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Jetzt im Kino

Göttlich blasphemisch!

In der romantischen Sommerkomödie "Der göttliche Andere" torpediert der total eifersüchtige Gott während einer Papstwahl in Rom die junge Liebe zwischen einem atheistischen Reporter und einer angehenden Ordensschwester mit schwulem Freund.


Während er in Rom über die Papstwahl berichtet, verliebt sich der vollkommen atheistische Journalist Gregory ausgerechnet in Maria, die kurz davor ist, Ordensschwester zu werden (Bild: Warner Bros.)
  • Von Christiane Bosch, dpa
    13. August 2020, 08:03h, noch kein Kommentar

Manche glauben an das Schicksal, andere an Gott und wieder anderen ist das alles fremd. Dem britischen Fernsehjournalisten Gregory zum Beispiel. Und ausgerechnet er soll nun über die Papstwahl in Rom berichten – und läuft dort der bildhübschen, angehenden Ordensschwester Maria über den Weg. Beide treffen sich wieder und sind schnell voneinander angetan. Und doch gibt es da augenscheinlich jemanden, der das gar nicht gut findet und auf seine Weise jede Annäherung der beiden verhindern will.

Mit dieser Geschichte flattert nun der Film "Der göttliche Andere" in die deutschen Kinos. Die romantische Sommerkomödie von Jan Schomburg ("Vergiss mein ich") kommt dabei wie ein kühler Aperol Spritz in einer lauen Sommernacht daher: schmeckt und macht Lust auf mehr.

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Manche Figur kommt zu holzschnittartig rüber


Poster zum Film: "Der göttliche Andere" startet am 13. August 2020 im Kino

Der deutsche Regisseur und Autor Schomburg hat für den Film ein internationales Ensemble um sich versammelt. So sind der Brite Callum Turner ("Phantastische Tierwesen: "Grindelwalds Verbrechen") und die Italienerin Matilda De Angelis ("Giulias großes Rennen") in den Hauptrollen zu sehen und bringen die Magie des zarten Verliebtseins durchaus überzeugend auf die große Leinwand. Vor allem De Angelis ist dabei absolut bezaubernd. Und gerade jetzt – in Corona-Zeiten ohne viel Auslandsreisen – bringt der in den verwinkelten Gassen Roms gedrehte Film ganz nebenbei auch ein bisschen Urlaubsgefühle und die Sehnsucht nach einer leichten Romanze mit sich.

Und doch hat er auch kleine Schwächen. So manche Figur kommt zu holzschnittartig rüber, so mancher Dialog ist ohne Widerhall auf Tiefsinn getrimmt, so mancher Witz ist zu gewollt. Der Kameramann darf die Rolle des Dauertrottels spielen, der schwule Freund von Maria ist ziemlich stereotyp angelegt und Marias freiheitsliebende Mutter ist in ihrer Verständnislosigkeit wegen der Klosterpläne ihrer Tochter auch eher eindimensional gezeichnet. Wenn Maria zudem zunächst davon spricht, dass die Suche nach etwas Tieferem in dieser Welt schlicht nicht zu finden sei und dann nur zwei Tage später aber doch ins Straucheln gerät, wirkt das wenig authentisch.

Gehirntumor in Jesusform

Trotzdem ist der Film unterhaltsam. Auch dank seiner – bisweilen recht leichten – Witze. Vor allem der Teil, wenn eine höhere Macht augenscheinlich das Glück des jungen Paares verhindern will, ist amüsant. Ein erster Kuss in einem Tanzclub bahnt sich an – die Soundanlage des Clubs spinnt. Beim nächsten Kussversuch geht der Club gleich ganz in Flammen auf. Die Schlüsselkarte fürs Hotelzimmer für die erste gemeinsame Nacht wird von einem Affen geklaut. Gregory will Maria seine Liebe gestehen – und spricht plötzlich nur noch Finnisch. Gottes Eifersucht gipfelt schließlich in einem Gehirntumor – der dem Abbild von Jesus verdammt ähnlich sieht.

Damit ist alles klar. Es gibt Gott eben doch, ist Gregory überzeugt. Er will sich der überirdischen Konkurrenz geschlagen geben und Maria freiwillig ziehen lassen. Doch die wird im Kloster mit Ereignissen und Verhaltensweisen konfrontiert, wegen der sie ihre Entscheidung für Gott in Frage stellt.

Die himmlische Romantik-Komödie ist gespickt mit einer Mischung aus Klamauk und philosophischen Mini-Botschaften. Und das kommt nicht von ungefähr, wie Regisseur Schomburg im Presseheft verrät: "Ich liebe die Komödie, und zwar nicht nur die anspruchsvolle, sondern auch den albernen Slapstick. Aber auf der anderen Seite macht es mir auch großen Spaß, komplexen philosophischen Gedanken zu folgen." Beides hat er in "Der göttliche Andere" gepackt. Für leichtes Sommerkino ist das auf jeden Fall eine angenehme Mischung.

Direktlink | Offizieller Trailer

Infos zum Film

Der göttliche Andere. Komödie. Deutschland 2020. Regie: Jan Schomburg. Darsteller*innen: Callum Turner, Matilda De Angelis, Ronke Adekoluejo. Laufzeit: 90 Minuten. Sprache: deutsche Originalfassung. FSK 6. Kinostart: 13. August 2020