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Ein Buch, das fehlte

"Als trans Mann zu leben, ist keine mutige Entscheidung, sondern eine notwendige"

Linus Giese ist eine der wichtigsten Stimmen der trans Community. Mit "Ich bin Linus" erscheint sein erstes Buch, in dem er bewundernswert offen über seine Transition, seine Ängste und den alltäglichen Hass erzählt.


Sein Bart ist seine Lebensversicherung: Linus Giese (Bild: buzzaldrinsblog / instagram)

Starbucks-Becher sind ein eigenes kleines Phänomen der sozialen Medien. Immer wieder posten Kund*innen der amerikanischen Kaffeehaus-Kette Fotos von ihren überteuerten Bechern, auf denen ihr Name falsch geschrieben wird, selbst wenn es sich um ganz geläufige Vornamen handelt. Verschiedene Medien spekulieren deshalb schon lange, dass das gar nicht an mangelnden Rechtschreibkenntnissen der Baristas liegt, sondern eine Marketing-Strategie ist. Die Namen sollen falsch geschrieben werden, damit sie geteilt werden. Kostenlose Werbung, die Neugierde weckt: Na, wie wird die Barista meinen Namen voll verhunzen? Haha!

Für Linus Giese hat es jedoch eine ganz andere Bedeutung, dass er später sein Heißgetränk fotografiert hat: Auf dem Becher stand sein richtiger Name. Es war der 4. Oktober 2017, als er auf die Frage nach seinem Namen zum ersten Mal Linus geantwortet hat. Ein Zufall, schreibt er, und noch dazu vor Fremden – womöglich, weil es da einfacher war, weil da wohl keine ungläubigen Fragen gekommen wären, vor denen er so Angst hatte.

Eine Ehrlichkeit, die verletzlich macht


"Ich bin Linus" ist seit Dienstag, den 18. August 2020 im Buchhandel erhältlich

Weil der Kaffeebecher Linus' Leben verändert hat, schmückt er das Cover seines Buches "Ich bin Linus". Linus Giese ist präsent. Er hat fast 18.000 Follower*innen auf Twitter, er gibt Interviews, schreibt Artikel, sitzt auf Podien. Knapp drei Jahre nach seinem Coming-out als trans Mann ist er zu einer der wichtigsten deutschen Stimme der deutschen trans Community geworden.

In seinem Buch erzählt Linus von seiner Transition, die er als Prozess beschreibt, der wohl nie abgeschlossen sein wird, er reflektiert übers trans Sein, was es ausmacht, über Passing – ganz persönliche Fragen, für die er subjektive Antworten findet. Er berichtet von seinen Ängsten, zu alt zu sein, um trans zu sein, nicht trans genug zu sein, oder dass man ihm nicht glaubt. Von der ersten Spritze Testosteron, die – mit allen folgenden – dazu führte, dass ihm ein Bart wächst, den er als seine Lebensversicherung bezeichnet.

"Ich wünschte, meine Lebensgeschichte wäre schlüssig, geradlinig und nachvollziehbar. Doch sie ist es an vielen Stellen nicht", schreibt Linus Giese. Der Buchhändler und Blogger lässt uns an dieser Geschichte teilhaben, die geprägt ist von Veränderungen, von Entscheidungen, von Rück- und Fortschritten, von der Scham, die sein ganzes Leben durchzieht, von Selbstzweifeln. Und von schier grenzenlosem Hass, der ihm im Internet begegnet, von Stalking auf der Arbeit und zu Hause. Er schildert das kraftvoll und mit einer Ehrlichkeit, die ihn natürlich auch verletzlich macht. Genau darin liegt die große Stärke seines Buches.

Unsere Gesellschaft braucht Menschen wie Linus

Seine persönlichen Erfahrungen klären auf und machen das Buch zu einem idealen Weggefährten für alle trans (und anderen queeren) Menschen sowie ihre Eltern und Verwandten, die nach Orientierung und Identifikation suchen. Und eigentlich sollten alle Linus' Buch lesen, gerade auch ohne direkte Berührungspunkte zu trans Themen – die meisten können wahrscheinlich noch was dazulernen.

Linus Giese möchte nicht mutig genannt werden. "Als trans Mann zu leben, ist keine mutige Entscheidung, sondern eine notwendige", schreibt er. Recht hat er. Doch seine Sichtbarkeit ist alles andere als selbstverständlich. Sie ist bewundernswert, gerade wegen des Hasses, der ihm entgegenspringt. Unsere Community, unsere ganze Gesellschaft braucht Menschen wie Linus.

Infos zum Buch

Linus Giese: Ich bin Linus. Wie ich der Mann wurde, der ich schon immer war. 224 Seiten. rororo. Hamburg 2020. Taschenbuch: 15 € (ISBN 978-3-499-00312-7). E-Book: 9,99 € (ISBN 978-3-644-00664-5)


#1 Still_Ith
  • 18.08.2020, 12:31h
  • Fun fact: Bei Twitter steh ich auf seiner Blockliste, weil, während das für ihn nen therapeutischen und finanziellen Wert hat, sich über Transfeindlichkeit, Ausgrenzung und ggf. erlebte Gewalt auszukotzen und die zu kritisieren, ist ihm das, wenn ich es mache, zu "anstrengend" ^^

    Und wenn man sich als Trans*-Mensch mit seinen Cis-Freund*innen anlegt, weiß er auch recht gut, welche Rolle ihm dabei zusteht: Ihnen den Persilschein ausstellen, dass nix von ihrem Verhalten jetzt was mit Cis-Privilegien oder internalisierter Transfeindlichkeit zu tun hat. Weil, da er ja selbst trans ist, hat er offenkundig Durchblick genug, darüber zu richten, und ist absolut in der Position, zu bestimmen, was jemand mit ner <50-mutuals-Liste kritisieren darf und wo gut ist.

    So gern ich insofern bei sonnem Thema was Rezensierendes beitragen würde - inhaltlich wär das Buch für mich grundsätzlich nen Kandidat gewesen, worauf ich mich hätte freuen können. Nach der persönlichen Erfahrung erscheint's mir zu nem guten Teil aber als die pure Heuchelei.

    Heißt jetzt alles nicht, dass Cissen da nix von lernen könnten, und nicht sinnvolle Sachen drinstehen können, in denen wir ggf. einer Meinung wären. Bloß, dass ich den Trans-Kram einfach schon nen paar Jahre mitgemacht hatte, ehe er angefangen hat, die Erfahrungen zu sammeln, die er da öffentlichkeitswirksam verarbeiten muss.
    Irgendwie isses richtig, und ein Thema, das Leute, für die Transition nen Übergangsstadium ist, das sie nach so 2-5 Jahren hinter sich lassen, auch einfach nicht betreffen wird. Irgendwann wird es anstrengend.
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#2 zzzaaaAnonym
#3 Kritiker_inEhemaliges Profil
  • 18.08.2020, 17:31h
  • Antwort auf #1 von Still_Ith
  • Blocklisten sind dazu da, um sie nach eigenem Gusto zu nutzen und sich selbst zu schützen.

    Viele unterliegen dem Fehlschluss, im Web 2.0 müsse jede_r überall alles kommentieren dürfen.

    Wenn jemand auf seinem persönlichen Profil - sei es Twitter, Facebook, oder auch Blogs - die Kommentare einer bestimmten Person nicht haben möchte (und zwar aus welchen Gründen auch immer), wird diese Person damit leben müssen.

    Meinungsfreiheit bedeutet eben NICHT, dass man seine Meinung jederzeit ÜBERALL kundtun kann. Aus gutem Grund gibt es das virtuelle "Hausverbot". Man muss ja z.B. einen unliebsamen Menschen auch nicht in seine Wohnung lassen. Analog hat jeder Mensch das Recht, sein_ihr persönliches Profil und das, was darunter erscheint, so zu gestalten, dass es ihn nicht belastet.

    Damit werden wir alle leben müssen.
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