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"Das Ende des Regenbogens"

Schanghai: CSD-Verein gibt auf

Das zunehmend repressive Klima in China zwingt den einzigen großen Pride der Volksrepublik zur Aufgabe.


Sind Prides im diktatorisch regierten China bald Geschichte?

  • 17. August 2020, 17:06h, noch kein Kommentar

Die Organisator*innen des "Shanghai Pride" haben am vergangenen Donnerstag in sozialen Netzwerken verkündet, dass alle geplanten Veranstaltungen abgesagt werden würden und keine weiteren geplant seien. Auf Facebook veröffentlichte der Verein die Ankündigung auch auf Englisch – mit der Überschrift: "The End of the Rainbow".

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Gepostet von Shanghaipride ????? am Donnerstag, 13. August 2020
Facebook / ShanghaiPride

Der CSD in der zweitbevölkerungsreichsten Stadt Chinas wurde 2009 ins Leben gerufen. Er entwickelte sich von einem eintägigen zu einem einmonatigen Event, das zuletzt erst im Juni veranstaltet wurde – trotz Corona nicht nur online, sondern auch in der realen Welt. Anders als bei westlichen CSDs wurden allerdings in Schanghai nie große Paraden oder Demonstrationen veranstaltet. Die meisten Events fanden vielmehr hinter verschlossenen Türen statt – etwa in Bars, Restaurants oder ausländischen Konsulaten.

Charlene Liu, die vor elf Jahren mit anderen den CSD Schanghai gegründet hatte, erklärte laut Reuters, dass die Entscheidung, den Pride zu beenden, schwierig gewesen sei. "Aber wir mussten die Sicherheit von allen Beteiligten schützen", so Liu.

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"Man kann nur durch Untertauchen überleben"

Gegenüber CNN erklärte ein LGBTI-Aktivist, dass die Schließung wohl Folge des Drucks der chinesischen Regierung gewesen sei. "Es wird immer schwieriger und riskanter. Deshalb kann man wohl nur durch Untertauchen überleben", so der Aktivist, der aus Angst vor Repressionen des kommunistischen Regimes anonym bleiben will. "Aber unser Job ist es ja eigentlich, Sichtbarkeit zu zeigen und die Öffentlichkeit aufzuklären – das ist das Dilemma."

Die Volksrepublik China hat in den letzten Jahren immer mehr Bewegungsspielräume für die Zivilgesellschaft eingeschränkt – nicht nur für LGBTI-Organisationen, sondern auch für andere Gruppen. Dies zeigt sich auch am harten Durchgreifen in Hongkong. Ein Ende Juni verabschiedetes neues "Sicherheitsgesetz" ermöglicht es dem Regime, politische Gegnerinnen und Gegner in der Sonderverwaltungszone festzunehmen und abzuurteilen.

Auch gegen Homosexuelle hat die chinesische Führung, die 1997 Homosexualität legalisiert hatte, zuletzt die Zügel angezogen: So ist es seit 2016 verboten, gleichgeschlechtliche Beziehungen im Fernsehen zu zeigen (queer.de berichtete). Ein Jahr später ging das Regime auch im Internet gegen sexuelle Minderheiten vor: Seither dürfen keine "abnormalen" sexuellen Aktivitäten mehr gezeigt werden – dazu zählt das Regime neben sexueller Gewalt und Inzest auch Homosexualität (queer.de berichtete). (dk)