Man wurde obendrein zum Gespött und mußte sich Demütigungen gefallen lassen. Unter diesen Gesichtspunkten habe ich mich sehr spät meine sexuelle Orientierung anderen Menschen offenbart, zu einer Zeit, wo man nicht mehr in diesen Umfang diskriminiert wurde, wie ich es früher erlebte. Die Skepsis bleibt sehr lange, da man nicht in die Köpfe anderer hineinschauen kann, die dann einen auf hinterhältige Weise einen Schaden zufügen, sei es durch Verleumdungen, oder Denunziationen - nur weil man homosexuell ist. Mutige homosexuelle Freunde von mir wurden durch solche Aktionen noch lange geschädigt, selbst nachdem der §175 entschärft worden war. Man wurde alt, bis sich langsam die Einstellungen der Menschen veränderten, weil Homosexuelle anfingen, ihre Situation der Allgemeinheit darzulegen. Als das Outing publik wurde, haben viele meiner Bekannten dieses getan und verloren ihre Arbeitsplätze! Von Freiheit gab es anfangs keine Spur. Man mußte dafür hart kämpfen! Das ist alles noch nicht so lange her! Bis ich mich endlich meine Sexualität offenbaren konnte, ohne daß man mit Repressalien zu rechnen hat, bin ich zwangsläufig sehr alt geworden!
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#5 grmblAnonym
  • 12.08.2020, 23:03h
  • Antwort auf #3 von Vater2
  • Auch auf die Gefahr hin, hier auf Unverständnis zu stoßen...

    Ich selbst hatte mein inneres Coming out auch erst mit 34. Das Äußere zwei bis drei Monate später. War mit einer Frau verheiratet. Es ist nicht zu unterschätzen, wie sehr das direkte Umfeld - und damit meine ich nicht nur Familie und Freunde, sondern auch die übrige Bevölkerung des Dorfes, die Kirche, die (katholische Privat)schule, die Mitspieler im Fußballverein - Einfluss nehmen auf die eigene Denkweise und den eigenen Lebensentwurf. Man sehnt sich nach der vermeintlichen Normalität einer Hetero-Ehe. Alternativen kommen im Umfeld schlicht nicht vor. Nennt mich dumm oder naiv, so kann's gehen, wenn man auf dem Dorf groß wird.
    Worauf ich stolz bin: Dass der zeitliche Abstand zwischen innerem und äußeren CO sehr gering war und ich somit niemandem etwas vorgemacht habe. Hier schließt sich der Kreis zum obigen Artikel. Sein Schwulsein zu verbergen, um als Mädchenschwarm zu gelten und Kohle zu scheffeln, obwohl man sich der eigenen Orientierungen bewusst ist, halte ich für falsch. Aber das muss ja jeder selbst wissen.
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#6 Ralph
  • 13.08.2020, 10:11h
  • Antwort auf #4 von Jadughar
  • Ja, Deinen Ausführungen stimme ich grundsätzlich zu. Aber am konkreten Beispiel erkenne ich all das gerade nicht. Eloy de Jong ist viel zu jung, um in Deine Analyse zu passen. - Ich selbst war übrigens bei der ersten Reform des § 175 sieben Jahre alt. Sexualität und sexuelle Orientierung waren in meiner Schulzeit nie ein Thema. Homosexualität wurde erst in der Oberstufe kurz im Religionsunterricht angesprochen, wo ein liberaler Pfarrer Wert darauf legte, dass sie nicht pervers sei. Das gesellschaftliche Klima war feindselig. Sich aus dem Schrank trauen, auch nur andere junge Schwule kennenlernen war im Lange-vor-dem-Internet-Zeitalter so gut wie unmöglich. Trotzdem hab ich es geschafft, mich unmittelbar vor meinem Auszug mit 20 Jahren vor meinen Eltern zu outen und anschließend am Studienort offen zu leben. Das war in den frühen 80ern und schon in der beginnenden Aids-Krise, als das Klima noch giftiger wurde. Ich kann verstehen, dass Eloy als berufsmäßiger Mädchenschwarm in einer Boygroup Angst hatte. Aber verstehen heißt für mich nicht bestätigen. Sich nicht zu outen, ist immer falsch. Wert die Konsequenzen nicht tragen zu können, glaubt, tut es nicht. Das ist oft aber weniger ihm selbst vorzuwerfen als den immer noch unzureichend freien gesellschaftlichen Verhältnissen. Junge Menschen scheinen damit heute indes überwiegend klarzukommen, jedenfalls beser als Menschen meiner Generation.
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#7 Prima4Anonym
  • 13.08.2020, 14:57h
  • "Männlich und machomäßig".... ja ja, doch, das sind so die Attribute die einem bei "caught in the act" so einfallen!
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#8 Vater2Anonym
  • 13.08.2020, 17:01h
  • Antwort auf #5 von grmbl
  • @grmbl:

    Wie alt bist Du denn?
    Ich bin 45 J. und damit Geburtsjahr '75.
    Der 175er spielte somit für mein Leben keine Rolle mehr.

    Ich wundere mich halt insofern über späte coming Outs, als dass man doch dennoch vorher nicht heterosexuell ist, oder?
    Waren da keine Homosexuellen Triebe? hat dich heterosexueller Sex gereizt und wenn nicht: kam es Dir nicht merkwürdig vor?
    Als ich ein Kind war, da dachte ich, in 10 oder 15 Jahren bin ich mit einer Frau verheiratet. Dennoch fand ich diesen Gedanken zunehmend befremdlicher weil mich Frauen ja überhaupt nicht reizten. Wie soll so eine Frau in meinem Leben kommen, wenn ich sie so absolut überhaupt nicht anziehend finde? Doktorspiele habe ich als Kind immer mit Jungs gespielt und fand auch zu diesem Zeitpunkt den Gedanken an derartige spiele mit Mädchen ganz schrecklich.

    Als ich 12 oder 13 war holten irgendwann zwei Mitschüler nachmittags ihre Pimmel raus um ein Feuer auszupissen. Ich wurde plötzlich ganz kribbelig und konnte mir das nicht so richtig erklären. Das Thema Pubertät gab es vorher in meinem Kopf noch gar nicht und bei mir hatte sie auch noch nicht eingesetzt. Diese beiden Mitschüler waren vielleicht ein halbes Jahr älter, sahen da unten aber bereits völlig erwachsen aus und ich konnte es überhaupt nicht erwarten auch so auszusehen. Es dauerte eine Weile, bis ich Begriff, dass ich nicht nur sowas bei mir selber haben wollte sondern das von den anderen bei mir ;-)
    Besagte Doktorspiele habe ich auf Initiative von Schulfreunden im Alter von vielleicht acht Jahren gespielt. Als ich dann dreizehn war, nahm ich diese Initiative eigenmächtig wieder auf und dachte so bei mir: 'Hätte nie geglaubt, dass ich sowas noch mal mache.'

    Ob beim Zelten oder Nachmittag beim Zocken am PC... irgendwie war es ein Kinderspiel Gleichgesinnte zu finden, mit denen man gegenseitig rumwichsen konnte.
    Das war alles unglaublich aufregend und gleichzeitig war es für mich denn auch ein inneres Geheimnis, dass ich mich tatsächlich überhaupt nicht fürs andere Geschlecht interessierte.

    Als ich dann 15 war zog ich mit meinen Eltern vom Dorf in eine kleinere Großstadt mit vielleicht 150.000 Einwohnern.
    Ich kam auf eine neue Schule und war damit in der Schulklasse ein neuer. Ich hatte erst mal keine langjährigen Schulfreundschaften um mich herum, um deren Existenz ich fürchten musste.
    Als ich so nachmittags alleine war und mit dem Fahrrad die neue Stadt kennenlernte, stieß ich auch auf einen schwul-lesbischen Verein, welcher schon mal mindestens 2 abendliche Termine in der Woche anbot um andere Menschen kennenzulernen. der Haken für mich: dieser Verein definierte sich selbst als Verein für homosexuelle Männer und Frauen. Als Mann fühlte ich mich in dem Alter aber noch überhaupt nicht. Ich rief zweimal im Abstand von Monaten dort an (Coming-out Telefon) und wurde herzlich eingeladen vorbeizukommen. Bei meinem Alter hatte ich aber geschummelt und nahm mir bedauernd vor in ein oder zwei Jahren dort mal aufzutauchen .

    Der Begriff "schwul" war bei mir im Kopf aber noch nicht richtig eingerastet. Eines Abends kam der amerikanische Independentfilm Abschiedsblicke.

    In diesem Film waren alle Hauptfiguren schwul und teilweise ziemlich jung. Alle waren geoutet und ihr Schwulsein eine absolute Selbstverständlichkeit. Nachdem der Film zu Ende war kribbelte es richtig in meinem Bauch. Ich stand mit meinen 15 Jahren vor dem Fernseher und sagte laut: "Ich bin schwul. Ich bin tatsächlich schwul!"
    Es war, als hätte ich ein ungeheuerliches Geheimnis entdeckt und ich wusste, dass dort draußen Gleichgesinnte existieren.
    Im Jahr 1990 war alles immer noch ein wenig versteckter und in Subkulturen verborgen als heute. Dadurch fühlte es sich aber an als wäre man teil einer Geheimgesellschaft. Ein Außenseiter im positiven Sinne des Wortes.
    Ich traf mich mit Leuten aus diesem Verein nachdem ich dort wieder angerufen habe und ging schließlich zweimal abends aus: einmal in eine schwul-lesbische Gruppe für Leute jeder Altersstufe und einmal in eine schwul-lesbische Jugendgruppe. Plötzlich hatte ich jede Menge Leute um mich herum, unzählige Leute, die bei uns zu Hause anrufen und nach mir fragten und Freunde, mit denen ich nachts auf Partys und in Diskotheken gehen. Nachdem ich zuvor wie ein Einsiedlerkrebs gelebt habe, wollte meine Mutter wissen, was plötzlich los sei. Die Tatsache, dass ich so total schwul lesbisch sozialisiert war machte es mir kinderleicht mich in der Schule zu outen. Was hatte ich zu verlieren? Das waren alles neue Mitschüler, da ich dort noch nicht lange lebte und um meine Freunde brauchte ich nicht zu fürchten. Die existierten alle in einer anderen Welt außerhalb der Schule. Diese große Selbstverständlichkeit mit der ich zu meinem Schwulsein stehen konnte bewirkte, dass ich in der Schule nicht gemobbt wurde. Die Mädchen fanden das alles ohnehin ganz toll und waren neugierig. Die meisten Jungs auch. Ein einziger war irgendwie misstrauisch und versuchte mich irgendwie zu schneiden. Das dies aber bei den anderen Mitschülern nicht auf Gegenliebe und so ließ er es. Ein Versteckspiel führt zu völlig anderen Resultaten als totale Offenheit.

    das war mein Coming-out in Kurzform.

    Dass geoutetes Leben in vergangenen Zeiten auf diese Weise möglicherweise nicht klappte war mir jederzeit klar .

    Wie allerdings ein Inneres coming out als Schwuler Mitte 30 funktioniert blieb mir immer ein Rätsel. Wie gesagt: da wären die Fragen, ob man heterosexuelle Gefühle hat, wenn man doch eigentlich schwul ist. Findet man diese Frau dann wirklich geil? Wenn nicht ( was ich eigentlich denke): findet man es nicht merkwürdig, das die sexuellen Reize gegenüber dem anderen Geschlecht so eingeschränkt sind oder womöglich gar nicht vorhanden?
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#9 TheDadProfil
  • 15.08.2020, 10:42hHannover
  • Antwort auf #5 von grmbl
  • ""Ich selbst hatte mein inneres Coming out auch erst mit 34.""..

    Ich formuliere das Unverständnis dann man konkret :

    Kommt doch mal von der Idee herunter es gäbe so etwas wie ein "spätes, inneres Coming Out"..

    Ab dem Tag an dem man zum erstem Mal seine Bedürfnisse gefühlt hat, und ihnen NICHT nachgekommen ist belügt man sich, und in der Folge seine Umgebung über sich selbst..

    Da gibt es dann auch keine Ausreden wie den § 175, oder die Tatsache Sex sei ein großes Tabu gewesen..

    Das ist Heute kaum anders, denn noch immer können Eltern ihren Nachwuchs nicht vernünftig aufklären, weil sie selbst keine Ahnung von der Sache haben..

    Ich habe da neulich im Nollendorfblog eine interessante Artikel dazu gelesen :
    Würden "liberale Eltern" offen mit ihren Kindern darüber reden daß die Möglichkeit besteht sie könnten Queer sein noch BEVOR sie in die Pubertät kommen oder sich selbst outen, und ihnen dann schon sagen
    "Ey, es ist egal, du bist unser geliebtes Kind",
    dann könnten sich Kinder viel leichter outen, viel früher, und viel offensiver, mit all den Dingen, die damit verbunden sind, weniger Depressionen, weniger Drogen-Karrieren, weniger Suizide und Suizid-Versuche, etc., pp..

    Wer also "glaubt" er hätte mit 34 so eine Art "Erweckungserlebnis" gehabt, der belügt sich immer noch selbst..
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