Hauptmenü Accesskey 1 Hauptinhalt 2 Footer 3 Suche 4 Impressum 8 Kontakt 9 Startseite 0
Neu Presse TV-Tipps Termine
© Queer Communications GmbH
https://queer.de/?36826

Geschlechtergerechtigkeit

Gesellschaft für deutsche Sprache rät vom Gendersternchen ab

Der Sprachpflegeverein bewertet das Gendersternchen negativ – eine Alternative, wie die Sprache geschlechtergerecht werden kann, können die Sprachschützer aber nicht nennen.


Wie geschlechtergerecht soll die deutsche Sprache sein? (Bild: geralt / pixabay)

Das Gendersternchen hatte es am Mittwoch in die neueste Ausgabe des Dudens geschafft (queer.de berichtete). Die in Wiesbaden ansässige Gesellschaft für deutsche Sprache (GfdS), die seit mehr als 70 Jahren bei der Klärung sprachbezogener Fragen hilft, hält davon allerdings laut einer Pressemitteilung vom Donnerstag nicht viel: "[Das Gendersternchen] eignet sich nicht, um genderneutrale Personenbezeichnungen zu bilden", so das Urteil.

Die Sprachexpertinnen und -experten beklagen, dass bei der Verwendung "grammatisch falsche Formen" entstünden. So könne etwa aus Arzt und Ärztin mit Gendersternchen Arzt*in oder Ärzt*in werden. Außerdem gebe es keine Einheitlichkeit, wie das Sternchen ausgesprochen werden soll. "Für die Sprechenden und für die Zuhörerinnen und Zuhörer entstehen so Unsicherheiten", so die GfdS. Ein weiteres Problem sei, dass es mit Gender-Doppelpunkt (Leser:innen), Gender-Mediopunkt (Leser·innen) oder Gender-Gap (Leser_innen) weitere vergleichbare Ausdrucksmittel gebe und so die Einheitlichkeit der Sprache immer mehr verloren gehe.

"Die orthografische und grammatische Richtigkeit und Einheitlichkeit, die (Vor-)Lesbarkeit und die Verständlichkeit eines Textes stehen jedoch an erster Stelle und müssen auch in einer diskriminierungsfreien Sprache gewährleistet sein. Die GfdS rät daher ausdrücklich davon ab, das Gendersternchen und ähnlich problematische Formen zu verwenden", heißt es in der Mitteilung.

Das Gendersternchen (*) wird in den Medien, aber auch in öffentlichen Texten immer häufiger verwendet, um sogenannte...

Gepostet von Gesellschaft für deutsche Sprache am Donnerstag, 13. August 2020
Facebook / Gesellschaft für deutsche Sprache

- Werbung - Video - Abheben und Frankreich und die Welt entdecken

"Eine Lösung haben wir noch nicht"

Zwar erkennt auch die GfdS an, dass Geschlechtergerechtigkeit in der deutschen Sprache ein Problem sei. Eine Alternative können die Sprachexpertinnen und -experten aber nicht bieten: "Eine Lösung haben wir noch nicht", erklärte GfdS-Geschäftsführerin Andrea-Eva Ewels laut dpa. "Wir sitzen auch im Rat für deutsche Rechtschreibung, er befasst sich seit geraumer Zeit mit Möglichkeiten, die Geschlechter sichtbar zu machen."

Die GfdS ist besonders bekannt, weil sie jedes Jahr die "Wörter des Jahres" verkündet. 2017 erreichte etwa der Begriff "Ehe für alle" den zweiten Platz (queer.de berichtete). Das Wort des Jahres 2019 war "Respektrente".

Skepsis über Geschlechtergerechtigkeit von AfD bis zu den Grünen

Geschlechtergerechte Sprache ist umstritten, insbesondere am rechten Rand, an dem die Gendersternchen oft als "Umerziehungsprojekt" diffamiert werden. So erklärte AfD-Fraktionschefin Alice Weidel vergangenes Jahr: "Die sogenannte 'gendergerechte' Sprache ist ein Orwell-Projekt. Sie vergewaltigt nicht nur unsere Muttersprache und zertrümmert Texte bis zur Unlesbarkeit, sie will über die Manipulation der Sprache auch unser Denken im Sinne der Gender-Ideologie beeinflussen und kontrollieren."

Aber auch viele aus der Mitte oder dem linken politischen Spektrum mögen Geschlechtergerechtigkeit in der Sprache nicht. Selbst in Teilen der Grünen ist sie umstritten: So echauffierte sich unlängst der baden-württembergische Ministerpräsident Winfried Kretschmann über geschlechtergerechte Sprache und warnte vor "Sprachpolizisten" (queer.de berichtete). (dk)



#1 Peck_SProfil
  • 14.08.2020, 15:02hFrankenthal
  • Welch eine bahnbrechende Erkenntnis, dass die deutsche Grammatik das Gendersternchen nicht kennt. Ist die Grammatik ein lebender Organismus oder zufällig von Menschen erschaffen? Könnten dann nicht zufällig dieselben die Grammatik anpassen?

    Mal abgesehen davon, dass mich niemand davon abhalten kann, den * privat zu verwenden ist die Gesellschaft und Wirtschaft schon viel weiter, als diese Einlassung. Meine Bank beispielsweise nutzt den * schon seit ihrem Bestehen. (Tomorrow)

    Auch wäre es mal interessant, welche Menschen denn diesem ominösem Gremium abgehören und welche politschen Hintergründe da zu Tage treten. Jedenfalls den * abzulehnen und keine Alternative parat zu haben erinnert doch stark an die AfD, die meinte, man bräuchte keine Konzepte, da man ja nicht im Amt ist.
  • Antworten » | Direktlink »
#2 WahrheitIstRelativAnonym
  • 14.08.2020, 15:54h
  • Ich find es nicht gut, wenn NB durch ein * und somit durch eine Pause im Sprechen dargestellt werden. Man kann doch nicht Menschen mit einer "Pause" darstellen! Da muss was anderes kommen, aber das ist garnicht so einfach, was zu finden, wo auf einmal alle sagen :" Jetzt läuft das rund und fließend". Wenn man aber was findet, dann setzt sich das auch durch. Nach einem Wort für "satt" im Bezug auf trinken wird soweit ich weiß seit Jahrzehnten gesucht. Ist also nicht so einfach mit der Sprache und nicht jeder, der nicht alles mitmacht, gehört zur Afd. Wenn ich allerdings mit jemandem kommuniziere , von dem ich weiß, dass ihm das * oder das Innen wichtig ist, dann benutze ich das auch.
  • Antworten » | Direktlink »
#3 Peck_SProfil
  • 14.08.2020, 16:07hFrankenthal
  • Kleine Ergänzung:

    Die Gesellschaft für deutsche Sprache wird gefördert von der Bundesbeauftragten für Kultur und Medien, Monika Grütters.

    Dieselbe ist CDU Mitglied und sollte in die Lesenswert - Sendung auf Bitte von Denis Scheck ihr Lieblingsbuch mitgebringen: es war die Bibel. Ein Schelm wer da jetzt auf Gedanken kommt.
  • Antworten » | Direktlink »
#4 Peck_SProfil
  • 14.08.2020, 16:14hFrankenthal
  • Antwort auf #2 von WahrheitIstRelativ
  • Falls dein Satz mit der AfD auf mich bezogen war, hast du meinen letzten Satz nicht verstanden.

    Zum Rest: ich gebe dir Recht, dass die Art der Erwähnung nichtbinärer Menschen bisweilen suboptimal ist, aber und das sage ich als nicht zugehörig, wäre es mir lieber, suboptimal erwähnt zu werden bis etwas besseres nachfolgt, als in der deutschen Sprache, in behördlichen u.a. Anreden, der öffentlichen Wahrnehmung schlicht gar nicht erst zu existieren.
  • Antworten » | Direktlink »
#5 AFD-WatchAnonym
#6 WahrheitIstRelativAnonym
  • 14.08.2020, 16:22h
  • Antwort auf #4 von Peck_S
  • Sehe ich genauso! Wäre ich Firmenchefin , würde ich " an meine Mitarbeiter*innen" schreiben, damit sich jeder ernst genommen fühlt aber zugleich hoffen, dass sich sprachlich auf Dauer was geeigneteres findet.
  • Antworten » | Direktlink »
#7 IsimileAnonym
  • 14.08.2020, 16:38h
  • Antwort auf #4 von Peck_S
  • Aber die Form mit Stern, Unterstrich, Doppelpunkt oder was auch immer ist ebenfalls eine Nichterwähnung. Es wird eine künstliche Pause eingefügt zwischen der männlichen und weiblichen Bezeichnung und wir NBs sollen uns dadurch mitgemeint fühlen. Wirklich angesprochen werden wir dabei aber nicht.

    Ich fühle mich bei der Pause genauso "mitgemeint" wie bei dem "und", z.B. bei Schüler und Schülerinnen. Ich bin nicht direkt angesprochen, weiß aber dass ich "mitgemeint" bin.
  • Antworten » | Direktlink »
#8 WahrheitIstRelativAnonym
#9 JadugharProfil
  • 14.08.2020, 16:54hHamburg
  • Die deutsche Sprache ist nun eine indogermanische Sprache, die seit mehr als 7000 Jahren bestimmte Strukturen hat wozu auch drei grammatikalische Geschlechter gehören. Diese Sprachgruppe neigte dazu, sich grammatisch zu vereinfachen. Der Dual ist völlig weggefalle und existiert heute nur noch in der friesischen Sprache, in den baltischen Sprachen und im Sanskrit - einer altindischen Sprache. Aus ursprünglich 8 Fällen fielen in der Deutschen Sprache 4 weg, in einigen deutschen Dialekten sind es nur noch drei, in der friesischen und englischen Sprache zwei. Die englische Sprache hat das grammatikalische Geschlecht fast abgeschafft, die friesische Sprache ebenso. In den romanischen Sprachen sind üblicherweise zwei Geschlechter. Das grammatikalische Geschlecht entspricht nicht den natürlichen Geschlecht und innhalb der deutschen Dialekte haben einige Substantive ein abweichendes Geschlecht von der Standardsprache. Erst recht, wenn wir die Sprachfamilie wechseln, z.B. Französich und Deutsch, wo bei uns die Sonne weiblich ist und in der französischen Sprache männlich und beim Mond ist es umgekehrt. Um das biologische oder das empfundene Geschlecht näher zu bezeichnen, gibt es entsprechende Adjektive. Aber auch die englische Sprache ist wie die deutsche Sprache nicht gendergerecht. Wir haben die Bezeichnung Freund und Freundin, während Englisch die Begriffe friend und girl friend kennt. Wenn es aus dem Kontext ersichtlich ist, benutzt man nur friend. Da könnte es Ärger geben, wenn Einige glauben, daß mit friend männliche Menschen gemeint sind, wobei in Wirklichkeit beide Geschlechter gemeint werden und das girl nur verwendet wird, wenn man hervorheben hervorheben will, und eventuell als Mann mit einen friend nicht in die homosexuelle Schublade gesteckt werden möchte, nur weil man eine Freundin hat.

    Einen Ausweg zur Geschlechtergerechtigkeit hat nach meiner Kenntnis nur die chinesische Sprache, die ein Geschlecht nicht kennt und sehr kontextbezogen ist. Der Kommentator Peck_S meint zwar hier, man könnte mal einfach so schnell die Grammatik ändern, doch dann könnte man genauso gut hier die deutsche Sprache durch die chinesische Sprache ersetzen. Das wird wohl kaum einer wollen. Ich denke nur daran, daß zwei Rechtschreibereformen im vergangenen Jahrhundert auch nicht auf viel Gegenliebe gestoßen ist. Umso schwieriger ist es, grammatikalische Strukturen zu verändern, weil sie die Basis einer Sprache bilden.
  • Antworten » | Direktlink »
#10 Peck_SProfil
  • 14.08.2020, 17:04hFrankenthal
  • Antwort auf #7 von Isimile
  • Da ist ein wirklich guter Punkt, dass eine Pause keine Erwähnung im eigtl. Sinne ist. Außerdem Hut ab, dass du so tolerant und entspannt damit umgehst. (Meine ich vollkommen ernst und ironiefrei!) Allerdings fürchte ich, dass es auch Menschen da draußen gibt, die sich ohne Pause oder Stern in der schriftlichen Anrede einfach ausgegrenzt fühlen und verletzt sind.

    Als schwuler Cismann hab ich es da ja wirklich leicht, will aber als empathischer Mensch eben durch die Pause oder aber den Stern meinen Mitmenschen auch ein Signal geben: nämlich dass ich an euch denke und mir der Situation bewusst bin.
  • Antworten » | Direktlink »