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Geschlechtergerechtigkeit
Gesellschaft für deutsche Sprache rät vom Gendersternchen ab
Der Sprachpflegeverein bewertet das Gendersternchen negativ – eine Alternative, wie die Sprache geschlechtergerecht werden kann, können die Sprachschützer aber nicht nennen.
- 14. August 2020, 12:45h 3 Min.
Das Gendersternchen hatte es am Mittwoch in die neueste Ausgabe des Dudens geschafft (queer.de berichtete). Die in Wiesbaden ansässige Gesellschaft für deutsche Sprache (GfdS), die seit mehr als 70 Jahren bei der Klärung sprachbezogener Fragen hilft, hält davon allerdings laut einer Pressemitteilung vom Donnerstag nicht viel: "[Das Gendersternchen] eignet sich nicht, um genderneutrale Personenbezeichnungen zu bilden", so das Urteil.
Die Sprachexpertinnen und -experten beklagen, dass bei der Verwendung "grammatisch falsche Formen" entstünden. So könne etwa aus Arzt und Ärztin mit Gendersternchen Arzt*in oder Ärzt*in werden. Außerdem gebe es keine Einheitlichkeit, wie das Sternchen ausgesprochen werden soll. "Für die Sprechenden und für die Zuhörerinnen und Zuhörer entstehen so Unsicherheiten", so die GfdS. Ein weiteres Problem sei, dass es mit Gender-Doppelpunkt (Leser:innen), Gender-Mediopunkt (Leser·innen) oder Gender-Gap (Leser_innen) weitere vergleichbare Ausdrucksmittel gebe und so die Einheitlichkeit der Sprache immer mehr verloren gehe.
"Die orthografische und grammatische Richtigkeit und Einheitlichkeit, die (Vor-)Lesbarkeit und die Verständlichkeit eines Textes stehen jedoch an erster Stelle und müssen auch in einer diskriminierungsfreien Sprache gewährleistet sein. Die GfdS rät daher ausdrücklich davon ab, das Gendersternchen und ähnlich problematische Formen zu verwenden", heißt es in der Mitteilung.
Das Gendersternchen (*) wird in den Medien, aber auch in öffentlichen Texten immer häufiger verwendet, um sogenannte...
Gepostet von Gesellschaft für deutsche Sprache am Donnerstag, 13. August 2020
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"Eine Lösung haben wir noch nicht"
Zwar erkennt auch die GfdS an, dass Geschlechtergerechtigkeit in der deutschen Sprache ein Problem sei. Eine Alternative können die Sprachexpertinnen und -experten aber nicht bieten: "Eine Lösung haben wir noch nicht", erklärte GfdS-Geschäftsführerin Andrea-Eva Ewels laut dpa. "Wir sitzen auch im Rat für deutsche Rechtschreibung, er befasst sich seit geraumer Zeit mit Möglichkeiten, die Geschlechter sichtbar zu machen."
Die GfdS ist besonders bekannt, weil sie jedes Jahr die "Wörter des Jahres" verkündet. 2017 erreichte etwa der Begriff "Ehe für alle" den zweiten Platz (queer.de berichtete). Das Wort des Jahres 2019 war "Respektrente".
Skepsis über Geschlechtergerechtigkeit von AfD bis zu den Grünen
Geschlechtergerechte Sprache ist umstritten, insbesondere am rechten Rand, an dem die Gendersternchen oft als "Umerziehungsprojekt" diffamiert werden. So erklärte AfD-Fraktionschefin Alice Weidel vergangenes Jahr: "Die sogenannte 'gendergerechte' Sprache ist ein Orwell-Projekt. Sie vergewaltigt nicht nur unsere Muttersprache und zertrümmert Texte bis zur Unlesbarkeit, sie will über die Manipulation der Sprache auch unser Denken im Sinne der Gender-Ideologie beeinflussen und kontrollieren."
Aber auch viele aus der Mitte oder dem linken politischen Spektrum mögen Geschlechtergerechtigkeit in der Sprache nicht. Selbst in Teilen der Grünen ist sie umstritten: So echauffierte sich unlängst der baden-württembergische Ministerpräsident Winfried Kretschmann über geschlechtergerechte Sprache und warnte vor "Sprachpolizisten" (queer.de berichtete). (dk)
















Mal abgesehen davon, dass mich niemand davon abhalten kann, den * privat zu verwenden ist die Gesellschaft und Wirtschaft schon viel weiter, als diese Einlassung. Meine Bank beispielsweise nutzt den * schon seit ihrem Bestehen. (Tomorrow)
Auch wäre es mal interessant, welche Menschen denn diesem ominösem Gremium abgehören und welche politschen Hintergründe da zu Tage treten. Jedenfalls den * abzulehnen und keine Alternative parat zu haben erinnert doch stark an die AfD, die meinte, man bräuchte keine Konzepte, da man ja nicht im Amt ist.