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"Brokeback Mountain"

"Ich wünschte, ich hätte die Geschichte nie geschrieben"

Mit "Brokeback Mountain", der Verfilmung ihres Romans über die heimliche Liebe zweier Cowboys, wurde Annie Proulx weltbekannt. Jetzt wird die Schriftstellerin 85 Jahre alt. Ihren schwulen Bestseller bereut sie.


Szene aus der Verfilmung von "Brokeback Mountain" mit Heath Ledger und Jake Gyllenhaal in den Hauptrollen (Bild: Focus Features)
  • Von Christina Horsten, dpa
    16. August 2020, 11:03h, 8 Kommentare

Die 80er haben gut angefangen für Annie Proulx. 2016 – kurz nach ihrem 80. Geburtstag – veröffentlichte die US-Schriftstellerin ihren jüngsten Roman "Barkskins". In Deutschland erschien das Buch zwei Jahre später unter dem Titel "Aus hartem Holz" und seit Mai ist die Verfilmung des Werks über die Abholzung von Wäldern auch als Serie bei National Geographic zu sehen. "Es ist ein altmodisches Buch", sagte die Autorin, die am Samstag (22. August) 85 Jahre alt wird, dem britischen "Guardian".

"Es ist lang, es hat viele Protagonisten, es hat ein großes Thema. Es geht nicht um die Selbstbetrachtung kaputter Familien, wie es die meisten amerikanischen Autoren lieben. Es ist anders, aber ich glaube, dass die Menschen diese Bücher von früher vermissen – große vorsichtig geschriebene Bücher."

Ein "amerikanisches Original"


Annie Proulx 2018 beim U.S. National Book Festival (Bild: Fuzheado / wikipedia)

Zwischendurch hat Proulx in ihren 80ern bereits mehrere Auszeichnungen eingesammelt, darunter den Fitzgerald-Preis 2017 und den Preis der Library of Congress 2018. "Proulx hat uns monumentale Sagen und scharfäugige, geschickt bearbeitete Geschichten gegeben", begründete die Chefin der Library of Congress, Carla Hayden, die Auswahl. Die Autorin sei ein "amerikanisches Original".

Aber Proulx macht sich nach eigener Aussage nicht viel aus Auszeichnungen. "Ich weiß, man sollte dankbar, zufrieden und erfreut sein, auf und ab springen und schreien, aber das kann ich einfach nicht." Überhaupt sei sie "herrisch, ungeduldig, zurückgezogen und schüchtern, aufbrausend und zielstrebig", schrieb sie einmal über sich selbst.

Am liebsten möge sie einsame Landschaften, widrige Wetterbedingungen und Nächte am Schreibtisch. "Mein ganzes Leben verbringe ich schon auf dem Land", sagte die Autorin der "Paris Review". "Das Schriftsteller-Leben ist perfekt für mich. Ich kann mein eigenes Ding machen und nachts um drei arbeiten, wenn ich will." Interviews hasse sie, genauso wie Geburtstagspartys, sagte sie einmal der Deutschen Presse-Agentur. "Ich habe noch nie einen Geburtstag gefeiert und werde jetzt nicht damit anfangen."

"Brokeback Mountain" brachte "nur Ärger, Probleme und Irritationen"


Die deutsche Ausgabe von Proulx' Roman "Brokeback Mountain" ist im btb Verlag erschienen

An ihren ganz großen Erfolg, die Kurzgeschichte "Brokeback Mountain", die zur Vorlage für einen Oscar-gekrönten Film wurde und sie weltberühmt machte, denkt die Autorin nur ungern. "Ich wünschte, ich hätte die Geschichte nie geschrieben. Seit der Film herausgekommen ist, gab es deswegen nur Ärger, Probleme und Irritationen."

Die Bewohner*innen ihrer damaligen Wahlheimat Wyoming, dem extrem dünn besiedelten und rauen Rocky-Mountains-Staat im Nordwesten der USA, würden die Geschichte über die heimliche Liebe zweier schwuler Cowboys sowieso nicht lesen. "Ein großer Teil von ihnen ist immer noch außer sich vor Wut." Aber der Film sei insgesamt von vielen Leuten missverstanden worden: Es gehe gar nicht in erster Linie um die beiden Hauptdarsteller, sondern "um Homophobie, eine soziale Situation, einen Ort und eine besondere Denkart und Moral".

Um ihre Sichtweise auf die Geschichte noch einmal zu unterstreichen, schrieb Proulx 2014 das Libretto zu einer darauf basierenden Oper, die in Madrid uraufgeführt wurde. Ansonsten aber hat sie die Geschichte längst abgehakt und seitdem schon zahlreiche erfolgreiche Bücher wie "Mitten in Amerika", "Hinterland", "Hier hat's mir schon immer gefallen" und ihre Memoiren "Ein Haus in der Wildnis" veröffentlicht.

Proulx kam erst mit über 50 zum Schreiben

Weiterhin populär sind auch ihre Romane aus den frühen 90er Jahren – "Postkarten", für den sie als erste Frau den PEN/Faulkner-Preis bekam, und "Schiffsmeldungen", der ebenfalls erfolgreich verfilmt wurde und für den sie den Pulitzerpreis bekam. Alle ihre Texte haben mit Landschaften zu tun. Bevor sie mit dem Schreiben loslegt, erkundet sie Geologie und Geografie, Klima und Wetter ihrer Schauplätze und lebt den Alltag, den die Landstriche ihren Protagonisten diktieren. Proulx entdeckt Schönheit im Verfall und sieht Elend in vermeintlicher Harmonie. Kritiker loben ihren klaren und detailversessenen Stil.

Dabei kam die 1935 in Norwich im US-Ostküstenstaat Connecticut geborene Proulx erst mit mehr als 50 Jahren zum Schreiben. "Ich sah mich nie als Schriftstellerin. Ich bin nur dazugekommen, weil ich von irgendetwas leben musste. Und dann habe ich herausgefunden, dass ich es wirklich kann." Davor gab es ein kurz vor der Promotion abgebrochenes Studium, etliche Jobs, "zu viele Ehen", vier Kinder, Ratgeber und Kochbücher. "Ich war keine besonders gute oder zugewandte Mutter", sagte Proulx kürzlich dem "Guardian". "Es hat eine lange Zeit gedauert, bis das Offensichtliche offensichtlich wurde: Ich kann in einer konventionellen Familie nicht funktionieren." Heute komme sie aber mit allen vier Kindern sehr gut aus.

"Ich liebe deutsche Buchhandlungen über alles"

Auch die Welt hat Proulx bereist. An Deutschland habe sie dabei "immer ein besonderes Interesse gehabt", sagte sie einmal der Deutschen Presse-Agentur. "Ich liebe deutsche Buchhandlungen über alles und bin dankbar für jede Chance, in ihnen unterzutauchen. Der Grund ist nicht nur das reiche Angebot, sondern auch das Gefühl der Verbundenheit mit anderen Büchernarren. Bei uns in den USA dreht sich doch fast alles nur noch um das elektronische Leseangebot."

Schlussendlich aber zieht es sie doch immer wieder in die einsamen Landschaften zurück – und an ihren Schreibtisch. "Zahlreiche Leben voller Geschichten" trage sie noch in sich, sagte sie einmal der "Paris Review". Aber sie wisse auch jetzt schon, dass diese Geschichten nicht allen Menschen gefallen würden. "Die meisten wollen es schwarz-weiß, gutes Ende, schlechtes Ende. Aber das Leben ist nicht so. Alles ist grau."



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#1 Peck_SProfil
  • 16.08.2020, 11:46hFrankenthal
  • Hä? Ich verstehe irgendwie nicht, wie man (laut Proulx) die Homophobie oder das gesellschaftliche Korsett in Brokeback Mountain überhaupt übersehen könnte?
    Ich meine, die Jungs gehen schließlich trotz ihrer Liebe beide unglückliche Ehen ein, vergeuden ihr gesamtes Leben mit heimlichen Treffen, die aus Quickies und zu rasch endenden Wochenden im feuchten Freien oder stinkenden Hotelzimmern bestehen und ohnehin nur sporadisch stattfinden, bis sie durch ein homophobes Hassverbrechen auch der letzten Reste ihres Glücks beraubt werden und Ennis, das mit seinem Blut befleckte Holzfällerhemd umarmend, die Erkenntnis gewinnt, wie schön ein Leben auf der Ranch mit der einzig wahren Liebe seines Lebens hätte sein können, wenn ihn die Angst vor gesellschaftlicher Ächtung nicht darum beraubt hätte.

    Was braucht es, um das missverstehen zu können?
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#3 Sabelmann
  • 16.08.2020, 12:18h
  • Antwort auf #1 von Peck_S
  • Soviel ich weiss ist Jack, nach dem letzten Treffen mit Ennis, bei einem Autounfall(Radwechsel) während der Heimreise gestorben!
    Wo ist dass Hassverbrechen ?
    Es gab zwar eines aber sicher nicht an Jack!
    Ich glaube es war Earl,dessen Geschichte Ennis erzählte! Richtig?
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#4 AnselmAnonym
#5 Peck_SProfil
  • 16.08.2020, 13:13hFrankenthal
  • Antwort auf #3 von Sabelmann
  • Du hast natürlich Recht. War zu lange her, sorry! Als Jacks Frau vom Unfall erzählt, hat Ennis wieder diese grausame Geschichte vor Augen, die ja aber gerade deshalb zweimal im Film den Hass und die Gewaltkultur gegen Homosexuelle, bzw. Schwule verdeutlicht und klarmacht, wie gefangen Ennis in seiner Angst ist und das ihn dieses Schlüsselerlebnis u.a. am Zusammenleben mit Jack hinderte. D.h. meine Aussage, dass der Film ja die benannten Themen überdeutlich veranschaulicht bleibt bestehen.

    @Antos: Vielen Dank für den Link! Macht mich aber noch ratloser, denn im Artikel spricht sie ja davon, dass die Menschen das eigtl. Thema Homophobie/Moral/gesellschaftliche Konventionen nicht begriffen hätten. Im Link steht aber, dass viele auf sie zukamen und sich ein anderes Ende gewünscht hätten. Für mich ist das im Grunde ja die nachvollziehbare, direkte Reaktion auf den traumatischen Inhalt und das traurige Ende, dass diesen Wunsch nach Harmonie und erfülltem Leben erst hervorgerufen hat. Ich kann mir ja nur ein besseres Leben für die Protagonisten wünschen, wenn ich mir ihres durch die Gesellschaft erzwungenen, unglücklichen Lebens bewusst geworden bin. Ich glaube das Menschen sich nach happy Endings in Büchern und Filmen sehnen, weil sie tagtäglich mit der Realität konfrontiert sind und das es kein Beweis dafür ist, den Inhalt nicht verstanden zu haben, sondern dafür, dass man sich nicht damit auseinandersetzen oder belasten will.
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#6 VadimAnonym
  • 16.08.2020, 13:25h
  • Antwort auf #3 von Sabelmann
  • Soviel ich weiss ist Jack, nach dem letzten Treffen mit Ennis, bei einem Autounfall(Radwechsel) während der Heimreise gestorben!
    Wo ist dass Hassverbrechen ?" -
    Die Geschichte hab ich gelesen: sehr gut, auch sprachlich, und " kinografisch" geschrieben.
    Soweit ich erinnere, es war eine offizielle Erklärung. Aber mir war aus dem Kontext ganz klar, dass er ermordet wurde.
    Earls Geschichte ist mit Ennis verbunden.
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#7 Ralph
  • 16.08.2020, 14:38h
  • Offenbar braucht man eine spezifische Sicht des amerikanischen "Wilden Westens", um die Geschichte nicht zu verstehen. Als Skandal erscheint dann wohl eher die schwule Liebesgeschichte als dass sie heimlich gelebt werden musste und als dass einer der beiden Protagonisten eben wegen seines Schwulseins ermordet wurde.
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#8 svenboEhemaliges Profil
  • 16.08.2020, 19:54h
  • Antwort auf #5 von Peck_S
  • Deprimierende Filme ohne Happy End haben immer diese polarisierende Wirkung. Sie regen zum Nachdenken an, machen aber besonders langfristig keine Freude. Bei mir steht er nicht im Regal. Finde aber, der Film hat seine Daseinsberechtigung und die Autorin kann stolz auf ihr Werk sein. Die von ihr angeführten Irritationen bringen manchmal im Kleinen eine leicht heilsame gesellschaftliche Auseinandersetzung mit sich. Dennoch hat sie wohl leider damit recht, dass die Leute, die die eigentliche Kritik treffen sollte, sämtliche Schuld von sich weisen, oder erst gar nicht reinsehen würden. Die versumpfen lieber in ihrem Hass und ihrer selbstgerecht zusammengesponnenen Überlegenheit. In diversen Ländern würde man so einen Film schlicht ausfiltern und gar nicht erst präsentieren. Ziemlich ekelhaft, wie sich Hollywood wegen ein paar Kröten immer mehr diesen Ländern anbiedert und die eigene liberalere Kultur durch dieses rigorose Vorgehen immer mehr verwässert, bzw. verleugnet.
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